Paartag-Gedanken

Am Abend zuvor:

„Endlich mal wieder ein Tag zu zweit nach dem ganzen Stress der vergangenen Wochen.“ 

Heute im Morgengrauen:

„Ach wie schön! Kinderfrei!“

Kurz danach:

„Was motzt „Meiner“ jetzt schon wieder rum? Nicht aufregen, wir haben kinderfrei…“

Noch etwas später:

„Himmel, kann der nicht mal zuhören, wenn ich etwas sage?“

Nachdem die Kinder aus dem Haus sind:

„Jetzt fängt er auch noch an, Mails zu checken…“

Zwanzig Minuten später:

„Noch immer an den Mails…Und zuhören will er mir auch nicht…Und mit dem soll ich einen Tag weggehen…“

Zehn Minuten später:

„Er versteht mich ja überhaupt nicht mehr. Kommt davon, wenn man nie Zeit hat füreinander. Das kann ja heiter werden heute…“

Noch einmal fünf Minuten später:

„Interessiert er sich überhaupt noch für mich?“

Kurz vor der Abfahrt:

„Dann versuchen wir es halt. Aber ich hab nicht die geringste Lust zum Reden.“

Im Auto:

„Diese Fahrt wird endlos…“

Etwas später im Auto:

„Okay, ich glaube, er will wirklich wissen, was ich von dieser Sache halte. Na, dann rede ich eben doch…“

Nach halber Fahrt:

„Wie hat der mich bloss dazu gebracht, mein Innerstes nach aussen zu kehren? Vielleicht wird es heute doch nicht so schlecht.“

Kurz vor der Ankunft am Ziel:

„Habe ich jetzt tatsächlich gelacht über seinen Witz?“

Beim Aussteigen:

„Hmmmm, er nervt plötzlich gar nicht mehr.“

In der Sauna:

„Schon schön, jemanden an der Seite zu haben, vor dem man sich nicht zu verstellen braucht.“

Etwas später:

„Eigentlich doch ganz nett, so ein Tag zu zweit…“

Beim Mittagessen:

„Ach, ist das gemütlich…und wirklich schön, diese angeregte Unterhaltung.“

Am Nachmittag:

„Himmlisch, diese Ruhe…“

Am späten Nachmittag:

„Ich will jetzt eigentlich gar nicht nach Hause. Wir haben uns doch eben erst wieder gefunden.“

Auf der Heimfahrt:

„Das müssen wir unbedingt bald wieder tun. Was bin ich froh, dass wir einander haben.“ 

prettyvendittti.jetzt

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Mittwochnachmittag

Kater Leone schleicht um den vom Mittagessen übrig gebliebenen Speck, währenddem Theoderich von Ravenna versucht, Luise den Unterschied zwischen Westgoten und Ostgoten zu erklären. „Meiner“ jubelt derweilen lauthals über ein paar kaputte Bilderrahmen, die seine Vorfreude auf die erste Fotoausstellung steigern, was mich dazu veranlasst, ihm den alten Hit „Du magst ja toll sein, aber im Moment gehst du mir nur noch auf den Geist und hör auf zu jammern, du hast es dir selber eingebrockt“ vorzutragen. Aus mir unerklärlichen Gründen gefällt ihm meine brillante Performance nicht, weshalb er mit il Cugino das Weite sucht. Natürlich setzen wir unser eheliches Turteln fort, bis die Tür hinter ihm ins Schloss fällt, denn solche einmaligen Momente sollte man geniessen. 

Später zähmt das Prinzchen ein paar Drachen, obschon heute eigentlich keine Flimmerkiste auf dem Tagesplan stünde. Ein Plan, der leider nicht eingehalten werden kann, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat sich mit Grossmama nach Narnia aufmacht und da wäre es doch nicht fair, das Prinzchen alleine in der langweiligen Realität zu lassen. Wo doch sogar der Zoowärter für ein paar Stunden seinem selbst verschuldeten Hausaufgabeneldend entfliehen darf, um mit einem Freund Monster zu jagen oder so.

Weil Theoderich sich so grottenschlecht erklärt, zeichne ich auf dem Küchenboden kniend so etwas wie Europa, um Luise das mit den West- und Ostgoten zu veranschaulichen, aber sie sieht nur, dass der Stiefel von Italien ganz dringend Schnürsenkel braucht. Als die West- und Ostgoten samt Franken, Rätier, Alemannen und Langobarden dann doch endlich erledigt sind, eröffnet mir Luise, dass sie mit mir noch ein wenig in der Sprache der Angelsachsen zu parlieren gedenkt, was aber irgendwie nicht so richtig klappen will, weil Karlsson und der FeuerwehrRitterRömerPirat zur „My Heart Will Go On“-Konzertprobe müssen und vorher noch mit Nachbars darüber diskutiert werden muss, ob die Probe im oberen oder im unteren Schlagzeugraum stattfinden wird. Dazwischen ist noch ein wenig Empörung gefragt, weil es bei Karlsson im Turnunterricht einen Punkt gibt, wenn eine Sie einen Er mit dem Ball am Kopf trifft, umgekehrt aber nicht. Der Zoowärter, der inzwischen von der Monsterjagd zurückgekehrt ist, will sich seinem Hausaufgabenelend widmen, doch dieser aufsässige Lego-Kerl, den er gestern zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, funkt andauernd dazwischen und kräht: „Wann machst du mir endlich meine Flügel fertig? Ich will fliegen!“ 

Irgendwann geht der Nachmittag in den Abend über; nachdem alle Bäuche gefüllt sind, zieht sich einer nach dem anderen zurück, der eine mit seinen Lego-Kerlen, der andere mit Narnia im Kopf, die Dritte hoffentlich mit Theoderich von Ravenna und nicht mit Whatsapp. „Meiner“ streut irgendwo noch ein paar Mehlschriften und auf mich wartet das Vergnügen, die Spuren dieses Tages zu verwischen, damit morgen wieder Platz ist für neue. 

Wobei, wenn ich mir’s recht überlege…ich lasse die Spuren lieber bis morgen früh bleiben und schmeisse mich in die Badewanne. Wäre doch schade, das ganze Chaos schon wieder zu beseitigen, wo doch so viel Familienleben nötig war, um es derart kunstvoll auf die ganze Wohnung zu verteilen. 

troppo da mangiare; prettyvenditti.jetzt

troppo da mangiare; prettyvenditti.jetzt

Jahresbilanz – Was ich 2014 erreicht habe

  • Schwiegermama davon überzeugt, dass Atomenergie eine ganz ganz böse Sache ist. (Nicht, dass sie zu dem Thema eine Meinung gehabt hätte, aber nachdem sie mich gefragt hat, wozu diese Jodtabletten, die man ihr zum ersten Mal zugeschickt hat, gut sein sollen, habe ich ihr gleich erklärt, was man von dem ganzen Atomzeugs halten soll: Dagegen sein, voll und ganz, ohne Wenn und Aber.)
  • Mir durch irgend eine heldenhafte Tat Schwiegermamas Achtung gesichert und damit erreicht, dass meine Meinung inzwischen den Status der allein seligmachenden Wahrheit hat.
  • Zum ersten Mal überhaupt eine Lesung ohne Nervenflattern überstanden (was ich der Feststellung zu verdanken habe, dass mir Rotwein zwar noch immer nicht besonders gut schmeckt, aber äusserst wirksam ist, wenn es gilt, meine Nerven vom Flattern abzuhalten). 
  • Die Krücke, die mir in den vergangenen Jahren den Aufstieg aus dem Schwarzen Loch erleichtert hat, entsorgt. 
  • Die alte Kratzbürste in mir ein wenig gehätschelt, damit sie wieder mehr zum Zug kommt. 
  • Bücher gelesen, für die ich vor drei Jahren noch zu müde gewesen wäre. 
  • Kopfschüttelnd ein paar Bücher überflogen, die ich vor drei Jahren noch für durchaus annehmbar gehalten habe. (Die Frage, ob ich sie wegschmeissen, oder als Erinnerung an eine Zeit, in der mir alles Anspruchsvolle zu anspruchsvoll war, behalten soll, ist noch nicht geklärt.)
  • Mit „Meinem“ ins Kino gegangen. Spontan! Und dann auch noch Tränen gelacht, obschon der Opa neben mir das alles so gar nicht lustig fand.
  • Mehrmals wie so eine richtige Hausfrau vormittags in den Cafés der Stadt rumgehängt und dabei festgestellt, dass es diese rumhängenden Hausfrauen tatsächlich gibt. (Die kommen so gegen neun Uhr morgens aus ihren Löchern gekrochen, kippen literweise Kaffee in sich hinein und gehen erst nach Hause, wenn ich schon längst wieder am Herd stehe, weshalb ich ihnen pauschal unterstelle, der Familie Fertigprodukte vorzusetzen.)
  • Zwei oder dreimal erlebt, dass von mir verfasste Worte genau die Worte waren, die jemand anders gebraucht hatte. 
  • Im Hoteldschungel von Paris die Ferienwohnung aufgespürt, die alle sieben Vendittis umwerfend toll finden. 
  • Zum ersten Mal überhaupt mit „Meinem“ an einem lauen Herbstabend in der Stadt einen Cocktail geschlürft und mich dabei gefragt, ob wir bereits im Jahr 2007 Konkurs hätten anmelden müssen, wenn wir das regelmässig getan hätten, oder ob das Geld vielleicht bis 2009 gereicht hätte. 
  • Mich endlich bei Twitter angemeldet, damit ich auch auf diesem Weg die virtuelle Öffentlichkeit vollquatschen kann. 
Lusso per tutti; Gianluca Venditti

lusso per tutti; prettyvenditti.jetzt

Gerätevermehrung

Am Anfang war da nichts. Na ja, fast nichts. Die Überzeugung, dass wir auch ohne können, die war da, felsenfest. Irgendwann kamen dann doch die ersten Gehversuche, unfreiwillig noch, ziemlich mühsam obendrein, aber ein paar Vorteile liessen sich erahnen. Er blieb bei seinem klaren Nein, ich meinte, vielleicht, irgendwann, später einmal könnte das schon noch interessant werden. Zwei oder drei Jahre später der Einstieg ins Uni- und Berufsleben, bei mir verbunden mit der Pflicht, mich in die Sache einzuarbeiten, bei ihm blieb es freiwillig, also blieb auch seine Überzeugung, dass er es nicht braucht. Mir fing es derweilen an, Spass zu machen, die Empörung, als die Professorin verlangte, dass jeder Student sich eine E-Mail-Adresse zulegt, war dennoch riesig. In unsere erste Wohnung zog also auch ein Computer ein. Ein grosses Ding, mit klotzigem Monitor und schwerem Tower. Er blieb skeptisch, war dann aber auch der Meinung, ein Internetanschluss könnte vielleicht ganz praktisch sein. Der Computer war meine Domäne, er gab sich nur damit ab, wenn es sich nicht vermeiden liess. 

Zeitgleich stellte sich die Frage, ob man so ein Handy, das plötzlich alle hatten, braucht. Wir waren uns einig: Braucht man nicht. Wir blieben uns einig, bis sich Nachwuchs ankündigte und er erreichbar sein wollte, auch während der Schulstunden. Diesmal war ich skeptisch, doch eine Aktion bei der Migros – zwei für eins oder so – setzte meinem Widerstand ein Ende. 

Irgendwann zog Apple bei uns ein, die sperrigen Computerdinger mir Tower und Kabelsalat verschwanden, die durchwachten Nächte, während derer ich versuchte, Probleme zu lösen und Viren zu vertreiben, gehörten der Vergangenheit an. Jetzt fiel es auch ihm leichter, sich mit dem Zeug anzufreunden. Steuererklärungen, E-Banking und Pannen blieben aber ganz klar meine Aufgabe. Dann sah ich zum ersten Mal ein Tablet und war hin und weg, was ihn dazu bewog, mir eines zur Veröffentlichung des ersten Buches zu schenken. Das Gerät gehörte mir ganz alleine, wurde aber doch von allen Familienmitgliedern – inklusive dem Jüngsten, der damals gerade mal zwei war – eifrig genutzt, bis es den Geist aufgab. Ein Ersatz musste schnell her, wieder sollte er mir alleine gehören, denn die anderen hatten ja den neuen Computer, den Laptop und den alten Computer.

Als er sich trotzdem immer und immer wieder an meinem Tablet vergriff, schenkte ich ihm sein eigenes Mini-Tablet. Der Älteste hatte da schon sein erstes Smartphone, die Tochter einen iPod. Dann fing er an, Kurse zu erteilen, wollte nicht immer den Laptop mitschleppen, hatte auf dem Mini-Ding aber kein Platz für die benötigte Software. Er bekam ein grosses Tablet, das Mini-Ding wurde mit Lern-Apps für die Kinder vollgestopft, die Tochter bekam ein Smartphone, ich gewann beim Wettbewerb ein Fairphone und musste mir einen neuen Laptop anschaffen, der Dritte durfte den iPod des Cousins übernehmen, der Älteste ersteigerte sich mit seinem Geburtstagsgeld sein eigenes Tablet…

Plötzlich überall Geräte, Kabelsalat, weil jetzt jeder immer irgend etwas am Aufladen ist und manchmal die erstaunte Frage, ob wir wirklich mal im Ernst geglaubt hatten, wir könnten uns dieser Sache entziehen. 

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Es – Ja – Nein

„Meiner“ und ich sind jetzt in dem Alter, in dem Bekannte, die einander irgendwann zwischen achtzehn und fünfunddreissig gefunden haben, wieder auseinandergehen. Manchmal trifft einen eine solche Nachricht wie ein Schlag und man läuft tagelang mit einem schmerzenden Klumpen im Magen rum. Manchmal muss man sich ein „Eigentlich erstaunlich, dass es bei den zweien so lange gehalten hat“ verkneifen. Manchmal fragt man sich, ob es denn wirklich keinen anderen Weg gegeben hätte. Manchmal – nur selten, Gott sei Dank – denkt man, dass er oder sie gut daran getan hat, dieses als Ehe getarnte Machtspiel endlich zu beenden.

Was auch immer die Gründe für das Scheitern einer Beziehung sein mögen, „Meinem“ und mir drängen sich jedes Mal ein paar Fragen zu unserem eigenen Leben auf: Leben wir noch miteinander, oder funktionieren wir nur noch? Tragen die Stärken unserer Beziehung noch, oder nehmen die Schwächen überhand? Sind wir echt und ehrlich, oder machen wir einander und uns selber etwas vor? Wir sind froh, jedes Mal zum Schluss zu kommen, dass wir beide noch immer voll dabei sind. Nicht immer gleich motiviert, das müssen wir beide offen zugeben, denn wir sind ganz schön talentiert darin, einander auf die Nerven zu fallen und uns wie die Vollidioten zu benehmen, wenn der eine nicht so tut, wie der andere es gerne hätte. Aber am Grundsatz, dass wir beide zusammengehören und dass wir noch ziemlich viel miteinander vorhaben, rüttelt keiner von uns beiden. Das beruhigt uns, denn auch wir wissen, was alle, die unserer Generation angehören wissen: Die Garantie, dass es hält, hat niemand.

Beweise dafür gibt es mehr als genug, wir müssen uns nur mal ein wenig umschauen. Schmerzhafte Geschichten, soweit das Auge reicht und wohl keiner, der eine solche Geschichte erlebt hat, ist mal am Traualtar gestanden mit dem bewussten Ziel, irgendwann beim Scheidungsrichter anzutraben. Zu behaupten, es gäbe ein Rezept mit Gelinggarantie für eine funktionierende, lebenslange Beziehung, wäre ganz und gar vermessen. Dennoch stört mich dieses eine kleine Wörtchen in „Niemand hat die Garantie, dass es hält“ immer mehr. Dieses „Es“ suggeriert, dass man dem Lauf der Dinge voll und ganz ausgeliefert ist, dass „Es“ halt einfach passiert mit dem Auseinanderleben. 

Zugegeben, in so einem Leben zu zweit passieren sehr viele Dinge einfach so. Man gerät andauernd aneinander, weil der ganze Tag so grauenhaft war, dass man abends keinen mehr erträgt, der motzt, man hätte beim Wocheneinkauf zu viel Geld ausgegeben. Jeder ist so sehr mit seinen eigenen Lasten ausgelastet, dass der andere nur noch als derjenige wahrgenommen wird, der  nicht beim Tragen hilft. Manchmal schlägt das Schicksal so erbarmungslos zu, dass man sich dem Leben ohnehin nur noch ausgeliefert sieht. Und nicht mal den charmanten Arbeitskollegen, der so viel mehr Interesse an der neuen Frisur zeigt, sucht man sich aus… „Es“ passiert halt wirklich sehr viel einfach so und es liegt mir fern, Menschen zu verurteilen, die sich diesem „Es“ nicht gewachsen sehen.

Dennoch finde ich, dass in einer Beziehung auch noch ein anderes Wort eine entscheidende Rolle spielen sollte, nämlich das „Ja“. Ich meine jetzt nicht das „Ja“, das man sich bei irgend einer – meist ziemlich feierlichen – Gelegenheit mal im Rausch der schönen Gefühle gegeben hat. Ich meine das „Ja“ mitten im rauen, manchmal fast unerträglichen Leben. Das „Ja“ zu dem Menschen an meiner Seite, der alles andere als perfekt ist, der aber immerhin grosszügig genug ist, mich so zu nehmen, wie ich bin – nämlich auch nicht perfekt. Das „Ja“ zu dem Menschen, der der einzige Mensch auf diesem Planeten ist, der das Einzigartigste, was mir mein Leben schenken konnte – meine Kinder – mit ebenso viel Leidenschaft und Schmerz liebt wie ich. Das „Ja“ zu dem Menschen, der irgendwo, unter all dem, was das Leben mit ihm angestellt hat, noch immer derjenige ist, zu dem ich im Rausch der Gefühle vor langer Zeit ja gesagt habe. Dieses „Ja“, das begriffen hat, dass kein Mensch mir alles geben kann, was ich mir in meinem Leben wünsche und dass ich darum aufhören kann, von ihm zu erwarten, was ihm gar nicht möglich ist. Ein „Ja“, das sich dem „Es“ entgegenstellt, oder es zumindest versucht. 

Ich gebe es offen zu: Manchmal muss ich ziemlich lange suchen, bis ich dieses „Ja“ unter dem ganzen Alltagskram finden kann und ich bin mir sicher, dass es „Meinem“ gleich geht. Dass wir dieses „Ja“ bis anhin immer wieder gefunden haben, erachten wir beide als grosses Geschenk und nicht als Selbstverständlichkeit.

Ich kann auch verstehen, dass es Lebenssituationen gibt, in denen sich dieses „Ja“ nicht mehr finden lässt, egal, wie verzweifelt man danach sucht. Aber irgendwie würde ich mir wünschen, dass Beziehungen nicht am „Es“ scheitern, sondern weil sich das klare „Ja“ in eine klares „Nein“ verwandelt hat.

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Notiz an „Meinen“

Morgen fahre ich für vier Tage weg und lasse „Meinen“ mit den Kindern alleine. Was grundsätzlich kein Problem ist, denn er hat das im Griff. Zwei oder drei Dinge muss ich ihm aber trotzdem aufschreiben, damit sie nicht vergessen gehen:

  • Der Zoowärter hat morgen Nachmittag Schule, auch wenn der Stundenplan etwas anderes behauptet. Aber der behauptet das nur, weil ich ihn im Sommer falsch abgeschrieben habe und danach zu faul war, ihn noch einmal neu zu schreiben und zu laminieren. 
  • Wenn du mit dem Prinzchen und dem Zoowärter in den Schwimmkurs gehst, vergiss nicht, dem Schwimmlehrer zu sagen, dass deine chaotische Frau es letzte und vorletzte Woche mal wieder verschlampt hat, die Kinder in den Kurs zu bringen. Sag ihnen, dass es deiner Frau furchtbar leid tut, aber dass sie unglaublich froh ist, dass du derjenige bist, der sich erklären muss, weil sie es allmählich Leid ist, überall mit hochrotem Kopf und tausend Entschuldigungen aufzukreuzen. 
  • Nein, am Sonntag dürft ihr nicht liegen bleiben. Krippenspielprobe! Keine Versäumnisse erlaubt! (Ich hingegen werde sonntags so lange liegen bleiben, bis das Bett mich rauswirft.)
  • Der Laptop kommt mit mir. Netflix nur auf dem iPad. 
  • Bitte, bitte, bitte, bitte streich Karlssons Zimmer nicht an diesem Wochenende! Du weisst, wie es kommt, wenn fünf Kinder und ein paar Farbroller sich miteinander vergnügen. 
  • Finger weg von der Wäsche! Es sei denn, ihr wollt sie wegräumen. 
  • Versucht, ohne mich Spass zu haben. (Als ob das möglich wäre…)

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40

Zugegeben, vor dieser Zahl habe ich mich ein wenig gefürchtet. Nicht sehr, aber genug, um den Tag nicht gerade herbeizusehnen. Jetzt, wo er da ist, finde ich es aber gar nicht mehr so schlimm. Ist ja nur eine Zahl. Und eigentlich ist es  gar nicht so schlecht, zu stehen, wo ich inzwischen angekommen bin.

Als Frau, die glaubt, sich selber gefunden zu haben und nur noch nach der Nische suchen muss, in der sich dieses Selbst austoben kann.

Als Glaubende, die mehr Fragen als in Stein gemeisselte Antworten hat. 

Als Mutter, die an guten Tagen ernten darf, was sie gesät hat. (An schlechten Tagen übrigens auch, aber davon reden wir heute nicht…)

Als Schreibende, die zwar noch immer jedes einzelne Wort dem unberechenbaren Alltag abtrotzen muss, die sich das Schreiben aber nicht mehr nehmen lässt. 

Als Partnerin, die immer noch denkt, dass sie das grosse Los gezogen hat. 

Als Mensch unter erstaunlich vielen liebenswerten Menschen. (Wenn man so die Zeitung liest, könnte man gar nicht meinen, dass es auf diesem elenden Planeten so viele nette Menschen gibt…)

Erwachsen? Na ja, dort, wo es unbedingt sein muss, schon. Ansonsten immer weniger. 

Zufrieden? An der Oberfläche nicht immer, aber tief drinnen, dort wo es wirklich zählt, wohl schon. Und im Grossen und Ganzen versöhnt mit den Dingen, die in den vergangenen 40 Jahren nicht ganz so schön waren wie im Bilderbuch.

Nur eine Sache macht mir wirklich zu schaffen: Da fragt mich heute meine Schwester, was ich mir zum Geburtstag wünsche. Ich sage: „Weltfrieden“ und sie sagt: „Das kann ich dir nicht geben.“ Himmel, wozu sind runde Geburtstage da, wenn man nicht mal bekommt, was man sich wünscht?

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Flussufer

Wie viele Stunden wir wohl dort verbracht haben, die nackten Füsse im Wasser, die Velos am Waldrand parkiert, im Korb ein Picknick? Unzählige müssen es gewesen sein. Wir haben über alles geredet, was uns damals so durch die Köpfe schwirrte. Über die Frage, ob sich Bio lohnt, oder ob alles nur Geldmacherei sei. Über seine Mamma, die immer wieder neue Wege fand, uns im Wege zu stehen. Über mein letztes Kuchendesaster, bei dem der Teig durch die Küche geflogen war. Über die Vorzüge von Tee gegenüber Kaffee. Über gute und schlechte Noten. Über die Frage, was aus uns mal werden sollte, beruflich vor allem, aber auch privat. Über Gustav Klimt, unsere Lehrer, Bob Marley, Christoph Blocher, meine Neffen und Nichten… Und darüber, dass wir eines Tages einen Sohn namens Karlsson haben wollten. 

Dieser Sohn namens Karlsson postet inzwischen auf Facebook schöne Bilder von genau der Stelle, wo wir jeweils unsere Füsse im Wasser haben baumeln lassen. Es sieht noch genau so aus wie damals, in der Abendsonne erscheint noch immer alles so lieblich. Mein Gefühl sagt mir, es sei erst gestern gewesen, als „Meiner“ und ich noch blutjung und vollkommen naiv unsere schier endlose freie Zeit miteinander am Flussufer verbrachten. Dann aber fange ich an zu rechnen und mir dämmert, dass Karlsson in drei Jahren so alt sein wird wie wir waren, als unsere grösste Sorge war, ob unsere Mütter uns eines Tages einen gemeinsamen Interrail-Trip erlauben würden. 

Es waren schöne Zeiten, aber ich wünsche mir dennoch nicht, mit Karlsson tauschen zu können. So, wie es heute ist, ist es auch gut. Ich hoffe einfach, dass der Karlsson, von dem wir am Flussufer geträumt haben, auch solche Erinnerungen sammeln darf, ehe ihm das Erwachsenenleben die Musse raubt. 

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Ehefrauentest

Man kennt sie ja, die „Persönlichkeitstests“, die auf Facebook ihre Runden machen. „Welche Blume bist du?“, „Welche Farbe passt zu dir?“, „Welche Märchenfigur ist dir ähnlich?“ und solchen Kram. Manchmal, wenn ich die Sekunden zwischen „Mama, hilfst du mir mal bei diesen Rechnungen?“ und „Guten Tag, Frau Venditti. Ist „Ihrer“ vielleicht zu Hause?“ überbrücken muss, klicke ich mich durch einen dieser dämlichen Tests, weil ich dämliche Tests und noch dämlichere Resultate schon immer gemocht habe. Heute landete ich bei „Bist du eine gute Ehefrau?“ Im Folgenden die sieben Fragen und die Antworten, die man hätte geben müssen, um zur Ehefrau des Jahrhunderts gekürt zu werden:

1 Frage: „Wie gern gehst du Hausarbeit nach?“

Hausarbeit ist das Grösste in meinem Leben. „Meiner“ hat nämlich gar keine Frau gesucht, sondern eine Haushälterin. Ich habe als Erste auf das Inserat geantwortet und weil ich seine Unterwäsche stets so schön gebügelt habe, hat er sich meiner erbarmt und mich geheiratet.

2. Frage: „Wie sieht es denn mit Kindern aus?“

Natürlich hat er auch noch meine Fruchtbarkeit testen lassen, ehe er mir einen Heiratsantrag gemacht hat. Hätte ich ihm keine Söhne geboren, hätte er mich verstossen. 

3. Frage: „Was ist für dich die Erfüllung deines Lebens?“ (Als Antwort stehen zur Auswahl: Kind, Job oder perfekte Work-Life-Balance.)

Seitdem er mich geheiratet hat, bin ich wunschlos glücklich. 

4. Frage: „Nach einem anstrengendem (sic!) Arbeitstag kommst du nach Hause, keiner hat bislang gekocht. Jeder hat Hunger. Was tust du?“

In meiner Familie kommt diese Situation nie vor, denn mein Lebenssinn besteht darin, die Meinen stets mit reichlich gesunder Kost zu versorgen. 

5. Frage: „Du bist im Edeka einkaufen. Wie gehst du dabei vor?“

Als ich „Meinem“ mal erzählte, wie ich einkaufe, hatte er danach tagelang Zweifel, ob er mich wirklich heiraten will. Nachdem ich ihm versprochen habe, mein Einkaufsverhalten zu ändern, hat er mir dann doch eine Chance gegeben. 

6. Frage: „Wähle:

  • Grosses, freistehendes Einfamilienhaus in ruhiger Wohnsiedlung
  • Schickes Loft mitten in der Stadt
  • Schnuckeliges Reihenhaus am Stadtrand“

Wo auch immer er zu leben wünscht, werde ich ihm ein wohliges Heim bereiten, in dem er sich von dem harten Männerleben da draussen erholen kann. 

7. Frage: „Dein Mann bittet dich, ihn bei einem wichtigen Geschäftsdinner zu begleiten. Eigentlich hast du aber keine Lust und müsstest viel dringendere Dinge erledigen. Was tust du?“

Sein Wunsch ist mir Befehl, aber ich muss ihn erst um Geld bitten, damit ich mir etwas Passendes zum Anziehen kaufen kann. Schliesslich will ich ihm keine Schande machen. Am Abend selber werde ich nicht von seiner Seite weichen und pausenlos bewundernd zu ihm aufblicken. 

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Reichlich naiv

Ich geb’s ja zu, es war reichlich naiv von mir zu glauben, so eine neue Mischbatterie sei ganz einfach anzubringen. Vor allem, wenn die Alte partout nicht von der Wand weg will. Aber ich kann doch nicht eine halbe Ewigkeit warten, bis „Meiner“ mal gar nichts um die Ohren hat und sich darum um die Verschönerung unseres uralten Badezimmers kümmern kann.

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Na ja, immerhin ist „Meiner“ jetzt dazu gezwungen, sich umgehend des Wasserhahns anzunehmen, wenn er nach Hause kommt. Es sei denn, er wolle nie wieder duschen. Was ich aus verschiedenen Gründen nicht hoffe.