Ist die Katze aus dem Haus…

…dann schauen sie Rosamunde Pilcher am Fernsehen,…
…lassen sich Pizza ins Haus liefern,…
…verpassen die Krippenspielprobe,…
…schmeissen am Sonntag Abfall in die Mulde,…
…essen Pommes Frites zum Mittagessen,…
…vergessen, WC-Papier zu kaufen…
und schieben eine ziemlich ruhige Kugel.

Aber was soll’s? Das Haus steht noch, sie scheinen alle gesund und glücklich zu sein und sie haben sogar die Wäsche weggeräumt. Es geht also auch ohne mich. Ein paar Tage lang.

Länger lieber nicht. Ich würde sie zu sehr vermissen. (Und sie mich hoffentlich auch.)

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Notiz an „Meinen“

Morgen fahre ich für vier Tage weg und lasse „Meinen“ mit den Kindern alleine. Was grundsätzlich kein Problem ist, denn er hat das im Griff. Zwei oder drei Dinge muss ich ihm aber trotzdem aufschreiben, damit sie nicht vergessen gehen:

  • Der Zoowärter hat morgen Nachmittag Schule, auch wenn der Stundenplan etwas anderes behauptet. Aber der behauptet das nur, weil ich ihn im Sommer falsch abgeschrieben habe und danach zu faul war, ihn noch einmal neu zu schreiben und zu laminieren. 
  • Wenn du mit dem Prinzchen und dem Zoowärter in den Schwimmkurs gehst, vergiss nicht, dem Schwimmlehrer zu sagen, dass deine chaotische Frau es letzte und vorletzte Woche mal wieder verschlampt hat, die Kinder in den Kurs zu bringen. Sag ihnen, dass es deiner Frau furchtbar leid tut, aber dass sie unglaublich froh ist, dass du derjenige bist, der sich erklären muss, weil sie es allmählich Leid ist, überall mit hochrotem Kopf und tausend Entschuldigungen aufzukreuzen. 
  • Nein, am Sonntag dürft ihr nicht liegen bleiben. Krippenspielprobe! Keine Versäumnisse erlaubt! (Ich hingegen werde sonntags so lange liegen bleiben, bis das Bett mich rauswirft.)
  • Der Laptop kommt mit mir. Netflix nur auf dem iPad. 
  • Bitte, bitte, bitte, bitte streich Karlssons Zimmer nicht an diesem Wochenende! Du weisst, wie es kommt, wenn fünf Kinder und ein paar Farbroller sich miteinander vergnügen. 
  • Finger weg von der Wäsche! Es sei denn, ihr wollt sie wegräumen. 
  • Versucht, ohne mich Spass zu haben. (Als ob das möglich wäre…)

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Bis Mitternacht sollte das zu schaffen sein

Läuse? Hmmm, weiss nicht so recht. Gesehen habe ich keine, nicht mal die klitzekleinste Nisse. Aber wenn sich alle andauernd an den Köpfen kratzen, sogar dann, wenn keiner von Läusen spricht, dann sollte man vielleicht doch mal… Hab‘ zwar gerade nicht die geringste Lust auf Läuse, aber wenn ich warte, bis ich Lust auf Läuse habe, kann das noch ein Weilchen dauern… Ach was, ich mach’s besser. Will mich ja nicht unbeliebt machen bei meinen Mitmüttern. 

Gibt ja nicht sooooo viel zu tun. Nur die ganze Bettwäsche waschen, die Lieblingskuscheltiere, die Sofakissen, vielleicht noch die Decken, mit denen sie neulich eine Hütte gebaut haben… Ein Klacks also. Fünf oder sechs Waschmaschinen voll, mehr ganz bestimmt nicht. Dann noch die Köpfe behandeln. Beim Prinzchen mit seiner Mähne könnte es ein wenig dauern, Luise wird auch nicht ganz unproblematisch, dafür reicht es bei „Meinem“ vielleicht, wenn wir schnell mit dem Lauskamm drüber gehen. Ach ja, die Haarbürsten sollten wir vielleicht auch noch auswaschen, aber das Einfrieren von Kleinkuscheltieren lasse ich diesmal bleiben…

Ich schätze, das sollten wir hinkriegen, so gegen Mitternacht sind wir voraussichtlich lausfrei. Wenn wir es nicht bereits sind… Aber eben, Vorsicht ist besser bla bla bla… Und so habe ich wenigstens etwas zu tun. Wüsste ja doch wieder nicht, was ich mit diesem Tag sonst anfangen sollte.  

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Auch ich habe einen Preis

Die können’s doch einfach nicht lassen. Vor ein paar Wochen hätte ich nach Zürich rennen sollen, um mit anderen Bloggerinnen Cupcakes zu verzieren, vorgestern hätte ich hier irgend ein Wellness-Weekend oder so verlosen sollen und heute drängt mich die Konkurrenz des angebissenen Apfels dazu, mich endlich anzumelden, damit ich mit ihr im Kochstudio Mezze zubereiten kann. Auch in Zürich. Wo denn sonst? 

Himmel, wie stellen die sich das eigentlich vor? Soll ich alle paar Tage meine Familie hungrig am Tisch sitzen lassen, um in Zürich ein bisschen so zu tun, als würde ich kochen und putzen und dann meiner Leserschaft vorzuschwärmen, wie toll das doch war und wie unverzichtbar diese grossartigen Produkte doch sind? Nicht mit mir, vielen Dank.

Nun ist es natürlich einfach, sich so unbestechlich zu geben, solange für mich nicht mehr herausschaut als eine etwas glanzvollere Version dessen, was ich ohnehin schon den ganzen Tag mache. Ich gestehe aber ganz offen, dass ich unter gewissen Umständen durchaus dazu bereit wäre, mich um den Finger wickeln zu lassen. Weil ich ein netter Mensch bin, nenne ich hier sogar meinen Preis, damit zukünftige potentielle Werbepartner wissen, wie sie mich kriegen können. Nämlich so:

Schicken Sie mich und meine Brut eine oder zwei Wochen lang in ein anständiges Wellness-Hotel – zwei Wochen Stockholm wären auch okay – und sorgen Sie in der Zwischenzeit dafür, dass dieser Saustall mal endlich ausgemistet wird. Nicht nur so ein bisschen, sondern richtig, von oben bis unten, das volle Programm. Kaputte Haushaltgeräte auf Vordermann bringen, undichte Fensterritzen ausbessern, Wände neu streichen, Badezimmer renovieren, Fussböden abschleifen, Kleiderschränke ausmisten und dann jeden hintersten Winkel putzen. Danach das Gleiche im Keller, im Garten und in der Garage. Und wenn Sie mir eine ganz grosse Freude machen wollen, reissen Sie doch gleich diese elende Garage ab und stellen Sie mir stattdessen ein anständiges Gewächshaus, einen Geräteschuppen und ein paar Hochbeete auf. 

Wenn Sie das tun, meine lieben potentiellen Werbepartner, dann verspreche ich Ihnen an dieser Stelle hoch und heilig, dass ich nicht nur über das Hotel und jedes einzelne verwendete Produkt einen sehr langen und sehr löblichen Artikel verfassen werde, ich werde Ihnen sogar äusserst werbewirksam die Füsse küssen. Wenn’s sein muss, komme ich dafür sogar eigens nach Zürich. 

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Gurkenrezept

Ob ich hier vielleicht mal mein Rezept für Essiggurken bringen würde, fragte shadowlessphoenix, als ich vor einiger Zeit darüber berichtete, wie unmöglich es ist, in Aarau eine anständige Gewürzmischung aufzutreiben. Ich versprach, dies zu tun, sobald ich die Gurken zum Verzehr freigegeben hätte und ich wüsste, ob etwas daraus geworden ist. Nun, offiziell müssten die Dinger noch immer schön brav im Regal stehen, bis das Aroma der Gewürze sich so richtig entfaltet hat, doch Luise und „Meiner“ mochten mal wieder nicht so lange warten und weil sie a) nach dem verbotenen Verzehr noch gesund und munter wirken und b) der Meinung sind, die Gurken seien ganz gut herausgekommen, bringe ich das Rezept eben heute schon. Bitte nehmt es mir nicht krumm, wenn ich keine von diesen perfekten „Seht mal her, wie toll ich gleichzeitig kochen, fotografieren und witzig schreiben kann“-Fotoreportage abliefere. Sowas liegt mir nicht. Wenn ich koche, koche ich und das sieht man meiner Küche auch an. Wenn ich schreibe, dann schreibe ich und dann ist mir die Küche egal. Und Essbares in Szene setzen zum Fotografieren kann ich schon gar nicht, wie man dem unterstehenden Bild auf den ersten Blick ansieht. Das Fotografieren müsste also „Meiner“ für mich übernehmen und der nervt nur beim Einmachen, weil er mir andauernd die Gurken wegschnappt.

Jetzt, wo dies alles geklärt ist, kommen wir endlich zum Rezept. Zuerst einmal schleppt man so viele Einmachgurken wie möglich vom Markt an. Einmachgurken? Also Cornichons, Miniature White, Cocktailgurken… – so kleines Zeugs halt, das gut ins Glas passt. Ich schätze, bei mir waren es etwa vier Kilo. Wäre übrigens nett gewesen, ich hätte die Gurken aus meinem eigenen Garten nehmen können, aber der Ertrag lässt in diesem Jahr leider zu wünschen übrig. 

Zum Würzen habe ich getrocknete Dillspitzen, Estragon, rosa Pfeffer, Pimentkörner, gelbe Senfsaat, Koriandersamen und Lorbeerblätter genommen, für die scharfe Version noch eingelegte Pipi Piri-Schoten. Alles bio, natürlich. Dazu zwei Liter stinkbilligen weissen Tafelessig (leider nicht bio) und zwei Liter nicht ganz so billigen weissen Gewürzessig.

Zu Hause kamen dann erst mal die grossen Einmachgläser – ich schwöre auf Weck – zum Sterilisieren  in den Einkochtopf, der Essig mit ca. zwei Liter Wasser und einer grossen Handvoll Gewürze in eine grosse Pfanne zum Aufkochen auf den Herd. Wie, kein Zucker? Nein, kein Zucker. Wir sind hier nicht in Deutschland und schmeissen überall Zucker rein. Ach ja, gewisse Menschen hätten jetzt auch noch die Gurken mit Salz bestreut und über Nacht stehen lassen, aber sowas liegt mir nicht. Solange das Resultat stimmt, verzichte ich gerne auf überflüssige Arbeitsschritte. Ich begnüge mich damit, die Gurken gut zu waschen und diejenigen, die zu gross sind fürs Glas, in Scheiben oder Streifen zu schneiden. 

Wenn die Gläser sterilisiert sind, kommen die Gurken ins Glas, wo sie mit dem Gewürzessig übergossen werden. Immer schön brav ins Glas und nicht über den Rand, wenn ich bitten darf, obschon ein bisschen Essig auf dem Rand angeblich nichts ausmachen soll. Die Piri Piri lasse ich übrigens bei der Hälfte der Gläser weg, weil bekanntlich nicht alle scharf darauf sind. Wenn die Gläser verschlossen sind, kommen sie nochmals für vierzig Minuten in den Einkochtopf und dann an einen dunklen Ort, wo die Gurken schön lange ziehen können, mindestens zwei Wochen, länger schadet auch nicht. Am besten hoch oben im Vorratsschrank lagern, damit Menschen wie Luise, die nicht warten können, nicht rankommen. „Meiner“ gibt sich ja unschuldig und behauptet standhaft, Luise hätte die Gläser jeweils aufgemacht und einer hätte das Zeug danach halt aufessen müssen.

 

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Nur ein bisschen Langeweile, bitte

Wäre es nicht wunderbar, wenn man sich mal wieder langweilen dürfte? Nicht allzu lange natürlich, nur einen Tag oder zwei, vielleicht auch drei. Nein, nicht diese Tage, an denen man im faul im Liegestuhl liegt und sich von der Sonne bescheinen lässt, sondern Tage, an denen alles nur langweilige Routine ist. Tage, an denen man abends getrost sagen kann, dass man erledigt hat, was man sich vorgenommen hat. Alles schön nach Plan, vielleicht sogar auf die Viertelstunde genau. 

Kein Backofen, der mitten im Einmachen von Tomaten seinen Geist aufgibt. Keine unangemeldeten Besucher, die den Schreibfluss unterbrechen. Keine Computerpannen, keine „Mist, ich muss doch heute noch unbedingt…“-Momente, keine Milchpfützen auf dem Fussboden, kein spontanes Einspringen für jemanden, der in der Tinte sitzt, keine hektische Suche nach verschwundenen linken Kindersandalen und Schulheften mit Eselsohren. Einfach nur öder, geregelter Alltag, über den man jammern würde, wenn man ihn täglich auf die gleiche graue Weise durchstehen müsste. 

Es käme mir nicht im Traum in den Sinn, mir ein solches Leben zu wünschen. Zu farblos, zu vorhersehbar, zu langweilig eben. Aber hin und wieder ein solcher Tag, der einem erlaubt, durchzuatmen und zu erledigen, was man andauernd vor sich her schiebt, weil immer irgend etwas die Pläne über den Haufen wirft, das wäre schon nett. 

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Vielseitigkeit

An Tagen wie heute merke ich, dass ich eben doch vielseitiger bin, als mir bewusst ist. Ich kann nämlich:

  • Gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn mir der Techniker mitteilt, er könne unsere Telefonleitung nicht reparieren, da müsse der Hauselektriker her. Sogar die bissige Bemerkung, auf eine solche Nachricht hätte ich nicht vier Tage warten müssen, kann ich mir verkneifen. 
  • Meinen ganzen Frust über einen vergeudeten Arbeitsmorgen – der nette Herr Techniker hat mich fast zwei Stunden vom Internet abgehängt – an hausgemachtem Kartoffelbrei auslassen.
  • Meinen Ekel überwinden und Kalbsschnitzel panieren. Ohne Handschuhe.
  • Den Hauselektriker anrufen und die Dame am Empfang ganz nett bitten, doch bald jemanden zu schicken, weil ich schon furchtbar lange ohne Telefon sei. Was daran so besonders ist? Nun, zuweilen gerate ich in Versuchung, meinen Frust an Unschuldigen auszulassen.
  • „Meinem“ technische Probleme aus dem Weg räumen, damit er heute Abend einen einwandfreien Vortrag halten kann. Okay, ob der Vortrag wirklich einwandfrei war, werde ich erst wissen, wenn er wieder zu Hause ist. 
  • Den Zoowärter ganz furchtbar ungerecht behandeln und ihn nie zu Wort kommen lassen. Dies zumindest seine Sicht der Dinge.
  • Mich dezidiert dafür einsetzen, dass der Zoowärter nicht immer unterbricht, wenn Karlsson mir von einer Begebenheit in der Schule erzählen will. Dies meine Sicht der Dinge.
  • Ungerührt dabei zusehen, wie der Elektriker den ganzen Wandschrank ausräumt, weil er nach langem Suchen herausgefunden hat, dass die kaputte Telefonleitung sich dort befindet.
  • Nicht in Tränen ausbrechen, wenn mir der Elektriker mitteilt, er habe soeben eine Telefonleitung entsorgt, die schätzungsweise aus den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts stammt.
  • Meinen Kaffee lauwarm geniessen, weil ich gefühlte hundertmal davon abgehalten worden bin, als er noch heiss war.
  • Mir durchaus bewusst sein, wie dumm es ist, sich über das andauernde Klingeln des Telefons aufzuregen, wo ich doch unbedingt wollte, dass die Leitung so schnell als möglich wieder repariert wird. (War irgendwie ruhiger, als das Ding eine Woche lang stumm blieb.)
  • Karlsson beinahe ungerührt sagen, ich wüsste beim besten Willen nicht, wie ich ihn heute ins Nachbardorf chauffieren solle, wo ich doch das Haus voller Kinder hätte.
  • Den ganzen Tag mit einer Scherbe im Fuss rumlaufen und so rund, als würde es mir überhaupt nichts ausmachen, dass ich keine Zeit habe, mich darum zu kümmern.
  • Beinahe platzen vor Freude, weil sich sechs Schulkameraden dafür stark machen, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat mitspielen darf und damit bewirken, dass derjenige, der unseren Sohn ausschliessen wollte, sich freiwillig entschuldigt.
  • Der Katze ein übrig gebliebenes Kalbsschnitzel servieren, weil das Futter ausgegangen ist und sie so fürchterlich klagt.
  • Einem hinreissenden kleinen Mädchen sagen, sie dürfe heute leider nicht in unserem Garten spielen, weil ich vor lauter Kindern nicht mehr wüsste, wo mir der Kopf steht.
  • Einen kleinen Taugenichts, der im Vorbeigehen dem Prinzchen „Arschloch!“ zugerufen hat, so zusammenstauchen, dass alle seine Freunde finden, ich hätte voll und ganz recht und er solle sich beim nächsten Mal gefälligst anständig aufführen. 
  • Eine Dreijährige einen ganzen Nachmittag lang mehr oder weniger geduldig davon abhalten, sich aus meinem Blickfeld zu begeben und irgendwelche Dummheiten anzustellen.
  • Mit einem riesigen, geliehenen Auto durch die Gegend kutschieren und sogar dann ruhig bleiben, als einer meinen Vortritt missachtet und beinahe das riesige, geliehene Auto zu Schrott macht.
  • Einhändig bloggen, weil gerade eine kleine Katze auf meinem Arm schnurrt.
  • Trotz vieler weiterer Kleinigkeiten, die meinen Tag zu einem Dauerlauf im Hamsterrad gemacht haben, abends noch immer wissen, wie ich heisse, wo ich wohne und wie alt ich bin. (Hundertdreissig, wenn ich mich nicht irre.)

Ist doch gut, wenn einem das Leben ab und zu die eigene Vielseitigkeit vor Augen führt. Aber muss das alles unbedingt an einem einzigen Tag sein?

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Schreiben (und putzen) nach dem Faulus-Prinzip

In letzter Zeit werde ich wieder vermehrt gefragt, wie ich es denn fertigbringe, neben Familie, Job, Haushalt, Haustieren und Garten auch noch zu bloggen. Nun, seitdem ich wieder selber putze und dies auch vermehrt wieder alleine tue, ist es ganz einfach: Ich halte mich strikte an das Faulus-Prinzip. Ihr wisst schon: „Nun, ich hab‘ die erste Hälfte der ersten Platte fertig. Ich verschnauf‘ ein wenig, dann feg‘ ich die zweite Hälfte der ersten…Ich verschnauf‘ ein wenig, dann kommt die erste Hälfte der zweiten…ich versch…“

Oder konkret in meinem Fall: Ich fege einen halben Fussboden, dann tippe ich ein paar Sätze, die mir beim Fegen in den Sinn gekommen sind, dann fege ich die zweite Hälfte des Fussbodens, ich schreib‘ wieder ein wenig, ich putze den Spiegel, die Toilette und die halbe Badewanne, dann schreibe ich wieder… und so weiter, bis die Wohnung sauber und der Blogpost fertig ist. Glaubt mir, nie produziert mein Gehirn mehr Sätze, als wenn ich mit Staubsauger, Lappen & Co. durch die Wohnung renne. Und wenn ich an einem Tag besonders ausgefeilte oder besonders viele Posts veröffentliche, könnt ihr sicher sein, dass bei Vendittis zu Hause alles blitzblank geputzt ist. Ein voller Erfolg also, dieses Faulus-Prinzip. Ich empfehle es jedem, der sich über zu viel Dreck oder zu wenig Produktivität beim Schreiben beklagt. 

Und sollte jemand jetzt überhaupt nicht verstehen, wovon ich schreibe, empfehle ich ihm ganz dringend die Lektüre von „Asterix und der Arvernerschild“. 

Schalut schuschammen!

th

 

Machtübernahme

Sie muss sich irgendwann in unser Haus geschlichen haben, vielleicht als wir mal weg waren oder zu viel um die Ohren hatten, um zu bemerken, was vor sich ging. Wie auch immer, irgendwann war sie da und fing an, sich auszubreiten. Zuerst im Vorratsraum, ab und zu steckte sie ihre Nase auch in eines der Badezimmer, wagte sich aber nie richtig über die Schwelle. Später machte sie einen kurzen Abstecher ins Dachgeschoss, zog sich jedoch bald wieder von dort zurück. Warum, weiss ich nicht. Vielleicht, weil es dort zu zugig ist im Herbst, vielleicht auch, weil sie sich mit dem Zoowärter und Luise, die dort hausen, nicht sonderlich gut versteht. Danach hielt sie sich eine Zeit lang still, vermutlich war sie eingeschnappt, weil wir ihr nicht genügend Beachtung schenkten.

Vermutlich war sie drauf und dran, uns wieder zu verlassen, doch offenbar wollte sie uns noch einen letzten Versuch starten, ehe sie sich enttäuscht aus dem Staub machte. Und dieser letze Versuch hatte es in sich: Zuerst machte sie sich im Büro zu schaffen, dann riss sie die Macht in meiner Traumküche an sich, anschliessend stürmte sie in den Eingangsraum, um dort nach den Rechten zu sehen. Gestern schliesslich ertappte ich sie in unserer Alltagsküche und es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass sie sich auch in Prinzchens Zimmer aufgehalten hat. Heute Abend nun hat sie uns mitgeteilt, dass für Samstag ein Sturm auf alle übrigen Zimmer angesagt ist und dass sie auf unsere uneingeschränkte Mithilfe zählt.

Kein Zweifel, die Ordnung hat die Macht an sich gerissen und wir haben keine andere Wahl, als zu kuschen. Und das Schlimmste daran ist: Nach anfänglichem Widerstand fange ich nun an, ihr herrisches Regime gutzuheissen und gar aktiv zu unterstützen.

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Rückeroberung

Sie war meine absolute Traumküche, entworfen nach meinen Wünschen. Riesige Arbeitsfläche, warmes Orange, der Hygiene zuliebe eine Chromstahlabdeckung, die ich täglich blitzblank polierte, ein Regal, das zumindest einen Teil meiner Kochbüchersammlung zu fassen vermochte, ein extrabreites Kochfeld und ein Regal, an dem sich Kochlöffel, Schneebesen & Co. aufhängen liessen. Die perfekte Küche also, die jedoch einen entscheidenden Nachteil hat: Sie bietet zu wenig Stauraum für grosse Futtermengen und hohe Tellerstspel. Eines Tages entschieden wir uns also schweren Herzens dazu, die Küche in der unteren Etage zu benützen, denn diese hat nicht nur einem grossen Vorratsraum, sondern auch Schränke, die fast bis zur Zimmerdecke reichen. Seit jenem traurigen Tag ging es mit meiner geliebten Küche stetig bergab:

Zuerst diente sie noch als Produktionsstätte für hausgemachte Pasta,…
….dann wurde sie zur Filiale der Kinderpost,…
….etwas später nahm „Meiner“ sie als Atelier und Werkstatt ein,…
….dann kam die Zeit, als wir dort unser schmutziges Geschirr wuschen, weil unten der Geschirrspüler kaputt war,…
….“Meiner“ streute seine Mehbotschaften….
….alles, was unten keinen Platz mehr fand, wurde oben zwischengelagert….
…..und das Schlimmste war, dass die untere Küche dabei aus allen Nähten platzte.
Ein trauriges Bild, ihr könnt mir glauben.

Heute, als ich zur Mühle fuhr, um mich mit Mehlvorräten einzudecken, fasste ich einen Entschluss: Ich will meine Küche zurückhaben. Ich will einen Raum, in dem…

…mein Sauerteig ungestört vor sich hin versauern kann.
…die Backformen so verstaut sind, dass ich sie nicht zuerst unter Schimpfen und Jammern hervorkramen muss, ehe ich backen kann.
…für jede nur erdenkliche Mehlsorte Platz ist.
…Getreidemühle und Küchenmaschine jederzeit einsatzbereit herumstehen dürfen.
…leere Einmachgläser ihren Schrank haben, in dem sie herumstehen dürfen, bis sie wieder gefüllt werden.
…die Teigwarenmaschine wieder gebraucht wird.
…keiner meine Küchenutensilien als Spielzeug missbraucht.
…ich meinen im Familienalltag krampfhaft unterdrückten Perfektionismus ungehindert freilassen kann, ohne dass er den anderen auf die Nerven fällt.
…Familie und Gäste am Tisch sitzen und sich mit mir unterhalten können, währenddem ich den Teig knete.

Fragt mich nicht, woher ich die Energie dazu genommen habe, aber irgendwie habe ich es geschafft, mit der Rückeroberung meiner Küche nicht nur anzufangen, sondern sie auch fast abzuschliessen. Noch gibt es einige Dinge zu verstauen, der Boden muss mich geputzt und ein paar Kleinigkeiten müssen noch angeschafft werden. Dann wird sie wieder mein sein, die Küche, die einst nach meinen Wünschen entworfen wurde. Mich dünkt, ich hätte mir nicht bloss meine Küche zurückerobert, sondern auch einen Teil meiner selbst, ein Teil, der in den vergangenen turbulenten Jahren kaum Gelegenheit hatte, sich bemerkbar zu machen.

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