Entspannungssamstag

Ein überaus lieber Mensch hat „Meinem“ und mir eines der schönsten Geschenke gemacht, das man Eltern mit vielen Kindern überhaupt machen kann: ein freier Samstagnachmittag mitten in der Vorweihnachtszeit. Während sie mit unseren Kindern Guetzli ausstach, konnten wir sechs Stunden lang tun und lassen, was auch immer wir wollten. Bloss, was will man, wenn die eigenen Wünsche immer erst an letzter Stelle kommen? Unglaublich viel und die Versuchung ist gross, so viel als möglich in diesen einen wunderbaren Tag zu füllen. Fast wären wir dieser Versuchung erlegen, hätten dies und jenes erledigt, wären da und dort hingegangen, doch nachdem wir uns im Möbelhaus in aller Ruhe die Dinge ausgesucht hatten, die unsere renovationsbedürftigen Zimmer dringend benötigen, beschlossen wir, dorthin zu gehen, wo wir viel zu selten sind.

Na ja, so selten nun auch wieder nicht, wenn ich’s recht bedenke. Aber es fühlt sich halt so anders an, wenn die Kinder nicht dabei sind. Stiller, gemütlicher, unglaublich entspannend – ein Ort, an dem man alles loslässt, was einem im Alltag zu schaffen macht, wo man einfach sich selbst sein und die Zweisamkeit geniessen kann.

Kaum zu glauben, wie friedlich unsere vier Wände sind, wenn wir sie mal ein paar Stunden nur zu zweit teilen. 

Na ja, vorausgesetzt natürlich, man hat sich vor dem freien Nachmittag  ins Zeug gelegt und mit den Kindern aufgeräumt und geputzt.

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Falsche Prioritäten?

Die Facebook-Moralapostel mit ihren bunt hinterlegten Sinnsprüchen verkünden momentan ja gerne solche Sätze wie „Kein Mensch hat keine Zeit – nur falsche Prioritäten“, irgendwie noch verwurstet mit der Aussage, wer nicht pausenlos mit seinen Freunden abhänge, sei ein mieser Kerl, der kein Interesse an seinen Mitmenschen habe. 

Nun, ich kann nicht beurteilen, wie das bei anderen Menschen läuft, aber wenn ich mein Leben so betrachte, sehe ich das ein wenig anders. Dreimal raten, was mir lieber wäre: Mit einem netten Menschen einen Kaffee trinken, oder zum hundertsten Mal die Klobürste mit Backpulver und Essig sauber machen, weil das sonst eine äusserst unappetitliche Sauerei gibt? Mit meiner Familie friedlich zu Mittag essen, oder zwischen zwölf und eins fünfmal das Telefon zu ignorieren versuchen, was aber irgendwann auch nichts mehr bringt, weil gewisse Leute äusserst hartnäckig sind, wenn sie eines meiner Familienmitglieder sprechen wollen? Eine liebe Person, die gerade eine schwere Zeit durchmacht, anrufen, oder diese elenden Formulare ausfüllen, die mir die Versicherungsgesellschaft zum sofortigen Ausfüllen ins Haus flattern lässt, weil meine mündliche Auskunft offenbar nicht reicht? Ganz spontan zum Open House einladen, oder die Familie von einem nicht verschiebbaren Pflichttermin zum nächsten zu hetzen? Mit einer Horde lieber Menschen an einem schönen Ort vier Wochen Ferien machen, oder dafür sorgen, dass Ende Monat Geld auf dem Konto ist?

Falsche Prioritäten? Manchmal vielleicht schon. Sehr oft aber auch einfach ein modernes Leben mit unzähligen kleineren und grösseren Verpflichtungen, die sich zwischen uns und unsere Mitmenschen drängen. 

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Appetitzügler

Unsere Kinder essen mit Genuss, was man denen, die eher nach mir kommen, phasenweise auch ansieht, denen, die nach „Meinem“ kommen hingegen nicht so sehr. Einem – ich werde in diesem Falle keine Namen nennen – sieht man es momentan gerade deutlich an, was vermutlich damit zusammenhängt, dass das betreffende Kind bis vor Kurzem davon ausging, man sei erst satt, „wenn es weh tut“, wie es zu sagen pflegte. Diesem Kind versuchen wir nun beizubringen, wo die Grenze zwischen satt und pappsatt liegt, was bei diesem sensiblen Thema nicht gerade einfach ist. Bringt mal einem, der sich gerade mit vor Vorfreude glänzenden Augen die dritte gehäufte Portion auf den Teller geschaufelt hat, schonend bei, etwas weniger wäre mehr. Das geht nur selten ohne Tränen. Dennoch versuchen wir, den nahezu grenzenlosen Appetit auf diplomatische Art und Weise in etwas gemässigtere Bahnen zu lenken. 

Heute ging es trotzdem wieder schief, als das Kind nur wenige Augenblicke nach drei grossen Portionen Lauchpastete genussvoll zwei Lussekatter verspeiste, die ich heute Morgen gebacken habe. Das sei nun wirklich etwas viel, vor allem wenn man an den Hosenknopf denke, der sich heute früh nicht habe schliessen lassen, bemerkte „Meiner“ vorsichtig und auch ich mahnte, der Magen brauche ganz dringend eine Pause. Das war zu viel, das Kind brach in Tränen aus und stiess unter lautem Schluchzen hervor: „Aber wie soll ich denn weniger essen, wenn Mama immer so viele gute Sachen macht?“

Ja ja, schiebt nur immer schön der Mama die Schuld in die Schuhe…

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Vom Freitag, der lieber ein Sonntag gewesen wäre

„Ich glaube, ich will heute ein Sonntag sein“, sprach der Freitag, als er aus dem Fenster blickte und sah, dass es draussen kühl, grau und regnerisch war. „Kerzenschein, viel Tee und guten Lesestoff, das ist es, was die Menschheit heute braucht.“ „Vergiss es“, knurrte der Alltag. „Heute wird aufgeräumt, geputzt, chauffiert, gestritten, korrespondiert, eingekauft und im Wartezimmer gesessen. So ein gewöhnlicher, alter Freitag kann doch nicht einfach daherkommen und behaupten, er sei ein Sonntag, bloss weil es vom Wetter her gerade passen würde.“ Der Freitag fügte sich, seufzend zwar und mit einer gewissen Trägheit, aber er tat, was Freitage eben tun müssen und seufzte nur gelegentlich: „Ach, wäre ich doch bloss ein Sonntag.“

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Meine sehr verehrten medizinischen Fachleute

Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass ich eine grosse Achtung vor Ihnen habe. Nie könnte ich, was Sie tagtäglich mit viel Kompetenz und grosser Gelassenheit erledigen, deshalb käme ich nie auf die Idee, mich unüberlegt in Ihre Angelegenheiten einzumischen. Sie können also davon ausgehen, dass ich meine Kritik nur anbringe, weil ich nicht anders kann.

Es ist so: Wenn Sie einem wie „Meinem“ eine Vollnarkose verpassen, dann können Sie den nicht einfach so ganz ohne Vorschriften nach Hause entlassen. So einem müssen Sie klipp und klar sagen, dass er jetzt ein, zwei Tage Ruhe braucht. „Woher sollen wir wissen, wie ‚Ihrer‘ tickt? Den meisten Menschen ist klar, dass man nach einer Vollnarkose nicht gleich wieder in der Weltgeschichte rumfurzt“, entgegnen Sie, aber diesen Einwand kann ich nicht gelten lassen. Einen Patienten, den man dazu zwingen muss, seine Frau anzurufen, damit sie ihn holen kommt, weil er sonst den Bus nehmen würde, muss man auch dazu zwingen, sich von dem Zeug, das Sie ihm reingelassen haben, zu erholen, das sollte Ihnen doch klar sein. „Aber der kommt doch aus Süditalien und süditalienische Männer sind bekannt für ihre Wehleidigkeit. Dem muss man doch keine Pause verordnen, sonst geht der in diesem Jahr nicht mehr arbeiten“, wenden Sie ein, aber das zieht bei „Meinem“ nicht. Der ist nicht aufzuhalten, süditalienische Herkunft hin oder her. Wenn der Arzt nicht seinen Notizblock hervorkramt und eines seiner kunstvollen, unleserlichen Zeugnisse kritzelt, ist der nicht zu stoppen.

„48 Stunden Bettruhe, Netflix und viel Schokolade“, hätten Sie auf den Zettel kritzeln müssen und dann hätte er vielleicht einen halben Tag Ruhe gegeben, aber natürlich ist Ihnen sowas nicht in den Sinn gekommen. Ganz ohne Anweisungen haben Sie ihn nach Hause geschickt und mir bleibt dann die undankbare Aufgabe, ihn mit aller Macht davon abzuhalten, sich mit frisch operierter Hand, von der Narkose beduselt, ans Steuer zu setzen und zur Arbeit zu fahren. Wobei er sich nur vom Autofahren hat abhalten lassen. Zur Arbeit ist er trotzdem gegangen. Und zwei Stunden später kreidebleich und sehr verwirrt wieder zurück gekommen. Warum die im Spital ihm nicht gesagt hätten, er solle besser noch ein wenig im Bett bleiben, wollte er ganz verdattert wissen. Ihm sei plötzlich so schwindlig geworden. Und so speiübel. Was das wohl sein könne…

Ja, warum haben Sie ihm nichts gesagt? Jetzt mault er zu Hause rum und meint, er sei ein Drückeberger, weil Sie ihm nicht erklärt haben, dass man sich nach einer Vollnarkose noch ein wenig Ruhe gönnen sollte.

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un sogno diventa realtà; prettyvenditti.jetzt

Baumfrage geklärt

Also, das mit den Tannenbäumen wird mir allmählich zu doof. Jedes Jahr einen armen, ermordeten Baum ins Wohnzimmer zu stellen, um ihn dort verdorren zu lassen und irgendwann im Frühling, wenn ich endlich Zeit dazu finde, der Grünabfuhr zu übergeben, das kann ich nicht mehr verantworten.

Das  mit dem künstlichen Tannenbaum finde ich aber ebenso doof. Ist doch vollkommen abwegig, ein hässliches Etwas aus Plastik, das aussieht wie ein armer, ermordeter Baum, ins Wohnzimmer zu stellen, um es dort verstauben zu lassen und irgendwann im Frühling, wenn ich endlich Zeit dazu finde, in einem entlegenen Winkel der Wohnung zu verstauen, wo ich es nächstes Jahr bestimmt nicht wieder finde. Biologisch abbaubar wäre das Zeugs auch nicht und obendrein quälte mich der Gedanke, ich würde meiner Schwiegermama, die seit Jahren auf ihr Plastikbäumchen schwört, allmählich ähnlich. 

Gar keinen Tannenbaum zu haben, finde ich irgendwie halt doch auch doof. Gerade in diesen trüben Zeiten, in denen die Mächtigen wieder glauben, die Welt werde sicherer, wenn man nur möglichst viele Waffen anschafft, sehne ich mich nach Frieden in den eigenen vier Wänden, und den haben wir ganz bestimmt nicht, wenn ich verkünde, wir würden in Zukunft auf das Bäumchen verzichten. Nennt mich ruhig eine Memme, aber diesen Kampf will ich mir nicht antun, das Leben mit fünf Heranwachsenden bietet auch so schon mehr als genug Stoff für Konflikte. 

Einen Tannenbaum zu mieten, den ich nach dem Fest der Gärtnerei zum weiteren Hegen zurückgebe, finde ich grundsätzlich ganz und gar nicht doof, mein Bankkonto hingegen weigert sich rundheraus, drei- oder viermal mehr für einen Mietbaum herzugeben als für einen armen, ermordeten. Da kann ich noch lange erklären, der Gärtner müsse doch auch entschädigt werden für den Pflegeaufwand, den so ein Bäumchen übers Jahr mit sich bringt, mein Konto bleibt stur und rückt das Geld nicht raus. 

Einen Tannenbaum im Topf zu kaufen, der nach Weihnachten in einem etwas grösseren Topf weiter wachsen darf, nächstes Jahr wieder ins Wohnzimmer kommt und irgendwann, wenn er zu gross für die Stube ist, einen festen Platz im Garten zugewiesen bekommt, erscheint mir da als die beste Lösung. Das Gewissen ist entlastet, weil es sich nicht für den Tod eines unschuldigen Bäumchens verantwortlich fühlt. Mein ästhetisches Empfinden wird nicht durch dem Anblick einer künstlichen Tanne beleidigt. Mein Konto ist zufrieden, weil ein glückliches, eingetopftes Bäumchen nicht mehr kostet als ein armes, ermordetes. Die Grüne in mir jubelt laut, weil ein Bäumchen, das ganz aus der Nähe stammt, bei uns ein dauerhaftes Zuhause bekommt. Der Familienfriede ist gewahrt und die fürsorgliche Mama, die neulich beschlossen hat, immer mal wieder einen Baum zu pflanzen, um kommenden Generationen auf diesem geplagten Planeten ein paar sichere Werte zu hinterlassen, hat das Gefühl, einen unglaublich guten Entscheid getroffen zu haben. 

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Umleitung

Wer lesen möchte, was ich heute geschrieben habe, muss sich auf die swissmom-Seite bequemen, denn ich war ganz und gar mit meiner Kolumne – und ein paar Wichtelgeschenken, die unsere Kinder ganz dringend auftreiben mussten – beschäftigt. 

 

Verstehen wir uns jetzt, Herr Hamchiti?

Also, Herr Hamchiti, buchstabieren wir das noch einmal miteinander durch, damit Sie endlich verstehen: Beim Ackermann-Versand können Sie von mir aus weiterhin Ihre alte Nummer, die seit ein paar Jahren die Unsere ist, angeben, denn da ich dort nie bestelle ist die Sache jeweils relativ schnell geklärt. Dass Ihre Oma aus dem Kosovo noch immer die alte Zahlenkombination eingibt, wenn sie mit Ihnen plaudern will, stört mich auch nicht. Im Gegenteil, ich finde es ganz unterhaltsam, aus ihrem Geschwätz, von dem ich kein Wort verstehe, herauszuhören, dass auch Sie mit einer Frau vom Schlage meiner Schwiegermama klarkommen müssen. Die vielen Telefonverkäuferinnen, die eigentlich Ihre Frau und nicht mich suchen, will ich Ihnen auch nicht übel nehmen, weiss ich doch aus eigener Erfahrung, wie hartnäckig diese Damen gewöhnlich sind. Und dass Ihnen hin und wieder beim Arzt die alte Telefonnummer rausrutscht, erfüllt mich mit Sorge. Wie schlimm muss es um Sie stehen, wenn Sie nicht mal Ihre Personalien fehlerfrei herunterbeten können? 

Mit all dem könnte ich leben, mein lieber Herr Hamchiti, wenn Sie sich endlich an die eine Bedingung halten könnten, die ich Ihnen stelle, nämlich die, bei Scherereien mit der Polizei nie – aber auch wirklich gar nie – Ihre alte Nummer anzugeben. Sie müssen verstehen, Herr Hamchiti, auch ich werde älter und ängstlicher, weshalb meine Begeisterung über frühmorgendliche Anrufe der Gesetzeshüter allmählich schwindet. Ich muss das nicht alles wiederholen, wir haben vor ziemlich genau einem Jahr schon mal ausführlich darüber geredet und darum möchte ich bloss noch einmal in aller Klarheit festhalten: Wenn Sie wollen , dass wir Freunde bleiben, ziehen Sie mich gefälligst nicht in Ihre Konflikte mit der Polizei hinein. 

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Zukunft gesichert

Geschäfte zu machen ist heute nicht mehr so einfach wie früher mal. Franz Carl Weber kann sich die Zürcher Bahnhofstrasse nicht mehr leisten, Modeketten verschwinden vom Markt, „Meiners“ allerliebste Brocki machte neulich den Laden dicht und heute malte auch das Prinzchen ein düsteres Zukunftsbild. Wenn nicht bald ein paar Kunden in seinen Laden kämen, warnte er, müsse er demnächst schliessen. Erst wollte ich ihn nicht so recht ernst nehmen. So schlimm könne es um seine Geschäfte ja nicht stehen, meinte ich, immerhin verlangten wir für die Ladenfläche keine Miete, für seine Grundbedürfnisse sei bestens gesorgt und ausserdem müsse er keine Löhne entrichten, aber genau in diesem letzten Punkt irrte ich. Ob ich denn vergessen hätte, dass er neulich den Zoowärter als Verkäufer eingestellt habe, wollte das Prinzchen wissen. Der verlange doch sage und schreibe eine Gewinnbeteiligung von 50%, das sei nicht ganz ohne.

Weil aber das Prinzchen keiner ist, der jammert, fügte er sogleich an, er hätte da ein paar Neuheiten im Sortiment, die mich interessieren könnten. Zudem biete er jetzt Hauslieferungen an, auch sonntags habe er bis 21 Uhr geöffnet und Karlsson bekomme als verspätetes Geburtstagsgeschenk einen Rabattgutschein. Solchen Angeboten kann man natürlich nur schwer widerstehen und nachdem nun auch der FeuerwehrRitterRömerPirat einen grosszügigen Preisnachlass auf eine doppelt vorhandene Legopackung versprochen bekommen hat, kann man davon ausgehen, dass die Existenz von Prinzchens Laden bis auf Weiteres gesichert ist. 

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Adventsferien

„Meiner“ hat für dieses Jahr fertig aufgeklärt, der Adventsmarkt liegt hinter uns, ein einziger kleiner Auftrag ist noch zu erledigen und dann steht für ein paar Wochen nichts als ganz normaler Alltag auf dem Programm. Fast schon Ferien also. Was mich zur Schlussfolgerung verleitet, dass sich die Adventszeit ganz entspannt angehen lässt, wenn man im November für einen richtig vollen Terminkalender sorgt.