Happy Birthday, FeuerwehrRitterRömerPirat!

Sechs Jahre ist es her, seitdem du in unser Leben geplatzt bist, zwei Wochen früher als eigentlich erwartet, an jenem wunderbaren Sommerabend, als alles nach Lindenblüten duftete. Sechs Jahre ist es her, seitdem dich die damals noch sehr kleine Luise mit einer zum Glück nicht allzu heftigen Ohrfeige im Kreise unserer Familie willkommen hiess. Sechs Jahre ist es her, seitdem du nachts jeweils aufgeschreckt bist, weil du den Lärm der Baumaschinen vermisstest, die dich in den ersten Monaten deines Lebens ständig begleiteten.

Hätten „Meiner“und ich unser Familienleben je minutiös geplant, man hätte sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt für ein weiteres Kind aussuchen können: Die Wohung  mitten im Grossumbau, der am Ende acht Monate dauern sollte, das Konto meistens bereits am Ersten des Monats leer, die Mama seit einem Jahr arbeitslos und der Papa mitten in einer Weiterbildung, drei Kinder in Windeln. Kurz und knapp ausgedrückt: Stress pur.

Und dann kamst du, hast dich in unsere Arme gekuschelt, hast bei uns die Ruhe gesucht und uns dadurch immer wieder gezeigt, dass alles Hetzen nichts bringt und dass es jetzt einfach Zeit ist, innezuhalten. Mit deinen ersten Worten „ou, dööön!“ (Oh, schön!), hast du uns mitten im Bauchaos auf das Schöne hingewiesen, mit deinem herzlichen Lachen hast du dafür gesorgt, dass uns auch dann, als uns nicht ums Lachen war, die Freude am Leben nicht verging. Du warst dieses unglaubliche Geschenk, das uns trotz allen Durcheinanders nicht vergessen liess, was wirklich zählt im Leben.

Und ein Geschenk bist du noch heute. Keiner strahlt so wie du, wenn er glücklich ist, weil er seine Fussballausrüstung bekommen hat. Keiner freut sich wie du, wenn er mit Papa endlose Stunden im Kunsthaus verbringen darf. Keiner zwingt einen so zum Nachdenken wie du, wenn du eine tiefsinnige Frage stellst, wenn du eigentlich die Schuhe anziehen solltest, um rechtzeitig in den Kindergarten zu kommen. Keiner fordert einen so heraus wie du, wenn du nicht so willst wie wir und uns damit dazu bringst, neue Wege zu suchen, anstatt jedes Kind über den gleichen Kamm zu scheren. Keiner bringt mein Herz so zum Schmelzen wie du, wenn du einfach so, wenn ich es am wenigsten erwarten würde, zeigst, wie gern du mich hast.

Lieber FeuerwehrRitterRömerPirat, du kannst dir nicht vorstellen, wie gerne ich deine Mama bin!

Einer dieser Tage

Man sollte ja eigentlich meinen, in den Ferien würde auch das Leben einem zur Abwechslung mal eine  Verschnaufpause gönnen, würde einen verschonen mit Alltagskram, würde dafür sorgen, dass von den sieben Ferientagen keiner zu einem dieser Tage wird. Was für einen Tag ich meine? Na eben, einen dieser Tage….

die schon mitten in der Nacht damit beginnen, dass das Prinzchen eine volle Windel hat und die Feuchttücher spurlos verschwunden bleiben, auch wenn man die ganze Ferienwohnung danach absucht.

Einer dieser Tage, die damit weitergehen, dass der Zoowärter noch vor acht Uhr früh einen Tobschutanfall kriegt, weil er nicht mit Karlsson und  Luise zum Spielplatz gehen darf, weil er noch nicht angezogen ist und ausserdem drei Unterhosen übereinander trägt.

Einer dieser Tage, an denen schon vor dem Frühstück drei Trinkgläser in die Brüche gehen.

Einen dieser Tage, an denen der Zoowärter nicht nur einmal oder zweimal, sondern dreimal das Betadine-Bad verschüttet, in dem er seine eitrige Wunde, die er sich am Finger zugezogen hat, baden soll.

Einen dieser Tage, an denen man sich irgendwann dazu entschliesst, Wäsche zu waschen, weil der Tag ohnehin im Eimer zu sein scheint.

Einen dieser Tage, an denen gleich beide Waschmaschinen belegt sind und man sich schliesslich dazu gezwungen sieht, die frisch gewaschene Wäsche von wildfremden Menschen sorgfältig aus der Maschine zu nehmen und fein säuberlich hinzulegen, weil auch nach  langem Warten noch keiner gekommen ist, um die Waschmaschine wieder freizugeben. Und man kann ja nicht ewig warten. Irgendwann, solange das Prinzchen noch schläft, der Zoowärter mit „Meinem“ im Wald ist und Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat ihren „grossen Piratentag“ haben, müsste man doch wenigstens ein klein wenig des verpassten Schlafes nachholen.

Einen dieser Tage, an denen dich, kaum bist du eingeschlafen, die Kinderbetreuung anruft, um dich zu bitten, du mögest doch bitte Karlsson abholen kommen. Dem armen Jungen sei ganz schlecht geworden.

Einen dieser Tage, an denen du einmal mehr nicht weisst, wie du dein enttäuschtes Kind trösten sollst, wie du ihm erklären sollst, dass Viren keine Ferien machen, wie du ihm helfen sollst, möglichst schnell wieder gesund zu werden, damit nicht der ganze Spass ohne ihn stattfindet.

Einen dieser Tage, an denen der Zoowärter findet, er müsse jetzt endlich herausfinden, ob man auch aufwärts pinkeln kann und danach auf der Sauerei, die er angerichtet hat, ausruscht.

Einen dieser Tage, an denen du das Leben anflehst, es möge doch bitte berücksichtigen, dass man in den Ferien sei und deshalb keine Lust habe, sich mit Alltagskram herumzuschlagen.

Einen dieser Tage, die man am besten so schnell als möglich wieder vergisst.

Dienstag, 13. Juli 2010

Heute nach dem Mittagessen sind wir mit dem Bus nach Brunnen gefahren. Im Bus hatte es sehr viele alte Leute, die uns böse angeschaut haben. In Brunnen haben wir mit dem Motorschiff „Schwyz“ eine Rundfahrt auf dem Urnersee gemacht. Wir haben das Rütli gesehen und ganz viele gelbe Fahnen mit einem schwarzen Stierenkopf. Mama hat gesagt, das sei der Uristier. Mama hat uns von Wilhelm Tell und Friedrich Schiller erzählt und sie hat gesagt, dass es den Wilhelm Tell nicht richtig gegeben hat und dass sie das Rütli zwar schön findet, dass sie aber all den patriotischen Kram blöd findet und da hat ein alter Mann sie ganz böse angeschaut. Auf dem Schiff war es sehr schön.

Vielleicht war es aber auch ganz anders, nämlich so: Heute Nachmittag habe ich, Diego Benaglio, Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft, mit meiner Familie, die mich aus unerfindlichen Günden immer Zoowärter nennt, eine Schiffsrundfahrt gemacht. Unser Schiff hiess „Die grausige Marianne“ und ich  habe ganz viele Piratenschiffe und gelbe Piratenflaggen mit schwarzen Totenköpfen gesehen. Später, als wir in Brunnen auf den Bus warteten, habe ich Maria und Josef gesehen. Mama hat zwar behauptet, das wären Nonnen gewesen, aber ich bin mir ganz sicher, dass das Maria und Josef waren.

Es könnte aber auch so gewesen sein: Im Bus hatte es viel zu viele Leute und ich durfte nicht neben Papa sitzen. Auf dem Schiff, das nicht einmal ein Dampfschiff war, windete es ganz furchtbar und weil ich das irgendwann fast nicht mehr ausgehalten habe, musste ich innen sitzen und ich habe fast die ganze Fahrt verpasst. Auf der Rückfahrt im Bus hätte ich lieber neben Mama sitzen wollen, aber die sass neben dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und erzählte ihm noch einmal von Wilhelm Tell und ich konnte nichts davon verstehen. Das ist so unfair. Immer erzählt sie den anderen Geschichten. Und dann durften wir heute nicht mal ins Schwimmbad gehen, dabei haben Mama und Papa doch versprochen, wir dürften jeden Tag baden gehen. Und dann hat Papa auch noch ganz lange mit uns geschimpft, weil wir immer motzen würden. Dabei motzt hier doch gar keiner.

Vielleicht aber hört sich die Geschichte auch so an: Heute habe ich sechsmal die Windeln nass gemacht und zweimal auf den  Fussboden gepinkelt. Mama will einfach nicht verstehen, weshalb ich mir jedes Mal die Windel ausziehe, wenn ich gepinkelt habe. Weiss die denn nicht, wie unangenehm es ist, im Nassen zu sitzen? Und dann hat sie doch allen Ernstes versucht, mich aufs Töpfchen zu setzen. Ach ja, dann habe ich auch noch ein Schiff gesehen und Enten und Spatzen und Schwäne. Und ein Eis habe ich auch gegessen. Aber das mit den Windeln war mir heute eigentlich wichtiger.

Vielleicht aber könnte man den Tag auch so zusammenfassen: Heute war ein wunderschöner Tag. Ich kann gar nicht sagen, was mir am besten gefallen hat. Es war einfach alles grossartig. Und dann habe ich mir erst noch ein Souvenir aussuchen dürfen und meine Geschwister auch.

Wie es wirklich war? Das kommt ganz darauf an,welchen Venditti man fragt. Wenn ihr mich fragen würdet, würde ich sagen, es sei eine perfekte Mischung von allem gewesen. Aber mich fragt ja keiner…..

Von Fussball- und anderen Verrückten

So ein kleines bisschen in Verlegenheit gebracht hat er uns ja schon mit seinem Geburtstagswunsch, unser FeuerwehrRitterRömerPirat: Ein Schweizer Fussballdress mit Schienbeinschonern, Fussballschuhen und Ball. Wie soll man dies als Nicht-Fussballfan und nicht sonderlich patriotisch eingestelltes Elternpaar bloss fertigbringen, ohne den Verdacht zu erwecken, die Sache mit dem Nicht-Fussballfan und nicht sonderlich patriotisch eingestellt sei bloss gespielt? Zumal zu dem Zeitpunkt, als unser Sohn seinen Herzenswunsch äusserte, die WM eben gerade begonnen hatte und die Dinge für die Schweiz noch eher rosig aussahen. Hätten wir in jenen schon fast vergessenen Tagen den Einkauf getätigt, die Verkäuferin hätte uns wohl mit einem feurigen „Hopp Schwiiiiiiz!“ begrüsst. Und das Fussball-Tenue hätte ein Zehnfaches seines üblichen Preises gekostet.

Also warteten wir ab, bis die Fussballbegeisterung im Lande etwas abgekühlt war. Dass sie mit dem frühen Ausscheiden der Schweizer Nationalmannschaft so rapide absinken würde, hätten wir natürlich auch nicht erwartet. Und so wagten wir uns in jenen Tagen des allgemeinen Katzenjammers wieder nicht in die Läden, weil wir fürchteten, wir müssten am Boden zerstörtes Verkaufspersonal trösten. Ausserdem war es nun wirklich nicht der geeignete Zeitpunkt, um ein T-Shirt mit Schweizerkreuz zu kaufen. Wer will denn schon sein über alles geliebtes Kind als Loser abstempeln? Nur so nebenbei bemerkt: Wie sehr wir unseren Dritten lieben, merkt man nicht alleine daran, dass wir ihm Fussballkleidung kaufen, ihm erlauben, ins Fussballtraining zu gehen und ihm versprechen, bei seinen Spielen voller Begeisterung dabei zu sein, nein, wir halten uns gar auf dem Laufenden über sämtliche grossen Fussballturniere, damit wir ihm am Morgen jeweils die aktuellen Resultate liefern können.

Und weil wir uns natürlich auch gestern auf dem Laufenden  hielten, sahen wir heute den Zeitpunkt gekommen, endlich das Geburtstagsgeschenk einzukaufen. Jetzt, wo fest steht, dass die Schweizer die einzigen waren, die an dieser WM dem Weltmeister die Stirn bieten konnten, muss man ja nicht mehr vor lauter Scham im Boden versinken, wenn man ein Schweizer-Trikot kauft. Und vielleicht gibt’s die Dinger ja jetzt im Sonderangebot, dachten wir uns und begaben uns frohgemut nach Schwyz zum Einkauf, während unsere vier grösseren Kinder das Kinderprogramm in Anspruch nahmen.

Aber in Schwyz scheint man nichts von Fussball zu halten. Im Geschäft Nummer1, einem national bekannten Sportgeschäft, beschied man uns, Fussballsachen habe man nicht, man sei hier „nicht so in“. Im Geschäft Nummer 2 empfahl man  uns ein Einkaufzentrum an einem anderen Ort, dort gebe es ein grosses Sportgeschäft. Doch bevor wir unser übermüdetes Prinzchen mit einer weiteren Autofahrt stressen wollten, schauten wir noch kurz bei Geschäft Nummer 3 vorbei. Und wurden endlich fündig: Eine komplette Schweizer-Ausrüstung und einen Italien-Fussball. Wie war das nochmals mit Loser? Aber wir sagten uns „Nach der WM ist vor der WM“ – es gibt bestimmt irgend einen frustrierten Fussballtrainer, der solche nichtssagenden Sätze von sich gibt, oder? – und kauften die Sachen. Und jetzt freuen wir uns auf Freitag, wenn unser fussballverrückter FeuerwehrRitterRömerPirat endlich seinen Herzenswunsch erfüllt bekommt. So sind wir nun mal, wir  kinderverrückten Eltern….

Ach übrigens, von wegen verrückt: Wie durchgeknallt muss man denn sein, um im strömenden Gewitterregen mit dem Laptop durch die ganze Ferienanlage zur Lobby zu rennen, wo man triefend nass – zum Glück gibt’s hier keine „Wet-T-Shirt-Contests“, sonst würden die noch glauben, ich wollte auch mitmachen – einen Blogpost in die Tasten zu hauen, während im Hintergrund eine Hotel-Pianistin „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ heult und die Gäste mitheulen?

So habe ich mir das nicht vorgestellt

Zugegeben, mit der Zeit hat mir das Ganze schon ein wenig zugesetzt, dieses ewige Schulterzucken, dieses Hochziehen der Augenbrauen, dieses „Na ja, wenn ihr meint. Als wir dort waren, da war es einfach furchtbar….“ wann immer wir jemandem erzählten, dass wir unsere einzige Ferienwoche dieses Sommers in Morschach verbringen würden. Jeder ist schon in Morschach gewesen und jeder weiss eine Schauergeschichte zu erzählen. Mit der Zeit wagte  ich kaum mehr, zu sagen, wohin wir fahren, weil ich die Reaktion fürchtete. Und dabei zähle ich mich nicht zu den Menschen, die glauben, nur Ferien am Meer oder an  exotischen Destinationen seien richtige Ferien. Im Gegenteil: Ich bin dankabr, dass wir uns überhaupt hin und wieder Ferien leisten können. Und wenn wir die schönsten Tage im Jahr nicht im Zelt verbringen müssen.

Deshalb haben mich die verhaltenen Reaktionen der anderen mit der Zeit nicht nur verunsichtert, sondern irgendwann auch genervt. Müssen die mir die Freude verderben, bloss weil ihnen die Destination nicht passt? Wenn mir jemand sagt, er fahre auf die Malediven, dann frage ich ja auch nicht, wie er es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, seinen Urlaub in einem streng muslimischen Staat zuverbringen, der Andersgläubige aufs Strengste verfolgt, auch wenn mir genau die Frage auf der Zunge liegt.

Nach all den Reaktionen in unserem Bekanntenkreis fürchtete ich schon, die kommenden sieben Tage in einem staubigen, halb verfallenen Loch zu verbringen, ohne Sonnenschein, ohne Spass, ohne Komfort. Hätte ich die Zeit gehabt, ich hätte  zu Hause präventiv Cortison inhaliert, weil ich nach all den Horrorbeschreibungen mit einem schlimmen Asthmaanfall in den ersten drei Minuten unseres Aufenthalts gerechnet hatte. Ich hatte mich innerlich also auf das Schlimmste vorbereitet und vorsoglich schon mal einen Notfallplan ausgearbeitet: Ein Stapel Bücher, mit dem ich die schlimmen Tage hinter mich bringen könnte.

Ich hatte mich so sehr damit abgefunden, dass diese Ferien wohl ein riesiger Reinfall sein würden, dass ich jetzt fast ein wenig überfordert bin mit der Realität: Eine blitzsaubere, unlängst renovierte Wohnung mit dem nötigen Komfort ausgestattet, ein eingezäunter Spielplatz gleich vor der Haustüre, freier Eintritt ins Erlebnisbad, die Sauna fast gratis, Kinderwagen, Kinderbett und was des Prinzchens Sonderwünsche sonst noch wären, vorhanden, Ludothek, Bibliothek und und und.

Also wirklich, so habe ich mir das Ganze nicht vorgestellt. Ob ich mich beschweren soll? Also, ich meine natürlich bei den Schwarzmalern….

Reisefertig?

Ferienvorbereitungen im Hause Venditti:

1. Schichtschlafen
„Meiner“ von 8 bis 9 Uhr morgens, ich von 9 bis 10 Uhr morgens, dann ein kurzer Auftritt beim Kindergartenabschlussfest, ein Blitz-Mittagessen und wieder zwei Stunden schlafen. Wie? Ob wir in den Süden verreisen und deswegen für die lange Autofahrt vorschlafen müssen? Aber nicht doch! Wir finden es einfach nur schön, uns für einmal den Luxus ausgedehnter Nickerchen zu leisten. Ist doch egal, dass wir eigentlich anderes zu tun hätten….

2. Fünf Kilo Sauerkirschen einmachen
Nein, wir haben keinen Sauerkirschenbaum. Aber wenn die Nachbarin einem so grosszügig wunderbar reife Sauerkirschen in Hülle und Fülle anbietet, kann man doch unmöglich nein sagen, auch wenn man eigentlich Koffer packen sollte. Und wenn man da noch dieses wunderbare Rezept für Sauerkirschen-Schokoladen-Chili-Confiture zum Ausprobieren hat, dann müssen andere Dinge eben warten.

3. Kirschenentseiner kaufen
Was kann ich denn dafür, dass das uralte Modell, das wir uns bis letzen Sommer mit meiner Mutter geteilt haben, den Geist aufgegeben hat?

4. Lesen
Jedes Buch, das ich schon zu Hause fertig gelesen habe, nimmt weniger Platz im Koffer weg. Also schnell alles lesen, dann müssen wir nicht so viel einpacken. Ausserdem habe ich dann eine Ausrede, mir am Ferienort neue Bücher zu kaufen, denn was sind denn schon Ferien ohne Bücher?

5. Gäste bekochen
Wenn man für ganze sieben Tage verreist, dann
muss man doch einfach vorher Gäste einladen. Die erkennen einen ja sonst nicht mehr, wenn man nach so langer Abwesenheit wieder zurückkommt.

6. Nachrichten schauen
Wenn Moritz Leuenberger findet, er müsse ausgerechnet heute seinen Rücktritt erklären, wo es nach seinen 15 Jahren im Bundesrat nun wirklich nicht auf die eine Woche mehr angekommen wäre, dann können wir das nicht ignorieren. Ich weiss auch nicht, weshalb der gute alte Moritz seine Rücktrittsankündigung nicht besser mit unseren Ferienplänen abgestimmt hat.

7. Mit dem Zoowärter im Garten Fussball spielen
Wenn der Zoowärter sich entscheidet, dass er jetzt gleich Schweiz gegen Brasilien spielen will – ich bin die Schweiz, er ist Brasilien – dann muss das unverzüglich getan werden und dann spielt es überhaupt gar keine Rolle, dass beide Mannschaften schon längst ausgeschieden sind und dass die WM ohnehin fast vorbei ist. Dann zählt nur, wer wie viele Tore schiesst. Oder genauer gesagt: Dann zählen nur die Tore, die Brasilien schiesst, auch wenn die Schweiz viel öfter getroffen hat.

8. Fliegen töten
Und zwar möglichst viele. Ich will doch nicht in einer Woche in eine mit Maden verseuchte Wohnung zurückkehren…..

9. Luxemburgerli essen, welche die Gäste mitgebracht haben
Die Dinger müssen weg und zwar schnell. In einer Woche sind sie nicht mehr gut und für die Reise taugen sie auch nicht.

10. Kofferpackenzugbillettlösenpicknickpackenreiseunterlagensuchenfahrplanausdrucken
benzintankenstrassenkartestudierengrünabfalleerenkühlschränkeleerenundausschalten
wäscheaufhängengartenbewässernpoolabdeckenwohunungaufräumen

Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, nicht wahr?

Es gibt Au-Pairs, …..

….  denen kann man Kohlrabi in die Hand drücken und sie fragen nicht „Was ist denn das?“ sondern sie nehmen ein Rüstmesser zur Hand und machen sich daran, das Ding zu schälen und in Würfel zu schneiden.

…. denen kann man sagen, dass man jetzt Vollkornbrot backen möchte und sie rümpfen nicht die Nase, sondern beginnen zu strahlen, weil sie sich darauf freuen, anständiges Brot zu essen. Und dann machen sie sich mit Leidenschaft daran, das Korn zu mahlen.

…. denen kann man sagen, dass man jetzt eine Zeit lang lesen möchte und die fassen das nicht als Aufforderung auf, einem jetzt endlich über alle Details des letzten Liebeskummers zu berichten, sondern die schnappen sich selber auch ein Buch.

….. denen kann man zutrauen, dass die Kinder heil nach Hause kommen, auch wenn der Bus ohne Mama Venditti, aber mit Au-Pair und Kindern abgefahren ist, weil Mama Venditti und der Billettautomat sich mal wieder in die Haare geraten sind.

….. denen kann man sagen, dass die Kinder jetzt kein Eis mehr haben dürfen und dann bekommen die Kinder auch kein Eis, auch wenn Mama Venditti schon längst nicht mehr hinschaut.

…… bei denen das Bild, das sie im Internet abgegeben haben, mit der Realität übereinstimmt.

…… denen kann man sagen, dass man sie nach der Schnupperwoche sehr gerne einstellen würde, weil man merkt, dass die Chemie einfach stimmt.

Es geschehen doch tatsächlich noch Zeichen und Wunder….

Ja

Zwölf Jahre ist es her, da haben „Meiner“ und ich ja gesagt. Ja zu einem Leben zu zweit, zu einem Leben, das wir uns etwa so vorgestellt hatten: Ein paar Jahre die Zeit zu zweit geniessen, ein wenig reisen, ein wenig studieren und ein wenig Geld verdienen, „Meiner“ zuerst mit unterrichten, dann mit etwas Kreativem, ich vielleicht als Journalistin, vielleicht auch als Gymnasiallehrerin oder vielleicht auch als etwas ganz anderes. Dann irgendwann eins, zwei, drei, vier Kinder, alle schön nacheinander, in gut verkraftbaren Abständen, Junge, Mädchen, Junge, Mädchen oder vielleicht auch Mädchen, Junge, Mädchen, Junge, auf alle Fälle schön gleichmässig nach Geschlechtern aufgeteilt. Ein eigenes Haus würden wir nie besitzen, ein eigenes Auto erst recht nicht.

Zwölf Jahre sind vergangen und alles ist ein wenig anders geworden, als wir es uns damals gedacht hätten: Wir besitzen zwei Drittel eines Hauses, auf dem Vorplatz steht ein eigenes Auto – gut, inzwischen ist es wenigstens kein Siebenplätzer mehr, sondern nur noch ein nettes himmelblaues Kleinwägelchen -, in den Kinderzimmern schlafen fünf Kinder, Junge, Mädchen, Junge, Junge, Junge und die Kinderchen sind nicht schön brav dann gekommen, wann wir sie geplant hätten, sondern dann, wenn ihnen gerade danach war, zu unserer Familie zu stossen. Unser Leben zu zweit dauerte gerade mal anderthalb Jahre, dann waren wir schon zu dritt.

Unser Leben zu zweit, dann zu dritt, zu viert, zu fünft, zu sechst und schliesslich zu siebt steckte voller Überraschungen, viele davon wunderschön, viele davon aber auch niederschmetternd. Wie oft haben wir gestaunt über Dinge, die wir nie für möglich gehalten hätten? Wie oft haben wir geweint, weil wir uns das alles etwas einfacher vorgestellt hatten? Wie oft haben wir gezweifelt, ob unser Weg noch in die richtige Richtung geht? Wie oft haben wir gejubelt, weil Träume wahr geworden sind? Wie oft haben „Meiner“ und ich uns angebrüllt, weil der andere mal wieder so unmöglich war? Wie oft haben wir uns gesagt, wie unendlich glücklich wir uns schätzen, miteinander unterwegs sein zu dürfen?

Zwölf Jahre schon leben wir das, was viele Menschen für ein Auslaufmodell halten. Zwölf Jahre schon fahren wir auf der Berg- und Talbahn des Familienlebens. Zwölf Jahre schon? Oder sind es nicht viel eher zwölf Jahre erst? Denn auch wenn es mir so vorkommt, als wären wir schon seit Ewigkeiten verheiratet, die Zeit verging dennoch wie im Flug.

Nun, wie dem auch sei, wichtig ist daran nur eines: Auch wenn kaum etwas so geworden ist, wie wir uns dies vor zwölf Jahren mal ausgemalt hatten, Ja sagen würde ich auch heute wieder. Wenn auch auf ziemlich andere Art und Weise als damals. Vielleicht könnten „Meiner“ und ich ja noch einmal heiraten….

Fiktives Interview zum Feierabend

Und, Mama Venditti, wie war denn das Fest heute?

Das Fest? Welches Fest denn?

Na, das Jugendfest, oder wie das Ding bei euch heisst?

Das Jugendfest? Hatten wir ein Jugendfest? Daran kann ich mich gar nicht erinnern…

Aber klar kannst du. Ihr habt doch wochenlang vorbereitet.

Wer sind „ihr“?

Was weiss ich, wer ihr alle seid. Irgendwelche durchgeknallten Eltern, die sich die ganze Zeit immer nur abrackern müssen. Menschen, die glauben, an einem Jugendfest müsste es auch ein Kinderprogramm geben, obschon doch jeder weiss, dass solche Feste nur dazu veranstaltet werden, damit sich die Bevölkerung mal wieder offiziell am hellen Tag einen Schwips leisten darf….

Ach so, jetzt dämmert mir endlich, wovon du redest. Ich weiss zwar nicht, warum du die Sache ein Fest nennst, ich glaube eher, das war ein Arbeitseinsatz. Aber da war heute tatsächlich etwas mit einem Kinderprogramm und so. Ich glaube, ich war da sogar involviert, aber offen gestanden kann ich mich nicht mehr so recht erinnern, was da alles lief. Ich bin nämlich ein wenig müde….

Klar warst du involviert. Ich habe dich schon morgens um acht durchs Dorf hetzen sehen. Was hast du bloss an einem Samstagmorgen um acht auf der Strasse zu suchen?

Mmmmhhh, lass mich mal überlegen…. Ich glaube fast, da war etwas mit einer Hüpfburg, für die wir keinen Strom hatten. Und irgendwas mit einem Tor, das noch nicht offen war. Oder hatte ich mir bloss eingebildet, dass es verschlossen war?

Und später, da habe ich dich mit einer Horde von Kindern auf dem Rummelplatz gesehen. Alle deine Kinder hatten eine Zuckerwatte in der Hand. Wie soll ich mir das bloss erklären? Ich habe dich stets für eine ziemlich vernünftige Mutter gehalten….

Stimmt, die Zuckerwatte! Die hätte ich beinahe vergessen. Klar finde ich Zuckerwatte schrecklich. Aber wie soll ich meinen Kindern weismachen, dass sie die Einzigen sind, die keine haben dürfen? Ich will doch nicht, dass sie zu Aussenseitern werden. Zu meiner Verteidigung muss ich aber  anfügen, dass das Prinzchen keine hatte. Er ist also noch ganz unverdorben.

Unverdorben? Ich hab’s doch gesehen, wie der Kleine auf dem Karussell im Feuerwehrauto sass. Und als er nicht mehr rauswollte, hast du ihm eine weitere Runde bezahlt, und den anderen Kindern auch gleich noch eine. Wie viel Geld hast du denn bloss liegen gelassen heute?

Tja, diese Frage ist mir ein wenig zu persönlich. Darüber möchte ich lieber nicht reden. Ausserdem weiss ich das gar nicht mehr. Oder vielleicht will ich es auch bloss nicht mehr wissen, wer weiss?

Gut, lassen wir das Thema. Später habe ich dich dann gesehen, wie du mit Schachteln voller Muffins durchs Dorf gehetzt bist. Bist du denn wahnsinnig geworden? Wer will bei diesem Wetter denn schon Muffins essen?

Na, wer wohl? Die Kinder aus Schönenwerd. Du hättest mal sehen sollen, wie die sich auf die Küchlein gestürzt haben. Und sogar bei den Käsekrokodilen und den Käsefüsschen haben sie eifrig zugegriffen.

Die spinnen die Schönenwerder, kann ich da nur sagen….

Aber nein, die spinnen nicht. Die wissen es einfach zu schätzen, wenn sie an einem Jugendfest auch mal was anderes zu essen bekommen als Wurst und Brot.

Wenn wir schon bei den Würsten sind: Warum habe ich dich eigentlich nie auf dem Festplatz sitzen sehen?

Du glaubst doch nicht, ich würde Geld ausgeben für Wurst mit Brot? Ich bin Vegetarierin, da esse ich lieber zu Hause. Und überhaupt, ich hatte weder Zeit noch Lust, auf dem Festplatz zu sitzen. Das habe ich gestern Abend schon getan.

Nun, für mich klingt das alles nicht sehr festlich. Ich habe den Eindruck, dass du von Feiern keine Ahnung hast.

Alos so würde ich das nicht sagen. Ich weiss sehr wohl, wie man feiert: Man sorgt dafür, dass alle ihren Spass haben und wenn man viel Glück hat, schafft man es, abends um halb elf, wenn endlich alle erschöpft eingeschlafen sind, die Nase in ein Buch zu stecken.

Nun, ich verstehe das mit dem Feiern ein wenig anders, aber zum Schluss möchte ich jetzt nur noch Eines wissen: Warum bist du abends, als das Kinderprogramm zu Ende war, mit einem knallgrünen Besen mit Schaufel durchs Dorf gerannt? Hast du denn gar keine Angst, dass du dich lächerlich machst?

Lächerlich hin oder her. Einer musste ja die Hüpfburg sauber machen, bevor der Vermieter sie wieder abholte. Und weil alle anderen Eltern mit Aufräumen beschäftigt waren oder mit allen Kräften ihre Kinder vom Rummelplatz zerren mussten, nahm ich eben die Sache mit dem Besen auf mich. Jetzt ist alles wieder sauber und wir können wieder zur Tagesordnung übergehen. Das heiss, zuerst werde ich wohl dafür sorgen müssen, dass sich meine müden Füsse wieder erholen…. Ach, ähm, wovon haben wir denn jetzt eigentlich die ganze Zeit geredet? Doch nicht etwa vom Jugendfest, oder? Du musst verstehen, ich bin ein wenig müde…. Anstrengender Tag und so…..

Achtung, schmalzig!

Wer keine Sentimentalitäten mag, soll jetzt bitte gleich wieder aufhören mit Lesen. Denn aus diesen Zeilen wird er nur so triefen, der Schmalz. Und dennoch meine ich das alles genau so, wie es hier steht.

Da frage ich mich doch heute im Laufe des Tages immer wieder, weshalb ich mich am bisher heissesten Tag des Sommers in die Küche sperren lasse, um 120 Muffins zu backen. Warum ich bei brütender Hitze einen Stuhl zum Kreuzgang der Kirche schleppe, das letzte Stück des Weges eine steile Treppe  hinauf. Was mich dazu treibt, meinen ohnehin schon kratzigen Hals noch mehr zu belasten, indem ich einer Kinderschar ein Märchen erzähle, damit die Erwachsenen das Fest geniessen können. Und was um Himmels Willen treibt mich dazu, meine zu klein gewordenen Schuhe an der Käsereibe zu reiben, nur damit sie wie richtige „zertanzte Schuhe“ aussehen? Ich zerbreche mir den Kopf, weshalb ich nicht die einzige Mama bin, die sich bei dieser Hitze ins Zeug legt, um dafür zu sorgen, dass die Kinder morgen ein schönes Jugendfest haben werden. Warum bloss sind viele von uns Müttern solche Masochistinnen?

Abends um halb neun, als ich mit Märchenerzählen dran bin,  kommt endlich die Antwort auf die Fragen, die mich den ganzen Tag lang geplagt  haben. Das heisst, es kommen gleich mehrere Antworten: Das kleine Mädchen mit den riesigen blauen Augen, das doch eben erst noch ein Baby war und das mir jetzt freudestrahlend erzählt, dass es nach den Sommerferien in den Kindergarten kommt. Der Junge, der ganz entrüstet ausruft, so etwas dürfe man also auf gar keinen Fall sagen, als ich erzähle, die grosse Schwester habe die kleine Schwester eine dumme Kuh genannt. Mir völlig fremde Kinder, die vertrauensvoll zu mir kommen und sich von mir helfen lassen, weil man einer Frau, die auf einem Märchenerzählstuhl sitzt, doch einfach vertrauen muss. Die Kinderschar, die sich einen Dreck schert um Autoscooter, Karussell und Zuckerwatte, solange sie an einem wunderschönen Sommerabend im lauschigen Kreuzgang Märchen hören dürfen.  Karlsson, der so stolz ist, dass er mir beim Erzählen die Requisiten reichen darf. Luise, die findet, ihre Mama, der beim Erzählen zuweilen beinahe die Stimme versagt hatte,  könne am zweitbesten Märchen erzählen. Der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter, die zwar die Geschichte von dem tapferen Soldaten, der herausfindet, was die Königstöchter nächtens treiben, schon hundertmal gehört haben, aber noch immer an meinen Lippen hängen, als hörten sie diese zum ersten Mal.

Ja, so abgedroschen und sentimental das auch klingen mag, wahr ist es dennoch: Diese Knöpfe sind es einfach Wert, dass man sich für sie ins Zeuge legt.