Wirkung verfehlt

Seitdem Luise nur noch eine oder zwei Schuhgrössen hinter mir her hinkt, gehören meine Schuhe nicht mehr mir. Gut, sie hat sie sich schon vorher immer zum Verkleiden geschnappt, aber jetzt macht sie Ernst damit. „Mama, kann ich heute deine Schuhe anziehen, ich kann meine nicht finden“, fragt sie, ehe sie zur Schule geht und mit unschuldigem Lächeln fügt sie hinzu: „Ich versorge sie auch ganz bestimmt wieder am richtigen Ort, versprochen.“ 

Ja, und dann sind meine Schuhe eben unauffindbar, wenn ich sie brauche, denn natürlich hat meine geliebte Tochter sie nicht mehr dort hingestellt, wo sie sie genommen hat und ich müsste das Prinzchen in High Heels zum Kindergarten begleiten, denn das sind die einzigen Schuhe, die Luise mir gelassen hat. Doch ich will die High Heels nicht, denn meine Füsse schmerzen noch von vergangenem Samstag, als ich den ganzen Tag in den Dingern herumstand. 

Erst wollte ich mich ja auf eine verzweifelte Schuhsuche begeben, doch dann dämmerte mir, dass es durchaus einen erzieherischen Wert haben könnte, barfuss zum Kindergarten zu gehen. Treffe ich nämlich auf meinem Weg ohne Schuhe an den Füssen auf Luises Schulkameradinnen, dann folgen wenig später mit Sicherheit die bissigen Kommentare: „Deine Mama hat sie ja nicht alle. Läuft ohne Schuhe durchs halbe Dorf…“ und dann schämt sich Luise in Grund und Boden und klaut mir meine Schuhe nicht mehr – oder stellt sie zumindest wieder an ihren Platz zurück. 

Luises Schulkameradinnen habe ich unterwegs tatsächlich angetroffen und sie haben auch voller Entsetzen auf meine nackten Füsse gestarrt – nackte Füsse sind für gewisse Kinder schlimmer als nackte Brüste -, ob sie bereits bei Luise über mich gelästert haben, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Natürlich musste ich mich auch der einen oder anderen Mutter erklären, doch keine wagte es, den Sinn meines erzieherischen Experimentes offen in Frage zu stellen.  Einzig Luise blieb ganz cool, als sie mich so sah: „Aber Mama, warum denn? Ich habe deine Flip Flops ja wieder dorthin gelegt, wo ich sie genommen habe.“ Was ganz und gar nicht stimmte…

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Heute

Der letzte erste Kindergartentag.

Der erste Kindergartentag bei einer Lehrerin, die nur eines unserer Kinder unterrichten wird.

Der vierte erste Schultag bei den gleichen Lehrerinnen. 

Der dritte erste Schultag bei der gleichen Lehrerin.

Der zweite erste Schultag beim gleichen Lehrer.

Der erste erste Schultag an der Oberstufe.

Der erste erste Schultag an dem „Meiner“ dabei sein konnte, weil sein erster Schultag mit seinen ersten Erstklässlern erst später anfing. 

Der erste Schultag überhaupt, an dem der FeuerwehrRitterRömerPirat freudenstrahlend nach Hause kam und sogleich seine Hausaufgaben erledigen wollte.

Der erste erste Schultag an dem der Älteste als Erster wieder zu Hause war.

Der erste erste Schultag, an dem ich eine der wenigen Mütter ohne quengelndes Kleinkind im Schlepptau war.

Der erste erste Kindergartentag, an dem unser Kind ab der ersten Minute schon voll dabei war und ab der fünften Minute der Lehrerin von seinen Sommerferien zu erzählen anfing. 

Der erste erste Kindergarten- und Schultag, an dem ich einfach nicht richtig sentimental werden wollte, weil ich das alles schon so oft mitgemacht habe.

Der erste erste Schultag, an dem ich alleine nach Hause ging, nachdem alle abgeliefert waren.

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Dringend zu erledigen

  • Mandarin lernen, von mir aus auch Finnisch oder Hebräisch. Einfach etwas, was unsere Kinder nicht verstehen können. „Meiner“ und ich riskieren bereits jetzt viel, wenn wir auf Englisch an unseren Kindern vorbei kommunizieren wollen, doch wenn Karlsson und Luise nun Englischunterricht bekommen, ist es endgültig vorbei mit der angelsächsischen Redefreiheit.
  • Mich endlich entscheiden, ob ich heulen oder jubeln soll, weil morgen nach fast dreizehn  Jahren mit stets mindestens einem Kleinkind im Haus ein neuer Lebensabschnitt anfängt.
  • Herausfinden, wann dieser Zahnarzttermin ist und zwar bevor ich ihn verpasst habe.
  • Diese elenden Katzenflöhe, die unser Schlafzimmer annektiert haben und „Meinen“ und mich dazu zwingen, im Wohnzimmer zu übernachten, ein für allemal in die Flucht schlagen. 
  • Reitstunden für Luise organisieren. Wenn dieses Kind nicht endlich ein Pferd unter seinen Hintern bekommt, treibt es mich noch in den Wahnsinn.
  • Den Monat August irgendwie abkürzen, damit das Loch, das die Ferienreise in die Kasse gerissen hat, wieder aufgefüllt wird.
  • Nachschlagen, wie hoch der Eifelturm ist. Ich hab’s dem FeuerwehrRitterRömerPiraten schon tausendmal versprochen und auch schon zwei oder dreimal getan, aber diese blöde Zahl will einfach nicht in meinem Kopf bleiben.
  • Dem Zoowärter und dem Prinzchen „Michel aus Lönneberga“, „Karlsson vom Dach“ und „Pippi Langstrumpf“ fertig erzählen. Wenn ich bloss noch wüsste, bei welchem Buch wir bei welchem Kapitel stehengeblieben sind…
  • Eine gewisse Routine beim Bewältigen des Alltags finden. Oder aber mich entscheiden, ob ich diese Routine überhaupt wieder will, oder ob wir alles anders machen sollen als vor den Ferien. 
  • Diese Mail beantworten und das Formular mit den Kakaoflecken ausfüllen und die Reklamation anbringen und das kaputte Ding entsorgen und die Unterlagen zusammensuchen und die anderen Unterlagen wegräumen, ehe sie auch noch Kakaoflecken bekommen…
  • Die Welt verändern. Keine Ahnung wie, aber irgendwie müsste das doch zu schaffen sein. 
  • Katzenfutter kaufen.

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Vielleicht

Vielleicht hätte ich heute über meine Tomaten geschrieben, denen es vollkommen egal ist, dass ich mich nicht an alle Regeln der Gärtnerkunst gehalten habe und die nun reichlich Früchte tragen, auch wenn mein Tomatenbeet derzeit eher einem Urwald gleicht.

Vielleicht hätte ich auch darüber geschrieben, dass die fünf Kinder, die in kurzen Abständen in unser Leben gepurzelt sind, nun auch in kurzen Abständen immer selbständiger werden, so dass ich plötzlich das Gefühl habe, nicht mehr richtig ausgelaugt zu sein.

Vielleicht hätte ich auch über die Seniorinnen gewettert, die heute ohne jeden Grund unsere Kinder zurechtgewiesen haben, oder ich hätte von der Verkäuferin geschwärmt, die ganz begeistert war, weil „die Fünf ja alle ihrer Mama gleichen“.

Vielleicht hätte ich darüber geklagt, wie alt ich mich fühle, weil morgen mein Neffe, den ich doch eben noch zum hundertsten Mal mit Stofftier und Schoppenflasche ins Bett zurückgeschickt habe, Hochzeit feiert. 

Vielleicht hätte ich auch ganz aufgeregt davon berichtet, dass heute die zwei Bücher, an denen ich in den vergangenen Monaten gearbeitet habe, in Druck gehen.

Aber über all dies mag ich nicht berichten, denn ich ärgere mich so masslos über die peinlichen Versuche, die Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz herunterzuspielen und ich weiss genau, dass ich darüber schreiben müsste, wie widerlich und beschämend ich das alles finde, aber mir fehlen dazu momentan einfach die Worte. 

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Zu Hause?

Natürlich fällt es mir jedes Mal schwer, wenn die Ferien zu Ende gehen, doch wenn die Koffer gepackt sind und wir im Zug sitzen, freue ich mich dann doch darauf, wieder zu Hause zu sein. Vielleicht ist es bloss eine Joghurtsorte, die ich im Ausland vermisst habe, vielleicht ist es auch ein unbequemes Bett, das mir die Rückkehr nach Hause erleichtert. Irgend eine Kleinigkeit finde ich immer, auf die ich mich freuen kann.

Fast immer. Diesmal halfen nämlich weder die Vorfreude auf Katzen, Wachteln und Garten noch die Aussicht auf eine endlich wieder stabile Internetverbindung. „Soll doch mein Leben nach Schweden kommen, ich habe nicht die geringste Lust, jetzt schon zu ihm zurückzukehren“, grollte ich, als sich der Zug Richtung Süden in Bewegung setzte.  Natürlich liegt dies zum Teil daran, dass ich seit Jahren nicht mehr so entspannt war wie in diesen viereinhalb Wochen, doch die Wurzeln meines Widerwillens, nach Hause zurückzukehren, liegen tiefer: Ich liege im Clinch mit meinem Herkunftsland.

Ausgeprägter Patriotismus war noch nie mein Ding, zurzeit aber muss ich darum ringen, überhaupt noch Gutes zu sehen. Denke ich an die Schweiz, dann kommen mir die Menschen in unserem Quartier in den Sinn, die wegen jeder Bagatelle die Polizei rufen – nicht nur wegen der Fensterscheibe, die der FeuerwehrRitterRömerPirat zertrümmert hat, sondern auch wegen Auswärtigen, die einfach so ihr Auto auf öffentlichen Parkplätzen abstellen, wenn sie im Quartier zur Arbeit gehen. Ich denke an das Totschläger-Argument „Das könnte unserer Wirtschaft schaden“, mit dem alles, was irgendwie anders wäre, als man es bisher gemacht hat, im Keim erstickt wird. Ich denke an das hohle Geschwätz von unserer „hohen Lebensqualität“, einer Lebensqualität, welche die Menschen scharenweise in den Wahnsinn treibt, wie auch immer dieser Wahnsinn aussehen mag. Ich denke an das vergiftete Klima, in dem jeder das Gefühl hat, der andere könnte ihm etwas von seinem Überfluss nehmen. Ich denke an das übersteigerte Selbstbewusstsein, mit dem wir uns einreden, bei uns sei fast alles besser als andernorts.

Ja, ich weiss, ich müsste daran denken, dass wir nicht nur mehr als genug zu Essen haben, sondern auch sehr gute Qualität und viel Abwechslung. Ich müsste daran denken, dass wir  nahezu unbegrenzte Möglichkeiten haben. Ich müsste daran denken, dass bei uns vieles sehr gut funktioniert und ich denke ja auch viel daran, doch irgendwie reicht mir das nicht mehr, um mich darüber zu freuen, wieder in dem Land zu sein, das meine Heimat ist. Vor allem, weil ich wieder einmal mit eigenen Augen gesehen habe, dass im verrufenen europäischen Ausland nicht alles so schlecht ist, wie man uns gerne glauben macht. 

Nun, wir sind wieder hier und ich werde Wege finden müssen, wieder gerne hier zu leben. Und bis ich diesen Weg gefunden habe, freue ich mich, dass es hierzulande an den Bahnhöfen Gepäckwagen gibt und dass mein Gemüse bei dem hier herrschenden Klima ganz prächtig gedeiht. 

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Alltagseinbruch

Ich geb’s ja nur ungern zu, aber auch in den Ferien gibt es Tage, die man am liebsten wieder vergessen möchte. Zum Beispiel heute, als ich mich im Einkaufszentrum aussetzen liess, in der Hoffnung, dort endlich WLAN zu haben, damit ich meine Kolumne schreiben und ein paar Rechnungen bezahlen kann. Zugang zum Internet gab es nicht, dafür riss der Riemen meines fast neuen Schuhs, also humpelte ich von einem Laden zum nächsten und schliesslich über die breite, viel befahrene Strasse, in der Hoffnung, irgendwo Schuhe in Grösse 37 zu finden und nicht nur riesige Latschen für Riesinnen. Fündig wurde ich schliesslich im Supermarkt. Als ich diesen verliess, waren „Meiner“ und die Kinder bereits vom Museumsbesuch zurück und ich fand keine Zeit mehr, meinen Ärger verpuffen zu lassen, also mussten sie als Abfalleimer herhalten. Frustriert liess ich mich auf eine Sitzbank fallen, wo ich ganz unerwartet auf Internet-Zugang stiess. Die Zeit reichte gerade mal, um drei Rechnungen zu begleichen, ehe meine Bank mich wissen liess, sie traue meiner Internet-Verbindung nicht, weshalb sie keine weiteren Daten mehr empfangen werde. Und weil jetzt a) der Akku des Laptops leer war und b) die Kinder nicht mehr länger auf mich warten mochten, suchte ich meinen Kram zusammen und verliess das elende Einkaufszentrum, nur um Augenblicke später mit Luise noch einmal zurückzukehren, weil sie keinen Augenblick länger ohne Flip Flops sein konnte.

Jetzt, wo dieser eine miese Ferientag zu Ende geht, quält mich nur noch die Frage, wie ich Kolumne und Rechnungen zu Ende bringen kann, ohne einen weiteren Alltagseinbruch erleben zu müssen.

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Zweite Etappe

Gewöhnlich würden unsere Familienferien ja spätestens nach zwei Wochen enden, doch diesmal folgte auf den Auszug aus dem roten Smålandhaus nicht die Rückreise in die Schweiz. Wir sind lediglich etwas weiter in den Süden gereist, in ein altes Schulhaus, wie es wohl die Bullerbü-Kinder besuchten. Eine gemütliche Wohnung mit traumhafter Aussicht, umgeben von hohen Bäumen und ganz nahe beim See gelegen. Noch einmal ein wahr gewordener Traum, diesmal in einer Gegend, in der alle paar Meter ein Hinweis auf eine Glasbläserei oder eine kulturelle Veranstaltung hinweist. Und das alles bei schönstem Sommerwetter.

Ehe ihr jetzt vor Neid erblasst, denkt bitte daran, dass wir nicht nur sehr viel Gepäck, sondern auch alle unsere Macken mit nach Schweden genommen haben. Deshalb brülle ich mehrmals am Tag: „Wollt ihr wohl endlich aufhören zu streiten! Könnt ihr denn nicht einen einzigen Augenblick lang die ganze Schönheit hier geniessen?“ Meistens sollten sich Luise und „Meiner“ angesprochen fühlen…

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Dialog am frühen Morgen

Mama: „Zoowärter, weisst du denn schon, was es heute zum Abschiedsessen im Kindergarten gibt?“

Zoowärter (noch ziemlich verschlafen): „Süssigkeiten…“

Mama: „Süssigkeiten? Soooo fein. Und was gibt es sonst noch?“

Zoowärter (überlegt lange): „Ketchup.“

Mama: „Und was noch?“

Zoowärter (überlegt wieder lange): „Pommes Chips.“

Mama: „Toll! Und was noch?“

Zoowärter: „Mayonnaise.“

Mama: „So ein tolles Menü für eine Abschiedsparty. Gibt es denn sonst noch etwas?“

Zoowärter (wie aus der Pistole geschossen, zumindest, wenn man bedenkt, dass er noch nicht ganz wach ist): „Wenn wir alles Ungesunde aufgegessen haben, dann essen wir Früchte.“

In den vergangenen Monaten habe ich viel gewettert über die Volksschule, aber solange es noch Kindergärtnerinnen gibt, die sich mutig über den „Wir machen immer alles auf den Punkt genau nach Vorschrift“-Wahn hinwegsetzen, ist noch nicht alles verloren. Ich bitte um einen grossen Applaus für die zwei tapferen Heldinnen.

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Zahnschaden

Natürlich haben wir es wieder falsch gemacht. Bei Prinzchens Zahnunfall Nummer 1 erklärte man uns, wir könnten getrost das Wochenende abwarten und dann am Montag zum Zahnarzt gehen. Bei den Milchzähnen könnte man ohnehin nicht viel machen und solange die Zähne nicht vollkommen schief stünden, sie es nicht dringend. „Was beim letzten Mal richtig war, wird auch jetzt nicht falsch sein“, sagte ich zu „Meinem“, als das Prinzchen wenige Tage später mit seinem Knie gegen die Zähne stiess. Aber natürlich lag ich mal wieder vollkommen daneben.

Was denn die Zahnärztin gesagt habe, wollte ich vom Prinzchen wissen, als er mit „Meinem“ wieder nach Hause kam. „Nicht mehr Trottinett fahren“, antwortete unser Jüngster betrübt und mir schwante Schlimmes. Solch drakonische Strafen spricht keiner ohne Grund aus.“Meiner“ bestätigte meine Befürchtungen: „Wir hätten sofort gehen müssen“, grummelte er, als ich ihn fragte, was denn los sei. „Wir haben viel zu lange gewartet. Die Zahnärztin hätte ihn nächste Woche gleich nochmals sehen wollen, aber weil wir weg sind, werden wir erst im August wissen, ob er seine zwei Schaufelzähne behalten kann.“ Und bis dahin soll unser Jüngster eben nicht ganz so wild sein wie gewöhnlich.

Da hätte die Frau dem Prinzchen die Zähne ja gleich rausnehmen können, denn wie wir ohne Valium und  Zwangsjacke  ausgerechnet dieses Kind vier Wochen davon abhalten sollen, zu rennen,  zu springen und  Trottinett zu fahren, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

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Programmänderung

Weil es in unserer Wohngemeinde seit Menschengedenken nicht vorgekommen ist, dass es am Wochenende, an dem das Schulhausfest stattfindet, geregnet hat, hat man irgendwann damit aufgehört, ein Schlechtwetterprogramm vorzubereiten. Wenn die Wetterfrösche zu Beginn der Woche auf Samstag eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Regen voraussagen, nimmt dieser Prognose keiner so richtig ernst, denn die Erfahrung zeigt, dass es an diesem bestimmten Wochenende gar nicht regnen kann. Es wird heiss sein, wie immer. Der Wetterdienst aber hält stur an seiner Prognose fest und irgendwann, am Freitagmorgen überlegen sich die Verantwortlichen, ob sie vielleicht doch allmählich eine Schlechtwettervariante präsentieren müssen. 

Diese Schlechtwettervariante sieht dann so aus: Das Rennen um den Titel des schnellsten Läufers des Jahrgangs wird abgesagt, oder vielleicht auch auf nach den Sommerferien verschoben, das weiss man jetzt noch nicht so genau, wir werden dann sehen. Die vorbereiteten Spiele finden nicht statt, die Vorführungen, für welche die Schüler geübt haben, jedoch schon und zwar im Casinosaal, ääääh, nein, vielleicht ist das Kirchgemeindehaus doch besser geeignet, dann machen wir es doch dort. Die Verpflegung, die man für hunderte von Schülern eingekauft hat, wird im Klassenverband gestaffelt eingenommen, damit kein Gedränge entsteht. Die Kindergärtner versammeln sich um 11 Uhr bei der Kirche und werden dort um 11:45 wieder entlassen. Die Viertklässler treffen sich 45 Minuten später beim Schulhaus, die Sechstklässler um 12 Uhr beim Hauswirtschaftsschulhaus. Bei den Zweitklässlern steht dort, wo stehen sollten, wann sie wo ihr Essen bekommen sollen „Siehe 2. Brief!“ und im zweiten Brief erfährt man, dass die Kinder um 11 Uhr im Schulzimmer erwartet und irgendwann – die Zeit wird nicht angegeben – beim Hauswirtschaftsschulhaus wieder entlassen werden. Gott sei Dank habe ich erst vier schulpflichtige Kinder, sonst könnte die Sache ein wenig unüberschaubar werden.

Schülerdisco und Werkausstellung finden statt und die Zweitklässler sind gebeten, ihre ausgestellten Gegenstände am Sonntagnachmittag wieder abzuholen. Die Sechstklässler sollen dies bitte erst am Montagmorgen vor Unterrichtsbeginn tun, bei den Viertklässlern weiss keiner so recht, wann der richtige Zeitpunkt zum Abholen gekommen ist. Und wir bedauernswerten Eltern sind darum gebeten, gemeinsam mit den bedauernswerten Lehrern den Überblick nicht zu verlieren, damit die bedauernswerten Kinder doch noch so etwas wie ein Fest erleben dürfen. Glaubt mir, ich bin von Herzen froh, dass die Wetterfrösche das heutige Wetter richtig vorausgesagt haben. Man stelle sich das Chaos vor, das entstanden wäre, hätte man eine Programmänderung an der Programmänderung vornehmen müssen.

Wie, ihr glaubt, ich würde mal wieder übertreiben? Dann müsst ihr es eben mit euren eigenen Augen sehen:

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