Eigentlich hatte ich gedacht, dass Schwiegermama sich jetzt endlich damit abgefunden hat, dass ihr einziger Sohn die falsche Frau geheiratet hat. Anfangs war sie nämlich gar nicht begeistert von seiner Wahl, weil ich a) viel zu klein, b) zu schweizerisch und c) zu wenig katholisch und zu sehr protestantisch war. Ich wiederum war entrüstet, dass sie die Tulpen, die meine Mutter mir mitgegeben hatte, achtlos liegen liess. An unserer Hochzeit schaute sie drein, als befinde sie sich auf einer Beerdigung und als sie das erste Mal bei uns ass, rief sie nachher „Meinen“ an um ihm mitzuteilen, dass mein Risotto ungeniessbar gewesen sei. Als schliesslich Karlsson geboren wurde, wurde die Sache noch schwieriger. Sie wollte ihr erstes Enkelkind so oft wie möglich sehen, was ich mit allen Mitteln zu verhindern suchte, weil ich mich bei jedem Besuch fühlte wie Rapunzels Mutter, die ihr Kind nicht der bösen Hexe überlassen wollte. Nicht, dass meine Schwiegermama eine Hexe wäre, aber man weiss ja, wie Schwiegermamas und Schwiegertöchter zuweilen voneinander denken.
In letzter Zeit hat sich unsere Beziehung aber normalisiert und meistens habe ich das Gefühl dass sie für mich eine Frau geworden ist wie jede andere. Bis heute Morgen „Meiner“ zwei Nachthemden anschleppte, die Schwiegermama noch nie getragen hat und die sie, weil sie ihr zu klein sind, an mich weitergereicht hat. Was in Schwiegertochters Augen einer Kampfansage gleichkommt. Wie, ihr versteht nicht, warum das eine Kampfansage sein soll? Ja, wisst ihr denn nicht, was Schwiegermamas mit solchen Schachzügen bezwecken wollen? Es ist doch sonnenklar: Die Frau will, dass „Meiner“ aus dem Ehebett auszieht. Denn welcher Mann würde schon mit einer Frau im gleichen Bett schlafen wollen, wenn sie aussieht wie seine Mutter? Nun, ich lasse mich nicht auf das Spielchen ein. „Meiner“ bleibt im Ehebett und die Nachthemden wandern in die Verkleidungskiste. Ätsch!









