Kommunikationswege

Die eine Schwester ist WhatsApp. Ein wenig Facebook auch, aber nicht zu viel. 

Die andere Schwester ist auch WhatsApp, hat sich aber noch nicht ganz vom SMS verabschiedet. Facebook ist sie übrigens auch, aber eher so die „Gefällt mir“-Userin. Dafür ist ihr Mann so ziemlich Facebook. 

Die dritte Schwester ist weder noch, notfalls erreicht man sie per Telefon oder Handy, aber nur, wenn man ihre Nummer kennt. Sonst halt die Hoffnung, dass man sich zufällig mal in der Migros über den Weg läuft.

„Meiner“ ist vor allem Facebook, aber auch Twitter, Blog, ein bisschen Instagram, ziemlich viel Mail und falls man Glück hat auch mal SMS, wenn er dran denkt, das Handy mitzunehmen. WhatsApp aber nicht, dazu taugt sein vorsintflutliches Handy nicht.

Karlsson ist Facebook. WhatsApp vermutlich auch, aber nicht mit mir. Instagram auch.

Luise wäre WhatsApp, wenn sie denn nicht aus hier ungenannten Gründen das Handy hätte abgeben müssen.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat wäre gern Mail, aber er musste – aus ebenfalls hier ungenannten Gründen – den iPod abgeben.

Meine Mutter ist „Begegnung im Treppenhaus“; falls man gerade einen Käfer hat, den man nicht weitergeben möchte, auch Telefon. (Bei diesen Gelegenheiten besprechen wir dann, was zu tun ist, wenn ihr iPad mal wieder aus dem Internet ausgestiegen ist und sie kein youtube mehr schauen kann.) 

Ein Bruder ist Facebook, aber nie drin und wäre wohl eher der Handy-Benutzer, wenn ich denn seine Nummer hätte. Der andere ist WhatsApp, der Dritte ist hmmmm, was eigentlich? Keine Ahnung, aber seine Kinder sind WhatsApp und müssen ihm halt hin und wieder Nachrichten weitergeben. 

Der Vater ist Facebook und Telefon, seine Frau ist eher so der SMS-Typ. 

Die zahlreichen Neffen und Nichten sind vorwiegend WhatsApp, einige auch Facebook, ein paar noch zu jung, um irgend etwas zu sein. 

Ich bin Blog, Facebook und Mail, theoretisch auch SMS und WhatsApp, aber wo um Himmels Willen ist schon wieder mein Handy?

Eigentlich erstaunlich, dass wir es doch immer irgendwie hinkriegen, uns an Weihnachten zu sehen.

sono morto

sono morto; prettyvenditti.jetzt

Sitzungsvorfreude

Kein entrüstetes Augenrollen und „Du bist ja soooooo unfair“-Gebrüll, kaum öffnest du deinen Mund.

Niemand neben dir, der sich mit seinem Tischnachbarn um das letzte Stück Brot zankt und am Ende im Zorn einen Löffel durch die Gegend wirft. 

Keiner, der stur vor sich hinstarrt und die Lippen zusammenkneift, wenn du ihn etwas fragst. 

Keine, die auf den Tisch klettert, um vorzuführen, wie man – was eigentlich macht? Fällt mir gerade auf, dass ich noch immer nicht herausgefunden habe, warum sie dort oben war, umringt von ihren staunenden Brüdern.

Keine Diskussionen wie die hier: „Papier ist Holz.“ „Nein, ist es nicht. Papier ist Papier.“ „Aber es ist aus Holz gemacht, also ist es Holz.“ „Nein, ist es nicht. Sieh doch, es ist weiss. Das kann kein Holz sein.“ „Es ist aber Holz weil es aus Holz gemacht ist.“ „Ist es nicht.“ „Ist es doch.“ „Ist es nicht.“ „Ist es doch und wenn du mir nicht endlich glaubst, werfe ich dir diesen Schuh an den Kopf.“

Niemand, der mit den Fingern in der brennenden Kerze herumstochert und Mitleid einfordert, wenn es den Fingern zu heiss geworden ist. 

Keiner, der dich so sehr zur Weissglut treibt, dass du dich nicht mal mehr für dein Herumbrüllen schämst. Wie, um alles in der Welt, hättest du nach dem hunderttausendsten „Nein!!!!!“ noch ruhig bleiben sollen?

Niemand der herzzerreissend schluchzt, wenn du fragst: „Hast du deine Zähne geputzt?“

Kein Gerenne um den Esstisch. Kein Gezappel. Kein Gebrüll. Kein Petzen. Kein Gejammer über verpatzte Prüfungen. 

Einfach nur zivilisierte Konversation mit Menschen, die denken, ehe sie antworten und das einen ganzen Freitag lang. 

Noch selten habe ich mich so sehr auf eine ganztägige Sitzung gefreut, wie in dieser vollkommen irren Vorweihnachtszeit, in der ich mich immer öfter frage, ob ich mich denn ins Affenhaus im Zoo verirrt habe. 

Pädagogisch inkorrekt

Noch selten habe ich die Sache mit den Zimtsternen, Mailänderli und Spitzbuben so lange vor mir hergeschoben wie dieses Jahr. Dabei hätte ich durchaus Lust zum Backen. Was ich aber nicht habe, ist Lust, mit den Kindern in der Küche zu stehen. Ich hab die Nase voll von diesemWaschdirzuerstdieHändeund stecknichtandauernddieFingerindenMundzuerstbekommterdenEngel-AusstecherdannduHimmelmachtnichtsoeineSauereiesstnichtzuviel
rohen
TeigsonstbekommtihrBauchwehMistjetztistschonwieder
allesangebrannt!
Ich will mir nicht anhören müssen, meine Matcha-Sablés seien viel zu herb und zu wenig süss, will nicht erklären, wie man Eier trennt, will nicht der Tradition zuliebe das Zeug machen müssen, das man zu Weihnachten eben so macht, sondern ausprobieren, was wir noch nicht kennen. Für einmal wünschte ich mir, ich wäre eine jener auf Sauberkeit bedachten Mütter, die ihre Kinder nicht in die Küche lassen, weil sie die Sauerei fürchten. Ich möchte die Fähigkeit besitzen, meine feste Überzeugung auszuschalten, die da lautet: „Kinder sollen am Herd experimentieren dürfen. Nur so bekommen sie Freude am Kochen.“ Ja, ich habe mich gar beim Gedanken ertappt, meine backwütigen Kinder mit ein oder zwei Paketen Fertigteig abzuspeisen und abends im Geheimen ganz für mich alleine eine zünftige Backorgie zu veranstalten. 

Mir ist selbstverständlich bewusst, wie pädagogisch inkorrekt solche Gedanken sind und darum werde ich morgen – oder übermorgen, vielleicht auch erst am Samstag – mit den Kindern die obligaten Weihnachtsguetzli backen. Heute Nachmittag aber, als fast alle aus dem Haus waren und das Prinzchen der Grossmama einen Besuch abstattete, packte ich die Gelegenheit beim Schopf und tobte mich ganz egoistisch alleine in der Küche aus. Zu meinem grossen Erstaunen haben die Kinder nicht mal gemotzt, dass ich ohne sie angefangen habe.

Ich glaube fast, die Matcha-Sablés sind süss genug geworden. 

carne povera

carne povera; prettyvenditti.jetzt

 

Dauert das lang?

Prinzchen: „Mama, ist Weihnachten lang? Dauert das lange, bis es wieder weg ist?“

Na ja, mein Sohn, die Inkubationszeit dauert meistens ziemlich lange, so von Anfang September bis Mitte Dezember. Dann macht sich die Seuche ziemlich heftig bemerkbar, mit Schweissausbrüchen im Einkaufsrummel, überdrehten, streitlustigen Kindern, üppigen Dekorationen, Stressanfällen und dergleichen. Vom 24. bis zum 26. glaubt man, die Sache nehme nie ein Ende, doch am 27. ist alles wie weggeblasen. Bei manchen Menschen flackert die Krankheit am 6. Januar noch einmal kurz auf, aber dann ist endgültig Schluss. Es sei denn, jemand leide an der postnatalen Depression…

Weihnachtsschmuck

Absolut

Eigentlich ist das heutzutage ja sehr verpönt, aber für einmal tue ich es trotzdem: Ich behaupte, im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit zu sein. Nur in Sachen Läuse, sonst nicht, aber in diesem Bereich dulde ich keinen Widerspruch mehr. Nach drei erfolglosen „Geben Sie mir das Beste, was Sie gegen Läuse haben“-Kuren gibt es für mich nur noch zwei Methoden, um die Biester loszuwerden.

1. Die FeuerwehrRitterRömerPiraten- und Zoowärtermethode, die da heisst: Haare millimeterkurz abrasieren, Bettwäsche noch einmal gründlich waschen und fertig. Okay, diese Methode funktioniert nur, wenn man eine Freundin hat, deren Kinder mit gutem Beispiel vorangehen und die den Jungs in den schlimmsten Farben ausmalen kann, was die Parasiten auf dem Kopf alles treiben (Ich glaube, beim FeuerwehrRitterRömerPiraten war es der Satz: „Stell dir vor, die Biester haben Sex auf deinem Kopf“, der ihn dazu bewogen hat, sich von seiner Haarpracht zu trennen.). Diese Methode hat auch den Nachteil, dass sentimentale Naturen wie der Zoowärter noch Tage nach der Kopfrasur den Haaren nachtrauern, aber da muss man durch, wenn man irgendwann wieder läusefrei sein will.

2. Die Prinzchen- und Luisemethode
Dieser Weg ist eindeutig beschwerlicher als der erste, aber es gibt nun mal Menschen, die sich dem Kahlschlag auf dem Kopf stur verweigern. Die müssen dann halt damit leben, dass man ihnen eine Tube voller Mayonnaise aufs Haupt drückt – was gewissen genervten Müttern ein fast schon krankhaftes Vergnügen bereitet. Das schmierige Zeug wird tüchtig einmassiert, dann kommt über Nacht eine Haube drauf. Am nächsten Tag geht’s weiter mit einer Essigspülung, stundenlangem Auskämmen und viel Geschrei, weil viele tote Läuse im Kamm zu finden sind. (Zumindest, wenn man Prinzchen heisst, bei Luise stellte sich der ganze Aufwand als unnötig heraus. Eine Prinzchen-Mähne, auf der sich die Läuse austoben können, bietet offenbar ausreichend Schutz für Luises gut gepflegte Haarpracht.) Dann Tag für Tag mit Essig auskämmen, noch einmal eine Portion Mayonnaise, noch einmal Essig, dann sind die Kinder läusefrei und könnten glatt in der Salatschüssel landen. 

Dies also wären sie, die einzigen wirksamen Anti-Laus-Methoden. Dass mir also keiner daherkommt und behauptet, es gebe noch einen dritten Weg. 

rosehip; Gianluca Venditti

Beweismaterial

Vielleicht sollten auch Nostalgiker wie ich sich hin und wieder von altem Ramsch trennen. Zumindest diesen Mathe-Ordner aus der Oberstufe hätte ich wohl besser entsorgt, anstatt ihn in einem Anfall von „Eines Tages kann man den vielleicht wieder brauchen“ zuhinterst im Estrich zu versorgen. Heute nämlich hat ihn der Zoowärter ausgegraben und jetzt glaubt mir natürlich keiner mehr, dass der Matheunterricht eine reine Qual war. „Aber Mama, in dem Ordner hat’s ja überall Disney-Bildchen drin“, sagen sie jetzt und wollen mir nicht glauben, dass das alles nur Zuckerguss war, um eine bittere Pille schmackhafter zu machen? So wie die Eisentabletten, die ich in der Schwangerschaft jeweils schlucken musste: Aussen pink und zuckersüss, innen rabenschwarz und bitter.

Und das ist noch nicht mal das Schlimmste an der Sache. Jetzt können die nämlich alle sehen, dass mein Lehrer, der im persönlichen Umgang eine absolute Niete war, wirklich ganz verständliche Erklärungen schreiben konnte. Hätte ich mir je die Mühe genommen, seine Ausführungen zu lesen, wäre mir vielleicht sogar das eine oder andere Licht aufgegangen. Aber ich las natürlich nicht, denn der Lehrer hatte mir schon bald einmal zu verstehen gegeben, das mit mir und der Mathematik werde nie etwas, es sei denn, ich würde einen Therapeuten aufsuchen. Eine Aussage, die zu jenen Zeiten noch ein absoluter Affront war, denn Therapie war etwas für die hoffnungslosen Fälle. Und überhaupt: In meiner Familie konnte keiner rechnen, warum also sollte ausgerechnet ich das Zeug verstehen?

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich sagen, dass meine Familie mir jetzt natürlich nicht mehr glaubt, wenn ich erzählen will, wie sehr ich gelitten habe in der Schule. „Aber du hättest doch nur diesen tollen Ordner studieren müssen, dann hättest du es bestimmt verstanden“, werden sie sagen. „Würde man mir das Zeug auf diese Weise näher bringen, ich würde bestimmt mehr lernen“, werden sie behaupten. „Du hast gesagt, dein Lehrer sei eine Katastrophe gewesen, aber du hast ganz offensichtlich übertrieben“, werden sie mir vorwerfen. Und das nur, weil der Ordner so viel besser als der Unterricht war.

Einen Vorteil hat es allerdings, dass ich diesen Ordner nicht weggeschmissen habe: Meine Kinder haben jetzt ganz viele Algebra-Arbeitsblätter, vollkommen unberührt und ungelöst. Denn wie ich beim Durchsehen des Materials festgestellt habe, habe ich damals nicht nur die Prüfungsblätter jeweils blütenweiss zurückgegeben, auch die Hausaufgaben blieben frei von meinen Buchstaben.  

Einzig Donald Ducks Schnabel habe ich hin und wieder ausgemalt. 

Kleiner Nachtrag

Inzwischen ist ein weiterer Vorteil aufgetaucht. Für meine Teenager habe ich jetzt nämlich so etwas wie eine wilde Vergangenheit: „Echt, Mama? Du hast deine Matheaufgaben nie gemacht und hast keinen einzigen Eintrag bekommen? Voll krass!“

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Motivationssuche im Morgengrauen

Das linke Auge öffnet sich. „Dunkel“, brummt es. Das Rechte öffnet sich ebenfalls einen Spaltbreit. Eine Weile lang starren beide Augen ins Leere. „Viel zu dunkel“, brummen sie beide und schliessen sich wieder. „Aber der Wecker!“, schreit das Ohr hysterisch. „Lass ihn doch klingeln, den alten Tyrannen“, murmeln die Augen. „Aber dieser Lärm. Der ist nicht zum Aushalten“, jammert das Ohr. „Na, dann bring den Kerl doch einfach zum Schweigen“, schaltet sich die linke Hand ein und verpasst dem iPad, das heute die Rolle des Weckers spielt, einen Klaps. Ruhe. Himmlische Ruhe.

Acht Minuten lang, dann geht das Spiel wieder von vorne los, diesmal einfach mit dem Unterschied, dass sich auch noch die Zehen in die Diskussion einbringen. Das Ohr schon wieder vollkommen hysterisch, die Augen noch immer nicht bereit, sich offen zu halten – „Mich dünkt, ich hab‘ da noch ein bisschen was von dem Sandmännchenzeugs drin, ich mach lieber wieder zu.“ -, die linke Hand schon bereit, den Wecker wieder abzuwürgen. „Halt, lass ihn noch, ich teste mal die Temperatur da draussen“, ruft der linke grosse Zeh und streckt sich unter der Decke hervor. „Na ja, ist ganz angenehm. Von mir aus können wir es wagen…“ „Bist du verrückt geworden?“, meldet sich der rechte grosse Zeh, der sich von allen unbemerkt ebenfalls unter der Decke hervorgewagt hat, zu Wort. „Saukalt ist es ja nicht gerade, aber hier unter der Decke ist es allemal wärmer. Ihr anderen könnt von mir aus machen, was ihr wollt, aber ich bleibe hier und geniesse die Wärme.“ „Aber der Wecker!“, schreit das Ohr. „Halt die Klappe“, brummt die linke Hand, verpasst dem iPad einen weiteren Klaps und zieht dann mithilfe des linken Arms die Decke über den Kopf. „Zufrieden? Jetzt hörst du nichts mehr und kannst uns anderen in Frieden lassen.“

Diesmal herrscht länger Ruhe, denn das Ohr bekommt jetzt nicht mehr mit, dass der Wecker schon wieder meckert. Schliesslich fängt es aber doch wieder an zu stänkern: „Ich hör‘ da was…“, sagt es. „Du hörst immer irgendwas“, gibt der rechte grosse Zeh zurück. „Lass uns in Ruhe mit deinen Hörübungen“, motzen die Augen. „Immer diese übereifrigen Streber“, raunzt die linke Hand. „Nun seid doch mal still, ich höre wirklich etwas“, beharrt das Ohr. „Es klingt, als ob Luise und ‚Meiner‘ sich in den Haaren lägen. Irgend so eine Sache mit einer Hausaufgabe, die sie nicht erledigt hat. Ziemlich ernste Sache, dünkt mich. Ich rechne jederzeit mit einem lauten Türknall…“

„Ach, Sch…., dann müssen wir wohl“, meldet sich das Gehirn zum ersten Mal an diesem Tag zu Wort. „Tut mir leid, meine Lieben, es ist ja wirklich nett hier, aber wenn Luise und ‚Meiner‘ bereits vor dem ersten Türknall stehen, dann sind wir ganz eindeutig zu lange liegen geblieben. Also los, auf zur Friedensmission!“

Und jetzt endlich schafft es die demotivierte Bande, unter der Decke hervorzukriechen, den Wecker ein für alle mal zum Schweigen zu bringen und in die Küche zu schlurfen, um einer anderen demotivierten Bande Beine zu machen. 

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Tochterfragen

Ist das deine Tochter, die mit den langen, blonden Haaren und den blauen Augen? Die sieht ja toll aus.

Die Jungs stehen sicher auf sie, nicht wahr?

Woher hat sie bloss ihre wunderbaren Augen?

Wow, diese langen Haare. Dauert sicher eine Ewigkeit, bis sie die gewaschen, getrocknet und gekämmt hat?

Hat sie schon ihre Tage? (Im Ernst, meine lieben Mitmütter, hättet ihr wirklich gewollt, dass wildfremde Frauen euren Müttern solch indiskrete Fragen über euch gestellt hätten?)

Habt ihr nicht Angst, dass sie euch gestohlen wird?

Wie fühlt sich das so an, wenn die Tochter allmählich erwachsen und immer hübscher wird?

Wie ich sie doch satt habe, diese Fragen. Wenn ihr schon unbedingt etwas über meine Tochter erfahren wollt, dann fragt mich doch bitte: „Und, weiss sie schon, was sie aus ihrem Leben machen will, wenn sie gross ist?“ Von mir aus auch: „Wusste sie schon immer so genau, was sie will?“ Oder, wenn’s unbedingt sein muss: „Und, wie läuft’s in der Schule?“

Was ihr mich eben so fragt, wenn wir auf Karlsson zu reden kommen.

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Fazit nach dem Samichlausbesuch

  • Karlsson und Luise finden den Mann im roten Mantel nur noch peinlich, der  FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter wissen zwar, dass er nicht echt ist, freuen sich aber trotzdem noch immer über seinen Besuch, das Prinzchen glaubt noch felsenfest, obschon der Zoowärter versucht, ihm die Sache auszureden. Ich schätze mal, in drei oder vier Jahren sind wir soweit, dass wir den Samichlaus nicht mehr einladen müssen. Jetzt erscheint mir diese Perspektive geradezu himmlisch, aber ich könnte wetten, dass auf dieser Seite am 6. Dezember 2018 – vielleicht auch ein Jahr später – ein ziemlich sentimentaler Text erscheint. 
  • Unser Dyson mag keine Erdnussschalen.
  • Weil unser Dyson keine Erdnussschalen mag, mag ich sie auch nicht und darum wird an dem Tag, an dem der Samichlaus zum letzten Mal unser Haus verlässt, ein striktes Erdnussverbot verhängt. Ausser Peanut Butter und von mir aus auch dieses scheussliche, versalzene, aber immerhin geschälte Apéro-Zeugs kommt mir dann nichts Erdnussiges mehr ins Haus. 
  • Wenn der Chlaus mit seinen Schmutzlis vor mir steht, werde ich immer ganz klein und nervös. Warum? Weil die sehen können, wer ich bin, ich mir aber nicht ganz sicher bin, wer hinter den Bärten steckt, weshalb ich nicht weiss, wer hier einen ziemlich tiefen Einblick in unser Familienleben erhascht. Folglich weiss ich auch nicht, vor wem ich mich in Zukunft beim Wocheneinkauf verstecken muss.
  • Es war keine gute Idee, diesmal dem Prinzchen zuliebe nur positive Dinge über unsere Kinder zu verraten. Der Chlaus hat doch tatsächlich geglaubt, unsere Kinder seien so brav, wie ich ihm erzählt habe. Oder habe ich da in seinem Lob vielleicht einen leicht spöttischen Unterton vernommen?
  • Wenn ich unseren Kindern noch einmal erklären muss, warum der Samichlaus nichts mit dem kitschigen Kerl von Coca-Cola zu tun hat, verlange ich von Coca-Cola ein Schmerzensgeld, weil ich mir den Mund in all den Jahren fusselig geredet habe. 
  • Je langweiliger der Grittibänz, umso grösser die Chance, dass er nach dem Backen noch als solcher erkannt wird. 
  • Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals zugeben würde, aber der katholische Samichlaus hat die Nummer eindeutig besser drauf als derjenige vom Turnverein, den wir letztes und vorletztes Jahr hatten. 

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Gerätevermehrung

Am Anfang war da nichts. Na ja, fast nichts. Die Überzeugung, dass wir auch ohne können, die war da, felsenfest. Irgendwann kamen dann doch die ersten Gehversuche, unfreiwillig noch, ziemlich mühsam obendrein, aber ein paar Vorteile liessen sich erahnen. Er blieb bei seinem klaren Nein, ich meinte, vielleicht, irgendwann, später einmal könnte das schon noch interessant werden. Zwei oder drei Jahre später der Einstieg ins Uni- und Berufsleben, bei mir verbunden mit der Pflicht, mich in die Sache einzuarbeiten, bei ihm blieb es freiwillig, also blieb auch seine Überzeugung, dass er es nicht braucht. Mir fing es derweilen an, Spass zu machen, die Empörung, als die Professorin verlangte, dass jeder Student sich eine E-Mail-Adresse zulegt, war dennoch riesig. In unsere erste Wohnung zog also auch ein Computer ein. Ein grosses Ding, mit klotzigem Monitor und schwerem Tower. Er blieb skeptisch, war dann aber auch der Meinung, ein Internetanschluss könnte vielleicht ganz praktisch sein. Der Computer war meine Domäne, er gab sich nur damit ab, wenn es sich nicht vermeiden liess. 

Zeitgleich stellte sich die Frage, ob man so ein Handy, das plötzlich alle hatten, braucht. Wir waren uns einig: Braucht man nicht. Wir blieben uns einig, bis sich Nachwuchs ankündigte und er erreichbar sein wollte, auch während der Schulstunden. Diesmal war ich skeptisch, doch eine Aktion bei der Migros – zwei für eins oder so – setzte meinem Widerstand ein Ende. 

Irgendwann zog Apple bei uns ein, die sperrigen Computerdinger mir Tower und Kabelsalat verschwanden, die durchwachten Nächte, während derer ich versuchte, Probleme zu lösen und Viren zu vertreiben, gehörten der Vergangenheit an. Jetzt fiel es auch ihm leichter, sich mit dem Zeug anzufreunden. Steuererklärungen, E-Banking und Pannen blieben aber ganz klar meine Aufgabe. Dann sah ich zum ersten Mal ein Tablet und war hin und weg, was ihn dazu bewog, mir eines zur Veröffentlichung des ersten Buches zu schenken. Das Gerät gehörte mir ganz alleine, wurde aber doch von allen Familienmitgliedern – inklusive dem Jüngsten, der damals gerade mal zwei war – eifrig genutzt, bis es den Geist aufgab. Ein Ersatz musste schnell her, wieder sollte er mir alleine gehören, denn die anderen hatten ja den neuen Computer, den Laptop und den alten Computer.

Als er sich trotzdem immer und immer wieder an meinem Tablet vergriff, schenkte ich ihm sein eigenes Mini-Tablet. Der Älteste hatte da schon sein erstes Smartphone, die Tochter einen iPod. Dann fing er an, Kurse zu erteilen, wollte nicht immer den Laptop mitschleppen, hatte auf dem Mini-Ding aber kein Platz für die benötigte Software. Er bekam ein grosses Tablet, das Mini-Ding wurde mit Lern-Apps für die Kinder vollgestopft, die Tochter bekam ein Smartphone, ich gewann beim Wettbewerb ein Fairphone und musste mir einen neuen Laptop anschaffen, der Dritte durfte den iPod des Cousins übernehmen, der Älteste ersteigerte sich mit seinem Geburtstagsgeld sein eigenes Tablet…

Plötzlich überall Geräte, Kabelsalat, weil jetzt jeder immer irgend etwas am Aufladen ist und manchmal die erstaunte Frage, ob wir wirklich mal im Ernst geglaubt hatten, wir könnten uns dieser Sache entziehen. 

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