Einfach unersättlich, diese Majestäten

Okay, ich weiss, ich bin ein Feigling. Ich bringe es einfach nicht übers Herz, einem einzigen Familienmitglied die Krone für einen Tag zu gönnen. Jeder Aufwand ist mir recht, wenn ich mir damit den Anblick enttäuschter Kinderaugen ersparen kann. Schief geht es trotzdem jedes Jahr. Am heutigen Dreikönigstag lief das alljährliche Drama folgendermassen ab:

Sonntag, 5. Januar 2014, ca. 22:00 Uhr

Mama Venditti schiebt den fairsten Königskuchen aller Zeiten in den Ofen und legt fest, welcher Brötcheninhalt für welchen Titel steht:

  • Rosine = König Christian I. von Dänemark, Schweden und Norwegen
  • Erdnuss= Queen Elizabeth I.
  • Kaffeebohne = Lous XIV.
  • Roter Bonbon = König Carl XIV Johan von Schweden
  • Gelber Bonbon = King Arthur
  • Getrocknete Rose = Zarin Katharina die Grosse
  • Kandierte Früchte = Kaiser Karl der Grosse

Ja, ich weiss, ein echter Adelskenner würde in dieser Aufstellung schon einige Standesunterschiede ausfindig machen, aber wir wollen es mal nicht übertreiben, gekrönt ist gekrönt. Auf das Basteln von Kronen wird übrigens verzichtet, der Titel muss reichen. 

Sonntag, 5. Januar 2014, ca. 22:05 Uhr

Luise kommt verbotenerweise noch einmal aus dem Bett und lässt mich wissen, dass ein Dreikönigstag ohne  „richtigen“ Königskuchen auch kein „richtiger“ Dreikönigstag sei. Und ein „richtiger“ Königskuchen sei einer, der im Laden gekauft wird. Mama Venditti beschliesst, ihrer Tochter den Gefallen zu tun und einen zusätzlichen Kuchen zu kaufen, weil das arme Kind in der letzten Zeit doch immer wieder geklagt hat, man würde sie zu wenig ernst nehmen.

Montag, 6. Dezember, 07:05 Uhr

Queen Elizabeth I., in diesem Hause besser bekannt als Zoowärter, tauscht ihren Titel mit König Carl XIV. Johan, im Alltag Luise genannt. Nach diesem Tausch schauen beide gekrönten Häupter deutlich fröhlicher aus der Wäsche. Wenig später dankt König Christian I., manchmal auch Prinzchen genannt, freiwillig ab und bittet seinen Vater untertänigst, er möge ihm den Thron von King Arthur überlassen. Der Vater, in royalen Dingen vollkommen unbedarft, gewährt seinem Sohn diesen Wunsch und macht sich auf, um seinem ganz und gar bürgerlichen Broterwerb nachzugehen. Wie zu erwarten war, ist Louis XIV. mit seiner Rolle voll und ganz zufrieden, dafür widerstrebt es ihm, als FeuerwehrRitterRömerPirat in die Schule gehen zu müssen. Karl der Grosse ist leider krank und Katharina die Grosse zieht sich nach durchwachter Nacht noch einmal in ihr Schlafgemach zurück, nachdem sie in der Migros zwei „richtige“ Königskuchen mit Papierkronen erstanden hat. Ja, zwei, weil einer alleine nur sechs potentielle Königsbrötchen hat. Also doch Potential für Streit, weil nur zwei eine Krone haben können. 

Montag, 6. Dezember, 11:45 Uhr

King Arthur, vormals König Christian I, kommt freudenstrahlend vom Kindergarten nach Hause. Er, sein bester Freund und „so ein Mädchen“ haben einen König und damit auch eine Krone ergattert. Katharina die Grosse, von ihren Kindern noch immer als Mama angesprochen, atmet hörbar auf. Einer ist bereits gekrönt, also einer weniger, der enttäuscht werden kann. 

Montag, 6. Dezember, 12:35 Uhr

König Christian I., auch „Meiner“ genannt, darf sich eine Krone aufsetzen. Mist! Die hätte doch eines der Kinder bekommen sollen! Wer die zweite Krone bekommt, wird sich beim Zvieri zeigen.

Montag, 6. Dezember, 15:11 Uhr

Queen Elizabeth I. kommt verschwitzt und hungrig von einer freiwilligen Joggingrunde zurück – fragt mich bloss nicht, was in sie gefahren ist – und der Zufall belohnt sie für diesen Einsatz mit einer Krone. Weil sie von der sportlichen Betätigung so ausgehungert ist, verschlingt sie zu viel Königskuchen und muss deshalb in der Bäckerei Nachschub holen. Sonst reicht es nicht für alle zum Zvieri.

Montag, 6. Dezember, 15:30 Uhr

Queen Elizabeth I. kehrt mit zwei überteuerten Königskuchen aus der Bäckerei zurück. Die Augen von Louis XIV. glänzen hoffnungsfroh. Vielleicht wird er doch noch eine Krone bekommen.

Montag, 6. Dezember, 15:56 Uhr

Louis XIV. sitzt schluchzend am Tisch. Karl der Grosse und König Carl XIV. Johan haben sich die zwei letzten Kronen geschnappt. König Christian I., der ja ohnehin kein echter Royalist ist, bietet dem traurigen Sonnenkönig seine Krone an, doch dieser schlägt das Angebot aus, weil zu dieser Krone eine Königinnenfigur gehört. Katharina die Grosse, die übrigens auch auf eine Krone verzichten musste, bittet Queen Elizabeth I., sie möge doch bitte mit dem armen Sonnenkönig Erbarmen haben und ihm ihre Königsfigur überlassen. Im Gegenzug dürfe sie König Christians Königinnenfigur haben. Doch Queen Elizabeth I. zeigt sich unnachgiebig und so bleibt dem armen Sonnenkönig nichts anderes, als sich mit einem Säcklein Süssigkeiten aus der Bäckerei zu trösten, das er sich erst noch hinter Katharinas Rücken und mit dem eigenen Taschengeld kaufen musste. King Arthur findet das trotzdem vollkommen unfair und muss wegen lauten und andauernden Heulens auf sein Zimmer geschickt werden. 

Montag, 6. Dezember, 23:48 Uhr

Alle gekrönten Häupter haben sich zur Ruhe begeben. Alle? Nein, Zarin Katharina die Grosse ist noch wach und fragt sich, was sie nun wieder falsch gemacht hat, an welchem Punkt die Sache aus dem Ruder gelaufen ist, ob sie es wagen soll, den Dreikönigstag im Reiche Venditti um des lieben Frieden Willens abzuschaffen, oder ob sie damit riskiert, auf dem Schafott zu landen. 

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Spinnen

Die Tage sind still. Zu still vielleicht für mein Gehirn. Mangels anderer Beschäftigung fängt es an zu spinnen. Hauchzarte, komplexe Gespinste von hinreissender Schönheit. Den ganzen Raum, in dem ich mich bewege, umwebt mein Hirn damit, alles sieht dank ihnen weicher, fantastischer aus. Zumindest im sanften Licht des Mondes, oder bei Sonnenaufgang, wenn die Tautropfen, die sich auf den Gespinsten niedergelassen haben, verführerisch glitzern. Erst der helle Tag macht sichtbar, was das Gehirn tatsächlich geschaffen hat: Dünne Fäden, die bei der leichtesten Berührung durch das wahre Leben reissen und danach unangenehm  kleben bleiben, an den Fingern, in den Augenwimpern, im Haar. 

So schön sie bei rechtem Licht betrachtet auch sein mögen, sie sind eben doch nichts weiter als Hirngespinste. 

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Völkerverständigung im Hauseingang

Schwiegermama, Schwiegertante und Schwiegercousin – alle drei vorwiegend Italienisch sprechend – gehen die Treppe runter, von unten her kommt a) der Papa von Prinzchens bestem Freund – ein Grieche -, der seinen Sohn abholen will und b) meine älteste Schwester, die ihr Töchterlein abholen will. Am Briefkasten steht meine Mama. Schwiegermama, Schwiegertante und Schwiegercousin begrüssen meine verdutzte Mama mir südländischem Überschwang und Küssen, obschon man sich gegenseitig kaum kennt, geschweige denn versteht. Derweilen stelle ich meiner Schwester den Papa von Prinzchens bestem Freund vor, dessen aus Marokko stammende Frau sie bereits getroffen hat. Kater Leone kommt hinzu, worauf Schwiegertante fragt, ob dies „die andere“ sei und meint damit „die andere Katze“. Schwiegermama verneint. Das sei meine Mama, nicht „die andere“. Meine Mama, die eigentlich kein Italienisch spricht, versteht und alle brechen in Gelächter aus. 

So einfach könnte es sein mit der Völkerverständigung. 

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Ein Blick zurück

Alte Leidenschaften wiederentdeckt

Neue Freunde gewonnen

Alte Freundschaften vertieft

Träume verwirklicht

Einen Lebensabschnitt abgeschlossen

Einen Lebensabschnitt begonnen

Wunden geleckt

Neue Energie getankt

Ordnung geschaffen

Zurückerobert

Hinter mir gelassen

Zukunftsperspektiven skizziert

Gesät, gehätschelt und geerntet

Gezweifelt

Bereut

Ermöglicht bekommen, was ich schon lange wollte

Neues gelernt und Altes vertieft

Geschlafen – vielleicht auch einfach Überstunden abgebaut

Gerechnet und verrechnet

Meine Familie genervt und mich von ihnen nerven lassen

Notanker gespielt

Reich beschenkt worden

Mit dem Loslassen gekämpft

In ein und demselben Moment Wehmut und Freude gefühlt

Neue Leidenschaften gefunden

Dankbar

Von Herzen allen ein schönes, gesegnetes neues Jahr!

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Wunderbare faule Tage

Ausschlafen, bis man das Frühstück als Mittagessen durchgehen lassen kann.
So lange lesen, bis das Buch oder zumindest die spannende Passage zu Ende ist.
Sich in Zürich nicht durch die Massen stören lassen, sondern mit Karlsson in aller Ruhe die Geschenke aussuchen, die er sich nicht wünschen konnte, weil er noch gar nicht wusste, dass er grünen Kaviar und Schweizer Trüffel bekommen könnte.
Sich von Panettone, Orangen, Tonic Water und Gruyère ernähren, weil alles andere zu viel Arbeit macht.
Sich mit Mann, Kind und Katzen im Wohnzimmer fläzen und einen Familienfilm reinziehen.
Zwischendurch ein Kaffee oder einen Tee aus einer Tasse schlürfen, die noch niemand hat kaputt machen können, weil ich sie gerade erst bekommen habe.
Sich über unerwartete Geschenke freuen, zum Beispiel über edlen Tee und Maldon Salt, die wir im im Delikatessengeschäft geschenkt bekommen haben, bloss weil dort der Vater von Prinzchens bestem Freund arbeitet.
Immer wieder einen verträumten Blick auf den in diesem Jahr so wunderschön geratenen Weihnachtsbaum werfen.
Ab und zu einen Streit schlichten, aber damit muss man wohl leben.
Zeit haben für spontanen Besuch.
Kein Problem haben damit, wenn der Besuch dann doch nicht kommt. Dann fläzen wir eben weiter im Pyjama rum.

Seitdem unsere Kinder grösser sind, sind die Tage zwischen den Jahren wieder das, was sie früher mal waren: Wunderbare faule Tage.

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Ein Happen für zwischendurch

Luise hat mal wieder eine Einladung zu einer Geburtstagsparty bekommen. Also, genauer gesagt ist es eine Einladung zu einer Geburtstag’s Party, zu der Luise, wenn sie „lust“ hat, verkleidet kommen darf. Die Einladung schliesst mit der höflichen Bitte „wenn nicht kommen kannst sag mir bescheid“. Nachdenklich studiere ich die Einladungskarte. Nicht ein einziges Komma hat sich in den kurzen Text verirrt, obschon es an einigen Stellen herzlich willkommen wäre, auch die Grossschreibung kommt viel zu kurz. Nur der Apostroph ist da, obschon er hier wirklich nichts zu suchen hätte. Dieser miese Gatecrasher hat es mal wieder geschafft, dabei zu sein obschon er nicht dazu gehört.

Woher kennen Kinder, die weder mit Kommata noch Gross- und Kleinschreibung vertraut sind, diesen Kerl überhaupt?

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Wie schwierig kann es denn sein…

…Gabeln, Messer, Esslöffel und Kaffeelöffel in der Besteckschublade ins richtige Fach einzuordnen? Nein, kein ausgeklügeltes System, das nur Eingeweihte verstehen können. Einfach nur Gabeln zu Gabeln, Messer zu Messer und so weiter. Und nicht etwa Messer zu Kaffeelöffel, Gabel zu Rüstmesser und quer obendrauf noch ein Esslöffel oder so.

…die Zähne zu putzen, ohne eine halbe Tube Zahnpaste im Lavabo zu verschmieren? Ich will ja nicht pingelig sein, aber mit Zahnpaste bringt man das Lavabo einfach nicht sauber, egal, wie viel man davon verschmiert. 

…die Wäsche in den Wäschekorb zu schmeissen und nicht 22,5 Millimeter daneben? 

…den Deckel zurück auf die Flasche zu schrauben, nachdem man sich eingeschenkt hat? Ja, ich weiss, gewisse Kinder können prima basteln mit Flaschendeckeln, man kann auch ganz tolle Glotzaugen machen damit, aber kann man damit nicht warten, bis alles aus der Flasche raus ist, nicht bloss die Kohlensäure?

…schmutziges Geschirr in den Geschirrspüler zu räumen und sauberes in den Schrank und nicht umgekehrt? Ich würde ja behaupten, der Unterschied zwischen Küchenschrank und Geschirrspüler sei so deutlich zu erkennen, dass selbst der verschlafenste Venditti das richtig hinkriegen sollte. Und auch der Unterschied zwischen schmutzig und sauber wäre kaum zu übersehen, würde man genau hinschauen.

…einen leeren Joghurtbecher die drei Meter vom Esstisch zum Abfalleimer zu tragen? Ja, ich weiss, so ein Becher kann ganz schön klebrig sein, wenn man nicht sauber gegessen hat, aber in jedem anständigen Schweizer Haushalt hat es über dem Abfalleimer einen Wasserhahn. Auch in unserem Haushalt, obschon der von Anstand keine allzu grosse Ahnung hat. 

…leere Milchkartons in den Abfalleimer zu schmeissen und nicht zurück in den Kühlschrank zu stellen?

…zu sagen „Ja, Mama, du hast Recht, das ist wirklich eine Sauerei. Ich bringe das sofort in Ordnung“? 

…es beim nächsten Mal besser zu machen, wo man doch gesehen hat, wie hoch man die Mama wieder auf die Palme getrieben hat mit diesem Mist?

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Die Sache mit den Stöckchen…

Soll ich nett sein, oder doch lieber ehrlich? Seitdem man mir diesen Best Blog Award zugeworfen hat, weiss ich wirklich nicht mehr, was ich tun soll. Eigentlich kann ich Stöckchen nicht ausstehen, aber die zwei Blogger, die sie mir zugeworfen haben, sind mir ganz sympathisch  und es ist ja auch ein Kompliment, dass die zwei an mich gedacht haben, also möchte ich sie nicht vor den Kopf stossen. Damit möchte ich aber keineswegs sagen, dass alle anderen, deren Stöckchen ich nicht aufgegriffen habe, mir nicht sympathisch wären. Manchmal fehlt mir einfach die Zeit dazu, aber ich fühle mich natürlich trotzdem geehrt… Ach, es ist kompliziert….

Nach langem Hin und Her habe ich mich zu einem Zwischending durchgerungen: Ich werde die Fragen, die man mir gestellt hat, beantworten, ich werde auch meine eigenen 11 Fragen formulieren, beantworten darf sie aber jeder, der dazu Lust hat.

Hier also zuerst meine Antworten an den Papa der kleinen Chefs:

1. Fährst du Ski oder Snowboard?
Beides nicht. Als ich Skifahren lernte, war ich schon alt genug, um Angst zu haben und darum habe ich es bald wieder aufgegeben.

2. Bist du eher ein Sommertyp oder ein Wintertyp und warum?
Ich bin ein Ganzjahrestyp mit dem ausgeprägten Wunsch, den Winter zu verschlafen. Im Sommer bevorzuge ich nordeuropäisches Klima.

3. Welches ist dein absolutes Lieblingslied? Also nicht mal so ein aktuelles, welches gerade mal jetzt dein Lieblingslied ist, sondern das, was dir schon immer am Herzen lag und noch lange dein Lieblingslied sein wird.
„For unto us a Child is born“ aus Händels Messias berührt mich immer wieder aufs Neue.

4. Liest du Bücher oder E-Books? Und natürlich warum?
Eigentlich bevorzuge ich Bücher, aber für die leichte Lektüre zwischendurch reicht mir ein E-Book.

5. Bloggst du nur, oder twitterst du auch?
Ich mache zu viele Worte für Twitter.

6. Welches ist dein Traumurlaubsziel, welches du unbedingt einmal besuchen möchtest?
Stockholm

7. Wenn du auswandern müsstest, wohin wäre das und warum?
Schweden, weil ich mich dort auf Anhieb zu Hause gefühlt habe, vielleicht auch Grossbritannien. Zur Not könnte ich es auch in Malta aushalten.

8. Bist du noch mit vollem Elan beim Bloggen dabei, oder musst du dich dazu motivieren?
Natürlich gibt es Tage, an denen mir nicht danach ist, gewöhnlich kommen mir die Texte aber einfach zugeflogen. Ein Leben ohne Blog kann ich mir nicht mehr so richtig vorstellen.

9. Schaust du auf deine Blogstatistik und ärgerst dich darüber, wenn du wenig Besucher hast, oder sind dir Statistiken egal?
Aber klar schaue ich mir die Statistiken an. Ich ärgere mich allerdings nicht, wenn ich wenige Besucher habe, freue mich aber wie ein kleines Kund, wenn ich mal ausserordentlich viele habe.

10. Welche sozialen Netzwerke nutzt du und welche davon unter deinem echten Namen und welche unter einem Pseudonym?
WordPress, Facebook, Freundschaften im echten Leben und alles unter meinem echten Namen.

11. Bist du schon auf der Karte von Tweeterhausen und klein Bloggerdsorf vertreten und wenn nein, warum nicht?
Nein, weil mein Wohnort beim Bloggen keine Rolle spielt.

So, nun noch zu den Fragen von Mutti:

1. iPhone oder Android?
iPad

2. Buch oder E-Book?
Siehe oben, Antwort 4

3. Big Bang Theory oder Sex and the City?
Downton Abbey

4. Wie isst du deine Manner-Schnitten?
Schicht für Schicht, wenn ich mal welche in die Finger bekomme.

5. In zehn Jahren…
…bin ich so alt, wie meine Kinder mich jetzt schon finden.

6. Zuletzt gelesenes Buch…
Bin noch immer an A. J. Jacobs „The Year of Living Biblically – One Man’s Humble Quest to Follow the Bible as Literally as Possible“ Sehr viel amüsanter, als der Titel erahnen liesse…

7. Zuletzt gegoogelt?
Keine Ahnung. Weihnachtslieder, vielleicht?

8. Mit dem/der würde ich gerne essen gehen…
Mit „Meinem“. Ist schon zu lange her, seitdem wir zu zweit weg waren.

9. Wenn du ein Buntstift wärest, welche Farbe…
Pink? Hellgrün? Oder vielleicht so ein Ding mit vierfarbiger Mine?

10. Dahin geht’s im nächsten Urlaub…
Hoffentlich nach Schweden

11. Wo ich gerne mal geküsst werden möchte…
Das Wo spielt für mich keine Rolle, Hauptsache, die Privatsphäre bleibt gewahrt.

Und hier meine 11 Fragen, die jeder beantworten darf, der sie gerne beantworten möchte. Natürlich darf man sich auch nur einzelne herausgreifen, oder alle ignorieren.

1. Denkst du, dass es einen Unterschied macht, wenn man in skandinavischen Spielzeugkatalogen die typischen Geschlechterklischees umgeht, oder werden Mädchen weiterhin zu Barbie greifen und Jungen zur Pistole?

2. Was sagst du, wenn dein Kind mit seinem Taschengeld eine Sache kaufen will, gegen die du jahrelang gepredigt hast?

3. Tragen deiner Meinung nach die Grabenkämpfe zwischen Vollzeithausfrauen und berufstätigen Müttern dazu bei, dass sich in der Familienpolitik so wenig bewegt?

4. Bekommen deine Kinder ungeschälte Erdnüsse und wenn ja, wer kümmert sich um die Entsorgung der Schalen?

5. Finden dich deine Kinder schon peinlich, oder bewundern sie dich noch?

6. Ist Christbaumschmuck, der in Indien hergestellt wurde, weniger verwerflich als solcher, der aus China stammt?

7. Was würdest du mit einem Kater anstellen, der hin und wieder unter dein Bett kackt, ansonsten aber äusserst lieb ist?

8. Kennst du Namen und Geburtsdatum deiner Kinder auswendig, oder brauchst du dein Tattoo als Gedankenstütze?

9. Ertappst du dich manchmal dabei, wie du dich über lärmende Kinder aufregst, wenn du alleine unterwegs bist?

10. Welches ist der schlimmste Ort, an dem du schon eine zerquetschte, halb verfaulte Banane gefunden hast?

11. Was antwortest du einem Menschen, der dir ins Gesicht sagt, deine Kinder seien „ökologischer Unsinn“?

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Machtübernahme

Sie muss sich irgendwann in unser Haus geschlichen haben, vielleicht als wir mal weg waren oder zu viel um die Ohren hatten, um zu bemerken, was vor sich ging. Wie auch immer, irgendwann war sie da und fing an, sich auszubreiten. Zuerst im Vorratsraum, ab und zu steckte sie ihre Nase auch in eines der Badezimmer, wagte sich aber nie richtig über die Schwelle. Später machte sie einen kurzen Abstecher ins Dachgeschoss, zog sich jedoch bald wieder von dort zurück. Warum, weiss ich nicht. Vielleicht, weil es dort zu zugig ist im Herbst, vielleicht auch, weil sie sich mit dem Zoowärter und Luise, die dort hausen, nicht sonderlich gut versteht. Danach hielt sie sich eine Zeit lang still, vermutlich war sie eingeschnappt, weil wir ihr nicht genügend Beachtung schenkten.

Vermutlich war sie drauf und dran, uns wieder zu verlassen, doch offenbar wollte sie uns noch einen letzten Versuch starten, ehe sie sich enttäuscht aus dem Staub machte. Und dieser letze Versuch hatte es in sich: Zuerst machte sie sich im Büro zu schaffen, dann riss sie die Macht in meiner Traumküche an sich, anschliessend stürmte sie in den Eingangsraum, um dort nach den Rechten zu sehen. Gestern schliesslich ertappte ich sie in unserer Alltagsküche und es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass sie sich auch in Prinzchens Zimmer aufgehalten hat. Heute Abend nun hat sie uns mitgeteilt, dass für Samstag ein Sturm auf alle übrigen Zimmer angesagt ist und dass sie auf unsere uneingeschränkte Mithilfe zählt.

Kein Zweifel, die Ordnung hat die Macht an sich gerissen und wir haben keine andere Wahl, als zu kuschen. Und das Schlimmste daran ist: Nach anfänglichem Widerstand fange ich nun an, ihr herrisches Regime gutzuheissen und gar aktiv zu unterstützen.

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Fiktives aber leider nicht ganz frei erfundenes Gespräch mit einer Einzelkindvollzeithausfrau

Ich: „So, ich muss los. Die Horde braucht Futter und ich habe noch nichts vorbereitet.“

Einzelkindvollzheithausfrau:“Ach ja, kochen. Das liegt mir nicht so. Meistens schiebe ich eine Fertigpizza in den Ofen. Oder Fischstäbchen finde ich auch ganz praktisch. Und kennst du diese Findus-Dinger…“

Ich: „Na ja, weisst du, mit den Fertigprodukten habe ich es nicht so…“

EVH: „Ich koche halt einfach nicht gerne. Wenn einer bei uns kocht, dann mein Mann, am Wochenende. Und der backt manchmal sogar…“

Ich: „Das machen wir auch viel. Die Kinder lieben es…“

EVH: „Ja, aber das gibt immer so eine Sauerei. Also mit dem Kleinen backe ich nie…“

Ich: „Ja, die Sauerei gehört halt dazu, aber bei uns ist ohnehin immer Chaos, da kommt es darauf auch nicht mehr an.“

EVH: „Oh ja, das Chaos, das kenne ich auch. Ich hasse putzen.“

Ich: „Ich auch. Und kaum ist es erledigt, fängt man wieder von Vorne an…“

EVH: „Wem sagst du das? Ich bin immer froh, wenn mein Mann das Putzen übernimmt. Der macht das gerne.“

Ich: „‚Meiner‘ muss auch oft dran glauben. Anders schaffen wir das einfach nicht.“

EVH: „Also wenn der Kleine zu Hause ist, kann ich auch nicht putzen. Zum Glück kommt er im Sommer in den Kindergarten, dann muss ich ihn nicht jedes Mal zur Schwiegermutter bringen, wenn ich mal putzen muss. Ich hab mir auch schon überlegt, ob ich vielleicht eine Putzfrau engagieren soll.“

Ich: „Wir hatten lange eine, aber jetzt, wo alle im Kindergarten und in der Schule sind, sollten wir es ohne schaffen.“

EVH: „Ich weiss nicht, wie du das mit dem Haushalt hinkriegst. Nur schon mein Wäscheberg bringt mich fast um. Drei Maschinen pro Woche, kannst du dir das vorstellen?“

Ich: „Nun ja…“

EVH: „Zum Glück habe ich nicht auch noch einen Job, oder ein zweites Kind. Ich würde zusammenbrechen…“

Ich: „So, ich muss jetzt wirklich los. Am Nachmittag muss ich noch…“

EVH: „Erinnere mich bloss nicht an heute Nachmittag. Da muss ich einen Geburtstagskuchen backen. Diese Fertigmischungen machen immer so viel Arbeit…Und übermorgen dann die Geburtstagsparty im Indoor-Spielplatz. Wie soll ich das bloss schaffen?“

Ich mache mich auf den Heimweg und frage mich, was um Himmels Willen die arme Frau so sehr auslaugt. Ich tippe auf Reality-TV und Nägel lackieren.

Und nein, ihr Vollzeithausfrauen und Einzelkindmütter braucht euch durch diesen Post nicht betroffen zu fühlen. Ich weiss, dass die meisten von euch einen sehr guten Job machen. Und ich weiss auch, dass ich meinen Job öfters mal ziemlich schlecht mache. 

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