Familienfussball

„An meinem Geburtstag spielen wir alle zusammen auf dem grossen Rasen vor dem Haus Fußball“, verkündete der FeuerwehrRitterRömerPirat Mitte Juni, als noch niemand von uns wusste, ob wir vor unserem Ferienhaus überhaupt einen grossen Rasen haben würden. Dies tat der Vorfreude unseres Dritten keinen Abbruch und er machte sich daran, die Teams zusammenzustellen. Eine überaus schwierige Aufgabe, denn in unserer Familie gibt es gerade mal zwei Personen, die gerne Fussball spielen. Zwei weitere raffen sich dazu auf, an dem Spiel Spass zu haben, wenn man sie genügend lange unter Druck setzt, der Rest ist hoffnungslos unbegabt und begeisterungsunfähig.

Dennoch gelang es dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, zwei mehr oder weniger gleich starke Teams zusammenzustellen und einen Schiedsrichter zu ernennen. In seiner Begeisterung gab er jedem Spieler eine Nummer und ich glaube, er verstieg sich gar dazu, das eine Team „Juventus“, das andere „Barcelona“ zu nennen. Seine Vorfreude auf das Geburtstagsspiel stieg ins Unermessliche, als er bei der Ankunft im Ferienhaus sah, dass wir einen sehr grossen Rasen vor dem Haus haben. 

Tja, und dann kam heute, an seinem Geburtstag, als erstes der Regen, der ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Die zwei Fussballbegeisterten liessen sich dadurch die Spielfreude natürlich nicht verderben, alle anderen aber weigerten sich rundheraus, dem Geburtstagskind seinen Wunsch zu erfüllen, solange es wie aus Kübeln goss. Dann musste ich unserem Sohn auch noch die Mannschaftsaufstellung durcheinander bringen, weil ich es vorzog, mich mit einer leichten, aber ziemlich fiesen Sommergrippe zu vergnügen, anstatt draussen dem Ball nachzurennen. Und schliesslich, als die Sonne endlich wieder da war und das Spiel ohne mich beginnen konnte, erfrechte sich Luise, ihren Knöchel derart zu verstauchen, dass die Partie frühzeitig abgebrochen werden musste. 

Es steht noch nicht fest, wann das Spiel nachgeholt wird. Aber nachholen müssen wir es, das sind wir dem Geburtstagskind schuldig, auch wenn einige von uns Regenwetter, Grippe und verstauchte Knöchel vorziehen würden.

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Geldsorgen der anderen Art

20. Januar 2016: Zoowärters neunter Geburtstag, viele wunderbare Geschenke, einige davon heiss ersehnt, andere mit freudiger Überraschung in Empfang genommen, obendrein noch ziemlich viel Geburtstagsgeld.

21. Januar 2016: Das Geburtstagsgeld ist noch immer im Portemonnaie. Zoowärter macht sich allmählich Sorgen, ob die Banknoten wirklich so lange haltbar sind, oder oder ob er sie ausgeben muss, bevor sie schlecht werden.

22. Januar 2016: Noch immer kein Geburtstagsgeld ausgegeben, die Unruhe steigt.

23. Januar 2016: Zoowärter packt die Gelegenheit, zumindest einen Teil seines Geldes loszuwerden, als ich in die Stadt muss, um einige Dinge zu besorgen. Ich sage ihm, er solle lieber sparen, er habe doch jetzt so viele schöne Sachen bekommen. Natürlich hört er nicht auf mich und kauft. Dennoch bleibt ein ansehnlicher Betrag in seinem Portemonnaie zurück. 

24. Januar 2016: Ein neuer grosser Wunsch nimmt in Zoowärters Herzen Gestalt an. Er zählt sein verbliebenes Geld. Es sollte knapp reichen, um den Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.

25. Januar 2016: Zoowärter möchte jetzt wirklich endlich seinen Wunsch verwirklichen, sonst werden die Banknoten doch noch schimmlig. Ich finde aber, er solle sich die Sache noch ein wenig durch den Kopf gehen lassen. (Und ich habe nicht die geringste Lust, bei ricardo nach dem Zeug zu stöbern…)

26. Januar 2016: Zoowärter ist der Verzweiflung nahe. Wenn er nicht endlich seinen Wunsch erfüllen kann, wird er nie wieder lachen können.

27. Januar 2016: Ich erbarme mich meines Sohnes, werde schneller als erwartet fündig und ersteigere Zoowärters Herzenswunsch. Das Geburtstagsgeld ist somit bis auf den letzten Rappen verbraucht. Zoowärter ist zufrieden.

28. Januar 2016: Zoowärter ist noch immer zufrieden, es fällt ihm aber ein, dass sein Herzenswunsch noch Zubehör braucht. Ich soll also noch einmal bei ricardo vorbeischauen, was ich aber erst mal aufschiebe. Immerhin ist der Herzenswunsch noch nicht mal bei uns eingetroffen.

29. Januar 2016: Zoowärter ist am Boden zerstört. Wir haben gestöbert und erkannt, dass das Zubehör teurer ist als erwartet. Also heisst es warten und sparen. Ich weise meinen Sohn darauf hin, dass das Geld für das Zubehör gereicht hätte, wenn er am 23. auf mich gehört hätte und jetzt bricht es aus ihm heraus: Er halte das einfach nicht mehr aus, immer würden die Spielzeughersteller so viele coole Dinge auf den Markt bringen. Er wolle ja gar nicht immer gleich sein ganzes Geld ausgeben, aber wenn die immer wieder etwas Neues im Sortiment hätten, kaufe er sich am Ende sogar Sachen, die er eigentlich gar nicht so toll finde.
Ich bin sauer. Ein bisschen auf den Zoowärter, weil er trotz aller schönen Geschenke so ein Drama macht. Viel mehr aber auf die Spielzeugindustrie, die mit allen Regeln der Kunst kleine Kinder umgarnt, um ihnen vorzugaukeln, sie könnten nur glücklich sein, wenn sie mehr und noch mehr kaufen. 

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Ist der Kuchen ruiniert…

An Luises 11. Geburtstag habe ich endlich verstanden, dass ich nicht mitzumachen brauche beim Wettlauf um den schönsten Geburtstagskuchen aller Zeiten. Heute, an Prinzchens 7. Geburtstag, habe ich mir bewiesen, dass ich nicht nur verstanden habe, sondern inzwischen auch lebe, was ich glaube. Das ging so:

Prinzchen wollte zu seinem Geburtstag einen Ritterburg-Kuchen und zwar einen mit viel Schokolade. Schokoladenkuchen ist nicht mein Ding, ich werde wohl bis zu meinem Lebensende nicht verstehen, was die halbe Welt so toll daran findet. Aber wenn ein Kind etwas zum Geburtstag wünscht, ist mir das Befehl – es sei denn, es wünschte sich einen Hund – und darum suchte ich mir aus den unzähligen „Bester Schokoladenkuchen aller Zeiten“-Rezepten das am wenigsten unsympathische aus, mischte den Teig, schmierte das Zeug in die Ritterburg-Backform und glaubte, für einmal einen ganz annehmbaren Geburtstagskuchen kreiert zu haben. Das dachte ich leider nur so lange, bis der Kuchen ein wenig abgekühlt und aus der Form war. Da stand nämlich keine Ritterburg auf dem Kuchenteller, sondern eine Burgruine.

Vor meinem Gesinnungswandel zu Luises 11. Geburtstag habe ich in solchen Momenten je nach Stimmungslage ein paar Tränchen verdrückt, oder aber den elenden Kuchen an die Wand geschmissen. Heute jedoch betrachtete ich den unansehnlichen Haufen mit kühler Distanz, griff zur Glasur, schmierte alles voll und als ich die goldenen Zuckerhalbmonde darüber streute, die ich gestern einer Eingebung folgend gekauft hatte, war mir auch klar, wie ich dem Prinzchen die Sache schmackhaft machen kann. Die Osmanen hätten die Ritterburg angegriffen, würde ich erklären, doch die tapferen Ritter hätten mutig gekämpft, darum sei die Burg zwar ziemlich lädiert, nicht aber dem Erdboden gleich gemacht. Wie man an den Halbmonden unschwer erkennen könne, sei es den Osmanen aber gelungen, die Burg zu erobern. (Es komme mir jetzt keiner mit Erklärungen, die Osmanen hätten keine Ritterburgen angegriffen. Und erst recht komme mir keiner mit kruden Interpretationen im Zusammenhang mit der aktuellen Weltlage.)

Ich freute mich richtig, dem Prinzchen meine missratene Torte zu präsentieren, doch der liess mich nicht mal bis zu den Osmanen kommen. „Macht nichts, dass die Torte nicht so schön geworden ist“, sagte er, als er von der Schule nach Hause kam „darf ich jetzt endlich mein Geschenk auspacken?“

Um den Geburtstagskuchenstress weiter zu mindern, plane ich deshalb demnächst ein familieninterne Meinungsumfrage zum Thema „Braucht es am Geburtstag überhaupt einen Geburtstagskuchen?“

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Überzuckert

Fertig, Schluss, aus! Ich mache nicht mehr mit bei dem unsinnigen Wettlauf um den buntesten, zuckrigsten und perfektesten Geburtstagskuchen. Nicht dass ich je ernsthafte Chancen gehabt hätte, in diesem Bereich zu glänzen, dazu habe ich weder das nötige Geschick, noch die Ausbildung, noch den Küchenschrank voller angesagter, überteuerter Gadgets. Mitgemacht habe ich aber trotzdem irgendwie. Weil ich gerne backe. Weil meine Kinder schrecklich beeindruckt waren von den Eisenbahnen, Piratenköpfen und Beinahe-Hochzeitstorten, die sie bei ihren Freunden vorgesetzt bekommen. Und weil das Zeug, das meine talentierten Bekannten auf Facebook posten, halt schon beeindruckend aussieht.

Mein Zeug sieht nie so perfekt aus, egal, wie sehr ich mich ins Zeug lege dafür, was zu ziemlich viel Frust über misslungene Kreationen geführt hat. Aber der Grund, weshalb ich nicht mehr mitmache, ist ein anderer: Ich habe diese übertriebene Süsse satt. Mein Gaumen hat genug von diesen dicken, zuckrigen Fondant-Schichten, die all die feineren Aromen, die eine Torte in sich haben sollte, überdecken. Mein Magen rebelliert frühestens nach drei Bissen, weil er nicht verdauen mag, was da kunstvoll auf die Tortenplatte geschichtet steht. Mein Auge, das sonst kräftigen Farben ganz und gar nicht abgeneigt ist, mag den ganzen Kitsch nicht mehr sehen.

Immer öfter ertappe ich mich dabei, wie ich mir beim Herunterwürg…  – äääähm, ich meine natürlich beim Essen -eines solchen Kunstwerks wünschte, ich hätte ein Stück des simplen Gâteau Breton meiner Mutter auf dem Teller.  Der sah wahrlich nicht sonderlich beeindruckend aus in seiner Schlichtheit aus Butter, Zucker, Ei und Mehl. Er war flach, gelbbraun und einzig mit ein paar Gabelstrichen verziert, doch er hatte etwas, was den Fondant-Träumen ganz und gar abgeht, nämlich das volle Aroma natürlicher Zutaten. Und weil man weder beim Rezept noch beim Verzieren irgend etwas falsch machen konnte, sass ganz bestimmt keine übellaunige Mutter am Tisch, die sich darüber ärgerte, dass ihre Kreation nicht ganz genau so aussah, wie sie sich das vorgestellt hatte. Ausserdem hatte der Kuchen den Vorteil, dass man ihn auch wirklich essen wollte. Dieses klebrige Fondant-Zeug bleibt ja doch immer angebissen auf den Tellern liegen, weil es sogar für Kinder zu süss ist. 

Ich glaube, ich rufe einen neuen Trend ins Leben und serviere beim nächsten Kindergeburtstag Gâteau Breton. 

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Untauglich

Am dritten Samstag ohne „Meinen“ – heute inklusive Luise-Geburtstag und einer weiteren One-Woman-Putzorgie -, weiß ich eine Sache mit absoluter Sicherheit: Als Alleinerziehende wäre ich ganz und gar untauglich. Mal sehen, ob ich den Tag überstehe ohne dass Luise in zwanzig Jahren beim Psychiater sagen muss: „An meinem zwölften Geburtstag begann mir zu dämmern, was für eine Niete meine Mama is.“

  

Wie ein schräger Traum

Es gibt Tage, die sind wie ein schräger Traum, der hinten und vorne keinen Sinn ergeben will. Tage, an denen sich eine absurde Situation an die andere reiht. Tage, an denen du dich fragst, wann denn endlich der Wecker sagt, dass dein Gehirn mal wieder völlig verrückt gespielt hat. 

Da ist zum Beispiel der epochale Streit mit „Meinem“, der mich dazu treibt, eine leere Tasse mit voller Wucht gegen den Türpfosten zu knallen und das Ding geht nicht kaputt, fällt einfach nahezu geräuschlos zu Boden. Dabei hätte ich doch genau dieses befriedigende Klirren gebraucht, um selber wieder auf den Boden zu kommen.

Oder dieser Moment kurz nachdem Mittagessen: Es klingelt an der Tür, „Meiner“ geht runter, ich höre, wie er sich mit jemandem unterhält und als er hochkommt, reicht er mir einen Prospekt. „Das war ein Herr Wagner“, sagt er. „Er würde sich gerne um unsere Heizung kümmern.“ Ich schaue mir die Fotos auf dem Prospekt an und antworte: „Das war nicht der Herr Wagner, das war Roger, der Klassenclown aus der Vierten. Den hab ich bestimmt seit fünfundzwanzig Jahren nicht mehr gesehen.“ „Meiner“ ruft den Herrn Wagner an: „Wissen Sie, dass Sie mit meiner Frau zur Schule gegangen sind?“ Nein, das weiss er nicht, aber er erinnert sich an mich und sagt, er hätte mir mal einen Schokokopf ins Gesicht gedrückt. Hat er das? Keine Ahnung, aber ich kann ihn dann ja fragen, wenn demnächst mal wieder die Heizung aussteigt. 

Etwas später steigt Zoowärters Geburtstagsparty, eine lärmende Kinderschar bevölkert das Wohnzimmer, nicht alle sind zufrieden mit dem Programm. Mit vereinten Kräften versuchen „Meiner“ und ich, die Kinder in Partystimmung zu versetzen. Erst, als ich „Grünes Ei mit Speck“ vorlese, bessert sich die Stimmung, warum auch immer. Im Flur geht das Telefon, als „Meiner“ zurückkommt, ist seine Partystimmung dahin. Eine Ärztin des Kantonsspitals war’s, Schwiegermamas Untersuchungsergebnisse sind besorgniserregend schlecht. Haben wir es kommen sehen? Irgendwie schon, aber wenn es im Raum steht, fragt man sich doch, woher das so plötzlich gekommen ist. Noch wissen wir nichts Genaues, aber das macht die Sache nicht einfacher, schon gar nicht, wenn man noch ein paar Geburtstagsgäste zum Lachen bringen sollte. 

Und noch immer hat der Wecker nicht geklingelt, der mir sagt, dass alles nur ein ziemlich schlecht zusammengefügter Traum war. 

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Stets zu Zoowärters Diensten

Nächste Woche wird der Zoowärter acht und das bewegt das Prinzchen, der ein ausgeprägt nächstenliebender Mensch ist, zutiefst. Ein Geburtstag, das weiss das Prinzchen aus bitterer Erfahrung, ist viel zu schnell vorbei und darum muss das Geburtstagskind möglichst lange und ausgiebig verwöhnt werden. Das ist nicht getan, indem man dem grossen Bruder einen Berg von Geschenken bastelt, da muss mehr her, viel mehr. Und darum nimmt das Prinzchen dem Zoowärter seit einigen Tagen jede unangenehme Aufgabe ab. 

Der Zoowärter verschüttet am Tisch seinen Sirup, das Prinzchen springt auf, holt Haushaltpapier und wischt die Lache auf.

Der Zoowärter fängt an, seinen Teil des Tischdeckens zu übernehmen, das Prinzchen nimmt ihm den Tellerstapel aus der Hand und sagt: „Du hast Geburtstag, lass mich das machen.“ Manchmal aber ist der Zoowärter schneller als das Prinzchen. Dann wird der Kleine wütend und zwar auf mich, weil ich nicht eingegriffen und den Grossen am Tischdecken gehindert habe. 

Der Zoowärter soll sein Zimmer aufräumen, was in diesen Tagen so läuft, dass das Prinzchen die Arbeit macht, währenddem der grosse Bruder auf dem Bett liegt und „Lustige Taschenbücher“ liest.

Der Zoowärter muss als Hausaufgabe Bilder und Wörter ausschneiden und richtig zuordnen. Das Prinzchen übernimmt das lästige Ausschneiden, übt derweilen gerade ein wenig lesen und hilft dem Zoowärter beim Zuordnen. 

„Das müsste doch der Zoowärter erledigen“, sage ich jeweils erstaunt, wenn der kleine Prinz, der nicht gerade stämmig gebaut ist, sich nach Leibeskräften darum bemüht, einen schweren Abfallsack die Treppe hinunterzutragen. „Aber er hat Geburtstag“, antwortet das Prinzchen keuchend und schleppt weiter. Anfänglich war es dem Zoowärter ein wenig peinlich, dabei zuzuschauen, wie sein kleiner Bruder sich für ihn abrackerte, doch inzwischen hat er sich daran gewöhnt. Nicht freiwillig allerdings. Das Prinzchen musste mehrmals ziemlich heftig werden, weil das zukünftige Geburtstagskind sich nicht widerstandslos bedienen lassen wollte.

So langsam scheint es dem Zoowärter allerdings nichts mehr auszumachen, sich nach Strich und Faden verwöhnen zu lassen. Warum auch? Er hat doch Geburtstag. In einer Woche. 

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Dankbar

Als er sich vor sechs Jahren und neun Monaten anmeldete, konnten „Meiner“ und ich uns schlicht nicht vorstellen, wie wir das schaffen sollten. Woher sollten wir die Kraft nehmen für ein fünftes Kind, wo wir doch mit vier schon auf dem Zahnfleisch gingen? Natürlich freuten wir uns über ihn, aber würden wir in unserem gesundheitlich angeschlagenen Zustand in der Lage sein, ihm zu geben, was er brauchte?

Als das Herzchen seines Zwillings schon sehr früh in der Schwangerschaft zu schlagen aufhörte, bekam ich es mit der Angst zu tun. Was, wenn er es auch nicht schaffen würde?

Als ich ihn heute vor sechs Jahren zum ersten Mal in die Arme schliessen durfte, staunte ich über seine Stärke. Keines unserer fünf Kinder hatte im Bauch einer derart gestressten und erschöpften Mama heranwachsen müssen und doch strotzte er vor Kraft. 

Als er noch ganz klein war, machte ich mir Vorwürfe, weil wir uns so viele Sorgen gemacht hatten. Man liest ja immer wieder, so etwas habe negative Auswirkungen auf das Baby.

Als er etwas grösser war, merkten wir bald einmal, dass wir mit einem ausserordentlich fröhlichen Kind gesegnet worden waren. An Selbstbewusstsein schien es ihm auch nicht zu mangeln. Und geliebt wurde er ohnehin von allen in der Familie. Sogar von Luise, die auf gar keinen Fall einen vierten Bruder hätte haben wollen. 

Als er etwa drei Jahre alt war, fing er an zu singen, immer und überall. Er tut es noch heute fast pausenlos.

Als wir heute früh ums Bett herum standen, um ihm sein Geburtstagsständchen zu bringen, überrollte mich eine Welle der Dankbarkeit. Nicht alleine, weil er da ist und unser Familienleben bereichert. Sondern auch, weil unsere Sorgen sich als vollkommen unbegründet erwiesen haben.

Als er heute von Mittag bis kurz vor Mitternacht mit Engelsgeduld an seiner Lego-Polizeistation baute, dachte ich: „Der kleine Kerl weiss genau, was er will und lässt sich durch nichts von seinem Ziel abbringen. Kein Wunder, dass er den ganzen Stress der Schwangerschaft so unbeschadet überstanden hat.“

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Was ich durch 4 x Open House gelernt habe

Wenn um unseren Esstisch die verschiedensten Menschen, die sich ohne unsere Einladung vielleicht nie begegnet wären, versammelt sind, dann bin ich zutiefst glücklich.

Egal, wie viele Desserts man zubereitet, man wünscht sich jedes Mal, man müsste – und könnte – noch ein paar Dinge mehr machen, weil die Auswahl an verführerischen Rezepten einfach zu gross ist.

Noch nie im Leben ist es mir so leicht gefallen, auf Süsses zu verzichten. Nach so vielen Stunden in der Küche habe ich mich schlicht und einfach sattgerochen.

„Meiner“ und ich arbeiten so reibungslos zusammen, dass wir in Versuchung stehen, solche Anlässe öfter mal durchzuführen.

Wenn ein Mensch, den ich noch nie getroffen habe und den „Meiner“ seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gesehen hat, uns mitteilt, Sonntag sei für ihn generell nicht so günstig, er würde lieber am Samstag kommen, aber nicht an dem Samstag, an dem wir auch noch eingeladen haben, sondern bitte an einem anderen, vielleicht im Dezember, kurz vor Weihnachten, dann ist mein flauschiges „Ich liebe alle Menschen und möchte alle um meinen Tisch versammelt sehen“-Gefühl auf einmal wie weggeblasen.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man hausgemachte Pains au Chocolat als ähnlich alltäglich empfindet wie ein Butterbrot.

Genau so, wie es Bad-Hair-Days gibt, gibt es auch Bad-Frosting-Days. Zum Glück hat man hin und wieder auch einen Good-Frosting-Day…

Egal, wie sehr wir uns um Ordnung und Sauberkeit bemühen, unsere Gäste werden sich immer mit einem Hauch Venditti-Chaos abfinden müssen.

Ich brauche ein anständiges Rezept für Vanillie-Pudding.

Wenn morgen die letzten Gäste nach Hause gegangen sind, werde ich vermutlich eine leise Wehmut empfinden. Es war viel Arbeit, aber es war auch wunderschön.

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Himmel auf Erden

„Ihr Armen, so ein Stress!“

„Wollt ihr euch das wirklich antun?“

„Ihr seid bestimmt ganz erschöpft.“

„Ganz schön viel Arbeit.“

„Können wir euch etwas abnehmen?“

So viel Mitgefühl hat man „Meinem“ und mir seit Prinzchens Geburt nicht mehr entgegengebracht. Dabei haben wir doch gar nicht gejammert. Wir haben nur die Tatsache, dass wir fast gleichzeitig 40 geworden sind, zum Anlass genommen, an vier Tagen in diesem Monat richtig viele Menschen einzuladen. Nicht, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen, sondern weil wir finden, dass etwas vom Grössten im Leben die Menschen sind, mit denen wir es teilen.

Okay, natürlich müssen wir noch mehr putzen als sonst, wenn so viele Gäste ins Haus kommen und natürlich stehen wir länger als gewöhnlich in der Küche. Ich gebe sogar zu, dass wir ganz schön müde sind, wenn die Gäste gegangen sind und alles wieder aufgeräumt ist.

Aber ist das Stress? Ich finde nicht. Es hat uns ja keiner dazu gezwungen, es zu tun. Und wenn sich um unseren Esstisch viele verschiedene Menschen versammeln um zusammen zu geniessen, was wir für sie vorbereitet haben, dann ist das in meinen Augen nicht Stress, sondern ein Stück Himmel auf Erden.

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