Letzter erster Schultag

Natürlich hat sie ein wenig geheult. Jede Glucke heult ein wenig, wenn sie ihren Jüngsten in die Klauen der Schule übergeben muss. In solchen Momenten ist es der Glucke egal, dass ihr Jüngster durchaus willig und bereit ist, endlich offiziell zu lernen, was er schon längst von den grossen Geschwistern abgeschaut hat. Sie blendet auch aus, dass die Schule heute die Erstklässler nicht mit dem bei den grossen Geschwistern üblichen Kasernenhofton, sondern mit einem freundlichen Lächeln und einem Glückskäfer empfing. Ja, nicht einmal die Tatsache, dass ich mir diesen Tag seit Wochen herbeigesehnt habe, weil endlich etwas Ruhe im Haus einkehrt, vermag sie daran zu hindern, ein paar Tränen zu verdrücken und auf dem Heimweg über diese „unbeschreibliche Leere“, zu klagen, die sich in ihr breit macht. 

Ich finde ja, die Glucke übertreibe mal wieder gewaltig. Noch nie konnten wir einem ersten Schultag so unbesorgt entgegen sehen. Eine neue Lehrerin, die ihre Schützlinge mit Herzlichkeit empfängt und über die noch kein grosser Bruder und keine grosse Schwester je ein böses Wort hat verlieren können, weil sie in der Familie noch gänzlich unbekannt ist. Ein vor Selbstbewusstsein strotzendes Kind – Hat man schon je zuvor einen Venditti gesehen, der sich am allerersten Schulmorgen freiwillig zu Worte meldet? -, das seine Mutter ermahnt, sie solle dann bitte nicht stören, wenn die Eltern noch kurz im Schulzimmer bleiben dürfen. Eine Mutter, die überreif ist, endlich mal wieder so etwas wie ein eigenes Leben zu leben. Viel besser könnten die Startbedingungen nun wirklich nicht sein. 

Aber für eine wahre Glucke spielen solche Dinge keine Rolle. Sie sieht nur, wie ihr kleines, zartes Prinzchen oben auf der grossen Schulhaustreppe steht und schon fliessen die Tränen. Dass dieses kleine, zarte Prinzchen dabei ein ziemlich freches „Nun krieg dich wieder ein, Mama“-Grinsen auf dem Gesicht hat, macht die Sache für sie nicht einfacher…

best mom award; prettyvenditti.jetzt

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Schulreif

Wenn sie….

…die unreifen Äpfel vom Baum reissen und anbeissen, obschon du ihnen eben erst zum hunderttausendsten Mal erklärt hast, es sei noch nicht Erntezeit,…

…in Nachbars Garten heimlich ein Feuer machen, nachdem du ihnen diesen Sommer nur etwa eine Million Mal von der Sache mit der grossen Hitze und dem fehlenden Regen erzählt hast,…

…beim Spiel mit dem Gartenschlauch die frisch gewaschene Wäsche nass spritzen und die Waschküche unter Wasser setzen,…

…sich wegen irgend eines dämlichen Plastik-Minions aus der Chipspackung die Köpfe einschlagen,…

…sich überhaupt aufführen wie Dreijährige, sobald du ihnen den Rücken zudrehst,…

…dann ist es allerhöchste Zeit, dass endlich wieder die Schule beginnt. Ja, ich weiss, spätestens übernächste Woche werde ich wieder über den Schulalltag jammern, aber für den Moment habe ich die Nase gestrichen voll vom Sommerferienbetrieb.

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Das Stundenplanwunder wiederholt sich

Das Stundenplanwunder, welches letztes Jahr ehrfürchtiges Staunen in mir ausgelöst hatte, ereignet sich dieses Jahr aufs Neue. Alle sechs schulpflichtigen Vendittis – „Meinen“ schliesse ich grosszügig in diese Kategorie ein, da es bei der Schulpflicht ja keine Rolle spielt, ob man vor der Klasse steht oder die Schulbank drückt – haben im nächsten Schuljahr am gleichen Wochentag morgens und nachmittags Unterricht. Es ist sogar noch wundersamer als letztes Jahr. Stundenplanwundertag ist diesmal nämlich der Dienstag.

Jawohl, Dienstag! Der Tag, dem ich nun über viele Jahre jede Woche mit neuem Grauen entgegen gesehen habe. So fein in zahlreiche Zeitabschnitte zerstückelt, dass sich beim besten Willen nichts Sinnvolles damit anfangen lässt. So endlos, weil „Meiner“ erst dann nach Hause kommt, wenn meine Tagesration Geduld schon längst zur Neige gegangen ist. So zähflüssig, weil man sich immer irgendwie zwischen zwei wichtigen Terminen befindet, die man auf gar keinen Fall verpassen darf, weshalb es sich gar nicht erst lohnt, so zu tun, als würde man etwas tun. So mies abgestimmt, dass immer genau die Familienmitglieder zur gleichen Zeit im Hause sind, die sich am allerwenigsten ertragen können. Dienstag eben…

Damit soll jetzt also Schluss sein. Einfach so, Knall auf Fall, soll aus diesem mühsamen Dienstag ein ganz normaler – vielleicht sogar ein ganz brauchbarer – Wochentag werden. Ein nahezu unfassbares Glück. Aber auch eines, auf das wenig Verlass ist. Auf dem Papier sieht es ja jeweils ganz nett aus, das Stundenplanwunder. Ob sich die Realität an das hält, was der Stundenplan verspricht, ist eine andere Frage. Im letzten Schuljahr habe ich da eine gewisse Diskrepanz festgestellt…

17 pieces; prettyvenditti.jetzt

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Du denkst doch dran, Mama?

Das Prinzchen im Fünfminutentakt: 

„Nicht vergessen, Mama, wir müssen noch Turnzeug kaufen für mich. Für die Schule, weisst du.“

„Denkst du dran, dass ich noch Bleistifte brauche vor dem ersten Schultag?“

„Mama, weisst du denn eigentlich, an welchem Tag die Schule beginnt? Nicht dass wir den ersten Tag verpassen.“

„Du hast nicht vergessen, dass die Turnschuhe keine schwarzen Sohlen haben dürfen, nicht wahr?“

„Aber wir haben ganz bestimmt noch genügend Zeit, alles zu besorgen, bevor die Schule beginnt, oder?“ 

„Haben wir einen wasserdichten (sic!) Stift? Wir müssen ja noch alles anschreiben. Nicht vergessen, gell Mama…“

„Eine Schachtel sollte ich noch haben. Reicht es, wenn wir sie nächste Woche kaufen, oder hat die Schule dann schon angefangen?“

„Meine Schulsachen sind alle schon gepackt. Also ja, alles, was ich schon habe. Du denkst doch dran, dass ich noch nicht ein paar Sachen brauche? Ich will wirklich alles dabei haben, wenn die Schule anfängt…“

Mein liebes Prinzchen, du denkst doch nicht etwa, ich würde so etwas Wichtiges wie deinen ersten Schultag verpassen? Und überhaupt: Du weisst doch, dass ich nun schon seit vielen Jahren deine Geschwister durch die Schulzeit begleite und in solchen Dingen ein alter, erfahrener Hase bin, auf den man sich blind verlassen kann. Oder willst du etwa behaupten, ich hätte bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter jemals nur den klitzekleinsten Papierschnipsel vergessen? 

(Wie, hat da einer gelacht? Vielleicht sogar ein Lehrer?)

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Ja, mein Prinzen,

Fundstücke

Was tut die Bloggende, wenn ihr in der Hitze des Sommers die Ideen ausgehen, sie aber ganz genau weiss, dass manche Menschen sich ernsthafte Sorgen machen, wenn sie mehr als zwei Tage hintereinander nichts von sich vernehmen lässt? Na, was wohl? Sie schaut nach, mit welchen Suchbegriffen sich die Leute auf ihre Seite verirren und findet Folgendes: 

  • „Teenager keine sauberen Kleider“ – Also, ich würde es mal mit der Waschmaschine probieren. Aber vielleicht geht es ja eher um die Frage, wie man einen Teenager überhaupt dazu bringt, die schmutzige Wäsche aus dem Zimmer freizugeben, zu dem die Eltern keinen Zutritt haben. In diesem Fall ist Geduld gefordert, denn nach meiner Erfahrung werden die Kleider erst aus der Geiselhaft entlassen, wenn wirklich gar nichts Sauberes mehr da ist. Man sagt, manche Teenager würden unter diesem extremen Druck sogar auf wundersame Weise die Bedienung der Waschmaschine erlernen, allerdings erst, nachdem sie ihren Erzeugern vorgehalten haben, sie würden sich nie, aber auch gar nie um die Wäsche kümmern. 
  • „wan sind kinder aus dem gröbsten raus“ – Also zuerst müssten wir natürlich mal definieren, was „das Gröbste“ ist, aber ich nehme an, die arme Person, die aus lauter Verzweiflung nicht mal mehr in der Rechtschreibung Halt fand, wollte wissen, wann das endlich ein Ende nimmt mit diesem Affentheater und darauf kann ich nur antworten: Es nimmt kein Ende. Sobald deine Kinder halbwegs vernünftig sind, wirst du selbst auf einmal anstrengend, oder deine Schwiegermutter tut schwierig, oder dein Partner will plötzlich einen Fahrraddress und Dauerwellen, oder der verschollen geglaubte Grossonkel taucht auf und will bei euch einziehen, oder… Kurz: Einer spinnt immer und darum versuchst du am besten, das alles mit Humor zu nehmen, dann ist „das Gröbste“ auch gar nicht mehr so schlimm. 
  • „geschaftdtuchtig“ – Die Person ist offensichtlich nur bei mir gelandet, weil die Suchmaschine dieses Buchstabenkonstrukt nicht als das Wort „geschäftstüchtig“ erkannt hat. Über Geschäftstüchtigkeit lernt man bei mir nun wirklich nichts, denn wenn mir eines nicht liegt, dann ist es, die Dinge zu Geld zu machen, die mir liegen. 
  • „mein tochter eine auge gross als die linke“ – Also, wenn der Grössenunterschied nicht allzu markant ist, würde ich mir da keine Sorgen machen, aber ich bin natürlich keine Expertin. 
  • „Gummistiefel auf dem Schulweg tragen“ – Spricht etwas dagegen? 
  • „Wann ist Burrata schlecht“ – Nie! Burrata ist immer gut. Es sei denn, sie wäre verdorben und dann riecht man das auch. 
  • „Bekomme ich Schnupf im Tamar“ – Also, das würde mich jetzt wirklich auch interessieren. Kann da jemand weiterhelfen? 
  • „Wird sie in einem Elternbrief gross geschrieben“ – Aber natürlich! Es sei denn, Sie schreiben über sie, dann schreiben Sie „sie“ klein. 
  • „Wie schlagen in Süditalien die Kirchenglocken“ – Auch eine interessante Frage, aber da ich gerade nicht das geringste Bedürfnis verspüre, nach Süditalien zu reisen, reiche ich sie grosszügig weiter. 
  • „Käfer im menschlichen Darm“ – Ja, ich weiss, ich schreibe immer mal wieder gerne über die lieben kleinen Käferlein, die uns regelmässig heimsuchen, aber das muss man nicht so wörtlich nehmen. Also keine Maikäfer und so. 
  • Papa Moll Bedeutung“ – Wie jetzt, der hat eine tiefere Bedeutung? Der ist gar nicht so oberflächlich und bünzlig, wie ich immer gemeint habe? 
  • „high effekt lunch break“ – Tut mir leid, da kann ich nicht dienen. Mein „lunch break“ hat einzig den „effekt“, dass ich danach ganz dringend ein Mittagsschläfchen halten will und ich glaube nicht, dass das als „high effekt“ durchgeht. 
  • „putzen in Griechenland javel“ – Echt jetzt, ich glaube, in Griechenland haben sie derzeit andere Sorgen. 
  • „grose bose alte hexe“ – Jetzt mal langsam! Erstens bin ich nicht gros, als besonders bose bin ich auch nicht bekannt, alt bin ich einzig in den Augen meiner Kinder und eine Hexe bin ich meines Wissens auch nicht, also hör gefälligst auf, mich zu beleidigen. 
  • „Smartieskuchen Kinder“ – Wie oft muss ich noch sagen, dass ich keine Smartieskuchen backe? Und ihr sollt gefälligst auch endlich damit aufhören, wenn ihr nicht wollt, dass den Lehrern eurer Kinder das Zeug irgendwann aus den Ohren kommt, weil die Kinder nie etwas anderes mitbringen. 
  • „beautiful finditti“ – Find ich irgendwie noch fitzig, äääähm, ich meine witzig. 
la collina; prettyvenditti.jetzt

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Was mir an der Hitze gefällt

Kaum ist sie da, zieht alle Welt über diese arme Hitze her. Dabei hat sie doch auch ihre guten Seiten. Zum Beispiel:

  • Abends um halb neun sind die Kinder so geschafft, dass sie sich trotz Sommerferien und Helligkeit widerstandslos ins Bett verfrachten lassen.
  • Keiner kann dich dazu zwingen, mit den Kindern ins Schwimmbad zu gehen. Viel zu gefährlich, bei diesen Ozonwerten draussen zu sein. 
  • Putzen? Viel zu heiss! Jäten? Viel zu heiss! Kochen? Viel zu heiss! 
  • Wer seinem Computer ein verantwortungsvoller Arbeitgeber sein will, sieht sich geradezu gezwungen, ihm tagsüber hitzefrei zu geben. 
  • Nie blubbert der Sauerteigansatz schneller und schöner, als wenn es rund um die Uhr heiss ist. (Okay, ich will gar nicht dran denken, dass aus diesem Sauerteig in ein paar Tagen im 250 Grad heissen Ofen ein Brot werden soll…)
  • Der Wäscheberg schmilzt dahin, wie Eis an der Sonne, weil das Zeug trocken ist, kaum hast du es aufgehängt. 
  • Keiner jammert über Dauerregen.
  • Keiner kann dir am nächsten Morgen einen Vorwurf machen, wenn du dir die halbe Nacht Filme reingezogen hast. Hättest ja doch nicht schlafen können bei dieser Hitze, ein Schlafmanko hättest du dir also ohnehin zugezogen. 
  • Das altbekannte Klagelied der Eltern, das da heisst „Im Juni war das Wetter traumhaft und jetzt, wo endlich die Ferien da sind, giesst es andauernd wie aus Kübeln“ wird dieses Jahr nicht gesungen.
  • Der eine oder andere fängt vielleicht doch noch damit an, die Sache mit dem Klimawandel ernst zu nehmen.

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Rechenspiele

Wer mehrere Kinder hat, kennt diese Rechenspiele: „Wenn die Älteste in die Schule kommt, fängt der Jüngste mit der Spielgruppe an“, rechnet man. Oder: „2013 ist das einzige Jahr, in dem wir alle Kinder im gleichen Schulhaus haben.“ Oder: „Die Vierte bekommt dann wohl eine neue Lehrerin. Ich glaube, die Bisherige wird dann pensioniert.“ 

Eine unserer Rechnungen lautete: „Wenn das Prinzchen in die Erste kommt, beginnt für Karlsson das letzte Schuljahr.“ Dann sahen wir einander an und fragten: „Kannst du dir das vorstellen? Ich nicht.“ 

In gerade mal sechs Wochen wird Wirklichkeit, was uns vor gar nicht so langer Zeit gänzlich unvorstellbar schien. Und es gibt doch tatsächlich Menschen, die nicht verstehen können, weshalb ich bei diesem Gedanken leicht wehmütig werde. 

never ever; prettyvenditti.jetzt

never ever; prettyvenditti.jetzt

Wunschliste

Eine treue Leserin hat mich gebeten, eine Wunschliste mit erwünschtem, alltagstauglichem Lehrerverhalten zu erstellen. Eine Bitte, der ich gerne nachkomme, obschon ich mich dabei auf dünnes Eis begebe, lebe ich doch selber mit einem Lehrer unter einem Dach. Ich muss also aufpassen, was ich sage… Bevor ich loslege, möchte ich noch die folgende Bemerkung vorausschicken:

Grundsätzlich bin ich der Lehrerschaft sehr wohlgesinnt und ich habe grossen Respekt vor einer Arbeit, die ich selber nie, aber auch wirklich gar nie, länger als drei Tage am Stück ausüben könnte, ohne in der Klapsmühle zu landen. Solange jemand die Kinder wirklich mag und in seinem Beruf mehr sieht als nur lästige Pflichterfüllung, fresse ich ihm oder ihr aus der Hand. Wisst ihr, was ich zu meinen Kindern sage, wenn sie sich bei mir über eine solche Lehrperson beklagen wollen? Ich sage: „Okay, das war vielleicht etwas ungeschickt von ihr/ihm. Aber die Frau/der Mann leistet unglaublich gute Arbeit, hat ein Herz aus Gold und schlägt sich den ganzen Tag mit dir rum, ohne sich zu beklagen. Also beklag dich nicht über sie/ihn.“ (Wenn die Liebe zu Kindern und Job nicht da ist, ist das natürlich eine ganz andere Geschichte, aber wir tun heute mal so, als gäbe es diesen Fall nicht.)

Um den Lehrpersonen mit Herz die Arbeit zu erleichtern, präsentiere ich im Folgenden also meine Wunschliste. (Die anderen dürfen natürlich auch mitlesen, aber wie ich in den vergangenen Jahren erfahren habe, sind denen meine Wünsche so ziemlich egal.) 

  • Schluss mit diesem Zettelkrieg! Himmel, wir leben im 21. Jahrhundert, alle haben Internet und kaum einer verbringt so viel Zeit am Smartphone wie wir Eltern. Also bitte, bitte, bitte liebe Lehrer tragt eure Infos täglich auf der Homepage eurer Schule ein, wo wir sie zu jeder Tages- und Nachtzeit abrufen können. Die Hausaufgaben könnt ihr auch gleich dort bekannt geben, unsere Kinder notieren sich ohnehin immer nur die Hälfte. Für die ganz wenigen Familien, die noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind, könnt ihr die Infos ja noch ausdrucken („Print Screen“), aber wir anderen wären ganz schrecklich dankbar, wenn nicht immer so furchtbar viel Papier ins Haus flatterte.
  • Wo wir schon bei den Infos sind: Bitte denkt daran, dass wir Eltern nicht den ganzen Tag untätig zu Hause sitzen und darauf warten, bis ihr uns eine Anweisung gebt. Wollt ihr also auf Schulreise gehen, könnt ihr uns dies nicht erst am Vortag, vorzugsweise am späten Nachmittag, mitteilen. Wenn unsere Kinder verreisen, müssen wir Essen einkaufen. Wir müssen Instrumentallehrer und Sporttrainer ins Bild setzen. Wir müssen unseren Chefs sagen, dass es etwas später wird, weil unser Kind später als üblich aus dem Haus geht. Wir müssen die Betreuungseinrichtung informieren, dass das Kind nicht kommt. Und dann gibt es noch so unverbesserliche Vendittis, die das ganze Haus nach Wanderschuhen in der richtigen Grösse absuchen müssen. All das braucht Zeit, die wir nicht mehr haben, wenn wir erst in letzter Sekunde erfahren, wohin es geht und was es dazu braucht. Das gleiche gilt übrigens für alle anderen ausserordentlichen Veranstaltungen wie Schulfeste, Sporttage, Theateraufführungen, etc.
  • Ich flehe euch auf Knien an: Arbeitet mit uns Eltern an einer Lösung für das „Der Schulweg ist nicht Sache der Schule“-Problem. Mobbing beginnt oft auf dem Schulweg und findet nur schleichend den Weg ins Klassenzimmer. Experten raten uns Eltern ja, wir sollten uns nicht einmischen, weil das Kind sonst noch mehr leidet. Wie aber sollen wir uns raushalten, wenn die Schule schulterzuckend sagt: „Ach so, das ist auf dem Schulweg vorgefallen? Na, dann ist das aber nicht unser Problem.“ Es ist sehr wohl euer Problem, genau so, wie es unser Problem ist, denn unser beider Arbeit wird erheblich erschwert, wenn ein Kind leidet. 
  • Kommen wir zu den Hausaufgaben: Müssen die so sein, wie sie jetzt sind? Ich meine, inzwischen weiss man ja, dass sie nur selten wirklich sinnvoll sind und nur wenig zum Lernprozess beitragen. Wie wär’s, wenn ihr den Kindern nur noch dann Hausaufgaben aufgebt, wenn ihr auch wirklich ein klares pädagogisches Ziel damit verfolgt? Stunde um Stunde füllen unsere Kinder Blätter aus, ohne je den Sinn dahinter zu begreifen. Stunde um Stunde korrigiert ihr diese Blätter, ohne je einen wirklichen Lernfortschritt zu erkennen. Ich will ja nicht gleich das ganze System revolutioniert sehen, aber wie wär’s wenn ihr euch auf der Lehrerfortbildung mal mit den Gedanken der Querdenker auseinandersetzet? Die liefern meist wertvollere Impulse als die weltfremden Schreibtischtäter in den Bildungsdepartementen.  
  • „C‘ est le ton qui fait…“: Glaubt mir, liebe Lehrer, ich weiss, wie sehr einen Kinder an den Nerven zerren können und auch bei mir kommt es ziemlich schief raus, wenn ich überreizt bin. Ich erwarte also keineswegs, dass ihr andauernd nur mit Säuselstimme Liebesbezeugungen von euch gebt, wenn euch die Blagen auf den Nerven herumtanzen. Wenn die Kinder aber mit schlotternden Knien zum Lehrerpult kommen und die Eltern beim Besuchstag strammstehen, dann stimmt etwas nicht mehr. Nur sparsam angewendet entfaltet der Kasernenhofton seine volle Wirkung. (Wie, ihr meint, ich könnte doch gar nicht wissen, wie ihr im Unterricht mit den Schülern redet, ich sei ja gar nicht da? Glaubt mir, die Stimmung unserer Kinder ist ein exaktes Messinstrument, auf dem ich bei der Heimkehr sehr genau ablesen kann, wie das Klima im Klassenzimmer war.)
  • Schulleitbilder: Ich weiss, ihr habt manche quälende Sitzung über euch ergehen lassen, bis das Papier endlich stand, vielleicht habt ihr euch wegen des einen oder anderen Punkts sogar ernsthaft mit eurer störrischen Kollegin überworfen und jetzt wollt ihr nie wieder etwas von diesem elenden Leitbild hören. Ich muss euch dennoch bitten, die Sache noch einmal zu überarbeiten. Warum nicht fünf, sechs Punkte, an denen man mit den Schülern auch wirklich arbeiten kann, anstelle dieses endlosen Katalogs, den doch keiner umsetzen mag, weil man sich schon längst nicht mehr dran erinnern kann, was alles drinsteht?  
  • Diese Einträge… Ich habe mir ja lange überlegt, ob ich es überhaupt noch einmal erwähnen soll, wo ich mich doch schon mehrmals ausführlich darüber ausgelassen habe, zum Beispiel hier. Eines muss ich aber zu dem Thema doch noch loswerden: Ich werde über jeden Fetzen Papier, den mein Kind zu Hause vergessen hat, ins Bild gesetzt und muss unterschreiben, dass ich die Sache zur Kenntnis genommen habe. Geht es meinem Kind aber wirklich dreckig, weil es in der grossen Pause angespuckt worden ist, oder weil es andauernd von den gleichen drei Kindern aufs Übelste gehänselt wird, herrscht grosses Stillschweigen. Nicht fair. Mehr kann ich dazu nicht sagen, es schmerzt zu sehr. 
  • Nach diesem Punkt ist Schluss, versprochen, aber der muss noch sein: Gruppen wählen im Sportunterricht. Muss ich euch wirklich dran erinnern, wie es sich angefühlt hat, immer der Letzte zu sein, der gewählt wurde? Ach so, ihr könnt euch ja gar nicht erinnern, wie das war, denn ihr habt wohl zu denen gehört, um die man sich beim Bilden der Teams geprügelt hat. Sonst hättet ihr schon längst begriffen, dass diese Art der Gruppenbildung verboten gehört. 

Jetzt, wo ich mir das von der Seele geschrieben habe, bleibt mir nur noch eins, nämlich den Lehrerinnen und Lehrern zu danken, die es gar nicht nötig haben, solche Wunschlisten durchzulesen, weil sie es einfach im Blut haben, die Kinder anständig zu behandeln. Solche Lehrer gibt’s,  und einige meiner Kinder haben sogar das grosse Glück, bei ihnen zur Schule zu gehen. 

power; prettyvenditti.jetzt

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Vor den Sommerferien…

  • Schulreiseproviant rechtzeitig einkaufen, aber nicht so früh, dass sich irgend ein Ausgehungerter sich darüber hermacht, wenn keiner hinschaut.
  • Instrumentallehrer frühzeitig vorwarnen, dass das Kind vielleicht auf Schulreise sein wird und dann im letzten Moment wieder dran denken, Bescheid zu geben, dass die Reise ins Wasser fällt und darum für die Instrumentallehrer bedeutungslos ist. 
  • Lehrer über den Arzttermin informieren, der leider während der Schulzeit stattfindet, was dir aber insgeheim gar nicht leid tut, weil es ja nicht deine Idee war, den Schülern in regelmässigen Abständen diese gelbe Ärztekarte abzugeben, die kurz vor Schuljahresende wieder zurück beim Lehrer sein muss und weil Kinderärzte dünn gesät sind, musst du eben die Termine nehmen, die man dir anbietet. (Und auf gar keinen Fall vergessen, die Ärztekarte zur Ärztin mitzubringen, ausfüllen zu lassen und wieder in die Schule mitzugeben, denn nur darum gehst du ja zur Ärztin, wenn die Kinder gar nicht krank sind.)
  • Blätter sammeln. Ein Mäppchen für Stundenpläne und Lehreradressen, die erst nach den Sommerferien relevant sein werden. Ein Stapelchen für Schulreisezettel, die dann doch wieder unauffindbar sind, wenn du wissen willst, wann du dein Kind abholen musst, weshalb es irgendwann mit vorwurfsvollem Blick in der Küche steht und wissen will, warum du die einzige Mama warst, die nicht am Bahnhof gewartet hat. Ein Stapelchen mit den Anweisungen für das Schulhausfest. Den Läusezettel aber, den lässt du gleich im Altpapier verschwinden. Erstens, weil du ganz und gar nicht gewillt bist, dich noch einmal auf Läuse einzulassen und zweitens, weil du inzwischen sämtliche Tricks, die sie dir noch verraten wollen, getestet und als untauglich verworfen hast. 
  • Mindestens einen halben Tag lang den kommenden Samstag (Schulhausfest) auf die Sekunde genau planen, weil Kind Nr. 5 sein Essen pünktlich um halb zwölf unter Aufsicht der Lehrperson einnehmen muss und genau dann wieder in deine Obhut entlassen werden soll, wenn Kind Nr. 3 in einem anderen Winkel des Geländes erwartet wird und Kind Nummer 4 zum Essen unter Obhut der Lehrperson erscheinen soll.  (Das ist nur ein winzig kleiner Ausschnitt aus dem Tagesprogramm.) Okay, ich weiss, drei von fünf sollten das allmählich alleine können, aber das Programm muss trotzdem in deinem Kopf abgespeichert sein, falls einer einen wichtigen Einsatz (z. B. Essen fassen) verpasst und deswegen heulend und hungrig dasteht. 
  • Irgendwie dafür sorgen, dass jedes Kind, das wegen eines Lehrerwechsels heimlich noch irgend einen Beitrag zum Klassengeschenk fertigstellen muss, diesen Beitrag auch wirklich rechtzeitig fertigstellt. (Und peinlich berührt erfahren, dass eines deiner Kinder, von dem du geglaubt hast, es hätte dies bereits getan, den Beitrag im Schulsack vergessen hat. Nein, du willst nicht wissen, in welchem Zustand dieser Zettel nach vier Tagen Schulsackaufenthalt ist.)
  • Endlich entscheiden, ob du allen Lehrpersonen, von denen sich deine Kinder Ende Schuljahr verabschieden, eine kleine Aufmerksam schenken sollst, oder nur jenen, die es auch verdient haben, die sich auch darüber freuen werden. 
  • Daran denken, wer wann Abschiedsfest oder sonst ein Spezialprogramm hat und deshalb nicht zum Mittagessen nach Hause kommt, damit du a) nicht andauernd zu viel kochst und b) nicht jeden Tag um Viertel nach zwölf wie ein kopfloses Huhn durchs Quartier rennst und nach deinen verloren geglaubten Kindern suchst. 

Und bitte auf gar keinen Fall alle diese Dinge durcheinanderbringen. 

wehre do you hide your money?; prettyvenditti.jetzt

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Generationenfragen

Meine Tageszeitung meldet, mehrtägige Schulreisen und Klassenlager würden immer öfter im Hotel mit Voll- oder Halbpension gebucht. Vorbei seien die Zeiten, als man in einer einfachen Behausung nächtigte, selber kochte und  in unfair zusammengestellten Gruppen den schmutzigen Geschirrbergen zu Leibe rückte. Ein bedauernswerter Umstand, finde ich, der einen über ganz verschiedene Dinge nachdenken liesse.

Man könnte zum Beispiel feststellen, dass jene, die sich früher für eine ganze Woche aus ihrem Alltag verabschiedeten, um in einer schlecht ausgerüsteten Lagerhausküche warme Malzeiten zuzubereiten, heute meistens irgendwo in Lohn und Brot stehen und darum kaum eine ganze Ferienwoche opfern, um sieben Tage lang dreissig hungrige Mäuler mit Riz Casimir, Spaghetti Bolognese und Toast Hawaii zu stopfen. Na ja, vielleicht stehen sie auch gar nicht selber in Lohn und Brot, sondern hüten einfach an drei Tagen die Woche die Kinder ihrer Kinder, damit diese in Lohn und Brot stehen können. Man stelle sich einmal vor, was mit dem ohnehin schon fragilen innerfamiliären Betreuungssystem geschähe, wenn sich Oma und Opa für ein paar Tage ins Klassenlager verabschiedeten. Und überhaupt, hätten irgendwelche Mütter oder Väter noch die Zeit zum Helfen, würden sie als Gegenleistung für ihren Einsatz am Ende noch bessere Noten für den Nachwuchs fordern. Auf eine solche Hilfe verzichten die Lehrer dann doch ganz gerne, vielen Dank auch. Aber wie steht’s eigentlich mit den Studenten? Die haben doch früher während der Semesterferien ganz gerne… Semesterferien? War da mal was?

Es liesse sich auch darüber sinnieren, ob es überhaupt noch einen Unterschied macht, ob man in der Jugendherberge oder im Hotel absteigt. Den Abwasch erledigt inzwischen an beiden Orten das Personal, beim Übernachtungspreis muss man den Unterschied schon längst mit der Lupe suchen. Ganz Verwegene wagen vielleicht sogar, sich daran zu erinnern, dass doch die Wohngemeinde früher mal diese Gruppenunterkunft in diesem abgelegenen Tal im Bünderland hatte, die dann aber bei der vorletzten Sparrunde dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Ach, und wo wir schon beim Sparen sind: Wie hoch ist nochmal der Gemeindebeitrag ans Klassenlager? Reicht der noch, um der Köchin zum Dank ein kleines Taschengeld zu spendieren, oder käme es dann doch günstiger in diesem Hotel mit Halbpension? 

Wahrlich viele Fragen, denen man in diesem Zusammenhang nachgehen könnte. Was der Journalist ansatzweise auch tut. Aber erst, nachdem er die Frage stellt, welche die Mehrheit der wenigen verbliebenen Zeitungsleser wohl noch immer am allerliebsten liest: „Sind unsere Kinder zu verwöhnt?“ 

Ist ja klar. Wenn es anstatt ins Lagerhaus ins Hotel geht, dann liegt das an den Kindern. Und nicht etwa an der Generation, die diese Kinder gezeugt und gross gezogen hat. 

happiness; prettyvenditti.jetzt

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