Wenn mir jetzt noch einer erklären könnte…

…warum Menschen, die viel Geld für eine professionell gestaltete Homepage ausgeben, nicht einen einzigen roten Rappen für eine professionelle Korrektur ausgeben und am Ende ihrer Kundschaft ganz ungeniert solche Sätze zumuten: „Mir viel die Decke auf den kopf, also machte ich Eine Recherge im internet“.

…wie man Schulbücher in durchsichtige Folie einpackt, ohne dass das Zeug andauernd reisst.

…wie der Kerl, der neulich in einem Leserbrief geschrieben hat, fast alle Flüchtlinge, die derzeit auf diesem Planeten nach einem sicheren Zuhause suchen, hätten ihre Heimat freiwillig und ohne Not verlassen, es geschafft hat, all die unzähligen Menschen nach den Beweggründen für ihre Flucht zu fragen.

…wie Luises Schmusetier aus Kleinkindertagen es fertig gebracht hat, trotz ständiger Beobachtung in den Garten zu entweichen, viele Jahre unbemerkt dort vor sich hin zu modern – bis wir auf die Idee kommen, Bäume zu fällen – und trotz allem immer noch als Luises Schmusetier aus Kleinkindertagen erkennbar zu bleiben.

…woher ich den langen Atem nehmen soll, um bei den ganzen Schulweg- und Pausenplatzstreitereien, die noch nie so heftig waren wie in dieser ersten Schulwoche, kühlen Kopf zu bewahren.

…weshalb sich gewisse Menschen doch heute tatsächlich schon zum ersten Mal über „diesen blöden Regen und das ausgerechnet am Wochenende“ beklagt haben.

il paese delle meraviglie; prettyvenditti.jetzt

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Wie man treue Kunden vergrault (und sie trotzdem dumm genug sind, zu bleiben)

In meinem Leben gibt es seit ich denken kann nur eine einzige Bouillon. Eine, auf die meine Mutter schon seit Jahren schwört und die bei mir seit dem Tag, an dem ich begann, meinen eigenen Haushalt zu führen, im Küchenschrank steht. Die einzige, bei der unsere Kinder nicht die Nase rümpfen und die sie mit Vorliebe zwischen den Mahlzeiten aus der Dose naschen. Diejenige, die ich immer beim gleichen Vertreter bestelle, der zwei- oder dreimal im Jahr die Frauen meiner Familie zum grossen Bestellen um den Esstisch meiner Mutter versammelt. Die Bouillon, die ich zu verwenden gedenke, bis es mir vielleicht eines Tages gelingt, selber etwas herzustellen, das mir besser schmeckt. Oder bis es mir zu bunt wird mit diesen Anrufen.

Es fing vor etwa einem Jahr an. „Frau Venditti, wir hätten da dieses tolle Sonderangebot…“ flötete die Dame am Telefon, aber weiter kam sie nicht, denn ich liess sie wissen, ich würde immer nur direkt beim Vertreter bestellen, denn Telefoneinkäufe seien nicht so mein Ding. „Wenn Sie bei mir bestellen, kommt das auch Ihrem Aussendienstmitarbeiter zugute“, erklärte mir die Dame, doch ich blieb hart. „Kein Interesse, vielen Dank, notieren Sie das bitte in meiner Kundendatei. Keine Telefonverkäufe bei mir“, beharrte ich und sie versprach mir hoch und heilig, meinen Wunsch zu vermerken.

Ich vertraute ihr. Ganze drei Wochen lang, dann schellte das Telefon erneut. „Frau Venditti, wir hätten da…“ „Bitte entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber ich habe Ihnen gesagt, dass ich keine Anrufe wünsche. Ich bestelle direkt beim Vertreter.“ „Wenn Sie bei mir best….“ „Nein, vielen Dank. Keine Anrufe. Ich kaufe nicht am Telefon.“ „Gut, dann notiere ich das so in Ihrer Kundendatei.“ 

Danach herrschte Ruhe. Einen Monat lang, vielleicht auch zwei? Ich weiss es nicht so genau. Auf alle Fälle flötete mir bald schon wieder eine freundliche Dame ins Ohr: „Frau Venditti, wir hätten da…“ „Nun hören Sie mir mal ganz gut zu: Seit bald zwei Jahrzehnten bin ich Kundin bei Ihnen, ich bin zufrieden mit Ihrem Aussendienstmitarbeiter und wie ich Ihnen nun schon zweimal deutlich gesagt habe, wünsche ich, nicht am Telefon belästigt zu werden.“ „Aber…“ „Ich wünsche nicht am Telefon belästigt zu werden, notieren Sie sich dies bitte.“ Sie versprach, dies umgehend zu tun.

Sie tat es nicht. Oder sie hat vergessen, dass sie es getan hat. Oder eine Kollegin hat den Vermerk gelöscht. Oder der Chef hat gesagt, sie solle auf den Vermerk pfeifen und mich trotzdem anrufen. Oder sonst irgend etwas, auf alle Fälle flötete sie ein paar Wochen später wieder. Ich hingegen flötete nicht, im Gegenteil. Ich liess sie noch einmal in aller Deutlichkeit wissen, wenn diese Anrufe nicht aufhörten, könnte sie eine treue Kundin aus der Kartei streichen. Sie versprach mir untertänigst, zu vermerken, dass ich keine Anrufe wünschte… und rief ein paar Wochen später wieder an, um einmal mehr von mir zu hören….

Ach, ihr wisst schon. Und ihr fragt euch wohl, weshalb ich meine Drohung nicht schon längst wahr gemacht habe und mich aus der Kundendatei habe streichen lassen. Na, warum wohl? Weil schon meine Mutter auf die Bouillon schwört. Weil seit dem Tag, an dem ich meinen eigenen Haushalt hatte, keine andere in meinem Küchenschrank steht. Weil meine Kinder nur bei dieser einen die Nase nicht rümpfen und zwischen den Mahlzeiten aus der Dose naschen. Weil ich dabei sein will, wenn die Frauen in meiner Familie um den Esstisch meiner Mutter sitzen, um Bouillon zu bestellen. Und weil mein bisher einziger Versuch, meine eigene Bouillon herzustellen, so kläglich gescheitert ist, dass es noch sehr lange dauern wird, biss ich einen brauchbaren Ersatz habe. 

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Letzter erster Schultag

Natürlich hat sie ein wenig geheult. Jede Glucke heult ein wenig, wenn sie ihren Jüngsten in die Klauen der Schule übergeben muss. In solchen Momenten ist es der Glucke egal, dass ihr Jüngster durchaus willig und bereit ist, endlich offiziell zu lernen, was er schon längst von den grossen Geschwistern abgeschaut hat. Sie blendet auch aus, dass die Schule heute die Erstklässler nicht mit dem bei den grossen Geschwistern üblichen Kasernenhofton, sondern mit einem freundlichen Lächeln und einem Glückskäfer empfing. Ja, nicht einmal die Tatsache, dass ich mir diesen Tag seit Wochen herbeigesehnt habe, weil endlich etwas Ruhe im Haus einkehrt, vermag sie daran zu hindern, ein paar Tränen zu verdrücken und auf dem Heimweg über diese „unbeschreibliche Leere“, zu klagen, die sich in ihr breit macht. 

Ich finde ja, die Glucke übertreibe mal wieder gewaltig. Noch nie konnten wir einem ersten Schultag so unbesorgt entgegen sehen. Eine neue Lehrerin, die ihre Schützlinge mit Herzlichkeit empfängt und über die noch kein grosser Bruder und keine grosse Schwester je ein böses Wort hat verlieren können, weil sie in der Familie noch gänzlich unbekannt ist. Ein vor Selbstbewusstsein strotzendes Kind – Hat man schon je zuvor einen Venditti gesehen, der sich am allerersten Schulmorgen freiwillig zu Worte meldet? -, das seine Mutter ermahnt, sie solle dann bitte nicht stören, wenn die Eltern noch kurz im Schulzimmer bleiben dürfen. Eine Mutter, die überreif ist, endlich mal wieder so etwas wie ein eigenes Leben zu leben. Viel besser könnten die Startbedingungen nun wirklich nicht sein. 

Aber für eine wahre Glucke spielen solche Dinge keine Rolle. Sie sieht nur, wie ihr kleines, zartes Prinzchen oben auf der grossen Schulhaustreppe steht und schon fliessen die Tränen. Dass dieses kleine, zarte Prinzchen dabei ein ziemlich freches „Nun krieg dich wieder ein, Mama“-Grinsen auf dem Gesicht hat, macht die Sache für sie nicht einfacher…

best mom award; prettyvenditti.jetzt

best mom award; prettyvenditti.jetzt

Mit der Säge gegen die Weltuntergangsstimmung

Zugegeben, es war ein Anflug von Weltuntergangsstimmung, der mich dazu bewog, heute Nachmittag zur Säge zu greifen. Nach ausgiebiger „Spiegel“-Lektüre sah ich mal wieder schwarz genug, um nicht nur von einem Selbstversorgergarten zu träumen, sondern ihn für eine Notwendigkeit zu erachten, für die es sich lohnt, zu schwitzen.

Es ist nämlich so: Einer, der in grauer Vorzeit mal Besitzer unseres Hauses war, verstand unter dem Begriff Garten einen gepflegten Sitzplatz mit schattenspendendem Sichtschutz. Ein Sichtschutz aus Gehölzen, die für Bienen komplett uninteressant und obendrein potthässlich sind, die aber nach Jahren des mehr oder weniger ungehinderten Wucherns unglaublich viel Platz auf unserem nicht gerade riesigen Grundstück einnehmen. Ein Sichtschutz also, der weg muss, ehe wir überhaupt überlegen können, was aus dem kleinen Flecken Erde, den wir unser eigen nennen, in Zukunft werden soll. Und weil wir wohl die Idee haben, nicht aber das nötige Kleingeld, um andere für uns malochen zu lassen, müssen wir eben selber ran.

Wer mich kennt, kann sich vorstellen, wie geschickt ich mit einer Säge umzugehen weiss. Dennoch wurden heute Nachmittag – trotz Hitze und Ungeschicklichkeit – ein Gestrüpp, zwei Bäumchen und die Hälfte eines undefinierbaren Baum-Busch-Gestrüpps soweit gestutzt, dass sich „Meiner“ der Entfernung des Wurzelwerks widmen kann. Ein Anfang erst, bestimmt, aber dennoch ein entscheidender Schritt, denn so elend, wie der „Garten“ jetzt aussieht, kann er gar nicht bleiben und wir sind endlich gezwungen, etwas Richtiges daraus zu machen.

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Schulreif

Wenn sie….

…die unreifen Äpfel vom Baum reissen und anbeissen, obschon du ihnen eben erst zum hunderttausendsten Mal erklärt hast, es sei noch nicht Erntezeit,…

…in Nachbars Garten heimlich ein Feuer machen, nachdem du ihnen diesen Sommer nur etwa eine Million Mal von der Sache mit der grossen Hitze und dem fehlenden Regen erzählt hast,…

…beim Spiel mit dem Gartenschlauch die frisch gewaschene Wäsche nass spritzen und die Waschküche unter Wasser setzen,…

…sich wegen irgend eines dämlichen Plastik-Minions aus der Chipspackung die Köpfe einschlagen,…

…sich überhaupt aufführen wie Dreijährige, sobald du ihnen den Rücken zudrehst,…

…dann ist es allerhöchste Zeit, dass endlich wieder die Schule beginnt. Ja, ich weiss, spätestens übernächste Woche werde ich wieder über den Schulalltag jammern, aber für den Moment habe ich die Nase gestrichen voll vom Sommerferienbetrieb.

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Global trading oder so

Neulich reiste eine Freundin in die Ferien und damit mir während ihrer Abwesenheit nicht allzu langweilig würde, überliess sie mir ihren Slow Cooler zum Spielen. Wir zwei verstanden uns ganz prächtig und als der Kleine mir erklärte, wie ich dank seiner Hilfe endlich mal ganze Tage ungestört durcharbeiten könnte, ohne dass meine Lieben deswegen verhungern, beschloss ich, im Küchenschrank einen permanenten Platz für einen seiner Brüder freizuschaufeln. 

Nun versuche ich aber, ein kritisch denkender Mensch zu sein und so machte ich mich vor dem Kauf im Internet kundig, wie es denn um die Energieeffizienz des Topfes stünde. „Ganz in Ordnung“, meinten die Experten mehr oder weniger einstimmig, „noch besser aber wäre ein Thermal Cooker.“ Was das sei, wollte ich wissen und nach langem Suchen rückte das www dann endlich raus. Das sei so ein Ding, bei dem man die Speisen auf den Herd kurz erhitze, dann komme der Topf in einen Thermostopf, wo das Zeug ganz ohne weitere Energiezufuhr gegart werde. „So, wie die das früher in in der Kochkiste gemacht haben und die sind ja auch nicht verhungert“, wurde noch eine Erklärung hinterhergeschoben, um meine Zweifel zu zerstreuen, ob das denn auch wirklich funktioniere. Ich war überzeugt und wollte wissen, wo ich denn so ein Ding bekäme. „Hmmmm, lass mal sehen… Du wohnst in der Schweiz…. Tja, das könnte schwierig werden…“, gab das www zögerlich zur Antwort, meldete dann aber nach einer erneuten Suche freudig, „Saratoga Jacks“ aus Australien würde auch in die Schweiz liefern. Das Ding sei zwar etwas teurer als ein gewöhnlicher Slow Cooker, aber ich würde das Geld ja dann mit den gesparten Stromkosten wieder reinholen.

Auch dieses Argument überzeugte mich, also füllte ich meinen virtuellen Warenkorb mit allem, was ich für meine ersten Gehversuche für nötig erachtete. Die Überraschung kam an der Kasse. Der gute „Jack“ wollte nämlich rund 230 US-Dollar dafür haben, dass er mir den Topf in die Schweiz spediert. Einen Moment lang war ich konsterniert, dann aber fiel mir ein, dass ich ja irgendwo noch so eine Adresse in Kalifornien habe, wo man für mich Dinge in Empfang nimmt, die sie nicht in die Schweiz liefern wollen. Und siehe da, in die USA liefert „Jack“ schon für 14 Dollar. „That’s much better, Jack“, sagte ich und sah mich schon als glückliche Besitzerin eines Thermal Cookers.

Aber jetzt stellte sich die Kreditkartenfirma quer. Eine Tamar Venditti würde sie schon kennen, meldete sie, und sie würde ihr auch erlauben, Geld auszugeben, aber irgend etwas sei da faul. „Die wohnt nicht in Kalifornien, die wohnt in der Schweiz, also verkauft ihr um Gottes Willen diesen Topf nicht, da ist bestimmt Betrug im Spiel“, motzte sie und schickte mich zurück in die Weiten des Internets. „Du könntest es ja mit Amazon versuchen…“, meinte das www schüchtern und weil ich wirklich einen Thermal Cooker haben möchte, liess ich mich darauf ein. Der Internet-Gigant zeigte sich für einmal ganz freundlich, zumindest anfänglich. Natürlich würde er mir den Topf in die Schweiz schicken, sagte er, und er würde das auch für weniger Geld machen als die Herstellerfirma. „Mit 190 Dollar Versandkosten bist du dabei“, meinte der Gigant und glaubte wohl allen Ernstes, mit mir ins Geschäft kommen zu können. „Ist doch immerhin billiger als bei Jack“, rief er mir hinterher, als ich mich fast fluchtartig davon machte, um mir halt doch irgendwo einen konventionellen Slow Cooker zu besorgen, damit ich nächste Woche, wenn die Horde wieder in der Schule ist, ungestört arbeiten kann.  

Tja, und jetzt hätte ich gerne jemanden, der mir aus den Australienferien einen „Deluxe Saratoga Jacks 7 Liter Thermal Cooker“ bringt. Und wenn das nicht geht, dann halt eine handwerklich begabte Person, die mir eine anständige Kochkiste baut. Ich glaube, meine Mutter hat in ihrem uralten Kochbuch noch eine Anleitung, wie man das macht. 

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Auch du, mein Sohn?

Seitdem der FeuerwehrRitterRömerPirat zehn geworden ist – also seit mehr als einem Jahr -, male ich mir aus, wie das werden wird, wenn wir zwei den Mama-Tag, den unsere Kinder zum ersten runden Geburtstag geschenkt bekommen, miteinander verbringen. Ich stellte mir vor, wie wir mit dem Zug irgendwo hin fahren würden, die ganze Fahrt über in angeregte Gespräche über Napoleon, Karl den Grossen und Obelix vertieft. Am Zielort angekommen würden wir von einem Museum zum nächsten ziehen, ab und zu in einem Bücherladen einen Zwischenstop einlegen und vielleicht auch das eine oder andere historische Gebäude besuchen.

Eine absurde Vorstellung? Mitnichten, denn der FeuerwehrRitterRömerPirat und ich teilen eine tiefe Leidenschaft für Bücher und Historisches. Okay, er hat’s mehr mit den Schlachten und den hinterhältigen Anschlägen, aber im Grossen und Ganzen interessieren wir uns für die gleichen Epochen und wir beide wünschten uns nichts sehnlicher, als dass die anderen Vendittis mal ihre Klappe hielten, damit wir in Ruhe nachdenken könnten. Durchaus verständlich also, dass ich mir den Tag mit meinem Dritten wie oben beschrieben vorstellte, zumal er mir mehrmals Andeutungen in diese Richtung machte.

Aber wie das so ist, wenn ein Kind zu lange Zeit hat, darüber nachzudenken, was es an diesem besonderen Tag wirklich anstellen möchte, kommt es irgendwann auf Ideen, die so gar nicht seinem Naturell entsprechen. Es hört, wovon andere schwärmen, sieht Werbeprospekte von ihm gänzlich fremden Welten, überlegt sich, womit man die Schulkameraden am ehesten beeindrucken könnte, berät sich mit seinen Geschwistern und irgendwann steht es da und verkündet: „Mama, du kommst mit mir in den Europa Park.“ „Aber du magst doch keine wilden Bahnen…“ „Egal, ich will in den Europa Park!“ „Aber hast du nicht gesagt, dieses Museum da….“ „Nein, Europa Park!“ „Aber….“ „Europa Park!“ 

Und so bleibt am Ende nichts anderes, als mit zittriger Stimme zu sagen: „Auch du, mein Sohn Brutus?“ Was aber leider nichts an seinem Entschluss ändert….

more than 17 pieces; prettyvenditti.jetzt

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Der Herrgott und das Feuerwerk

Da gibt also heute in meiner Tageszeitung ein Leser oder eine Leserin den folgenden Gedanken weiter: Wir Schweizer sollten doch einfach mal dankbarer sein. Gerade noch rechtzeitig sei der Regen gekommen, so dass wir morgen unseren schönen Nationalfeiertag wie gewohnt feiern dürften. Der oder die Schreibende geht nicht näher darauf ein, wem wir dankbar sein sollen, aber ich nehme mal an, es war der Herrgott gemeint.

Eine unbedachte Äusserung von einem Menschen, der nicht besonders weit denkt, ich weiss. Und doch eine hierzulande weit verbreitete Sicht der Dinge: Umweltkatastrophen? Flüchtlingstragödien? Europäische Identitätskrise? Religiös verbrämter Terror? Aufkeimender Fremdenhass, hier und anderswo? Seuchen? Diktaturen? Krieg? – Was geht uns das alles an? Ist ja nicht unsere Welt, die da draussen. Und überhaupt: Wenn der Herrgott noch Zeit hat, seinen lieben Schweizern rechtzeitig Regen fürs Feuerwerk zu schicken, kann es so schlimm ja nicht sein.

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Teenieprogramm

Eigentlich müsste das ja so sein: Die Teenies müssten sich irgendwo hinter ihren Gadgets verschanzen, wir Eltern müssten motzen, dass das so nicht geht und uns den Kopf zerbrechen, wie wir die Brut dazu bringen, nicht gänzlich zu verfaulen. Irgendwann hätten wir die grandiose Idee, einen Abendspaziergang vorzuschlagen, was natürlich auf erbitterten Widerstand stiesse. Nach einigem „Wenn du nicht mitkommst, gibst du das Handy ab und zudem ist es eine wundervolle Fast-Vollmondnacht…“, würden wir schliesslich mit zwei übellaunigen Teenagers im Schlepptau eine kurze Runde im Quartier drehen.

Genau so stellt man sich das doch vor, wenn man noch keine Kinder in dem Alter hat.

Es könnte aber auch so kommen: Ein Abend in den Sommerferien, drei von fünf schlafen auswärts, „Meiner“ hat ein Rendez-vous mit Netflix, ich liege schlapp auf dem Sofa und klappere das www nach Bausteinen für mein aktuelles Hirngespinst ab, Karlsson räumt sein Zimmer auf und Luise fordert Action. Etwa so…

Luise: „Gehen wir in den Aarekanal?“

Ich: „Nein, keine Lust. Bin viel zu müde. Und überhaupt, mein Asthma…“

Luise: „Spielen wir Monopoly?“

Ich: „Nein, keine Lust. Bin viel zu müde. Und überhaupt, viel zu kapitalistisch….“

Luise: „Wir könnten Velo fahren…“

Ich: „Nein, keine Lust. Bin viel zu müde. Und überhaupt, mein Asthma…“

Luise: „Machen wir wenigstens einen Spaziergang? Das wäre doch so schön…“

Ich: „Äääääähm….“

Irgendwann sind sie halt einfach aufgebraucht, die faulen Ausreden und dann findest du dich auf einmal in Begleitung sämtlicher an diesem Abend verfügbaren Familienmitglieder auf einem ausgedehnten Abendspaziergang mit viel Gequatsche, ein wenig Gezicke, ein paar Geständnissen – und zwei Fackeln.

(Fackeln? Voll peinlich! Als Wiedergutmachung für diese Peinlichkeit fordere ich einen Freipass für mindestens fünf ganz und gar deplacierte Mama-Bemerkungen.)

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Gerne erstellen wir Ihnen eine Offerte

Die Sache ist an sich einfach: Die Warmwasserleitung ist verkalkt, gleichzeitig an mehreren Stellen im Haus warmes Wasser laufen lassen geht nicht mehr, also muss jemand her, der die Sache wieder in Ordnung bringt. Bloss wer?

Firma Nummer 1 ziert sich erst mal ein wenig. Furchtbar viel zu tun im Moment, schwierig, wirklich ganz schwierig, einen freien Termin für einen Augenschein zu finden. Nach einer Weile klappt es dann doch, eines frühen Morgens kommen zwei Männer vorbei, um sich die Angelegenheit anzusehen. Die Sorgenfalten, die sich alsbald auf ihren Stirnen bilden, sprechen das Urteil, noch bevor sie ein Wort gesagt haben. Das könnte teuer werden, meinen sie schliesslich, und wenn man nicht demnächst etwas unternehme, müssten neue Leitungen her. Die Kunden würden jeweils erschrecken, wenn sie die Offerte bekämen, erklären sie fast schon tröstend, aber sie würden auch ganz bestimmt nicht über das Kostendach hinausgehen. Ein paar Tage später dann die Offerte im Briefkasten. Mit zittrigen Fingern öffnen wir sie. Ein niedriger vierstelliger Betrag. Hätte schlimmer sein können, aber warten wir mal ab, was Firma Nummer 2 zu sagen hat.

Die sind leichter zu erreichen, prophezeien aber schon am Telefon eine ziemlich hohe Summe. Dafür finden sie schneller einen freien Termin und malen nicht ganz so rabenschwarz. Klar, die Sache muss gemacht werden, allzu lange sollte man nicht warten, doch machbar ist es auf alle Fälle. Und obschon sie höher als die erste ausfällt, kommt auch diese Offerte noch mit drei Nullen aus, liegt also noch knapp unter der Schmerzgrenze.

Firma Nummer 3 schickt nicht nur einen Fachmann ins Haus, sondern auch eine mehrseitige Broschüre, professionell aufgezogen mit vielen Zahlen, Versprechungen, Zukunftsaussichten und einem Hinweis auf das soziale Engagement in der „dritten Welt“. Über die vielen Seiten sticht immer und immer wieder das Wort „günstig“ ins Auge. Der Fachmann ist gelinde gesagt schockiert von dem, was er bei uns antrifft. Wenn da nicht sofort etwas getan wird, dann… Ja, was eigentlich? Rohrbruch? Wasserschaden? Weltuntergang? So richtig weiss man es nicht. Auf alle Fälle, das kann er jetzt schon sagen, wird uns das Ganze einen mittleren fünfstelligen Betrag kosten. Mal sehen, ob es in der Offerte dabei bleibt, oder ob noch das eine oder andere hinzu kommt. Immerhin will der Herr auch Rost festgestellt haben, der den anderen verborgen geblieben ist. 

Ausgesprochen spannend, diese Meinungsunterschiede. Aber wie, um alles in der Welt, entscheidet man als Laie, welche dieser drei Firmen unser Vertrauen verdient hat?

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