Explodiert

Was ist bloss mit „Meinem“ und mir los? Kaum taucht am Beziehungshorizont die geringste Unstimmigkeit auf, schieben wir sie beiseite. Nicht, weil wir nicht streiten könnten, oh nein! Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich „Meinem“ auf offener Strasse einen Blumenkohl an den Kopf geschmissen habe – Okay, ich habe probiert, ihm einen Blumenkohl an den Kopf zu schmeissen, aber getroffen habe ich natürlich nicht, denn ich treffe nie-, weil er mir derart auf die Nerven fiel. Die Männer aus Sri Lanka, die uns bei diesem Krach beobachtet haben, sind wohl schleunigst aus der Schweiz abgereist, aus Angst, dass sie dereinst auch mit einem rabiaten Schweizerweib zu tun bekommen könnten. Auch die Zeiten, in denen der Brownie-Teig gegen die Küchenwand flog, weil „Meiner“ sich zu schnell duckte, werde ich nicht so schnell vergessen. Oder die Abende, an denen „Meiner“ wutentbrannt aus dem Haus stürmte, um den Bäumen im Wald zu klagen, was für eine Nervensäge er doch geheiratet habe. Ja, wenn „Meiner“ und ich streiten, dann fliegen die Fetzen.

Oder zumindest flogen die Fetzen. In den letzen Jahren sind wir weiser geworden und deshalb tönt es bei uns jetzt plötzlich so: „Ach, weisst du was? Ich will gar nicht streiten mit dir. Wir haben viel zu wenig Zeit füreinander und die wollen wir nicht mit Krach vergeuden. Und überhaupt liebe ich dich viel zu sehr…“ Ha, wie soll man da noch mit Blumenkohl um sich schmeissen können? Nun, ich habe  ja nichts gegen Harmonie, aber da ich zu viele Paare kenne, die sich „nie gestritten und immer bestens verstanden“ haben, die eines Tages „aus heiterem Himmel“ geschieden werden, werde ich bei zu viel Harmonie schnell einmal misstrauisch. Denn wo hört die Harmonie auf und wo fängt die Gleichgültigkeit an?

Deshalb bin ich ganz froh, wenn „Meiner“ und ich uns hin und wieder in die Haare geraten. Das beweist mir, dass unsere Beziehung noch lebt. Wenn er mich ankeift, weil ich die Wäsche nicht gemacht habe, obschon ich dies versprochen hatte, wenn ich ihn einen Macho schimpfe, weil er findet, ich hätte die Wäsche machen sollen, wo doch Waschen ganz eindeutig Männerarbeit ist, wenn er mir sagt, er sei froh, wenn er am Montag wieder arbeiten könne, weil ich so anspruchsvoll sei und ich ihm an den Kopf werfe, er solle mich nicht immer bevormunden, dann ist die Welt noch in Ordnung. Klar, so einen Krach brauche ich nicht jeden Tag, auch nicht jede Woche, von mir aus nicht einmal monatlich. Aber hin und wieder mal erleben, dass uns unser Zusammenleben noch immer so wichtig ist, dass wir es verbessern wollen, das gehört für mich ebenso zur Ehe wie romantische Abende, Ferienpläne schmieden und lange Gespräche über unsere Kinder. Hin und wieder mal spüren, dass „Meiner“ auch nach 18 Jahren Beziehung noch die ganze Bandbreite an Gefühlen in mir wecken kann, das gehört doch einfach dazu. Denn nach der rasenden Wut, den Tränen und dem Brüllen stehen wir beide plötzlich ganz ausgelaugt da, starren uns an und plötzlich wissen wir wieder, dass wir eigentlich nur das Beste füreinander wollen. Und auf einmal sind wir wieder verliebt wie am ersten Tag…

Und raus damit!

Es ist vielleicht sechzehn Jahre her, da sass eines Abends ein junger Mann an seinem Schreibtisch und lernte auf eine Prüfung. Vielleicht in Geschichte, vielleicht auch in Französisch, ja, es könnte gar sein, dass es eine Physikprüfung war. Ist ja auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass er, als er so richtig in seine Bücher vertieft war, seine Mama aus der Küche rief, ob er eine Banane essen wolle. Er wollte nicht und wenn seine Mama eine gewöhnliche Mama gewesen wäre, hätte sie sein Nein akzeptiert. Seine Mama war aber eine Italienische Mama und deshalb fragte sie noch einmal, worauf der junge Mann wieder nein sagte. Weil die Mama aber eine Italienische Mama von altem Schrot und Korn war, fragte sie noch einmal und als der junge Mann ein drittes Mal nein sagte, stand die Mama bald darauf mit der geschälten Banane im Zimmer des jungen Mannes. Worauf der junge Mann so wütend wurde, dass er das Fenster öffnete und die Banane in Nachbars Garten schmiss.

Zu der Zeit, als dies geschah, war der junge Mann mit einer jungen Frau liiert, die diesen Vorfall äusserst witzig fand. Die Geschichte mit der Banane wurde zu einer der beliebtesten Anekdoten, welche die beiden erzählten, wenn jemand wissen wollte, wie denn das Verhältnis zur Mama des jungen Mannes sei. Eine weitere Bedeutung mass die junge Frau dieser Begebenheit nicht zu und es fiel ihr auch über Jahre nicht auf, dass der junge Mann immer mal wieder Dinge aus dem Fenster schmiss, wenn sie zu lange herumlagen oder ihm sonst auf irgend eine Weise auf die Nerven fielen.

Neulich aber sah die junge Frau, die inzwischen mit dem jungen Mann verheiratet ist und mit ihm zusammen fünf Kinder hat, dass in der Dachrinne eine Strumpfhose der Tochter lag. Und auf der Rutschbahn ein Paar Socken des zweitjüngsten Sohnes. Und im Erdbeerbeet ein T-Shirt des mittleren Sohnes. Die junge Frau,- die inzwischen übrigens schon einige graue Haare hat und deshalb eigentlich gar nicht mehr jung ist – fragte ihre Kinder, weshalb all die Kleider im Garten liegen würden. Worauf ihr Ältester gleichmütig erklärte: „Die haben die anderen in meinem Zimmer liegen lassen und weil sie sie nicht weggeräumt haben, habe ich sie eben zum Fenster raus geschmissen. Das macht der Papa ja auch immer, wenn wir nicht aufräumen.“

Eines ist jetzt schon klar: Die Mama dieser Kinder wird sie nie mit bereits geschälten Bananen belästigen, wenn sie am Lernen sind. Aber sie ist ja auch keine italienische Mama.

Dabei

Lange habe ich mich dagegen gesträubt, weil ich es einfach doof finde. Aber nachdem ich heute Abend beim Abchecken meiner Mails feststellte, dass „Meiner“ sich bei Facebook registriert hatte, während ich die Gutenacht-Geschichte erzählte, musste ich natürlich schleunigst handeln. Denn wo „Meiner“ ist, da bin auch ich. „Meiner“ und ich sind jetzt übrigens nicht bloss ein Ehepaar, wir sind jetzt auch Freunde bei Facebook. Und ich habe ihn „angestupst“, obschon ich keine Ahnung habe, was das zu bedeuten hat. Aber ich habe gedacht, da ich mit „Meinem“ ja schon Intimeres angestellt habe, kann ich ihn auch problemlos anstupsen. Er hat aber noch nicht auf meinen Stupser reagiert. Leicht irritiert war ich, als Facebook mich darauf aufmerksam machte, dass „Meiner“ zuerst bestätigen muss, dass er mit mir verheiratet ist, bevor wir in unserem Profil offiziell als Ehepaar gelten. Was mache ich bloss, wenn „Meiner“ das nicht bestätigt? Vielleicht stupse ich ihn zur Sicherheit noch mal an.

Oder ich setzte mich nachher mit ihm aufs Sofa, knie mich vor ihm nieder und frage ihn, ob er auch bei Facebook mein Mann sein möchte. Und wenn er ja sagt, haben wir vielleicht endlich einen Grund, noch einmal zu heiraten…

Schlechte Aussichten

Wer glaubt, seine Ehe habe gute Aussichten, nicht vor dem Scheidungsrichter zu enden, hängt einem Wunschdenken nach. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man die Schlussfolgerungen einer Studie der Genfer Fachhochschule für Wirtschaft betrachtet. Wenn ich die Ehe von „Meinem“ und mir im Lichte dieser Studie, oder zumindest im Lichte dessen, was die Zeitung über diese Studie geschrieben hat, anschaue, so sieht es ziemlich düster aus für uns.

Nehmen wir nur schon mal das erste Kriterium: „Beide sind Schweizer“. Da kann schon mal der grösste Teil der Weltbevölkerung den Scheidungsantrag ausfüllen. Und auch ein nicht unerheblicher Anteil der in der Schweiz wohnhaften Personen, zumindest, wenn man den Begriff „Schweizer“ so eng definiert wie dies gewisse rechtsgerichtete Kreise tun. In deren Augen zum Beispiel ist und bleibt „Meiner“ ein Ausländer, auch wenn er hier geboren und aufgewachsen ist, hier das Lehrerdiplom erworben hat, hier fünf Schweizer Bürger gezeugt hat und seit ein paar Jahren den Schweizer Pass besitzt. Und deshalb weiss ich nicht, ob unsere Ehe in den Augen der  Verfasser der Studie gute oder schlechte Chancen hat. Denn ob „Meiner“ ein Schweizer ist oder nicht, liegt hierzulande im Auge des Betrachters.

Aber schauen wir uns das nächste Kriterium für eine glückliche Ehe an: Die Eheleute „haben keine früheren Scheidungen hinter sich“. Nun, zumindest hier sind wir auf der sicheren Seite, da wir noch immer in erster Ehe leben und auch weiterhin vorhaben, dies zu tun. Ob wir das jedoch schaffen werden, ist fragwürdig, da ja die Frage, ob „Meiner“ nun Schweizer ist oder nicht, nicht abschliessend geklärt werden kann. Und auch bei Punkt drei sieht es für uns nicht gerade rosig aus.

„Er ist mindestens fünf Jahre älter als sie“. Okay, ich denke mal, ich muss doch die Scheidungspapiere bestellen. Allein der Altersunterschied von „Meinem“ und mir von 36 Stunden scheint ein schlimmes Handicap zu sein. Dass aber ich diejenige mit den 36 Stunden Vorsprung bin, vergrössert das Risiko einer Scheidung bestimmt ungemein. Ich meine, man stelle sich bloss all die Spannungen vor, die „Meiner“ und ich wegen meiner viel grösseren Lebenserfahrung durchzustehen haben…

Einen kleinen Hoffnungsschimmer bietet das letzte Kriterium: „Sie ist gebildeter als er“. Ich finde zwar, „Meiner“ und ich stünden hier etwa auf gleichem Niveau, aber vielleicht hilft es ja unserer Ehe doch, dass ich die Uni von innen gesehen habe, während „Meiner“ auf den akademischen Werdegang ganz verzichtet hat.

Wie man sieht, räumt die Studie unserem Eheglück keine grossen Chancen ein. Einfach erstaunlich, dass ich in den fast zwölf Jahren, die wir nun verheiratet sind, noch nichts von all den Problemen gemerkt habe. Vielleicht ist „Meiner“ eben doch ein „richtiger“ Schweizer…

Der Prediger

Es kommt nicht so sehr darauf an, wie alt die Mädchen sind, die bei uns zu Besuch kommen. Ob sie nun sieben sind und Jungs so ziemlich das Letzte finden auf diesem Planeten, zwölf und den Kopf voller „Stars“ haben, oder siebzehn und schon drei gescheiterte „Beziehungen“ hinter sich haben, sie bekommen alle die gleiche Predigt zu hören von „Meinem“: „Heirate auf keinen Fall einen Macho. Verstanden? Keiner, der sich von dir bedienen lässt. Keiner, der dich die ganze Hausarbeit alleine machen lässt und nur vor der Glotze hockt. Du musst dir unbedingt einen guten Mann aussuchen, klar?“ Was „Meiner“ damit eigentlich sagen will: „Wenn du heiratest, achte darauf, dass du einen Mann findest wie ich einer bin.“

Ob ich dem guten Mann etwas gar zu oft sage, wie glücklich ich mich schätze, dass ich mir ausgerechnet ihn geangelt habe?

Spielplatz

Seit etwas mehr als achtzehn Jahren tummeln wir uns jetzt auf diesem Spielplatz, „Meiner“ und ich. Eine traumhafte Anlage, schön gelegen, mit unzähligen Spielmöglichkeiten, gemütlichen Sitzbänken und Picknick-Gelegenheiten, lauschigen Plätzen. Einfach alles, was das Herz begehren könnte. Anfangs konnten wir nicht genug davon bekommen, all die verschiedenen Spielgeräte zu erkunden: Wir kletterten wagemutig auf dem Kletterturm, drehten auf dem Karussell bis uns schwindlig war, wühlten uns genüsslich durch den Sandkasten und schauten, wer die schönere Sandburg bauen kann. Nach einer Weile hatten wir genug gespielt und wir genossen das süsse Nichtstun. Wo ist es gemütlicher? Im Weidenhaus oder beim Fussbad im klaren Bach? Wo lässt es sich besser quatschen? Auf der Parkbank oder am Picknicktisch mit einem randvoll mit Leckerbissen gefüllten Korb? Die Möglichkeiten waren grenzenlos. Wir liebten diesen Spielplatz.

Wir lieben ihn noch immer. Aber der Spielplatz gehört nicht mehr uns alleine. Das Karussell wird von anderen in Beschlag genommen, der Kletterturm auch. Und „Meiner“ und ich haben immer mehr die Aufgabe übernommen, dafür zu sorgen, dass die anderen glücklich sind auf unserem Spielplatz. Wir passen auf, dass sich niemand weh tut, wir sorgen dafür, dass der Picknickkorb nie leer wird, wir stehen am unteren Ende der Rutschbahn und fangen die Rutschenden auf, wenn sie zu schnell unterwegs sind. Wir achten darauf, dass der Spielplatz sauber bleibt, dass er so einladend ist, wie wir ihn angetroffen haben. Wir sind fast rund um die Uhr damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass dieser Spielplatz ein Ort bleibt, an dem man sich gerne aufhält, dass er ein Ort bleibt, an dem Viele glücklich sein können und nicht bloss wir zwei. Wir lieben diese Aufgabe.

Doch manchmal möchten wir auch ein wenig spielen. Aber das einzige Spielgerät, dass uns bleibt, ist die „Gigampfi“, in Deutschland besser bekannt unter dem Namen Wippe. Fast täglich stehlen wir uns mal kurz zwischendurch für ein paar Minuten weg, um zu wippen und das seit Jahren schon. Am Anfang machte das durchaus Spass: Auf und ab, auf und ab, auf und ab. Irgendwann aber wurde es schwierig. Ich blieb unten, „Meiner“ versuchte mit aller Kraft, mich nach oben zu bringen und schaffte es nicht mehr. Zumindest nicht mehr alleine. Die Leute eilten ihm zu Hilfe, damit ich wieder hochkommen konnte. Und es gelang, es geht wieder weiter wie zuvor: Auf und ab, auf und ab, auf und ab.

So langsam aber haben „Meiner“ und ich genug gewippt. Wir möchten ganz gern mal wieder rutschen, oder klettern, oder am allerliebsten schaukeln. So richtig hoch hinaus, mit viel Schwung und diesem unglaublichen Gefühl im Bauch, dass es keine Grenzen gibt. Mal schauen, ob bald mal eine Schaukel für uns zwei frei wird…

Weichgeklopft

Wer mich kennt, weiss, wie sehr ich Besuche beim Coiffeur liebe. So sehr nämlich, dass seit meinem letzten Haarschnitt bald ein Jahr verstrichen ist. Und das sieht man irgendwann. Wenn an den Haarwurzeln braun, dunkelblond und grau wirr durcheinander spriessen, der untere Teil aber noch immer so etwas wie blond ist und alle Haare zusammen so lang sind, dass des Prinzchens Speisereste drin kleben bleiben, dann sehe ich irgendwann aus wie eine langhaarige Vogelscheuche. Eine alternde, langhaarige Vogelscheuche. Und dann findet „Meiner“, es müsse etwas geschehen. Aber ich weiss zu verhindern, dass etwas geschieht: Ich gebe alles Geld, das man für Coiffeurbesuche gebrauchen könnte, so schnell als möglich aus. Weg damit, bevor „Meiner“ auf die Idee kommt, er könnte für mich einen Termin bei Jolanda, Monika oder Manuela vereinbaren. So kann ich dann jedesmal, wenn er auf das leidige Thema zu sprechen kommt, darauf hinweisen, dass wir einfach kein Geld haben für derlei unnützen Kram. Alles schon ausgegeben für eine dringend nötige Schwarzteelieferung, einen Stapel Bücher, Kursmaterial, etc.

So langsam hat „Meiner“ aber genug. Woran ich das merke? Nun, er schöpfte den Kindern, den Gästen und sich selber den Teller voller Essen und liess mich leer ausgehen. Und das nicht nur einmal, nein, sogar zweimal. Oder er „vergass“ mir ein Glas hinzustellen. Subtile Nadelstiche, um mir zu zeigen, dass er mich einfach ignorieren würde, wenn ich weiterhin wie eine langhaarige Vogelscheuche daherkäme. Und da ich keine Lust habe, zu verhungern oder zu verdursten, habe ich ihm schliesslich erlaubt, meine Haare zu schneiden. Da es wie erwähnt in unserem monatlichen Budget gerade keinen Spielraum für einen Besuch bei Jolanda, Monika oder Manuela gibt. Und so hat eben „Meiner“ Hand angelegt. Jetzt sehe ich nicht mehr aus wie eine langhaarige Vogelscheuche, sondern wie eine schulterlanghaarige. Mal sehen, ob ich jetzt wieder etwas zu Essen bekomme, oder ob „Meiner“ auch noch drauf besteht, dass ich mir die verbliebenen Haare töne, bevor er mich wieder füttert.

Wenn Mama & Papa Venditti in den Ausgang gehen….

…. dann entscheiden sie frühestens um halb sieben am Abend, wohin sie denn gehen wollen. Denn vorher kann man nie sicher sein, dass nicht doch noch eines der Kinder sich entschliesst, krank zu werden, nur damit Mama und Papa zu Hause bleiben.

….. dann kocht Mama bis zwanzig vor acht Bitterorangen-Marmelade ein und treibt damit Papa, der die Kinder alleine ins Bett bringen muss, beinahe in den Wahnsinn. Denn Papa mag keine Bitterorangen-Marmelade und deshalb findet er es vollkommen daneben, dass Mama beinahe den Ausgang vermasselt wegen dem (aus seiner Sicht) grässlichen Zeug.

….. dann stellen sie mitten in der Stadt fest, dass sie gar nicht nachgeschaut haben, in welchem Kino der Film läuft, für den sie Plätze reserviert haben.

…… dann wird ihnen an der Kasse klar, dass sie gar keine Plätze hätten reservieren müssen, denn den Film, den sie ausgewählt haben, schauen sich ausser ihnen nur noch ein paar Teenager an, die bei „Avatar“ keinen Platz mehr bekommen konnten.

…… dann platzen sie zehn Sekunden vor Filmbeginn ins Kino und müssen sich somit wenigstens keine Werbung reinziehen.

….. dann stellt Papa im Kinosaal fest, dass seine Hose voller Tomatenflecken ist und outet sich damit als der einzige Hausmann unter den drei oder vier Männern, die ausser ihm im Saal sitzen.

….. dann schauen sich Mama und Papa entsetzt an, als der Film beginnt. Sie, weil sie Angst hat, die laute Musik könnte das Prinzchen wecken, er, weil er auch findet, dass „es ein bisschen laut ist“ hier.

…… dann seufzt das ganze Publikum „Jöööööh, wie herzig“, als das Paar am Ende des Films endlich ein Baby hat. Mama und Papa aber schauen einander an und sagen: „Unsere sind schöner“.

…… dann sparen sie das Geld für den Babysitter, weil der Nachbar, ebenfalls Papa von vier Kindern, so nett ist, die fünf kleinen Vendittis zu hüten. Das gesparte Babysitter-Honorar spenden sie der Stadtpolizei Aarau, weil Papa in der Eile vergessen hat, dass Parkuhren hungrige kleine Biester sind.

Neueste Erkenntnisse

Wie immer, wenn man reist, kehrt man mit vielen neuen Erkenntnissen nach Hause. Die wichtigsten davon möchte ich meinen überaus geschätzten Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten. Hier also sind sie, die Wichtigste zuerst:

Auszeiten sind die grossartigste Erfindung der Menschheit. Und alle Mütter, die behaupten, man solle lieber keine Auszeit nehmen, weil danach die Realität umso schlimmer sei, liegen falsch. Komplett falsch. Und ob man’s glaubt oder nicht: Ein Grossteil der Mütter kämpft sich noch immer nach dem Motto „Augen zu und durch“ durchs Leben, woran sie allerdings längst nicht immer selber Schuld sind.

Computer-Solitaire ist ein doofes Spiel. Aber leider ein doofes Spiel, das süchtig macht, wenn man gerade eine Schreibblockade zu überwinden versucht.

Saunabaden hilft gegen fast jedes kleine Leiden. Einzig gegen Halsschmerzen kommt man damit nicht an. Man verschlimmert sie bloss damit.

Wenn man drei Nächte hintereinander durchgeschlafen hat, ist man ein anderer Mensch. Und zwar ein so anderer, dass man sich selber nicht mehr wieder erkennt, weil man beinahe platzt vor lauter Fröhlichkeit.

Es ist tatsächlich wahr, dass man während einer Zugfahrt im Internet surfen kann. Man sollte es nicht für möglich halten. Und falls das bereits jeder, mit Ausnahme von mir, ausprobiert hat, dann bedenkt bitte, dass ich weit weit hinter dem Mond lebe, wo man von solch neumodischen Dingen nur vom Hörensagen weiss.

Wenn man einen ganzen Tag lang einen Laptop in einer Plastiktüte mit sich herumschleppt, schmerzen am Abend die Handgelenke. Wenn man dazu auch noch zwei Kilos Bitterorangen schleppt, schmerzen die Handgelenke noch mehr.

Tamilen sind Menschen, die ganz eindeutig nicht aus der Schweiz stammen, aber sie können ausgezeichnet kochen. Diese erstaunliche Erkenntnis stammt allerdings nicht von mir, sondern von zwei älteren Damen, die heute mit mir im selben Zug unterwegs waren und die ihr neu erworbenes Wissen unbedingt mit der Welt teilen wollten.

Männer sind durchaus fähig, einen Haushalt zu schmeissen und für fünf Kinder zu sorgen, auch wenn zahlreiche Ländli-Gäste dies zu bezweifeln wagten. Und zwar so gut, dass man nicht gleich wieder rückwärts das Haus verlässt, wenn man über die Schwelle tritt. Man darf sich nur nicht so sehr darüber aufregen, dass der ganze Kühlschrank gefüllt ist mit Migros-Budget-Produkten.

Papa ist der perfekte Hausmann, aber er kann keine Omeletten backen. Auch diese Erkenntnis stammt nicht von mir, sondern von Luise.

Töchter können noch so laut heulen, dass man wegfährt, wenn man wieder nach Hause kommt,  freuen sie sich dennoch mehr über ihren ersten losen Zahn als über die Rückkehr von Mama.

Und zum Schluss noch ein Bild von meinem hinreissenden Badeanzug, der aufgrund seiner Mängel nie, aber auch gar nie, erleben wird, wie es sich anfühlt, wenn man nass wird. Es sei denn, es erbarme sich eine Leserin des hässlichen Stücks…

Der perfekte Hausmann schlägt zu

Noch bin ich nicht weg, da beginnt „Meiner“ schon, mir zu zeigen, wie man es schafft, nicht im Chaos zu landen. Hüpft morgens um Viertel nach sechs fröhlich aus dem Bett und steht Minuten später frisch geduscht und angezogen da und beginnt, Wäsche wegzuräumen – „Nachher habe ich ja keine Zeit mehr dazu“ – und die Waschmaschine zu entstopfen.

Alles, was ich dazu sagen kann: Streber!