Denkmalpflege

Eigentlich müsste man jetzt ja in den Garten entschwinden können. Das Wetter ist geradezu ideal, die nächsten Projekte sind skizziert und nach fünf herrlich einsamen Ferientagen, gefolgt von ein paar faulen Feiertagen bin ich so entspannt, dass ich schon fast zu Kompost zerfalle. Doch bloss weil sich das Wetter derzeit eher frühlingshaft denn weihnächtlich gebärdet, heisst das noch lange nicht, dass man die Gartensaison einläuten kann. Was, wenn der Winter doch noch kommt? Dann müssten die armen Pflänzchen himmeltraurig erfrieren und das bräche mir das Herz. 

Was also tun mit der vielen Energie? Nun, da wäre zuerst einmal die Toilette im ersten Stock, die schwer darunter leidet, dass Karlsson das obere Klo als Protest gegen die andauernde Verstopfung mit Klebeband versiegelt hat. Jetzt leidet eben das untere WC umso mehr an Verdauungsproblemen, was zwar nicht besonders angenehm ist, aber immerhin für ein paar Stunden Beschäftigung sorgt. 

Danach gilt es, „Meinen“ bei der Hand zu nehmen und aus der Steinzeit der Mobiltelefonie in die Ära der Smartphones zu geleiten. Anfangs ist er noch wacklig unterwegs, kommt alle paar Minuten angerannt, weil er nicht so recht weiss, was er mit der neuesten Push-Nachricht anfangen soll, aber nachdem ich ihn sicher in den WhatsApp-Chat meiner erweiterten Grossfamilie vermittelt habe, ist er für den Rest des Tages beschäftigt und mir ist schon wieder langweilig. 

Zum Glück ist da noch Schloss Sargans, das ganz dringend aufgebaut werden muss, bevor „Meiner“ es in Schutt und Asche legt. Also, ich meine, bevor er es im Altpapier entsorgt, obschon es doch Prinzchens Weihnachtsgeschenk für Luise ist. Luise aber interessiert sich in diesen Tagen mehr für den Ausverkauf als für Schlösser, also ist es an mir, mit Leim und Schere den Untergang des architektonischen Erbes unseres Landes zu verhindern. Prinzchen ist vom Resultat tief beeindruckt, ich hingegen staune nur, dass ich zum ersten Mal im Leben einen Bastelbogen ohne Wutanfall zu Ende gebracht habe. Spricht das nun eher für einen hohen Entspannungsgrad, oder für Altersmilde?

Wo ich schon mal einen Überschuss an Geduld und noch mehr freie Zeit habe, kann ich mich ja um den Erhalt weiterer Architekturdenkmäler kümmern. Da gibt es noch einen Eiffelturm fertigzustellen, den die Kinder an Heilig Abend als Überbrückung zwischen Vorspeise, Hauptspeise und Bescherung von uns als Beschäftigungstherapie verordnet bekommen haben. Leider ist das Bauwerk am 24. unvollendet geblieben, darum klaube ich die verbliebenen Teilchen – Nummer 140 ist bereits auf Nimmerwiedersehen verschwunden – zusammen und vollende den Turm. Prinzchens Bewunderung für mich kennt jetzt keine Grenzen mehr. Gleich morgen will er in die Migros rennen, um ein Puzzle mit viel mehr Teilen zu besorgen, das „wir“ in den kommenden Tagen „zusammen“ aufbauen können.

Mir soll’s recht sein. Wo es doch noch lange nicht Zeit ist, die Gartensaison einzuläuten. 

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Mama…?

„Mama, hilfst du mir bei dem Kristall-Experiment?“

„Mama, wo sind die Klebstreifen?“

„Mama, ich will mich bei Ricardo einloggen. Zeigst du mir bitte, wie das geht?“

„Mama, die Katze hat in mein Zimmer gekackt. Was soll ich jetzt machen?“

„Mama, sind die Läden heute offen?“

„Mama, wir möchten testen, ob dieses Gerät noch läuft. Kannst du helfen?“

„Mama, ich weiss nicht, wie ich mein E-Banking einrichten muss.“

„Mama, wo ist der Brotaufstrich, den ich mir gekauft habe?“

„Mama, ich will mir diese Agenda bestellen. Hilfst du mir?“

„Mama, sagst du dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, er solle aufhören?“

„Mama, dürfen wir heute noch ans iPad?“

„Mama, können wir heute lange aufbleiben und im gleichen Zimmer schlafen?“

Andauernd diese Fragen und jede einzelne an mich gerichtet, obschon daneben ein Papa sitzt, der in diesen Tagen genauso auf der faulen Haut liegt, der ebenso in der Lage wäre, zu helfen und der ganz und gar nicht zu diesen passiven Vätern gehört, die keinen Schimmer haben, was zu Hause alles läuft. Trotzdem wird er nicht ein einziges Mal in seinem süssen Nichtstun gestört.

Ich möchte ja nicht unbedingt jenen das Wort reden, die derzeit auf Facebook verbreiten, die einzige Frage, die man Vätern stelle sei „Papa, wo ist Mama?“, aber momentan fühlt es sich gerade an, als hätten sie recht. 

(Und dabei antworte ich doch auf jede dritte Frage: „Frag Papa. Der hat gestern aufgeräumt und weiss bestimmt, wo das ist.“)

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Wer ist hier alt?!

Heute früh an der Reception ein für meine Ohren äusserst erbauliches Gespräch zwischen zwei Angestellten, beide um die Zwanzig.

Receptionistin: „Meine Mutter ist jung.“

Kellnerin: „Wie alt ist sie denn?“

R: „Dreiundvierzig.“

K: „Boah, so alt!“

R: „Dreiundvierzig ist nicht alt.“

K: „Aber sicher doch. Steinalt.“

R: „Sicher nicht. Ich bin fast zwanzig, sie ist dreiundvierzig, mein Bruder ist acht. Sie ist jung.“

K: „Glaub mir, sie ist alt. Alles über vierzig ist alt.“

Da überlege ich mir doch gleich, ob ich vor der Abreise noch kurz einen auf Obelix machen soll. Ihr versteht schon: Mit irrem Blick in den Frühstücksraum platzen, mich vor der Kellnerin aufbauen und brüllen: „Wer ist hier alt?!“

Und danach der Receptionistin für ihr Wohlverhalten provokativ ein fettes Trinkgeld zuschieben. 

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Batterien aufladen

Ich: „Ich brauche ganz dringend Ferien…“

Glucke: „Ferien? Spinnst du? Du kannst doch deine Kinder jetzt nicht im Stich lassen.“

Ich: „Ich lasse sie doch nicht im Stich. Ich brauche nur mal ein paar Tage Ruhe nach diesem anstrengenden Jahr.“

Glucke: „Du liebst sie nicht mehr!“

Ich: „Natürlich liebe ich sie, aber ich bin einfach hundemüde und möchte wieder mal einen klaren Kopf bekommen.“

Glucke: „Müde, müde, müde… Immer dieses Gejammer. Du hast keinen einzigen Grund, müde zu sein.“

Ich: „Natürlich habe ich einen Grund…oder vielmehr Gründe. Schwiegermama, die mich in den ersten Monaten des Jahres voll in Anspruch genommen hat, die viele Arbeit, die ich dann nachholen musste, Frankreich…“

Glucke: „Frankreich war doch herrlich. Den ganzen Tag mit den Kindern.“

Ich: „Klar war es herrlich, aber im Gegensatz zu ‚Meinem‘ und den Kindern hatte ich keine Ferien, sondern einfach mein übliches Familien- und Berufsleben an einem anderen Ort mit unfreundlicheren Nachbarn.“

Glucke: „Aber du hattest deine Kinder um dich…“

Ich: „Ja, das hatte ich und ich habe es genossen. Zeit, um mal ein wenig nachdenken hatte ich trotzdem nicht. Und nach Frankreich kam der Garten, dann Luises Unfall und jetzt sind sie alle krank…“

Glucke: „Genau, sie sind krank und du willst sie einfach ihrem Schicksal überlassen.“

Ich: „Ich überlasse sie nicht ihrem Schicksal, ich überlasse sie ihrem Vater.“

Glucke: „Ihrem Vater, der selber ganz dringend Ferien braucht. Und der sie übers Wochenende von einem Termin zum andern karren muss. So ein Stress…“

Ich: „Der gleiche Stress wie immer und ich muss das ja auch immer wieder ohne ihn schaffen, wenn er am Unterrichten ist.“

Glucke: „Mag sein, aber du verpasst das Weihnachtstheater, in dem Karlsson und Luise mitmachen. Das muss dir doch das Herz brechen…“

Ich: „Wie viele Weihnachtstheater habe ich in meiner Mütterkarriere schon gesehen?“

Glucke: „Man kann nie genug bekommen von Weihnachtstheatern, in denen die eigenen Kinder mitspielen.“

Ich: „Meiner kann’s ja für mich filmen.“

Glucke: „Nur ein herzloses Miststück wie du kann eine Filmaufnahme als gleichwertigen Ersatz ansehen.“

Ich: „Himmel, ich bin kein herzloses Miststück, ich will nur mal wieder ein paar Tage schlafen, lesen, schreiben und in Museen herumirren.“

Glucke: „Ein herzloses, egoistisches Miststück…“

Ich: „Nein, eine verantwortungsvolle Mutter, die weiss, dass sie hin und wieder die Batterien aufladen muss, wenn…“

Glucke: „Oh ja, genau, verantwortungsvoll… Und das am vierten Advent…“

Ich: „Genau, am vierten Advent. Das mit den freien Tagen vor Weihnachten hat bei mir ja schon fast Tradition.“

Glucke: „Du hattest auch mal die Tradition mit dem Weihnachtsstollen. Davon habe ich dieses Jahr noch nichts mitbekommen…“

Ich: „Dann warst du offensichtlich nicht aufmerksam genug. Gerade vor zehn Minuten habe ich die kandierten Früchte eingelegt.“

Glucke: „Das ist aber reichlich spät…“

Ich: „Spät, aber nicht zu spät.“

Glucke: „Trotzdem: Dein Egoismus ist schon fast Programm. „

Ich: „Noch einmal, das ist kein Egoismus. Ich gönne mir die Pause ja nur, damit ich an Heilig Abend mit frisch aufgeladenen Batterien meine Kinder nach Strich und Faden verwöhnen mag.“

Glucke: „Seit wann verwöhnst du die Kinder? Das ist mein Job.“

Ich: „Du hast ja keine Ahnung, wie gut ich mit frisch aufgeladenen Batterien verwöhne…“

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Alle Käfer sind schon da

Ich muss gestehen, das mit der Weihnachtsstimmung will bei mir dieses Jahr einfach nicht so recht klappen. Ob ich inzwischen zu alt bin dafür? Zu pessimistisch? Oder schlicht zu müde nach einem Jahr voller Unvorhersehbarem? Ich weiss es nicht, aber ich versuche natürlich trotzdem, meiner Familie zuliebe in Feierlaune zu kommen, trage mich mit dem Gedanken, endlich Stollen zu backen und knipse abends die Lichterkette an. Nett, wie meine Familie nun mal ist, zeigt sie sich gerne bereit, mir ein wenig nachzuhelfen. Den Anfang machte das Prinzchen, als er letzte Woche mit fieberglänzenden Augen von der Schule nach Hause kam. Am Wochenende sorgte Karlsson mit Unwohlsein für Gemütlichkeit. So richtig adventlich aber wird es, seitdem der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat mit glühender Stirn auf dem Sofa liegen und sich dampfenden Tee reichen lassen. Jetzt endlich beginne ich zu begreifen: Die Käfer sind da, Weihnachten kann kommen. 

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Dialogfetzen

Zwei Frauen im Zug:

„Und, hat dich deine Schwester jetzt gefragt, ob du Gotti werden willst.“

„Nein, hat sie nicht.“

„Noch nicht? Aber das Baby kommt doch schon bald. Da sollte sie langsam vorwärts machen.“

„Na ja. Sie wird mich dann schon noch fragen, wenn sie will.“

„Wann kommt das Baby denn?“

„Ende Dezember.“

„Und sie hat dich wirklich noch nicht gefragt?“

„Nein.“

„Aber das sollte sie jetzt unbedingt. Mein Bruder hat mich schon in der achten Schwangerschaftswoche gefragt. Warum fragt sie denn nicht endlich?“

Man hört zu und wünscht sich, die Gute würde endlich aufhören, Salz in die Wunde zu streuen. Ich meine, wenn die Schwester bis jetzt nicht gefragt hat…

Vor ein paar Tagen in der Stadt, Mutter (ca. 75) und Tochter (ca. 50) beim Einkauf:

Tochter: „Ich glaube, die kaufe ich mir für den Spitalaufenthalt. Die sehen bequem aus.“

Mutter: „Meinst du wirklich? Warum nimmst du nicht das Hauskleid mit?“

Tochter: „Welches Hauskleid?“

Mutter:“Das Schöne, das ich dir mal geschenkt habe.“

Tochter: „Die wären wahrscheinlich wirklich bequem…“

Mutter: „Ich hab dir doch mal dieses schöne, bequeme Hauskleid geschenkt.“

Tochter: „Ich glaube, ich nehme tatsächlich die hier.“

Mutter: „Weisst du denn nicht mehr? Das schöne Hauskleid mit den Blumen drauf? Das wäre doch perfekt für den Spital.“

Tochter: „Wann wird eigentlich Helene operiert?“

Mutter: „Ich finde, du solltest wirklich das Hauskleid mitnehmen.“

Liebe Mutter, darf ich dich darauf hinweisen, dass deine Tochter wirklich nicht über das Hauskleid reden möchte? Ich verstehe ja auch nicht warum, wo es doch so schön ist. Oder war. 

Und dann war da noch diese äusserst teamfähige Verkäuferin, die ihre Kollegin am Montagmorgen in Hörweite von Teamleiterin und Kunden mit den folgenden Worten begrüsste: „Na, Nancy, geht’s wieder besser?“ Nancy und die Teamleiterin schauen ihre Kollegin irritiert an. „Sie war doch nicht krank?“, fragt die Teamleiterin überrascht. „Ich war doch nicht krank…“, sagt Nancy im gleichen Moment leicht irritiert. „Nein, aber du warst am Samstag so komisch drauf und hast dich so sonderbar aufgeführt.“ 

Man möchte bezahlen, hört stattdessen zu und denkt, wie nett es doch wäre, mit einem solchen Charmebolzen zusammenzuarbeiten. 

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Engstirnige Mama

Eine unaufmerksame Autofahrerin hat sie vor drei Monaten angefahren.

Eine Gehirnerschütterung machte ihr ziemlich zu schaffen.

Ein paar unbedachte schnelle Bewegungen lösen seither heftige Kopfschmerzen aus.

Eine weitsichtige Kinderärztin hat sie bis auf Weiteres vom Sportunterricht dispensiert.

Eine geduldige Physiotherapeutin begleitet sie auf dem Weg zur Genesung.

Erst gestern wieder haben sich Pflegende und eine Ärztin auf der Notfallstation rührend um sie gekümmert, weil die Schmerzen schier unerträglich waren und die verschriebenen Medikamente nicht wirken wollten.

Aber natürlich bin ich trotzdem eine furchtbar böse, engstirnige Mama, wenn ich ihr deswegen am Samstagabend das Schlittschuhlaufen mit Freundinnen verbiete.

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Umleitung

Wer lesen möchte, was ich heute geschrieben habe, muss sich auf die swissmom-Seite bequemen, denn ich war ganz und gar mit meiner Kolumne – und ein paar Wichtelgeschenken, die unsere Kinder ganz dringend auftreiben mussten – beschäftigt. 

 

Zukunft gesichert

Geschäfte zu machen ist heute nicht mehr so einfach wie früher mal. Franz Carl Weber kann sich die Zürcher Bahnhofstrasse nicht mehr leisten, Modeketten verschwinden vom Markt, „Meiners“ allerliebste Brocki machte neulich den Laden dicht und heute malte auch das Prinzchen ein düsteres Zukunftsbild. Wenn nicht bald ein paar Kunden in seinen Laden kämen, warnte er, müsse er demnächst schliessen. Erst wollte ich ihn nicht so recht ernst nehmen. So schlimm könne es um seine Geschäfte ja nicht stehen, meinte ich, immerhin verlangten wir für die Ladenfläche keine Miete, für seine Grundbedürfnisse sei bestens gesorgt und ausserdem müsse er keine Löhne entrichten, aber genau in diesem letzten Punkt irrte ich. Ob ich denn vergessen hätte, dass er neulich den Zoowärter als Verkäufer eingestellt habe, wollte das Prinzchen wissen. Der verlange doch sage und schreibe eine Gewinnbeteiligung von 50%, das sei nicht ganz ohne.

Weil aber das Prinzchen keiner ist, der jammert, fügte er sogleich an, er hätte da ein paar Neuheiten im Sortiment, die mich interessieren könnten. Zudem biete er jetzt Hauslieferungen an, auch sonntags habe er bis 21 Uhr geöffnet und Karlsson bekomme als verspätetes Geburtstagsgeschenk einen Rabattgutschein. Solchen Angeboten kann man natürlich nur schwer widerstehen und nachdem nun auch der FeuerwehrRitterRömerPirat einen grosszügigen Preisnachlass auf eine doppelt vorhandene Legopackung versprochen bekommen hat, kann man davon ausgehen, dass die Existenz von Prinzchens Laden bis auf Weiteres gesichert ist. 

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So ein Tag halt…

Okay, eigentlich müsste ich es inzwischen wissen: Ein Tag, der damit beginnt, dass der Zoowärter noch vor dem Frühstück seinen Mageninhalt von sich gibt, weil er dermassen herzzerreissend über seine unverschämten Eltern heulen muss, die allen Ernstes von ihm verlangen, an ein und demselben Morgen eine frische Hose und einen frischen Pullover anzuziehen, so einen Tag sollte man ganz einfach ignorieren. Die Decke über den Kopf ziehen, Augen zu und warten, bis der nächste Tag kommt, das sollte man eigentlich.

Aber natürlich macht man das nicht, man ist ja pflichtbewusst und so, also versucht man, den übellaunigen Stier – ich meine den Tag, nicht den Zoowärter – bei den Hörnern zu packen und ihn irgendwie zur Vernunft zu bringen. Doch dazu ist es bereits zu spät, denn inzwischen ist der FeuerwehrRitterRömerPirat auf die Idee gekommen, ein wenig Ohrenschmerzen wären heute ganz praktisch, man könnte so den endlosen Schultag deutlich verkürzen. Der Lehrer glaubt’s, die Eltern eher nicht so, also muss am Nachmittag trotz Krankheit das Zimmer aufgeräumt werden, was an einem Tag wie heute ganz besonders schön ist, denn „Meiner“ ist mal wieder von der grossen Aufräumwut gepackt worden und lässt keine Gnade walten, auch nicht bei den Dingen, die man ach so sorgsam unter das Bett gewurstelt hat. Also noch einmal lautes Geheul, diesmal einfach ohne Mageninhalt und dann später noch einmal, weil die bösen Eltern keine iPad-Zeit genehmigen und dann noch einmal, weil Luise und „Meiner“ sich ins Gehege geraten. Dazwischen ich, wie eine Furie durchs Haus rasend, lauthals schimpfend, weil die Aufräumenden in der Waschküche einen Wäscheberg von der Höhe des Matterhorns deponiert haben – unsortiert, versteht sich. Da ich mich aber bekanntlich dem Frieden verschrieben habe, herrsche ich meine Liebsten an, sie sollten sich doch endlich wieder einkriegen und gefälligst lieb sein miteinander, was aber irgendwie nicht so richtig wirken will, weshalb wir abends alle ziemlich grummlig auseinander gehen. Dies die Kurzversion eines Tages, der sich in Wirklichkeit noch viel unausstehlicher gebärdet hat.

Ein Tag halt, an dem ich mich abends frage, was die anderen Mamas, die immer so selbstzufrieden sanftmütig lächelnd ihren Nachwuchs durchs Leben geleiten, eigentlich heimlich schlucken.

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pane e fagioli; prettyvenditti.jetzt