Kinderlose Kinderexperten

Meine kinderlosen Freundinnen sind Gold wert. Mit ihnen kann ich über die Dinge quatschen, die sich außerhalb meiner Mamawelt abspielen. Sie erfahren von mir, was sie ohne Kinder verpassen (und was nicht), ich lerne von ihnen, wie man die Dinge auch noch sehen könnte, wenn man sie nicht immer im Hinblick auf die eigenen Kinder betrachtete. Bei ihnen kann ich auch mal ungehemmt darüber lästern, wie sehr mir der Tanz ums goldene Kind, den manche Mütter veranstalten, auf den Geist geht. Im Gegenzug berichten sie mir schonungslos offen über die Abgründe des „Single-WG-wie soll meine Zukunft aussehen?“-Lebens. Kurzum, sie sind eine echte Bereicherung, diese Frauen. 

Was ich hingegen nicht ertragen kann, sind kinderlose Menschen, die Kinder und Teenager nur vom Hörensagen und vor allem aus den Medien kennen und sich dennoch für Experten halten. Menschen, mit denen man solche Gespräche führt (Dieses hier ist übrigens fiktiv, leider aber nicht frei erfunden.): 

Ich: „Meine Tochter ist in den Ferien jeweils sehr viel experimentierfreudiger mit ihrem Kleiderstil. Dann trägt sie Dinge, die sie für die Schule nie anziehen würde.“

Mein Gegenüber seufzt tief, legt die Stirn in sorgenvolle Falten und sagt: „Ja, das ist heutzutage einfach schlimm mit diesem Markenwahn. Die Kinder trauen sich ja nicht mehr aus dem Haus, wenn sie nicht die richtigen Klamotten tragen…“

„So habe ich das nicht gemeint“, unterbreche ich, um mir nicht den ganzen Markenkleider-Sermon, den ich inzwischen in- und auswendig kenne, anhören zu müssen. „An unserer Schule ist das eigentlich kein Problem…“

Weiter komme ich nicht, bevor mein Gegenüber ins Wort fällt: „Nein, glaub mir, die Kids leiden richtig. Wenn die die falschen Schuhe an den Füssen haben, werden die verprügelt. Ich habe neulich diesen Artikel gelesen…“

Jetzt ist es an mir, unhöflich zu sein: „Ich weiss, an manchen Schulen läuft das tatsächlich so, aber bei uns schlagen wir uns mit anderen Themen rum. Meine Tochter ist halt jetzt einfach in dem Alter, in dem man nicht auffallen will…“

„Das ist es genau, was ich meine“, unterbricht mich mein Gegenüber schon wieder. „In dem Artikel haben sie diese bekannte Jugendpsychologin zitiert…wie heisst sie nochmal?… Ach, ist ja auch egal, aber auf alle Fälle hat sie gesagt, die Kids wollten auf gar keinen Fall mehr auffallen, weil sie sonst…“

So geht das dann so lange weiter, bis die Person meine Aussage über Luises Kleiderstil so weit zurechtgebogen hat, dass sie als Beleg für die Thesen aus dem Zeitungsartikel herhalten kann. Und bis ich mir überlege, ob ich der Person einen Praktikumsplatz bei uns zu Hause anbieten soll, damit sie mal Kinder und Teenager in freier Wildbahn erleben kann. 

Noch Fragen, warum ich solche Menschen nicht zu meinem Freundeskreis zähle?

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Schulsack

Ein letztes Mal mit einem zukünftigen Erstklässler auf Schulsack-Suche. Ein letztes Mal „Nimm doch lieber den mit den Elefanten, der mit dem Flugzeug ist langweilig.“ Ein letztes Mal: „Nein, nimm den nicht. Mit dem schämst du dich, wenn du in der Dritten oder in der Vierten bist.“ Ein letztes Mal Gegensteuer geben, weil das Verkaufspersonal die Kinder mit grellen Extras ködern will, Extras, die im Schulalltag ganz schnell an Glanz verlieren und dann hat man ihn, den langweiligsten Schulsack aller Zeiten. Ein letztes Mal die Diskussion, ob man dazu auch noch ein Znüniböxli braucht, eine Trinkflasche und den passenden Turnsack. Ein letztes Mal „Möchtest du ein Sugus?“, bevor das Geld einkassiert wird. Ein letztes Mal Luft anhalten, weil das Zeug immer ein halbes Vermögen kostet. (Ja, ich hab‘ die Luft angehalten, auch wenn diesmal nicht unser Konto belastet wird.) Ein letztes Mal die Spannung der Geschwister: „Zeig her, was hast du gewählt?“ Ein letztes Mal der Gedanke, dass ich ja einen anderen genommen hätte, aber dass das Kind trotzdem ziemlich guten Geschmack bewiesen hat. 

Aber ganz bestimmt nicht zum letzen Mal der Gedanke: „Himmel, könnte mal bitte einer die Zeit anhalten? Mir geht das irgendwie alles zu schnell.“

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Schülerkonzertgedanken

Was mir an einem Schülerkonzert so alles durch den Kopf geht:

Ich glaube, das mit der Yellow Submarine haben sich die Beatles ein wenig anders vorgestellt.

Sind sie nicht wunderbar, meine musizierenden Kinder?

Eines Tages wird die Menschenrechtskonvention erkennen, dass die Musik von Ludovico Einaudi zu Folterzwecken missbraucht werden kann und deswegen verboten gehört.

Ich weiss, dass meine Kinder nicht wunderbarer sind als alle anderen Kinder auch, aber sind sie nicht wunderbar?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ausgewachsene Teenager, die mit Begeisterung ihre Musikinstrumente traktieren?

Ist er nicht wunderbar, mein kleiner Prinz, der andauernd auf einem imaginären Klavier spielt, währenddem er zuhört, wie die anderen musizieren?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ein Kleinkind, das bei jedem Musikvortrag – egal, ob klassisch, rockig oder sonst was -, vor lauter Begeisterung nicht mehr an sich halten kann?

Ist er nicht wunderbar, mein Zoowärter, der im Publikum sitzt und mir erklärt, die Musik, die da gespielt werde, sei der perfekte Soundtrack zu dem, was in seiner Phantasie gerade ablaufe?

Schon eigenartig, dass man bei solchen Anlässen seit Jahren schon immer die gleichen Familien sieht. Und andere Familien nie. 

Himmel, ja, sie sind wunderbar, deine Kinder, aber kannst du jetzt mal aufhören mit deiner Schwärmerei, du elende Glucke?

Gar nicht schlecht, die Idee, das Programm ein wenig zu straffen und das Publikum ins Dunkle zu setzen. So herrscht endlich mal Ruhe im Saal und die Kinder müssen nicht gegen das ewige Geschwätz anspielen. 

Schweig, Glucke, ich will dich nicht mehr hören!

Wäre das ein Sportanlass, hätte es bestimmt etwas mehr Dorfprominenz hier.

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Schulbesuchstag, 785. Ausgabe (oder so)

Eigentlich müsste ich ja gar nicht mehr hingehen. Ich kenne die Lehrer, die Lehrer kennen mich und der Unterricht ist wie er immer schon war, mal spannender, mal langweiliger. Prinzchen, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat aber wünschen sehnlichst meine Anwesenheit, und sei sie noch so kurz, weil ich fünf Besuche in zwei Tage quetschen muss.

Luise hingegen will auf gar keinen Fall, dass ich komme. Der Besuch bei ihr ist also eine heilige Pflicht, denn die einzige Rolle, die sie mich in ihrem Leben noch spielen lässt, ist jene der peinlichen Mutter und dieses Engagement nehme ich sehr ernst. (Wie ernst? So ernst, dass ich im Englischunterricht beinahe aufgestreckt hätte, um einen Adverb-Fehler auf dem Arbeitsblatt zu korrigieren, aber ich hab’s dann bleiben lassen, weil die Lehrerin ihre Sache sonst ganz gut macht.)

Na ja, und Karlsson – der mir ganz gerne seine Lehrer präsentiert – hätte eigentlich gewünscht, ich wäre bereits am Montag gekommen, damit er seine lineare Erörterung nicht schreiben muss, aber diesen Gefallen konnte ich ihm beim besten Willen nicht tun, denn sonst würden unsere Gespräche noch länger im folgenden Muster verlaufen: „Welches Thema soll ich denn nehmen, Mama?“ – „Nimm doch….“ – „Nein, das ist Scheisse.“ – „Dann nimm halt…“ – „Nein, haben wir im Unterricht schon gemacht.“ – „Dann eben….“ – „Sicher nicht! Das machen schon alle anderen.“ – „Und warum nicht…?“ – „Auf gar keinen Fall. Ist ja total bescheuert.“

Man sieht also, meine Gründe für mein andauerndes Rumhängen in Schulzimmern sind so vielfältig wie unsere Kinder. Und wenn man erst mal dort ist, wird’s ganz amüsant, weil man endlich mal mit den Müttern quatschen kann, die man sonst nie sieht. Dann stehen wir in der Ecke rum, tratschen über dies und jenes und fragen uns, ob die Kinder es überhaupt noch wahrnehmen, wenn die Lehrerin alle zwei Minuten entnervt „Schhhhhhhh“ macht.

Okay, es hat eine Weile gedauert, bis ich einen auffälligen Zusammenhang zwischen ihrem „Schhhhhhhh“ und meinem Kichern erkannt habe. Ich bin dann ein Zimmer weiter gezogen, um den Unterricht nicht länger zu stören. 

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Kleine Absurditäten

Manchmal begegnen mir im Alltag Dinge, die zu klein sind, um einen ganzen Blogpost zu füllen, aber auch zu köstlich, um sie einfach wegzuschmeissen. Zum Beispiel diese hier:

  • „Du hast fünf Kinder? Wie, kein Patchwork? Dann seid ihr also in einer Sekte.“
  • „So viele Jahre habe ich der Lungenliga gespendet und jetzt habe ich trotzdem eine Lungenentzündung.“ (Nein, da schwang keine Ironie mit. Auch keine Bitterkeit. Einfach grosses Erstaunen, dass die Schutzfunktion der Spende nicht ausreichend war.)
  • „Die war voll fies zum Prinzchen. Er wollte sie angreifen, aber sie ist einfach zur Seite gesprungen und dann ist er auf den harten Boden gefallen. Echt, voll fies war das. Die kann doch nicht einfach ausweichen, wenn er sie angreifen will.“
  • „Sieh mal, eine Schwangere. Ich hab schon so lang keine Schwangere mehr gesehen, dass ich gar nicht mehr gewusst habe, wie die aussehen.“
  • „Mama, darf ich heute Nachmittag mit einem Freund abmachen?“ – „Ja, natürlich.“ – „Oh, schade. Aber kannst du wenigstens sagen, dass ich schon um halb fünf nach Hause kommen muss?“
  • „Also, wenn Sie die Post umleiten lassen wollen, müssen Sie zuerst mal ein Online-Konto einrichten. Wie? Die Person hat keine E-Mail-Adresse? Tja, dann müssen Sie eben die temporäre Adressänderung notariell beglaubigen lassen.“
  • „Warum ich deine Lichterkette zerstört habe? Ich war halt wütend auf dich.“ – „Das war die schönste Lichterkette, die ich je hatte.“ – „Echt, Mama, die hat dir gefallen? Na, dann tut es mir eben leid, dass ich das hässliche Ding kaputt gemacht habe.“
  • „Ich weiss auch nicht, was die mit diesen Kreuzworträtselheften machen. Da hat es in letzter Zeit immer so viele Fehler drin. Nie hat es genügend Feldchen für die Wörter, die ich schreiben will.“ (Nein, das war kein Kind.)
  • „Auf unserer Homepage hat es bestimmt noch ganz viele passende Angebote für Sie. Durchsuchen Sie sie doch gleich mal. Nur ist die Seite leider gerade zusammengebrochen und wir brauchen ein paar Tage, bis sie wieder läuft.“
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Wenn Papa mitmischt,…

…dann ist das grundsätzlich eine ganz und gar gute Sache. Väter sind in meinen Augen ebenso wichtig wie Mütter und ich könnte und wollte den Karren nicht ohne „Meinen“ aus dem Dreck ziehen. Eine klarere Abgrenzung, wer wofür zuständig ist und wer zu welchem Zeitpunkt von wem übernimmt, wäre aber zuweilen wünschenswert. Zum Beispiel in der Sache mit dem Velo.

„Am Montag, 23. März müssen die Kinder mit dem Velo zur Schule kommen. Bringen Sie das Fahrzeug vorher noch zum Mechaniker, damit alles in Schuss ist“, so oder so ähnlich sprach die Lehrerin zu „Meinem“, als er vor drei Wochen zum Elterngespräch antrabte. „Wird gemacht“, versprach „Meiner“ und vereinbarte auf dem Heimweg mit dem Kind, dass es das Rad selber zum Mechaniker bringen würde.

Von alldem bekam ich nichts mit, ich erfuhr erst vor etwa neun Tagen von der Sache, als das Kind zu mir sagte: „Papa sagt, ich soll das Velo zum Mechaniker bringen, damit am übernächsten Montag alles in Ordnung ist.“ „Okay, tu das“, antwortete ich. „Kann ich auch erst morgen gehen?“, fragte das Kind. „Von mir aus, hast ja noch genug Zeit“, gab ich zurück. Dann hörte ich nichts mehr von der Sache, mal abgesehen von den Gesprächsfetzen zwischen „Meinem“ und dem Kind. „Die scheinen die Sache im Griff zu haben“, murmelte ich und kümmerte mich um andere Angelegenheiten.

Ich hörte erst heute früh wieder davon, als das Kind mit tränenüberströmtem Gesicht vor mir stand: „Das Velo hat einen Plattfuss und beim Mechaniker waren wir auch nicht und ich hab Papa doch gesagt, dass ich mich nicht traue, alleine hinzugehen“, heulte das Kind. „Einen Helm habe ich auch nicht mehr“, schluchzte es dann noch leise, doch das ging in meiner Schimpftirade fast schon unter. Mein Zorn war erst gerade am Hochköcheln, als die Lehrerin anrief. Sie war natürlich vollkommen ausser sich und das zu Recht, stand sie doch mit einem Trupp Viertklässler abfahrbereit auf dem Pausenhof und wartete auf mein Kind, das mal wieder darauf gehofft hatte, das Problem würde sich in Luft auflösen, wenn man es nur lange genug vor sich herschiebt. 

Nun, das Problem hatte sich natürlich nicht aufgelöst, es stand plattfüssig und ohne funktionierendes Hinterlicht bei uns im Garten und wartete darauf, Luft in seinen Hinterreifen gepumpt zu bekommen. Bloss wie, wo doch das Ventil kaputt gegangen war – vermutlich, als das Kind versucht hatte, den Reifen selber zu pumpen? Ich tat, was alle schlechten Mütter in einem solchen Moment tun: Ich fuhr aus der Haut. Das volle Programm, so laut, dass es wohl die ganze Nachbarschaft gehört hat. Ich erspare euch die Details, küren wir die Szene doch einfach zum erzieherischen Tiefstpunkt des Monats, der im absolut herzlosen Ausruf „Heulen bringt jetzt auch nichts mehr! Hättest du mich früher um Hilfe gebeten, hätte ich dir helfen können, aber jetzt ist es zu spät“ gipfelte.

Das Kind ging traurig weg. Zu Fuss, weil das Ersatzvelo zu gross und auch nicht ganz im Schuss ist. Und ich? War traurig, weil ich es schon im Morgengrauen ganz gewaltig vergeigt habe. Wütend, weil „Meiner“ die Sache nur angerissen, nicht aber zu Ende geführt hat. Verärgert, weil ich nicht gespürt hatte, dass das vermehrte „Ich hab‘ Bauchweh“ des Kindes wohl ein versteckter Hinweis auf die Velo-Geschichte gewesen wäre. Und beschämt, weil ich jetzt wieder als die Mama dastehe, die sich nicht kümmert, denn genau das denken die Lehrer, wenn solche Dinge passieren. Auch dann, wenn der Papa im Familienleben mitmischt und darum ebenso viel zum Guten und zum Schlechten beiträgt wie die Mama. 

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Überzuckert

Fertig, Schluss, aus! Ich mache nicht mehr mit bei dem unsinnigen Wettlauf um den buntesten, zuckrigsten und perfektesten Geburtstagskuchen. Nicht dass ich je ernsthafte Chancen gehabt hätte, in diesem Bereich zu glänzen, dazu habe ich weder das nötige Geschick, noch die Ausbildung, noch den Küchenschrank voller angesagter, überteuerter Gadgets. Mitgemacht habe ich aber trotzdem irgendwie. Weil ich gerne backe. Weil meine Kinder schrecklich beeindruckt waren von den Eisenbahnen, Piratenköpfen und Beinahe-Hochzeitstorten, die sie bei ihren Freunden vorgesetzt bekommen. Und weil das Zeug, das meine talentierten Bekannten auf Facebook posten, halt schon beeindruckend aussieht.

Mein Zeug sieht nie so perfekt aus, egal, wie sehr ich mich ins Zeug lege dafür, was zu ziemlich viel Frust über misslungene Kreationen geführt hat. Aber der Grund, weshalb ich nicht mehr mitmache, ist ein anderer: Ich habe diese übertriebene Süsse satt. Mein Gaumen hat genug von diesen dicken, zuckrigen Fondant-Schichten, die all die feineren Aromen, die eine Torte in sich haben sollte, überdecken. Mein Magen rebelliert frühestens nach drei Bissen, weil er nicht verdauen mag, was da kunstvoll auf die Tortenplatte geschichtet steht. Mein Auge, das sonst kräftigen Farben ganz und gar nicht abgeneigt ist, mag den ganzen Kitsch nicht mehr sehen.

Immer öfter ertappe ich mich dabei, wie ich mir beim Herunterwürg…  – äääähm, ich meine natürlich beim Essen -eines solchen Kunstwerks wünschte, ich hätte ein Stück des simplen Gâteau Breton meiner Mutter auf dem Teller.  Der sah wahrlich nicht sonderlich beeindruckend aus in seiner Schlichtheit aus Butter, Zucker, Ei und Mehl. Er war flach, gelbbraun und einzig mit ein paar Gabelstrichen verziert, doch er hatte etwas, was den Fondant-Träumen ganz und gar abgeht, nämlich das volle Aroma natürlicher Zutaten. Und weil man weder beim Rezept noch beim Verzieren irgend etwas falsch machen konnte, sass ganz bestimmt keine übellaunige Mutter am Tisch, die sich darüber ärgerte, dass ihre Kreation nicht ganz genau so aussah, wie sie sich das vorgestellt hatte. Ausserdem hatte der Kuchen den Vorteil, dass man ihn auch wirklich essen wollte. Dieses klebrige Fondant-Zeug bleibt ja doch immer angebissen auf den Tellern liegen, weil es sogar für Kinder zu süss ist. 

Ich glaube, ich rufe einen neuen Trend ins Leben und serviere beim nächsten Kindergeburtstag Gâteau Breton. 

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Untauglich

Am dritten Samstag ohne „Meinen“ – heute inklusive Luise-Geburtstag und einer weiteren One-Woman-Putzorgie -, weiß ich eine Sache mit absoluter Sicherheit: Als Alleinerziehende wäre ich ganz und gar untauglich. Mal sehen, ob ich den Tag überstehe ohne dass Luise in zwanzig Jahren beim Psychiater sagen muss: „An meinem zwölften Geburtstag begann mir zu dämmern, was für eine Niete meine Mama is.“

  

Mama auf Abruf

„Wenn die Kinder erst mal grösser sind“ – so tröstete man mich, als ich noch mitten in der Baby- und Kleinkindphase steckte -, „wirst du wieder viel mehr Freiheiten haben.“ Naiv, wie ich damals noch war, glaubte ich den erfahrenen Müttern, die mich auf diese Weise aufzuheitern versuchten. Nun möchte ich natürlich keineswegs behaupten, diese Mütter hätten mich belogen, bei ihnen war es wohl tatsächlich so. Bei mir nicht. Noch selten in meinem Leben habe ich mich so angebunden gefühlt wie gerade jetzt.

Als die Kinder noch im Vorschulalter waren, konnte ich – wenn ich denn wollte – morgens ein paar Bananen und Getreideriegel einpacken und mich mit meiner Horde aus dem Staub machen. Wenn es sich ergab, tat ich mich mit einer anderen Kleinkindmutter zusammen, damit die Kinder spielen und wir quatschen konnten. Zugegeben, ich tat das nicht oft, weil es doch ein wenig umständlich war, mit fünf Kindern aus dem Haus zu gehen, doch allein schon der Gedanke, dass ich könnte, tat gut. Nein, ich habe nicht vergessen, dass mir schon damals in schöner Regelmässigkeit die Decke mit Getöse auf den Kopf gekracht ist, aber das war auch nicht anders zu erwarten in einem Leben mit fünf kleinen bis mittelgrossen Menschen im Dauerchaos. Also fand ich mich damit ab, mal mit mehr, mal mit weniger Gebrumm und Gemotze.

Heute aber sollte es eigentlich anders sein. Zumindest haben mir das die erfahrenen Mütter von damals so versprochen. Die Kinder sind selbständiger, verbringen sehr viel Zeit ausser Hause und brauchen mich… also, na ja, wie soll ich sagen… irgendwie permanent und irgendwie doch nicht so richtig…also so auf Abruf. Wer schon mal auf Abruf gearbeitet hat, weiss, wovon ich rede: Du weisst nie so recht, wann du zur Arbeit gerufen wirst. Du weisst auch nicht, ob du bei deinem nächsten Einsatz nur gelangweilt rumstehen wirst, oder ob du zehn Stunden Dauereinsatz leisten wirst. Du weisst aber sehr genau, dass du nie allzu weit wegfahren darfst, weil die Chefin dich jederzeit herzitieren könnte. Wenn du dann sagst: „Ich bin jetzt gerade noch in Locarno. Sobald ich mein Pedalo zurückgegeben und meine Penne all’Arrabiata gegessen habe, nehme ich den Zug. So gegen siebzehn Uhr sollte ich es schaffen“, bist du deinen Job los, das weisst du genau. Also bleibst du schön zu Hause und wartest, bis das Telefon klingelt. Du hast zwar nur hin und wieder Arbeit, aber dein Job füllt dennoch dein ganzes Leben aus. 

Irgendwie so ähnlich fühlt sich die Lebensphase an, in der ich derzeit gerade feststecke. Also nicht ganz die grosse Freiheit, die ich mir vorgestellt habe. Weshalb mir weiterhin in schöner Regelmässigkeit die Decke mit Getöse auf den Kopf kracht. 

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Transformer

Eigentlich kaufe ich ja keine „Transformers“. Weil ich sie hässlich finde. Und doof. Und zu teuer. Und überhaupt. Nein, eigentlich kaufe ich sie wirklich nicht. 

Es sei denn, das Prinzchen bekäme von einem Klassenkameraden einen geschenkt, ein ausnehmend hässliches Exemplar in Grün und Schwarz. Freudenstrahlend käme das Prinzchen nach Hause gerannt, bald schon würden er und der Zoowärter glücklich mit dem Kerl spielen. „Bist du dir sicher, dass er dir das Ding geschenkt und nicht geliehen hat?“, würde ich fragen. „Ja, ganz sicher“, würde mein Sohn antworten. „Er hat gesagt, ich dürfe ihn für immer behalten.“Na ja, wir werden ja sehen“, würde ich sagen und das Mittagessen auf den Tisch stellen. Kaum hätten wir uns alle hingesetzt und Essen geschöpft, würde das Telefon klingeln. Es wäre die Mutter des Klassenkameraden. „Das Prinzchen kann nichts dafür“, würde sie sagen, „aber mein Sohn will seinen Transformer zurückhaben. Er hat ihn zwar tatsächlich verschenkt, aber jetzt ist er so furchtbar traurig und will ihn wieder haben.“ „Okay“, würde ich sagen, das Gespräch beenden und dann dem Prinzchen erklären, dass das halt doch nicht ganz so ernst gemeint war mit dem Geschenk. Mein Herz würde schwer, wenn ich sähe, wie er tapfer die Tränen runterschluckt, obschon er doch ungehemmt heulen dürfte. Prinzchens grosse Geschwister wären empört und würden mich dazu auffordern, für die Rechte des kleinen Bruders zu kämpfen. Aber ich würde mich nicht mit einer anderen Mutter um einen blöden „Transformer“ streiten wollen, aber meinem kleinen Jungen dabei zusehen, wie er gegen seine Enttäuschung kämpft, würde ich eben auch nicht wollen. Also würde ich sobald als möglich in die Migros rennen und meinem Sohn den gleichen hässlichen „Transformer“ kaufen, den er morgen wieder zurückgeben muss. Und weil ich beim Einkauf auch noch den Zoowärter dabei hätte, würde ich es nicht übers Herz bringen, ihm zu sagen, er dürfe keinen haben und dann würde ich am Ende mit zwei „Transformers“ an der Kasse stehen, im Hinterkopf eine leise Stimme, die mir zuflüstert, der FeuerwehrRitterRömerPirat werde dann wohl auch noch einen haben wollen. Nur wenn das geschehen würde, könnte ich mich dazu überwinden, so ein hässliches Monster zu kaufen.

Und weil genau dies gestern geschehen ist, wohnen bei uns jetzt halt auch noch zwei ausnehmend hässliche“Transformers“. 

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