Bad Mommy’s Terrible Saturday

Wieder so ein Samstag.

„Meiner“ irgendwo unterwegs zum letzten Aufklärungskurs des Jahres.

Ein Haufen Arbeit, die nachzuholen wäre, weil ich es in der ersten Wochenhälfte mal wieder vorgezogen habe, mich mit einer Grippe zu vergnügen, anstatt mich meinem Job zu widmen.

Traurige Kinder, die es nicht fassen können, dass wegen eines kaputten Telefons und einer blöden E-Mail-Panne das Freizeitprogramm, auf das sie sich seit Wochen gefreut haben, ins Wasser fällt.

Ein zorniger Teenager, der in Rage gerät, weil „Meiner“ sich geweigert hat, die 120 Kilometer in die Ostschweiz zu Fuss zu gehen, wo er doch genau wusste, dass ich das Auto für Chauffeurdienste ins Nachbardorf gebraucht hätte. 

Zwei verstopfte Toiletten, für die ich keine Verantwortung übernehmen will, da inzwischen jeder, der in diesem Haus lebt, die fachgerechte Toilettenbenützung und -reinigung beherrschen sollte.

Ein Wäscheberg, der einfach nicht verschwinden will, so sehr ich ihn auch dränge, endlich aus meiner Waschküche abzuhauen. 

Eine Teigmaschine, die mir auf eine passiv-aggressive Weise zu verstehen gibt, dass ich zu viel von ihr verlange und dass sie nicht gewillt ist, mir in dem von mir gewünschten Umfang zu Diensten zu sein.

Zwei Heidelbeerbüsche und ein Johannisbeerstrauch, die vorwurfsvoll im Eingang stehen und darauf warten, endlich Boden unter ihre Wurzeln zu bekommen. 

Dieses nagende Gefühl, niemandem auch nur für fünf Sekunden den Rücken zukehren zu dürfen, weil bestimmt eine leere Flasche, eine vergessene Mandarinenschale, eine halbfertige Zeichnung, ein Schokoladenpapier oder sonst etwas Unwillkommenes herumliegt, wenn ich wieder hinschaue. 

Kurzum: Einer dieser Samstage, an dem ich auf jedem Bild mit finsterem Blick und einer dicken, schwarzen Wolke über dem Kopf zu sehen wäre, wenn mein Leben ein Comicbuch wäre. (Der Titel würde dann vermutlich „Bad Mommy’s Terrible Saturday“ oder so ähnlich lauten und auf dem Cover wäre eine Karikatur meiner selbst zu sehen, wie sie zähnefletschend und mit irrem Blick durch ihr Revier streift und ihren Nachwuchs das Fürchten lehrt.)

Eine einzige Sache vermag mich an einem solchen Tag aufzuheitern: Ein Mittagessen, bei dem einer – nachdem er mein angespanntes Schweigen gründlich satt hat – auf die Idee kommt, mich zu fragen, wie ich denn die aktuelle Weltlage beurteilen würde, was mir die Gelegenheit bietet, meine miese Laune für eine Weile in die Ecke zu stellen, um des Langen und Breiten darüber zu referieren, weshalb ich die aktuelle Situation der Medien als äusserst problematisch beurteile, warum mir die politische Lage in diversen Ländern schlimme Bauchschmerzen bereitet und was in meinen Augen getan werden müsste, damit jene, die sich noch nicht von der grossen Wut haben mitreissen lassen, verhindern könnten, dass die Welt gänzlich vor die Hunde geht. 

Natürlich stehe ich eine halbe Stunde später schon wieder mit meiner schwarzen Wolke über dem Kopf am Spültrog, aber immerhin kann ich mir jetzt einreden, ich hätte heute ein ganz kleines bisschen zum Weltfrieden beigetragen. 

Falls die Knöpfe mir mein pazifistisches Gequatsche noch abnehmen, nachdem ich einmal mehr bewiesen habe, wie laut und unfreundlich ich an einem Tag wie heute werden kann… 

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Schwacher Trost

Auf dem Bildschirm das fast fertige Interview, das auf den letzten Schliff wartet, damit ich es zum Gegenlesen geben kann.

Unten an der Tür der Lieferant, der mit lautem Klingeln ankündigt, dass der Wocheneinkauf die Treppen hochgetragen werden will.

Drei Kinder, die eigentlich beim Schleppen helfen müssten, die sich stattdessen aber verbotenerweise im Garten des leerstehenden Nachbarhauses herumtreiben. 

Im Keller die Waschmaschine, die darauf wartet, geleert und wieder neu gefüllt zu werden. Dann natürlich noch die trockene Wäsche, die abgehängt werden müsste, um dem nassen Zeug Platz zu machen.

Vier verschiedene Abendprogramme („Meiner“ hat Elternabend, Karlsson geht ins Konzert, Luise ist zum Babysitten engagiert und der FeuerwehrRitterRömerPirat sollte endlich wieder einmal in die Trompetenstunde, die wir andauernd vergessen) und ein grosser Wunsch (Prinzchen möchte dringend sein Geburtstagsgeld loswerden), der leider nicht auch noch erfüllt werden kann. 

Eine unaufgeräumte Küche und ein Brummschädel, der entweder gegen einen bevorstehenden Wetterwechsel oder aber gegen das allgemeine donnerstägliche Familienchaos rebelliert. 

Als dann auch noch die Baguettes nicht im Ofen, sondern auf dem Fussboden landen, ist die mütterliche Explosion nicht mehr zu vermeiden. 

Früher hätten mich in einem solchen Moment ein paar pausbackige, engelsgleiche Kinder getröstet. „Sei nicht traurig, Mama“, hätte vielleicht der eine oder die andere gesagt und mir ein Lächeln oder eine Umarmung geschenkt.

Heute muss ich froh und dankbar sein, wenn im Moment der Explosion kein Teenager zugegen ist, der meint: „Krieg dich wieder ein. Hat dir ja keiner befohlen, an einem Tag wie heute auch noch Brot zu backen.“

(Und natürlich hätten sie nicht das geringste Verständnis, wenn ich erklären würde, als ich heute Nachmittag den Kühlschrank geöffnet hätte, habe der Brotteig geschrien: „Verarbeite mich sofort und schieb mich in den Ofen, ich bin reif!“ Früher hätten sie geglaubt, ich sei Goldmarie…)

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Ein Wunsch für die Zukunft

Seit heute Morgen weiss ich ganz genau, was Karlsson werden soll, wenn er eines Tages genügend Bildung in sich aufgesogen hat. 

Journalist soll er werden. Journalist im Homeoffice, wenn möglich betraut mit der Aufgabe, jeden Monat zum Ersten einen witzig-spritzigen Text, der die Leserschaft aufs Beste unterhält, zu veröffentlichen. So regelmässig soll dieser Text erscheinen, dass auch Feiertage wie Allerheiligen, Neujahr und Tag der Arbeit keinen Aufschub zulassen. Genau dies wünsche ich mir für die berufliche Zukunft meines Ältesten. 

Wie? Ihr sagt, der Journalismus habe keine Zukunft? Im postfaktischen Zeitalter interessiere sich kein Mensch mehr für von Menschen verfasste Texte? Keine anständige Mutter könne ihrem Sohn eine derart brotlose Zukunft wünschen?

Mir egal. Ich will mich bloss eines Tages, wenn er mit dem Abgabetermin im Nacken am Computer sitzt, neben ihn setzen und ihm den Kopf vollquasseln, bis er nicht mehr weiss, wie er seine Satzanfänge, Kommata und Pointen richtig einordnen soll. Und bevor ich ganz von ihm ablasse, um ihn in Ruhe schreiben zu lassen, spiele ich vielleicht noch eine Runde Klavier.

Man könnte auch sagen, ich will mich für das rächen, was er mir am Morgen dieses ganz und gar unwillkommenen Feiertags, der für mich ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag sein sollte, angetan hat. 

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Hausfrauenträume?

„Meiner“ war mit den Kindern neulich bei Schwiegermama und um mir eine Freude zu machen, brachte er mir einen dieser Kataloge nach Hause, die mit vielen blumigen Worten und grossartigen Versprechen Dinge anpreisen, die angeblich die Hausfrauenherzen höher schlagen lassen. Heute hatte ich endlich Zeit, mir diesen Katalog anzuschauen und jetzt weiss ich wieder, was mir zu meinem Glück alles fehlt. 

Ich habe zum Beispiel keinen Ei-Köpfer, der ein für alle Mal die Diskussion beendet, ob das Ei mit dem Messer oder mit dem Löffel korrekt geköpft wird. Gut, diese Diskussion ist eine der wenigen, die unserem Hause nicht geführt wird, aber es wäre dennoch schön, wenn man den Kompromiss einfach aus der Schublade ziehen könnte, falls sich doch einmal zwei ob dieser weltbewegenden Frage in die Haare geraten sollten. 

Leider ist auch noch keiner auf die Idee gekommen, wie elend mein Leben ohne Makronator ist. Da beglücken sie mich zum Geburtstag mit neuen Pflanzen für den Garten, schenken mir zu Weihnachten ein paar freie Tage und feiern mich am Muttertag mit Blumensträussen, aber dass mein Herz eigentlich nach einem Gerät verlangt, das mir dabei hilft, perfekt geformte Makronen aufs Blech zu zaubern, daran denkt natürlich mal wieder kein Schwein.

Ja, und wenn sie mich schon Pflanzen erfreuen wollen, warum bekomme ich dann keinen praktischen „Blatt-Glanz“ dazu geschenkt? Dieses zangenartige Ding, mit dem man jedes einzelne Blättchen auf Hochglanz polieren kann? Was wäre das doch für eine Freude, wenn ich täglich meine Putzrunde durch Garten, Gewächshaus und Wohnzimmer drehen könnte.

Wenn ich fertig poliert hätte, könnte ich mich den Fensterrahmen annehmen. Dank dem Rahmen-Clean würde sich dort nie wieder Schmutz ansammeln, was natürlich meine Lebensqualität enorm verbessern würde. Wie oft habe ich schon, wenn ich auf der Suche nach dem perfekten Satz gedankenverloren aus dem Fenster gestarrt habe, die Freude am Schreiben verloren, weil mein Blick auf meine dreckigen Fensterrahmen fiel? Noch irgendwelche Fragen, weshalb ich an einer hartnäckigen Schreibblockade leide?

Natürlich sind daran nicht alleine die Fensterrahmen schuld. Auch meine schmutzigen, verstaubten Steckdosen machen mir zu schaffen. Immer und immer wieder quält mich die Frage, wie ich die Dinger sauber bekommen soll. Ein Steckdosen-Reiniger würde diesen Qualen ein für alle Mal ein Ende setzen, aber natürlich fehlt auch der in meinem Haushalt. 

Je länger ich diesen Katalog studiere, umso mehr wird mir bewusst, wie armselig die Ausstattung unseres Haushalts ist. Ich habe keine Bettdecken-Klippse (sic!), die verhindern, dass der Bettbezug verrutscht, keinen Zauberschaum, der unser WC reinigt und keinen Spritzbeutelhalter, der meinen Spritzbeutel – den ich leider auch nicht besitze – festhält, während ich die zu spritzende Masse einfülle. Ich besitze weder ein Eier-Party-Tablett, in dem ich gefüllte Eihälften transportieren könnte, noch einen griesgrämig dreinblickenden Ei-Trenner, der das Eiweiss durch seine Nasenlöcher in die Schüssel fliessen lässt. Und ein praktisches Podest mit Schublade, das den Platz unter der Mikrowelle optimal nutzt, brauche ich mir gar nicht erst zu wünschen, da ich mein trübes Dasein ohne Mikrowelle fristen muss.

Solange ich alle diese wunderbaren Dinge nicht besitze, können meine lieben Mitmenschen doch wirklich nicht von mir erwarten, dass ich meine Hausfrauenrolle mit Begeisterung ausfülle.

Wobei, wenn ich es mir recht überlege, erwartet das hier ja gar keiner von mir. Vielleicht gebe ich doch keine Bestellung auf…

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Einige Umbau-Gedanken

Der Küchenumbau befindet sich in seiner zweitletzten Phase und es wird allmählich Zeit, einige Lehren aus der ganzen Sache zu ziehen:

  • Es gibt durchaus Gründe, weshalb „Meiner“ und ich keinen handwerklichen Beruf ergriffen haben. Sehr viele, sehr gute Gründe. 
  • Hat man die Vierzig überschritten, darf man sich nicht wundern, wenn die bestellten Küchenmöbel und der nicht bestellte Hexenschuss am gleichen Tag geliefert werden. (Die Hexe traf nicht mich, sondern „Meinen“, aber er hat ganz furchtbar tapfer auf die Zähne gebissen.)
  • Dass Teenager immer hungrig sind, haben wir bereits an anderer Stelle festgestellt. Dieser Hunger lässt sich leider durch einen Küchenumbau ganz und gar nicht beeindrucken. Du hast also die Wahl: Entweder, du arrangierst dich damit, dass  die Halbwüchsigen andauernd wie hungrige Wölfe in der Küche herumschleichen, um zwischen Schrauben, Bohrmaschinen und Brettern etwas Essbares zu ergattern, oder du schickst sie auf die Kebab-Jagd, damit du endlich in Ruhe schrauben kannst. 
  • Hilft Karlsson mit, bist du immer froh, wenn er sich bald einmal wieder dem Klavier oder der Geige zuwendet. (Auch bei ihm sind die Gründe, weshalb er keinen handwerklichen Beruf ergriffen hat, zahlreich.)
  • Hilft das Prinzchen mit, bist du immer traurig, wenn er sich wieder seinen Zeichnungen oder dem Spiel mit seinen Brüdern zuwendet. (Sieht zwar nicht so aus, als wolle er mal einen handwerklichen Beruf ergreifen, aber ich glaube, er könnte, wenn er wollte.)
  • Es gibt auch Kinder, die von dem ganzen Durcheinander gar nichts mitbekommen und die dich ganz verwundert anschauen, wenn du sie fragst, ob sie mal kurz helfen könnten. Helfen? Wozu? Soll die Küche denn nicht bleiben, wie sie jetzt gerade ist?

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Ein Ende in Sicht

Wie es unserer Küche gehe, wollte neulich jemand von mir wissen. Sie sei auf dem Wege der Besserung, antwortete ich und das ist sie tatsächlich.

Die Kühlgerät-Komödie hat ein gutes Ende gefunden. Das unnütze Ding, das nach wenigen Monaten bereits seinen Dienst verweigerte, ist auf Kosten der Firma abtransportiert und entsorgt. Das neue Gerät ist so wunderbar, dass mich jedesmal, wenn ich seine Türen öffne, leicht fröstelt, was ja bei einem Kühlschrank eigentlich normal ist, mich aber dennoch überwältigt, weil es sein Vorgänger nicht mehr unter die 10-Grad-Marke schaffte. 

Der Herd meiner Träume ist installiert, Schwiegermamas heilige Pfannen sind entsorgt uns seither wird nur noch in pinkfarbenen und hellgrünen Töpfen gekocht. Eine wahre Freude, die man allerdings immer nur ganz kurz geniessen kann, weil dieses Induktionszeug so wahnsinnig schnell ist.

Das Abwaschen in der Badewanne hat bereits vor einigen Wochen ein Ende gefunden und seit heute steht sogar wieder eine Maschine da, die uns bereitwillig die Arbeit abnimmt.

Wenn alles läuft wie geplant, sollten nächste Woche die Küchenmöbel fertig werden und dann ist er hoffentlich endlich Geschichte, der Umbau, der als eine der nervenaufreibendsten und zugleich eine der wunderbarsten Haushaltangelegenheiten in die Familiengeschichte eingehen wird. Nervenaufreibend, weil wir dabei Murphys Gesetz von vorne bis hinten und wieder zurück durchbuchstabiert haben. Wunderbar, weil immer dann, wenn wir uns nicht mehr zu helfen wussten, von irgendwo ein rettender Engel angeflogen kam, der uns aus der Patsche half. (Wo wir heute ohne diese Engel stünden, möchte ich mir lieber nicht ausmalen…)

Und so überwiegt jetzt, wo das Ende in Sicht ist, die Dankbarkeit, die die den Ärger allmählich verblassen lässt. Wobei er nicht gänzlich vergessen gehen soll, sonst kommen „Meiner“ und ich am Ende noch auf die Idee, uns ins nächste Abenteuer zu stürzen.

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Ein bisschen Selbstbeweihräucherung

Wenn man, wie ich, ziemlich selten unter die Leute kommt, vergisst man so leicht, dass man auch ein paar herausragende Fähigkeiten hat. Um nicht auf die Idee zu kommen, ich sei ein ganz und gar untalentiertes, nutzloses Mitglied unserer Gesellschaft, habe ich angefangen, im Alltag speziell darauf zu achten, in welchen Punkten ich die lieben Menschen, mit denen ich mein Haus teile, um Längen übertreffe.

Ich könnte jetzt natürlich damit anfangen, die offensichtlichen Dinge wie das Aufschrauben von herumliegenden Zahnpastadeckeln oder das Abwimmeln von Telefonverkäufern nennen, aber da mir „Meiner“ in diesen zwei Disziplinen inzwischen dicht auf den Fersen ist, kann ich mich damit leider nicht mehr so richtig brüsten. Klar, ab und zu landet bei ihm noch ein „Candida“-Deckel auf einer „Elmex“-Tube, was dann natürlich eine Sauerei gibt, aber dafür ist er inzwischen noch gerissener als ich, wenn es darum geht, unliebsame Werbeanrufe abzuklemmen. Er gibt jetzt einfach vor, er spreche kein Deutsch und falls mal jemand auf die Idee kommt, ihm auf Italienisch zu antworten, tut er so, als glaube er, mit dem Pizzalieferdienst zu reden, was die Anrufer komplett verwirrt.

Selbstverständlich gibt es aber andere Bereiche, in denen ich nicht zu übertreffen bin. So bin ich zum Beispiel die einzige Person im Hause, die in der Lage ist, eine WC-Papierrolle zu wechseln. Ich weiss, das schüchtert euch jetzt ein wenig ein, denn das ist nun wirklich eine Sache, die kaum ein Mensch auf diesem Planeten richtig beherrscht, aber ich kann das tatsächlich. Wenn’s sein muss sogar bei ganz unterschiedlich konstruierten Rollenhaltern. Zuweilen gar mehrmals täglich, ganz ohne Ermüdungserscheinungen. Jawohl, so gut bin ich in dieser Disziplin.  Und ich kann die Rollen nicht nur wechseln, ich kann die leeren Kartonröllchen auch am richtigen Ort entsorgen. Ich schmeisse die Dinger  nicht in die Badewanne oder unter das Regal, das neben der Toilette steht, sondern ich bringe sie in die Küche, wo der Sack mit dem Altpapier steht.

Noch so ein Bereich, in dem ich unangefochtene Meisterin bin: Leere Seifenspender auffüllen. Der Einfallsreichtum meiner Mitbewohner kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, diese Herkulesaufgabe zu vermeiden. Manche bedienen sich bei leerem Seifenspender schamlos am Duschgel, das nebenan bei der Badewanne steht, andere nehmen den Umweg zur Küche auf sich, um ihre Hände doch noch mit Seife in Berührung zu bringen, wieder andere glauben, ohne Seife könne man das ganze Theater mit dem Händewaschen gleich bleiben lassen. Hauptsache, sie müssen sich nicht mit mir in der Kunst des Nachfüllens messen. Sie hätten ja ohnehin keinen Stich gegen mich, wo ich doch so unglaublich begabt bin auf diesem Gebiet.

Es gibt noch viele weitere Dinge, die ich so viel besser kann als meine Mitbewohner: Zwetschgensteine wegwerfen, die WC-Bürste bedienen, leere Flaschen in den Entsorgungseimer schmeissen, die Butter in den Kühlschrank legen, Stühle zum Tisch schieben, heruntergefallene Handtücher aufheben und wieder an ihren Platz hängen, vor dem Essen Untersetzer für die heissen Pfannen bereitlegen, Schuhe ins Regal stellen und noch ganz viele andere Dinge. Kaum zu glauben, wie vielseitig ich bin.

Als echter Profi ist mir aber die Nachwuchsförderung sehr am Herzen gelegen. Bei allem Stolz auf die oben genannten Fähigkeiten hätte ich doch nichts dagegen, meinen Podestplatz mit den anderen zu teilen. Darum bemühe ich mich nach Kräften darum, mein Wissen und meinen reichen Erfahrungsschatz mit meinen Mitbewohnern zu teilen.

Leider ist „Meiner“ bis anhin der einzige, der ehrgeizig genug ist, um meinen Podestplatz ernsthaft zu gefährden. 

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Teenager müsste man sein

„Warum kommt denn plötzlich so wenig Wasser aus dem Hahn?“, fragte eines meiner herzallerliebsten halbwüchsigen Kinder heute, als es sich zu später Stunde noch etwas kochen wollte. 

„Mein liebes Kind“, gab ich zur Antwort, „das ist nun schon seit zwei Wochen so. Hast du dich denn noch nie gefragt, warum Papa und ich seit einiger Zeit in der Badewanne abwaschen?“

„Doch, natürlich, aber ich habe mir dann gedacht, ihr macht das nur, weil es in der Badewanne schneller geht.“

Himmel, wie schafft man es, in diesem Haus zu leben, ohne die Leiden des Küchentrogs wahrzunehmen und das trotz regelmässigem Küchendienst? Und wie um alles in der Welt blendet man das mütterliche Dauergejammer über das Küchenelend* aus? So etwas schafft nur ein Teenager, der vor lauter Snapchat bloss noch am Rande mitkriegt, womit sich der Rest der Familie den lieben langen Tag so rumschlägt.

Glückliche Teenager…

 

* Ach, wo wir schon beim Küchenelend sind: „Meiner“ hat für einmal seine Nettigkeit in den Schrank gesperrt und die Leute, die uns das schadhafte Kühlgerät verkauft haben, so lange genervt, bis sie sich bereit erklärt haben, uns den vollen Verkaufspreis zu erstatten und das Monstrum aus unserer Küche zu entfernen. Vielleicht kommen doch wieder bessere Zeiten…

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Der Spass will einfach kein Ende nehmen…

Vielleicht hat meine geschätzte Leserschaft allmählich die Nase voll von meinen Küchendramen, aber da das Ganze nun wirklich groteske Züge annimmt, sehe ich mich verpflichtet, noch ein wenig weiter darüber zu berichten. Einerseits, damit das irgendwo dokumentiert ist, denn in ein paar Monaten glaube ich sonst die Sache selber nicht mehr. Andererseits, weil die Menschheit sehen soll, dass auch unser Leben im Luxus seine Tücken hat. 

Die Ausgangslage heute Morgen war so…

Ich rechnete fest damit, spätestens heute Mittag wieder über ein funktionierendes Kühlgerät zu verfügen, denn der Monteur, der mir vor zweienhalb Wochen hoch und heilig versprochen hatte, die Reparatur werde bestimmt nicht länger als sieben Tage auf sich warten lassen, hatte heute endlich Ersatzteile und Zeit, um sich der Sache anzunehmen. Die Telefonate, die „Meiner“ geführt hat, um diesen Termin zu bekommen, habe ich nicht gezählt, aber es waren viele.

Im Weiteren hatte ich die feste Zusage, dass am Montag der neue Herd geliefert werden soll. Vom gleichen Anbieter wie das Kühlgerät, diesmal aber wieder wie gewohnt mit Garantieverlängerung, da ich mich darum bemühe, den gleichen Fehler nur einmal im Leben zu machen. (Beim Kühlgerät hatten wir darauf verzichtet, weil man sich mit dem Geld, das wir über all die Jahre für ungenutzte Garantieverlängerungen bezahlt haben, eine  neue Luxusküche leisten könnte. Wie wir jetzt wissen, spüren die Geräte so etwas sofort und beschliessen, kurz nach Ablauf der regulären Garantiezeit in Streik zu treten.)

Ausserdem freute ich mich wie ein kleines Kind auf den nächsten Dienstag, denn dann soll derjenige kommen, der die verkalkten Leitungen reinigt. Wenn das Wasser erst mal wieder fliesst, können wir uns auch des defekten Geschirrspülers annehmen und dann bestehen gute Chancen, dass wir noch vor den Herbstferien wieder halbwegs normal kochen, abwaschen und kühlen. 

Wie sich die Lage präsentierte, als der Monteur da war…

Die Gute Nachricht wie immer zuerst: Der Termin mit dem „Leitungsreiniger“ steht weiterhin, es besteht also durchaus Hoffnung, dass wir in einer Woche nicht mehr in der Badewanne abwaschen.

Der ganze Rest aber ist Sch…

Das Kühlgerät, so weiss ich jetzt, ist nicht mehr zu retten. Verlust von Kühlflüssigkeit, Rost, Reparatur wäre teurer als eine Neuanschaffung bla bla bla. Und das ein gutes Jahr nach dem Kauf. Okay, man hat uns damals das Ganze als Ausstellungsmodell vergünstigt angeboten, aber billig war es deswegen noch lange nicht. Ausserdem „absolut vertrauenswürdige Marke, beste Qualität, Sie werden lange Freude haben daran“ und was die einem sonst noch so sagen, wenn sie einen zum Kauf bewegen wollen. Heute dann so: „Solche Geräte stehen monatelang irgendwo herum, vielleicht schon mal bei einem Kunden als Ersatzgerät im Einsatz, keiner schaut, ob wirklich alles in Ordnung ist.“ Also alles, was sie so sagen, wenn keiner die Schuld auf sich nehmen will.

Nun gut, die Schuld liegt natürlich ohnehin bei mir, denn ich war ja, wie gesagt, einmal – ein EINZIGES Mal-  in meinem Leben fahrlässig genug, um auf die Garantieverlängerung zu verzichten und dafür soll ich jetzt tüchtig Busse tun. Ich soll ihnen gefälligst auf Knien danken, dass sie so kulant sind, mir ein sensationell gutes, noch nie gebrauchtes und ganz bestimmt perfekt durchgestyltes Gerät zum sagenhaften Preis von 1500 Franken zu offerieren. Und natürlich soll ich auch keine Minute lang überlegen, ob ich das will und kann, denn so ein Angebot bekomme ich nie wieder im Leben. Ob ich denn wirklich mehr Entgegenkommen erwarten hätte? (Wie gierig die Hausfrauen heutzutage sind… Tssss!)

Während ich am Telefon verhandle, steht hinter mir ein fassungsloser Monteur der findet, Kulanz sähe anders aus. Was ich natürlich auch finde und deshalb dem aalglatten Typen am Telefon – der es nicht fassen kann, dass ich ob seines Angebots nicht in dankbaren Jubel ausbreche – so unmissverständlich klar mache, dass meine Freunde, die mir immer vorwerfen, ich sei zu nett, wahrlich stolz auf mich wären. (Okay, sie würden vielleicht sagen, ich hätte mich am Ende nicht für meinen Ausbruch entschuldigen sollen, aber immerhin war da ein Ausbruch.) 

Wie sich die Lage jetzt, wo ich das alles weiss, präsentiert…

Kühlgerät:

  • Entweder wir toben so lange, bis sich in dem Saftladen, in dem wir das Gerät erstanden haben, ein anständiger Mensch findet, der weiss, was das Wort „Kulanz“ bedeutet,…
  • … „Meiner“ und ich sind blöd genug, um das „sensationelle Angebot“ anzunehmen und zwacken die 1500 Franken – die wir bei der Küchenrenovation nicht budgetiert haben, da wir nicht auf ein neues Kühlgerät eingestellt waren – irgendwo sonst ab,…
  • … oder wir strecken die Waffen, bestehen darauf, dass die wenigstens kostenlos das defekte Gerät aus unserer Wohnung befördern und entsorgen und machen uns bei einem hoffentlich vertrauenswürdigeren Händler auf die Suche nach einem neuen Gerät. 

Wie auch immer die Sache ausgeht, wir werden auf alle Fälle noch wochenlang ohne anständiges Kühlgerät leben müssen. Wir werden weiterhin verzweifelt versuchen, unser Kühlgut irgendwie in den winzigen Kühlschrank, den wir Gott sei Dank noch im Keller hatten, zu stopfen. Und wir werden leider immer mal wieder verdorbene Lebensmittel entsorgen müssen, weil a) schlicht keine Möglichkeit besteht, Resten zu kühlen und b) in dem Kühlschränkchen alles drunter- und drüber liegt, so dass man allzu leicht etwas übersehen kann. 

Und natürlich hat das auch Konsequenzen für den Ofen, der am Montag geliefert werden soll, denn nicht mal ich bin naiv genug, dieser Firma noch einmal mein Vertrauen – und viel Geld – zu schenken, Garantieverlängerung hin oder her. Dabei wäre es der Ofen meiner Träume gewesen. Und das Kochen auf drei Platten geht mir allmählich auch auf den Geist.

Aber ich kann mich wenigstens noch auf den „Leitungsreiniger“ freuen…

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Tomaten für die gute Laune

Auch wenn ich mich eigentlich nicht durch solchen Kleinkram beeinflussen lassen möchte, schlägt mir der Zustand unserer Küche allmählich aufs Gemüt. Vielleicht ist das unvermeidlich, wenn wohnen und arbeiten am gleichen Ort stattfinden und man andauernd vor Augen hat, was nicht ist, wie es sein sollte.

Na ja, immerhin wächst das Mittel gegen den Hausfrauenfrust direkt hinter dem Haus:

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Und wenn ich mir unbedingt beweisen will, dass ich mich wirklich nicht beeindrucken lasse durch die eingeschränkten Möglichkeiten, die unsere Küche bietet, dann lasse ich mich gar dazu hinreissen, die Ernte umgehend zu verarbeiten:

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Man muss Ketchup ja nicht unbedingt mögen. Die Farbe allein reicht schon, um die miese Laune zu vertreiben.

Ach ja, das Rezept stammt übrigens aus diesem wundervollen Buch