Schlechte Aussichten

Wer glaubt, seine Ehe habe gute Aussichten, nicht vor dem Scheidungsrichter zu enden, hängt einem Wunschdenken nach. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man die Schlussfolgerungen einer Studie der Genfer Fachhochschule für Wirtschaft betrachtet. Wenn ich die Ehe von „Meinem“ und mir im Lichte dieser Studie, oder zumindest im Lichte dessen, was die Zeitung über diese Studie geschrieben hat, anschaue, so sieht es ziemlich düster aus für uns.

Nehmen wir nur schon mal das erste Kriterium: „Beide sind Schweizer“. Da kann schon mal der grösste Teil der Weltbevölkerung den Scheidungsantrag ausfüllen. Und auch ein nicht unerheblicher Anteil der in der Schweiz wohnhaften Personen, zumindest, wenn man den Begriff „Schweizer“ so eng definiert wie dies gewisse rechtsgerichtete Kreise tun. In deren Augen zum Beispiel ist und bleibt „Meiner“ ein Ausländer, auch wenn er hier geboren und aufgewachsen ist, hier das Lehrerdiplom erworben hat, hier fünf Schweizer Bürger gezeugt hat und seit ein paar Jahren den Schweizer Pass besitzt. Und deshalb weiss ich nicht, ob unsere Ehe in den Augen der  Verfasser der Studie gute oder schlechte Chancen hat. Denn ob „Meiner“ ein Schweizer ist oder nicht, liegt hierzulande im Auge des Betrachters.

Aber schauen wir uns das nächste Kriterium für eine glückliche Ehe an: Die Eheleute „haben keine früheren Scheidungen hinter sich“. Nun, zumindest hier sind wir auf der sicheren Seite, da wir noch immer in erster Ehe leben und auch weiterhin vorhaben, dies zu tun. Ob wir das jedoch schaffen werden, ist fragwürdig, da ja die Frage, ob „Meiner“ nun Schweizer ist oder nicht, nicht abschliessend geklärt werden kann. Und auch bei Punkt drei sieht es für uns nicht gerade rosig aus.

„Er ist mindestens fünf Jahre älter als sie“. Okay, ich denke mal, ich muss doch die Scheidungspapiere bestellen. Allein der Altersunterschied von „Meinem“ und mir von 36 Stunden scheint ein schlimmes Handicap zu sein. Dass aber ich diejenige mit den 36 Stunden Vorsprung bin, vergrössert das Risiko einer Scheidung bestimmt ungemein. Ich meine, man stelle sich bloss all die Spannungen vor, die „Meiner“ und ich wegen meiner viel grösseren Lebenserfahrung durchzustehen haben…

Einen kleinen Hoffnungsschimmer bietet das letzte Kriterium: „Sie ist gebildeter als er“. Ich finde zwar, „Meiner“ und ich stünden hier etwa auf gleichem Niveau, aber vielleicht hilft es ja unserer Ehe doch, dass ich die Uni von innen gesehen habe, während „Meiner“ auf den akademischen Werdegang ganz verzichtet hat.

Wie man sieht, räumt die Studie unserem Eheglück keine grossen Chancen ein. Einfach erstaunlich, dass ich in den fast zwölf Jahren, die wir nun verheiratet sind, noch nichts von all den Problemen gemerkt habe. Vielleicht ist „Meiner“ eben doch ein „richtiger“ Schweizer…

Der Prediger

Es kommt nicht so sehr darauf an, wie alt die Mädchen sind, die bei uns zu Besuch kommen. Ob sie nun sieben sind und Jungs so ziemlich das Letzte finden auf diesem Planeten, zwölf und den Kopf voller „Stars“ haben, oder siebzehn und schon drei gescheiterte „Beziehungen“ hinter sich haben, sie bekommen alle die gleiche Predigt zu hören von „Meinem“: „Heirate auf keinen Fall einen Macho. Verstanden? Keiner, der sich von dir bedienen lässt. Keiner, der dich die ganze Hausarbeit alleine machen lässt und nur vor der Glotze hockt. Du musst dir unbedingt einen guten Mann aussuchen, klar?“ Was „Meiner“ damit eigentlich sagen will: „Wenn du heiratest, achte darauf, dass du einen Mann findest wie ich einer bin.“

Ob ich dem guten Mann etwas gar zu oft sage, wie glücklich ich mich schätze, dass ich mir ausgerechnet ihn geangelt habe?

Spielplatz

Seit etwas mehr als achtzehn Jahren tummeln wir uns jetzt auf diesem Spielplatz, „Meiner“ und ich. Eine traumhafte Anlage, schön gelegen, mit unzähligen Spielmöglichkeiten, gemütlichen Sitzbänken und Picknick-Gelegenheiten, lauschigen Plätzen. Einfach alles, was das Herz begehren könnte. Anfangs konnten wir nicht genug davon bekommen, all die verschiedenen Spielgeräte zu erkunden: Wir kletterten wagemutig auf dem Kletterturm, drehten auf dem Karussell bis uns schwindlig war, wühlten uns genüsslich durch den Sandkasten und schauten, wer die schönere Sandburg bauen kann. Nach einer Weile hatten wir genug gespielt und wir genossen das süsse Nichtstun. Wo ist es gemütlicher? Im Weidenhaus oder beim Fussbad im klaren Bach? Wo lässt es sich besser quatschen? Auf der Parkbank oder am Picknicktisch mit einem randvoll mit Leckerbissen gefüllten Korb? Die Möglichkeiten waren grenzenlos. Wir liebten diesen Spielplatz.

Wir lieben ihn noch immer. Aber der Spielplatz gehört nicht mehr uns alleine. Das Karussell wird von anderen in Beschlag genommen, der Kletterturm auch. Und „Meiner“ und ich haben immer mehr die Aufgabe übernommen, dafür zu sorgen, dass die anderen glücklich sind auf unserem Spielplatz. Wir passen auf, dass sich niemand weh tut, wir sorgen dafür, dass der Picknickkorb nie leer wird, wir stehen am unteren Ende der Rutschbahn und fangen die Rutschenden auf, wenn sie zu schnell unterwegs sind. Wir achten darauf, dass der Spielplatz sauber bleibt, dass er so einladend ist, wie wir ihn angetroffen haben. Wir sind fast rund um die Uhr damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass dieser Spielplatz ein Ort bleibt, an dem man sich gerne aufhält, dass er ein Ort bleibt, an dem Viele glücklich sein können und nicht bloss wir zwei. Wir lieben diese Aufgabe.

Doch manchmal möchten wir auch ein wenig spielen. Aber das einzige Spielgerät, dass uns bleibt, ist die „Gigampfi“, in Deutschland besser bekannt unter dem Namen Wippe. Fast täglich stehlen wir uns mal kurz zwischendurch für ein paar Minuten weg, um zu wippen und das seit Jahren schon. Am Anfang machte das durchaus Spass: Auf und ab, auf und ab, auf und ab. Irgendwann aber wurde es schwierig. Ich blieb unten, „Meiner“ versuchte mit aller Kraft, mich nach oben zu bringen und schaffte es nicht mehr. Zumindest nicht mehr alleine. Die Leute eilten ihm zu Hilfe, damit ich wieder hochkommen konnte. Und es gelang, es geht wieder weiter wie zuvor: Auf und ab, auf und ab, auf und ab.

So langsam aber haben „Meiner“ und ich genug gewippt. Wir möchten ganz gern mal wieder rutschen, oder klettern, oder am allerliebsten schaukeln. So richtig hoch hinaus, mit viel Schwung und diesem unglaublichen Gefühl im Bauch, dass es keine Grenzen gibt. Mal schauen, ob bald mal eine Schaukel für uns zwei frei wird…

Heute nichts Neues

Und zwar nicht, weil ich einen langweiligen Tag erlebt hätte. Auch nicht, weil es nicht unzählige schöne Momente gegeben hätte. Und erst recht nicht, weil mir ausnahmsweise nicht zig Ideen und Sätze durch den Kopf schwirren würden. Sondern einfach, weil ich viel zu müde bin. Weshalb ich zu müde bin? Da fragt ihr am besten das Prinzchen…

Rosarote Brille

Nun also zu den neugeborenen Müttern. Darüber wollte ich ja schreiben, bevor unser Internetverbindung sich gestern ganz eigenmächtig eine Pause verordnet hatte. Diese Internetverbindungen glauben, sich alles erlauben zu können, aber das ist ein anderes Thema.

Also, diese neugeborenen Mütter erkenne ich auf den ersten Blick und das ohne, dass ich das Baby an ihrer Seite gesehen haben muss. Ich meine die Mamas, die erst ein paar Tage alt sind. Die mit den viel zu grossen, in der Bauchregion ausgebeulten Kleidern. Die mit dieser unglaublich blassen, fast durchscheinenden Haut, mit diesem leicht schwankenden Gang, mit diesem weggetretenen Blick, der sagt: „Eigentlich sollte ich glücklich sein und ich bin es wohl auch, aber ich habe eben erst vor ein paar Tagen das unglaublichste Erlebnis meines Lebens hinter mich gebracht und ich weiss noch nicht, was auf mich zukommt und überhaupt bin ich erst vor ein paar Stunden aus dem Spital entlassen worden und das alles überfordert mich unglaublich.“ Meistens sehe ich diese neugeborenen Mütter im Einkaufszentrum, an ihrer Seite ein neugeborener Vater, den ich daran erkenne, dass er ganze Zehn Minuten darauf verwendet, sich dafür zu entscheiden, ob die blaue oder die weisse Babybadewanne besser zum Stubenwagen passt. Und daran, dass er morgens um halb elf Zeit hat, sich in der Babyabteilung über die perfekte Farbe einer Babybadewanne den Kopf zu zerbrechen.

Wenn mein Auge das alles registriert hat, dann sollte ich eigentlich schleunigst Kehrt machen, denn als Nächstes kommt das Baby in mein Blickfeld und dann ist es um mich geschehen. Dann muss ich mich mit aller Kraft zurücknehmen, um nicht einen laaaaaaangen, sehnsüchtigen Blick in den Maxi Cosi – neugeborene Eltern transportieren ihre Babys beim ersten Einkauf fast immer im Maxi Cosi – zu werfen. Und die Mama zu fragen, wie denn die Geburt verlaufen sei. Und wie schwer das Baby sei. Wie gross. Wie es heisse. Ob es mit dem Stillen gut laufe. Wo sie geboren habe. Ob sie jemanden habe, der ihr zu Hause helfe. Und dann würde ich mich vielleicht sogar dazu erdreisten, das arme Kindchen zu berühren und ich weiss ja, wie neugeborene Eltern das hassen. Und dann würde ich vielleicht mit Tränen in den Augen davon erzählen, wie wundervoll doch diese ersten Tage mit dem Baby immer gewesen seien. Bei meinen fünf Kindern, die ich übrigens alle ohne Kaiserschnitt geboren hätte, die alle immer ganz brav gewesen seien und mich nie, aber auch gar nie, ermüdet und gestresst hätten…

Und dann würde ich dastehen als die erste Mama auf diesem Planeten, die einen nahtlosen Übergang von der Mama am Rande des Nervenzusammenbruchs zur sentimentalen, besserwisserischen Oma geschafft hat. Und das, bevor sie nur annähernd alt genug ist, Oma zu werden.

Wenn Mama Venditti offline ist, ….

….. dann gerät sie in Panik. Und zwar heftig. Denn wenn Mama Venditti offline ist, dann ist sie abgeschnitten vom Leben. Kann nicht mal kurz zwischendurch bei Ricardo nach günstigen Inline-Skates für Karlsson stöbern, kann nicht in einer freien Minute die Software für die Steuererklärung runterladen und das lokale Steuerbüro damit beeindrucken, dass sie die Steuererklärung in Rekordzeit abliefert, kann keine Geschenke für all die frisch geborenen Babys im Bekanntenkreis besorgen und hat somit auch keine Ausrede, nach zuckersüssen Babysachen zu stöbern und – das Allerschlimmste – sie kann nicht bloggen. Und das, obschon der Post über die neugeborenen Mütter schon pfannenfertig im Kopf ist.

Schrecklich, kann ich da nur sagen. So schrecklich, dass der ganze Abend ruiniert ist und am Morgen noch vor dem Frühstück und dem Kuscheln mit den Kindern ein langes Telefonat mit der Dame bei Sunrise auf dem Programm steht.  Aber wie man sieht hat’s genützt. Ich bin wieder ein ganzer Mensch.

Und seitdem ich heute Morgen, als die Sunrise-Hotline noch nicht offen war, im Jokers-Katalog gestöbert habe –  und ich meine jetzt in einem echten Katalog, auf Papier gedruckt. Dass es so etwas noch gibt -, seit ich also in diesem Katalog gestöbert habe, weiss ich auch, wie man Mamas nennt, die zu viel Zeit vor dem Computer verbringen: Mousewife.

Was, bitte sehr, ist „zu viel Zeit vor dem Computer“?

Ein Klacks

Vielleicht hatte ich einfach keine Lust, einen weiteren verregneten Sonntagnachmittag mit der „NZZ am Sonntag“ auf dem Sofa zu verbringen? Vielleicht hatte ich auch das Gefühl, unsere Kinder könnten mal wieder etwas Kultur vertragen? Vielleicht war mir auch einfach langweilig? Vielleicht fand ich, „Meiner“ hätte auch ein wenig Ruhe verdient, nachdem er mich vier Tage alleine hatte ziehen lassen? Oder vielleicht wollte ich mir einfach etwas beweisen? Ich weiss nicht so recht, was es war, aber irgend etwas trieb mich dazu, heute Mittag den wahnwitzigen Entschluss zu fassen, alleine mit Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter nach Basel ins Puppenhausmuseum zu fahren. Mit dem Zug. Ist ja ein Klacks, mit vier Kindern alleine unterwegs zu sein, das sind ja nicht so viele, wie ich theoretisch mit mir mitschleppen könnte. „Meiner“ hat solche Ausflüge ja zig Mal unternommen, als es mir nicht gut ging. Damit die Sache nicht allzu langweilig würde, erlaubte ich jedem Kind, einem Teil seines Taschengeldes mitzunehmen, weil ich weiss, dass sie an keinem Museums-Shop vorbeikommen, ohne Geld zu verschleudern. Aber wenn sie schon Geld verschleudern wollen, dann sollen sie das mit ihrem eigenen tun. Ich verschleudere ja auch mein eigenes, oder zumindest dasjenige, das mir „Meiner“ grosszügigerweise zur Verfügung stellt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir hatten Spass. Die Kinder sehr viel und ich ein bisschen. Nachdem ich auf dem Weg zum Bahnhof etwa fünfmal den Tarif durchgegeben hatte, verhielten sich die Kinder auch mustergültig: Sassen artig im Zug, stiegen brav an meiner Hand ins Tram, staunten sich im Museum fast die Augen aus dem Kopf und Luise fiel beinahe in Ohnmacht ob all der wunderschönen Puppen. Die Kinder stellten tausend Fragen, ich bemühte mich, sie alle wahrheitsgetreu und möglichst fundiert zu beantworten und wir alle zusammen freuten uns an den unzähligen Teddybären, den zierlichen Puppenmöbeln und den witzigen Sujets. Es was einfach traumhaft, genau so, wie ich mir das Muttersein einst vorgestellt hatte.

Und dann kam der Museumshop. Der FeuerwehrRitterRömerPirat und Luise erledigten ihren Einkauf in Rekordzeit, der Zoowärter am Anfang auch: Er riss kurzerhand das Preisschild von einem Plüschdelfin und damit war das gute Stück gekauft, da kennt man im Puppenhausmuseum kein Pardon. Und dann lag der Zoowärter plötzlich schreiend und mit feuerrotem Kopf auf dem Fussboden, weil er gar keinen Delfin haben wollte sondern einen Löwen. Im Puppenhausmuseum scheint man derartiges noch nie gesehen zu haben. Dies zumindest schliesse ich daraus, dass die Verkäuferinnen sich zwar angestrengt darum bemühten, sich nicht aufzuregen, es dann aber nicht lassen konnten, vor den Augen unserer anderen Kinder entnervt den Kopf zu schütteln. Während ich versuchte, den Zoowärter zu beruhigen und gleichzeitig darauf achtete, dass kein Kunde im Getümmel versehentlich auf meinen lieben kleinen Jungen trat, konnte Karlsson sich einfach nicht entscheiden, was von all den tausend Sachen er denn jetzt kaufen wollte. Irgendwann entschied er sich für eine winzige „St. Edward’s Crown“, echt vergoldet, zu einem Wucherpreis erhältlich. Das ganze Puppenhausmuseum atmete erleichtert auf, als Venditts endlich draussen waren.

Schön für die anderen. Bei mir ging der Stress erst los: Der Zoowärter brüllte weiter, ganz Basel starrte uns entsetzt an. „Das Kind hat Hunger“, schoss es mir durch den Kopf. Ich hatte die Wahl zwischen Sushi-Bar, Asiatischen Nudeln und Mc Donald’s. Ratet mal, wo wir landeten… Und nicht nur wir landeten, sondern auch der halbe Liter Cola Light, den ich mir gegönnt hatte, landete. Auf der Treppe. Aber immerhin hatte der Zoowärter sich inzwischen beruhigt. Irgendwie schaffte ich es, die Raubtiere zu füttern, mich durch die Menschenmassen zu kämpfen, ohne ein Kind zu verlieren – es war inzwischen dunkel geworden – und den Zug nach Hause zu erwischen. Wo eine Horde biertrinkender junger Erwachsener die „Familienzone“ besetzt hatten und sich darüber ärgerten, dass der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat etwas aufgedreht waren. Ich hätte sie ja darauf hinweisen können, dass sie gefälligst unsere Plätze freigeben sollten, doch nachdem ich mich bei Mc Donald’s schon mit zwei Teenagern angelegt hatte, verspürte ich keine Lust mehr auf weitere Kämpfe. Zumal ich nicht wusste, wie viel Bier die jungen Männer bereits intus hatten.

Der Rest der Heimfahrt verlief ereignislos. Bis auf die Episode am Bahnhof Olten, wo Luise aus lauter Langeweile um die Sitzbank zu rennen begann und ihre jüngeren Brüder dazu verleitete, es ihr nachzutun und den Geleisen gefährlich nahe zu kommen. Ach ja, und dann verschwand auch noch der Zoowärter in der Dunkelheit und wir hätten beinahe den Delfin verloren, den der Zoowärter inzwischen sehr lieb gewonnen hatte. Aber sonst war da wirklich nichts mehr.

Ist doch wirklich  ein Klacks, so ein Sonntagnachmittags-Ausflug.

Weichgeklopft

Wer mich kennt, weiss, wie sehr ich Besuche beim Coiffeur liebe. So sehr nämlich, dass seit meinem letzten Haarschnitt bald ein Jahr verstrichen ist. Und das sieht man irgendwann. Wenn an den Haarwurzeln braun, dunkelblond und grau wirr durcheinander spriessen, der untere Teil aber noch immer so etwas wie blond ist und alle Haare zusammen so lang sind, dass des Prinzchens Speisereste drin kleben bleiben, dann sehe ich irgendwann aus wie eine langhaarige Vogelscheuche. Eine alternde, langhaarige Vogelscheuche. Und dann findet „Meiner“, es müsse etwas geschehen. Aber ich weiss zu verhindern, dass etwas geschieht: Ich gebe alles Geld, das man für Coiffeurbesuche gebrauchen könnte, so schnell als möglich aus. Weg damit, bevor „Meiner“ auf die Idee kommt, er könnte für mich einen Termin bei Jolanda, Monika oder Manuela vereinbaren. So kann ich dann jedesmal, wenn er auf das leidige Thema zu sprechen kommt, darauf hinweisen, dass wir einfach kein Geld haben für derlei unnützen Kram. Alles schon ausgegeben für eine dringend nötige Schwarzteelieferung, einen Stapel Bücher, Kursmaterial, etc.

So langsam hat „Meiner“ aber genug. Woran ich das merke? Nun, er schöpfte den Kindern, den Gästen und sich selber den Teller voller Essen und liess mich leer ausgehen. Und das nicht nur einmal, nein, sogar zweimal. Oder er „vergass“ mir ein Glas hinzustellen. Subtile Nadelstiche, um mir zu zeigen, dass er mich einfach ignorieren würde, wenn ich weiterhin wie eine langhaarige Vogelscheuche daherkäme. Und da ich keine Lust habe, zu verhungern oder zu verdursten, habe ich ihm schliesslich erlaubt, meine Haare zu schneiden. Da es wie erwähnt in unserem monatlichen Budget gerade keinen Spielraum für einen Besuch bei Jolanda, Monika oder Manuela gibt. Und so hat eben „Meiner“ Hand angelegt. Jetzt sehe ich nicht mehr aus wie eine langhaarige Vogelscheuche, sondern wie eine schulterlanghaarige. Mal sehen, ob ich jetzt wieder etwas zu Essen bekomme, oder ob „Meiner“ auch noch drauf besteht, dass ich mir die verbliebenen Haare töne, bevor er mich wieder füttert.

Wenn Mama & Papa Venditti in den Ausgang gehen….

…. dann entscheiden sie frühestens um halb sieben am Abend, wohin sie denn gehen wollen. Denn vorher kann man nie sicher sein, dass nicht doch noch eines der Kinder sich entschliesst, krank zu werden, nur damit Mama und Papa zu Hause bleiben.

….. dann kocht Mama bis zwanzig vor acht Bitterorangen-Marmelade ein und treibt damit Papa, der die Kinder alleine ins Bett bringen muss, beinahe in den Wahnsinn. Denn Papa mag keine Bitterorangen-Marmelade und deshalb findet er es vollkommen daneben, dass Mama beinahe den Ausgang vermasselt wegen dem (aus seiner Sicht) grässlichen Zeug.

….. dann stellen sie mitten in der Stadt fest, dass sie gar nicht nachgeschaut haben, in welchem Kino der Film läuft, für den sie Plätze reserviert haben.

…… dann wird ihnen an der Kasse klar, dass sie gar keine Plätze hätten reservieren müssen, denn den Film, den sie ausgewählt haben, schauen sich ausser ihnen nur noch ein paar Teenager an, die bei „Avatar“ keinen Platz mehr bekommen konnten.

…… dann platzen sie zehn Sekunden vor Filmbeginn ins Kino und müssen sich somit wenigstens keine Werbung reinziehen.

….. dann stellt Papa im Kinosaal fest, dass seine Hose voller Tomatenflecken ist und outet sich damit als der einzige Hausmann unter den drei oder vier Männern, die ausser ihm im Saal sitzen.

….. dann schauen sich Mama und Papa entsetzt an, als der Film beginnt. Sie, weil sie Angst hat, die laute Musik könnte das Prinzchen wecken, er, weil er auch findet, dass „es ein bisschen laut ist“ hier.

…… dann seufzt das ganze Publikum „Jöööööh, wie herzig“, als das Paar am Ende des Films endlich ein Baby hat. Mama und Papa aber schauen einander an und sagen: „Unsere sind schöner“.

…… dann sparen sie das Geld für den Babysitter, weil der Nachbar, ebenfalls Papa von vier Kindern, so nett ist, die fünf kleinen Vendittis zu hüten. Das gesparte Babysitter-Honorar spenden sie der Stadtpolizei Aarau, weil Papa in der Eile vergessen hat, dass Parkuhren hungrige kleine Biester sind.

Neueste Erkenntnisse

Wie immer, wenn man reist, kehrt man mit vielen neuen Erkenntnissen nach Hause. Die wichtigsten davon möchte ich meinen überaus geschätzten Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten. Hier also sind sie, die Wichtigste zuerst:

Auszeiten sind die grossartigste Erfindung der Menschheit. Und alle Mütter, die behaupten, man solle lieber keine Auszeit nehmen, weil danach die Realität umso schlimmer sei, liegen falsch. Komplett falsch. Und ob man’s glaubt oder nicht: Ein Grossteil der Mütter kämpft sich noch immer nach dem Motto „Augen zu und durch“ durchs Leben, woran sie allerdings längst nicht immer selber Schuld sind.

Computer-Solitaire ist ein doofes Spiel. Aber leider ein doofes Spiel, das süchtig macht, wenn man gerade eine Schreibblockade zu überwinden versucht.

Saunabaden hilft gegen fast jedes kleine Leiden. Einzig gegen Halsschmerzen kommt man damit nicht an. Man verschlimmert sie bloss damit.

Wenn man drei Nächte hintereinander durchgeschlafen hat, ist man ein anderer Mensch. Und zwar ein so anderer, dass man sich selber nicht mehr wieder erkennt, weil man beinahe platzt vor lauter Fröhlichkeit.

Es ist tatsächlich wahr, dass man während einer Zugfahrt im Internet surfen kann. Man sollte es nicht für möglich halten. Und falls das bereits jeder, mit Ausnahme von mir, ausprobiert hat, dann bedenkt bitte, dass ich weit weit hinter dem Mond lebe, wo man von solch neumodischen Dingen nur vom Hörensagen weiss.

Wenn man einen ganzen Tag lang einen Laptop in einer Plastiktüte mit sich herumschleppt, schmerzen am Abend die Handgelenke. Wenn man dazu auch noch zwei Kilos Bitterorangen schleppt, schmerzen die Handgelenke noch mehr.

Tamilen sind Menschen, die ganz eindeutig nicht aus der Schweiz stammen, aber sie können ausgezeichnet kochen. Diese erstaunliche Erkenntnis stammt allerdings nicht von mir, sondern von zwei älteren Damen, die heute mit mir im selben Zug unterwegs waren und die ihr neu erworbenes Wissen unbedingt mit der Welt teilen wollten.

Männer sind durchaus fähig, einen Haushalt zu schmeissen und für fünf Kinder zu sorgen, auch wenn zahlreiche Ländli-Gäste dies zu bezweifeln wagten. Und zwar so gut, dass man nicht gleich wieder rückwärts das Haus verlässt, wenn man über die Schwelle tritt. Man darf sich nur nicht so sehr darüber aufregen, dass der ganze Kühlschrank gefüllt ist mit Migros-Budget-Produkten.

Papa ist der perfekte Hausmann, aber er kann keine Omeletten backen. Auch diese Erkenntnis stammt nicht von mir, sondern von Luise.

Töchter können noch so laut heulen, dass man wegfährt, wenn man wieder nach Hause kommt,  freuen sie sich dennoch mehr über ihren ersten losen Zahn als über die Rückkehr von Mama.

Und zum Schluss noch ein Bild von meinem hinreissenden Badeanzug, der aufgrund seiner Mängel nie, aber auch gar nie, erleben wird, wie es sich anfühlt, wenn man nass wird. Es sei denn, es erbarme sich eine Leserin des hässlichen Stücks…