Klepto-Katze

„Zehn Katzenbabys sind genug“, sagten „Meiner“ und ich letztes Jahr und brachten Katzenmama Henrietta zum Tierarzt, um sie vor weiterem Nachwuchs zu schützen. Gut zwölf Monate später müssen wir feststellen, dass die Dame gar nicht geschützt werden wollte, denn Nachwuchs zu haben liegt ihr offenbar so sehr im Blut, dass sie jetzt einfach pausenlos scheinschwanger ist. Und wenn sie (schein)schwanger ist, geht sie auf Raubzug in der Nachbarschaft. Solange es nur herrenlose Plastikbeutel und leere Zigarettenschachteln waren, ging das ja noch. Auch den einen oder anderen Vogel konnte ich ihr noch halbwegs nachsehen, obschon ich immer und immer wieder versuchte, sie zum Pazifismus zu bekehren. Seitdem sie mir aber fast täglich Gartenhandschuhe aus sämtlichen umliegenden Gärten anschleppt, mache ich mir ernsthafte Sorgen um den Frieden im Quartier. Ich meine, was sollen die Nachbarn denken, wenn sie in unserem Garten die Handschuhe entdecken, die bei ihnen fehlen? „Nicht mal genügend Geld für Gartenhandschuhe hat man also“, werden sie sagen. „Die schicken wohl ihre Rasselbande auf Raubzug, um sich irgendwie über Wasser halten zu können.“ Äusserst peinlich, die ganze Angelegenheit. Gut, beim einen oder anderen Handschuh gelang es uns, den ursprünglichen Besitzer ausfindig zu machen, doch was hilft das, wenn Henrietta Stunden später brav wieder herbringt, was wir in ihren Augen fälschlicherweise zurückgegeben haben? 

Um mich der Nachbarschaft zu erklären, habe ich beim Gartentor ein Körbchen angebracht, in das ich das Diebesgut lege. Auf einem kleinen Plakat bitte ich um Nachsicht für unsere kleptomanisch veranlagte Katze. Ich bitte die Leute auch, die Dinge mitzunehmen, die ihnen gehören. Das Plakat sorgt für ziemlich viel Erheiterung, manchmal ergibt sich auch ein nettes Gespräch, mitgenommen hat aber noch niemand etwas. 

Na ja, fast niemand. Henrietta bedient sich regelmässig aus dem Körbchen, um sich zu holen, was sie für ihren Besitz hält. 

ho fame; prettyvenditti.jetzt

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Karlsson verstehen, schwer gemacht

Okay, Karlsson, jetzt nochmal von vorn: Du hast mir keine Gartenhandschuhe aus der Migros gebracht, weil du mir eigentlich Hässliche in Schlammgrün hättest kaufen wollen, um dir einen Scherz zu erlauben. Aber es hatte keine Hässlichen in Schlammgrün, sondern nur Hübsche, geblümte, von denen du sicher warst, dass sie mir gefallen würden. Aber wenn du mir die gekauft hättest, wäre dein Scherz im Eimer gewesen, also hast du nur die von mir verlange Gartenschere gekauft. Und um mir den Wind aus den Segeln zu nehmen, hast du dir auf dem Nachhauseweg noch kurz das Argument mit der Rohstoffverschwendung ausgedacht, weil ich ja angeblich irgendwo noch tonnenweise Gartenhandschuhe horte.

Und wie, mein lieber Sohn, soll ich das jetzt meinen von Brombeerdornen geschundenen Fingern erklären?

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Auch ich habe einen Preis

Die können’s doch einfach nicht lassen. Vor ein paar Wochen hätte ich nach Zürich rennen sollen, um mit anderen Bloggerinnen Cupcakes zu verzieren, vorgestern hätte ich hier irgend ein Wellness-Weekend oder so verlosen sollen und heute drängt mich die Konkurrenz des angebissenen Apfels dazu, mich endlich anzumelden, damit ich mit ihr im Kochstudio Mezze zubereiten kann. Auch in Zürich. Wo denn sonst? 

Himmel, wie stellen die sich das eigentlich vor? Soll ich alle paar Tage meine Familie hungrig am Tisch sitzen lassen, um in Zürich ein bisschen so zu tun, als würde ich kochen und putzen und dann meiner Leserschaft vorzuschwärmen, wie toll das doch war und wie unverzichtbar diese grossartigen Produkte doch sind? Nicht mit mir, vielen Dank.

Nun ist es natürlich einfach, sich so unbestechlich zu geben, solange für mich nicht mehr herausschaut als eine etwas glanzvollere Version dessen, was ich ohnehin schon den ganzen Tag mache. Ich gestehe aber ganz offen, dass ich unter gewissen Umständen durchaus dazu bereit wäre, mich um den Finger wickeln zu lassen. Weil ich ein netter Mensch bin, nenne ich hier sogar meinen Preis, damit zukünftige potentielle Werbepartner wissen, wie sie mich kriegen können. Nämlich so:

Schicken Sie mich und meine Brut eine oder zwei Wochen lang in ein anständiges Wellness-Hotel – zwei Wochen Stockholm wären auch okay – und sorgen Sie in der Zwischenzeit dafür, dass dieser Saustall mal endlich ausgemistet wird. Nicht nur so ein bisschen, sondern richtig, von oben bis unten, das volle Programm. Kaputte Haushaltgeräte auf Vordermann bringen, undichte Fensterritzen ausbessern, Wände neu streichen, Badezimmer renovieren, Fussböden abschleifen, Kleiderschränke ausmisten und dann jeden hintersten Winkel putzen. Danach das Gleiche im Keller, im Garten und in der Garage. Und wenn Sie mir eine ganz grosse Freude machen wollen, reissen Sie doch gleich diese elende Garage ab und stellen Sie mir stattdessen ein anständiges Gewächshaus, einen Geräteschuppen und ein paar Hochbeete auf. 

Wenn Sie das tun, meine lieben potentiellen Werbepartner, dann verspreche ich Ihnen an dieser Stelle hoch und heilig, dass ich nicht nur über das Hotel und jedes einzelne verwendete Produkt einen sehr langen und sehr löblichen Artikel verfassen werde, ich werde Ihnen sogar äusserst werbewirksam die Füsse küssen. Wenn’s sein muss, komme ich dafür sogar eigens nach Zürich. 

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Gurkenrezept

Ob ich hier vielleicht mal mein Rezept für Essiggurken bringen würde, fragte shadowlessphoenix, als ich vor einiger Zeit darüber berichtete, wie unmöglich es ist, in Aarau eine anständige Gewürzmischung aufzutreiben. Ich versprach, dies zu tun, sobald ich die Gurken zum Verzehr freigegeben hätte und ich wüsste, ob etwas daraus geworden ist. Nun, offiziell müssten die Dinger noch immer schön brav im Regal stehen, bis das Aroma der Gewürze sich so richtig entfaltet hat, doch Luise und „Meiner“ mochten mal wieder nicht so lange warten und weil sie a) nach dem verbotenen Verzehr noch gesund und munter wirken und b) der Meinung sind, die Gurken seien ganz gut herausgekommen, bringe ich das Rezept eben heute schon. Bitte nehmt es mir nicht krumm, wenn ich keine von diesen perfekten „Seht mal her, wie toll ich gleichzeitig kochen, fotografieren und witzig schreiben kann“-Fotoreportage abliefere. Sowas liegt mir nicht. Wenn ich koche, koche ich und das sieht man meiner Küche auch an. Wenn ich schreibe, dann schreibe ich und dann ist mir die Küche egal. Und Essbares in Szene setzen zum Fotografieren kann ich schon gar nicht, wie man dem unterstehenden Bild auf den ersten Blick ansieht. Das Fotografieren müsste also „Meiner“ für mich übernehmen und der nervt nur beim Einmachen, weil er mir andauernd die Gurken wegschnappt.

Jetzt, wo dies alles geklärt ist, kommen wir endlich zum Rezept. Zuerst einmal schleppt man so viele Einmachgurken wie möglich vom Markt an. Einmachgurken? Also Cornichons, Miniature White, Cocktailgurken… – so kleines Zeugs halt, das gut ins Glas passt. Ich schätze, bei mir waren es etwa vier Kilo. Wäre übrigens nett gewesen, ich hätte die Gurken aus meinem eigenen Garten nehmen können, aber der Ertrag lässt in diesem Jahr leider zu wünschen übrig. 

Zum Würzen habe ich getrocknete Dillspitzen, Estragon, rosa Pfeffer, Pimentkörner, gelbe Senfsaat, Koriandersamen und Lorbeerblätter genommen, für die scharfe Version noch eingelegte Pipi Piri-Schoten. Alles bio, natürlich. Dazu zwei Liter stinkbilligen weissen Tafelessig (leider nicht bio) und zwei Liter nicht ganz so billigen weissen Gewürzessig.

Zu Hause kamen dann erst mal die grossen Einmachgläser – ich schwöre auf Weck – zum Sterilisieren  in den Einkochtopf, der Essig mit ca. zwei Liter Wasser und einer grossen Handvoll Gewürze in eine grosse Pfanne zum Aufkochen auf den Herd. Wie, kein Zucker? Nein, kein Zucker. Wir sind hier nicht in Deutschland und schmeissen überall Zucker rein. Ach ja, gewisse Menschen hätten jetzt auch noch die Gurken mit Salz bestreut und über Nacht stehen lassen, aber sowas liegt mir nicht. Solange das Resultat stimmt, verzichte ich gerne auf überflüssige Arbeitsschritte. Ich begnüge mich damit, die Gurken gut zu waschen und diejenigen, die zu gross sind fürs Glas, in Scheiben oder Streifen zu schneiden. 

Wenn die Gläser sterilisiert sind, kommen die Gurken ins Glas, wo sie mit dem Gewürzessig übergossen werden. Immer schön brav ins Glas und nicht über den Rand, wenn ich bitten darf, obschon ein bisschen Essig auf dem Rand angeblich nichts ausmachen soll. Die Piri Piri lasse ich übrigens bei der Hälfte der Gläser weg, weil bekanntlich nicht alle scharf darauf sind. Wenn die Gläser verschlossen sind, kommen sie nochmals für vierzig Minuten in den Einkochtopf und dann an einen dunklen Ort, wo die Gurken schön lange ziehen können, mindestens zwei Wochen, länger schadet auch nicht. Am besten hoch oben im Vorratsschrank lagern, damit Menschen wie Luise, die nicht warten können, nicht rankommen. „Meiner“ gibt sich ja unschuldig und behauptet standhaft, Luise hätte die Gläser jeweils aufgemacht und einer hätte das Zeug danach halt aufessen müssen.

 

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Balkontomaten

Heute zwischen ganz viel Nichtstun – lesen, ab und zu ein paar Abschnitte schreiben, „Meinem“ und den Kindern auf die Nerven fallen, mit meinen Tomaten quatschen und schlafen – ist mir aufgefallen, dass meine diesjährige Balkonbepflanzung ganz gut geraten ist. Dabei war es eine reine Verzweiflungstat, weil ich im Mai noch so viele Setzlinge hatte, die ich nicht sterben lassen wollte, auf unserem altersschwachen Balkon aber nicht in schweren Töpfen unterbringen konnte. Weil gerade ein grosses Stück dickes Vlies herumlag und ich ein oder zwei Sack Erde übrig hatte, wagte ich den Versuch: Das Balkongeländer, das für Blumenkistchen vorgesehen wäre, mit Vlies ausgelegt, Erde eingefüllt und Tomaten gepflanzt. Nach einiger Zeit zeigte sich, dass die Pflänzchen dort ganz gut gedeihen und weil inzwischen die ersten Tomaten reifen, wage ich, so zu tun als wäre ich eines jener Garten-Genies, die anderen sagen können, wie sie mit wenig Aufwand viel Ertrag bekommen. 

Na ja, solange es hell ist, sieht das Ganze nicht so spektakulär aus, aber wenn ihr jetzt sehen könntet, wie das nachts aussieht, wenn die Vögel leuchten, die mir im schwedischen Möbelhaus zugeflogen sind, dann würdet ihr jetzt ganz bestimmt ein wenig neidisch. Und wenn „Meiner“, der hier für das Fotografieren zuständig ist, meine schönste orangefarbene Tomate ins Bild gekriegt hätte, würde euch jetzt das Wasser im Munde zusammenlaufen. 

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Gespräch im Garten

„Äs gommt Rägen“, sagten meine Tomatenpflanzen heute zu mir, als ich kurz bei ihnen vorbeischaute, ehe der Jugendfestumzug begann.

„Erstens heisst das ‚Heute wird es regnen‘ und nicht ‚Äs gommt Rägen‘ und zweitens: Woher wollt ihr so genau wissen, dass es heute regnen wird? Diesen Sommer regnet es nie.“

„Erstens sagen wir ‚Äs gommt Rägen‘, weil du das immer so hinreissend lustig fandest, als Prinzchens bester Freund das so sagte und zweitens hast du gestern Abend das Fenster offen gelassen, als du die Wetterprognose geschaut hast und wir haben jedes Wort mitgehört. Der Wetterfrosch hat gesagt, es werde regnen und zwar heftig und darum möchten wir wissen, was du zu tun gedenkst, damit unsere empfindlichen Blättchen nicht nass werden.“

„Ach, ihr wollt doch nicht etwa glauben, was dieser Clown im Fernsehen sagt?“, entgegnete ich. „Der redet ja alle paar Tage eine mittelgrosse Sintflut herbei und am Ende bleibt es trocken wie immer. Ihr müsst froh sein, wenn ihr dieses Wochenende überhaupt nasse Würzelchen bekommt…“ „Was, wenn der Clown für einmal recht hat?“, unterbrachen die Pflanzen meinen Redeschwall.

„Ich hab‘ ja diese netten Röckchen aus Vlies, die ich euch überziehen kann…“, begann ich, doch die grösste der Tomatenstauden – ich glaube, es ist eine Saucey – unterbrach mich. „Du hast genau fünfzehn von diesen netten Röckchen, wir sind aber mindestens dreissig Pflanzen.“ „Unsere Kolleginnen auf dem Balkon nicht mitgezählt“, ergänzte die weisse Ochsenherz, die zwar partout nicht gross werden will, aber trotzdem immer das grosse Wort schwingt. Die weiss halt, dass sie etwas ganz Besonderes ist. 

„Nun beruhigt euch doch“, beschwichtigte ich die aufgebrachten Stauden. „Ich fahre jetzt gleich in die Landi und hole euch noch ein paar weitere Röckchen. Noch vor dem Jugendfestumzug, versprochen.“ „Okay, wir werden dann ja sehen“, meinte die Saucey mit leicht zynischem Unterton, doch ich hatte jetzt wirklich keine Zeit mehr, mich um sie zu kümmern, denn die Kinder mussten geputzt und gestriegelt werden. 

Am Nachmittag fielen dann tatsächlich ein paar Regentropfen, was mir eine willkommene Ausrede bot, die Kinder auf dem Rummelplatz einzusammeln und nach Hause zu gehen. Natürlich ging ich umgehend zu meinen Tomaten. Immerhin hatte ich ihnen ein Versprechen abgegeben. 

„Es regnet bereits“, sagte die Gelbe von Thun vorwurfsvoll, als ich mit meinem Vlies angerannt kam. „Es regnet nicht, es tröpfelt ein wenig. Wenn ich den Gartenschlauch mal etwas zu stark einstelle bekommen eure Blättchen mehr Wasser ab als bei diesem kleinen Regen“, entgegnete ich und machte mich daran, das Vlies zuzuschneiden. „Über diesen Gartenschlauch könnten wir uns auch mal unterhalten“, meinte das Baselbieter Röteli spitz. „Wo bist du überhaupt so lange geblieben?“ „Mutterpflichten“, antwortete ich knapp, denn ich war gerade dabei, ein widerspenstiges Stück Schnur zu bändigen. „Was für Mutterpflichten denn? Ich hab‘ gedacht, du wärest auf einem Fest gewesen“, fragte Black Seaman. „Kinder nach dem Umzug einsammeln, Schülerverpflegung abholen, versalzene Pommes Frites kaufen, Taschengeld austeilen, Begleitung auf dem Rummelplatz, Streit schlichten,… was man halt so macht auf einem Jugendfest“, erklärte ich. „Klingt nicht sehr festlich“, meinte Black Seaman, die anderen Pflanzen pflichteten ihm bei und für einmal an diesem Tag waren die Tomaten und ich uns einig. 

Die Einigkeit dauerte nicht lange, denn schon bald fing eine dieser gross gewachsenen Stauden – ich habe ihren Namen leider vergessen – an zu stänkern: „Kannst du mir nicht ein etwas grösseres Kleidchen überziehen? Du klemmst mir ja die Zweige ein.“ „Nun hab dich nicht so. Das Vlies muss für alle reichen“, gab ich zur Antwort. „Na, waren wir mal wieder knausrig?“, fragte das Baselbieter Röteli, das noch immer eingeschnappt war, weil es ein paar Regentropfen abbekommen hatte. „Knausrig? Fast 20 Franken habe ich ausgegeben, um euch vor einem Regen zu schützen, der vielleicht nicht mal kommt. Es hat bereits wieder aufgehört…“, sagte ich. 

„Es mag zwar für den Moment aufgehört haben“, sagte die Purpurkalebasse, „aber es wird wieder kommen.“ „Das will ich doch hoffen. Sonst hätte ich mich jetzt umsonst damit abgemüht, euch allen ein nettes kleines Röckchen überzuziehen, anstatt mich bei einem ausgiebigen Mittagsschlaf von den Feststrapazen auszuruhen“, erwiderte ich.

„Eines Tages wird diese Frau noch verfaulen“, hörte ich die Tigrella zu San Marzano sagen, als ich ins Haus ging, um den verpassten Mittagsschlaf nachzuholen. 

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Schon fast ein Feiertag

Wenn die Kinder mittags nach Hause kommen, herrscht bei uns erst mal buntes Chaos, bis alle erzählt haben, was sie unbedingt loswerden müssen. Oft nehme ich dabei die Rolle des Abfallkübels ein, der bis zum Rand angefüllt wird mit dem ganzen Mist, der sich am Vormittag angesammelt hat. Und weil keiner den anderen ausreden lässt, halte ich mir irgendwann die Ohren zu, um erst dann wieder etwas hören zu müssen, wenn alle satt und deshalb auch wieder halbwegs zufrieden sind. An gewissen Tagen aber kommen die Kinder in die Küche gestürmt und überhäufen mich mit guten Nachrichten. Zum Beispiel heute:

Karlsson (mit einem schlecht kaschierten Grinsen auf dem Gesicht): „Ich hab‘ heute den Mathetest zurückbekommen. Ist total mies herausgekommen.“

Ich: „Ach ja, darum strahlst du auch über dein ganzes Gesicht.“

Karlsson (jetzt ganz offensichtlich grinsend): „Nein, wirklich. Total mies. Ich hatte eine drei.“ (Für Leser aus Deutschland: 6 ist bei uns die beste Note, 1 die schlechteste.)

Ich: „Ach komm schon, sag endlich, was du wirklich hattest, sonst platzt du noch vor Glück.“

Karlsson: „Okay, es ist wirklich mies.“ Und dann nennt er mir eine Note, die irgendwo zwischen 5 und 6 liegt, also eine sensationelle Mathenote für einen Venditti.

Ehe ich mich fertig gefreut habe, kommt der Zoowärter angerannt und drückt mir ein Blatt Papier in die Hand. Ich brauche gar nicht erst zu lesen, um zu sehen, worum es geht. Der mit Leuchtstift markierte Name des Zoowärters sticht mir sofort ins Auge und ich weiss, dass er es geschafft hat, zu den 6 Schnellsten seines Jahrgangs zu gehören. Das heisst, er darf am Freitag am grossen Rennen mitmachen. Etwas, was vor ihm noch kein Venditti geschafft hat. Ausser Luise, doch dann wurde das Rennen wegen schlechten Wetters abgesagt.

Wieder komme ich kaum dazu, meiner Freude Ausdruck zu verleihen, denn jetzt steht Luise da: „Ich bin dabei! Ich war Drittschnellste. Und der Zoowärter ist auch dabei! Und in Sachkunde hatte ich eine…“ Sie nennt ebenfalls eine Note, die irgendwo zwischen 5 und 6 liegt und ich bringe vor lauter Staunen meinen Mund nicht zu, hatte ich doch beim Abfragen befürchtet, sie würde den Test in den Sand setzen. 

Momente später bekomme ich ein weiteres Blatt in die Hand gedrückt, diesmal vom Prinzchen. Es ist die Einladung zum Kindergarten-Abschlussfest. Das Fest, bei dem die Kinder von den Kindergärtnerinnen dazu verdonnert werden, zuerst allen Junk-Food aufzuessen, ehe sie Früchte und Gemüse bekommen. Und falls es warm ist, müssen sie sich eine richtig wilde Wasserschlacht liefern. Also noch einmal wunderbare Nachrichten. 

Einzig der FeuerwehrRitterRömerPirat kommt heute ohne freudige Überraschung nach Hause. In mir will schon leise Panik hochkommen, denn ich weiss, wie sensibel unser Dritter reagiert, wenn alle glücklich sind, nur er nicht. Doch dann kommt mir in den Sinn, dass der Pöstler einen bunten Brief für ihn gebracht hat. Ein Brief voller wunderbarer Gutscheine, von denen er einen gemeinsam mit seinem Cousin oder einem Freund einlösen darf. Also strahlt auch der FeuerwehrRitterRömerPirat. 

Jetzt, wo alle für einmal überglücklich und vollkommen friedfertig sind, kann ich endlich auch erzählen, was mich heute Vormittag fast hat platzen lassen vor lauter Freude: Zwei noch ganz winzige Schwalbenschwanzraupen, die auf meinem Fenchel das Licht der Welt erblickt haben. Ich weiss nicht, wie viele Jahre ich auf dieses kleine Wunder gewartet habe, aber jetzt ist es endlich eingetroffen. 

Eigentlich wäre heute Mittag ein Festessen fällig gewesen.

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Gedanken auf dem Kirschbaum

Warum gibt es erwachsene Menschen, die sich Ende April, wenn die Kirschbäume in voller Blüte stehen, darüber beklagen, die Kirschen im Laden seien so furchtbar teuer? Ist es so schwer zu verstehen, dass man einen gewissen Preis zu zahlen hat, wenn man vor der Saison Kirschen essen will? Und warum kommen genau diese Menschen, die uns im April die Ohren voll gejammert haben, jetzt nicht zu uns, um sich gratis Kirschen abzuholen?

Manchmal werfen mir Menschen Inkonsequenz vor, weil ich aus Gewissensgründen kein Fleisch esse, bei Obst aber bedenkenlos zugreife. Doch ich bringe den Baum ja nicht um, sondern esse, was er ohnehin früher oder später zu Boden fallen liesse. Und so, wie meine Kinder Kirschkerne in der Gegend herumspucken, helfen wir dem guten alten Baum gar bei der Fortpflanzung.

Der Bauernverband empfiehlt, das Kilo Kirschen für 6 Franken 50 zu verkaufen. Mama Venditti pflückt 8 Kilo Kirschen. Wie viel Geld würde sie einnehmen, wenn sie die Kirschen am Strassenrand verkaufen würde, anstatt sie ihren Kindern aufzutischen? In der Migros kostet das Kilo Kirschen heute10 Franken 60. Wieviel Geld hätte Mama ausgegeben, wenn sie ihren Kindern die 8 Kilo Kirschen hätte kaufen müssen?

Hoffentlich sieht mir keiner dabei zu, wie ich im Geäst herumklettere, das Telefon am Ohr, den Korb mit den Kirschen an der Schulter.

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Wir sind doch keine Hobbygärtner

Hobbygärtner nennen sie uns etwas verächtlich und sie liegen damit ja nicht vollkommen falsch. Wir sind keine Profis, werden es nie sein und wollen es auch nicht sein. Dennoch stört mich die Bezeichnung „Hobbygärtner“, denn wir machen uns die Finger ja nicht bloss schmutzig, weil uns sonst langweilig wäre. Wenn wir in der Erde buddeln, verfolgen wir weitaus höhere Ziele.

Wir wollen, dass unsere Kinder miterleben, wie aus winzigen Samen etwas Grossartiges wird, sei es nun essbar oder „nur“ schön. Wir wollen die Gewissheit, alles in unserer Macht stehende getan zu haben, um Nahrungsmittel auf unsere Teller zu bringen, von denen wir wissen, woher sie kommen und wie sie aufgewachsen sind. Unsere Gärten sollen ein Festbankett für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und anderes Getier sein, unser Gemüse soll sich ernähren von dem, was auf dem Komposthaufen verrottet ist. Unsere Bäume sollen nicht nur Obst tragen, sondern auch unseren Kindern als Klettergerüst dienen – wenn die Zweige nicht gerade voller Blüten oder voller Obst sind. Wir wollen Gemüsesorten ziehen, die man nicht in jedem Laden kaufen kann und die Schnecken halten wir lieber mit Blumen – oder notfalls mit Salz – von diesem Gemüse fern. Wir wollen Gärten, in denen man nicht lange still sitzen kann, weil es immer etwas zu beobachten gibt, vielleicht auch etwas zu jäten oder zu ernten. Wir wollen nicht perfekte Schönheit, sondern buntes, abwechslungsreiches Leben.

Wie? Das klingt euch alles etwas zu idyllisch? Das kann ich leider nicht verhindern. Wir sind nämlich keine Hobbygärtner, sondern Garten-Idealisten.

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10 Dinge, die mir auf den Geist gehen

  • Hysterische Haushaltgeräte. Ihr wisst schon, diese Herdplatten, die beim kleinsten Tropfen Feuchtigkeit auf dem Schaltfeld hysterisch zu piepsen anfangen und erst wieder damit aufhören, wenn man sie zuerst mit einem leicht feuchten Lappen, dann mit einem frischen Küchentuch und schliesslich – wenn man nichts anderes mehr zur Hand hat – mit dem Rockzipfel oder dem Pulloverärmel trocken reibt. 
  • Wenn „Meiner“, der als Siebenjähriger offenbar zu anständig und zu schüchtern war, den Mitschülerinnen den Rock hochzuziehen, glaubt, er müsse diese prägende Erfahrung bei mir nachholen. Ich habe ihm dann zu verstehen gegeben, dass ich auf diesem Gebiet ganz und gar keinen Nachholbedarf habe, da ich im Alter zwischen drei und dreizehn ausschliesslich Röcke getragen habe und damit zur Zielscheibe sämtlicher Siebenjähriger wurde, die weniger schüchtern und anständig waren als „Meiner“ damals. 
  • Okay, damit mache ich mich jetzt unbeliebt: Dieses doofe „Happy, happy, happy“-Gedudel, dem man in diesen Tagen permanent ausgesetzt ist. Was, um alles in der Welt, gefällt euch allen so an diesem Lied? Mich treibt es auf die Palme.
  • Fruchtfliegen, die sich mangels anderer Alternativen auf dem Küchenlappen niederlassen. Muss ich jetzt meine Lappen wirklich mehr als einmal täglich wechseln?
  • Leute, die es nicht mal nötig haben, mir ein kurzes „Danke für die Anfrage, aber ich habe keine Zeit“ zukommen zu lassen, wenn ich sie höflich frage, ob sie mir allenfalls, wenn es ihnen nicht zu viele Umstände macht, ein paar Auskünfte für einen Artikel geben würden, den sie selbstverständlich vor der Publikation gegenlesen dürften, damit alles in ihrem Sinne wäre. 
  • Samstage, die vorgeben, sie wären nahezu kinderfrei, dabei verbringt man den halben Tag damit, die verschiednen Kinder zu verschiedenen Terminen zu karren. 
  • Schädlinge, die an sämtlichen Gemüsesorten ihre Spuren hinterlassen, aber nicht die Grösse haben, dazu zu stehen und sich zu zeigen. 
  • Die Peperoni-Sucht unserer Kinder. Ich meine, ist ja toll, dass sie Peperoni lieben, aber egal, ob ich das Doppelte, Drei- oder Vierfache der in den Rezepten vorgesehenen Menge kaufe, am Ende ist doch nichts mehr da, wenn ich am Herd stehe. Und dabei habe ich doch immer so ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich vor der Peperoni-Saison das Zeug aus Spanien oder Holland kaufe. 
  • Dass es mir nicht gelingt, mein Lachen zu verbergen, wenn das Prinzchen einen Mist gebaut hat und ich ihm eigentlich ganz ernst ins Gewissen reden möchte. Muss der seinen Unfug immer so charmant anstellen?
  • Haushaltgeräte, die dann, wenn man auf ihr Piepsen angewiesen wäre, weil dieses das Ende der Kochzeit anzeigen würde, plötzlich verstummen, so dass alles verkocht. Noch ärger sind nur noch Haushaltgeräte, die mal stumm bleiben und sich wenige Augenblicke später wieder hysterisch gebärden. Also zum Beispiel unser Kochherd. 

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