Mein lieber Regen…

Natürlich habe auch ich dich herbeigesehnt und ich will ja nicht grundsätzlich an deinem Erscheinen herummäkeln. Ich gehöre nämlich zu der altmodischen Sorte Mensch, die im Klimawandel durchaus auch bedrohliche Seiten sieht und sich darum nicht grenzenlos über eitel Sonnenschein freut. Aber dir ist ja hoffentlich schon klar, dass du mir einen Haufen pädagogischer Floskeln hättest ersparen können, wenn du noch ein paar Tage zugewartet hättest? Ich meine, jetzt, wo die Heidelbeeren ohnehin schon vertrocknet und die Wiesen braun sind, wäre es darauf auch nicht mehr angekommen. Ja, klar, dieser Anblick schmerzt, aber glaubst du wirklich, die Sache mit dem Feuerwerk sei weniger schmerzhaft? 

Hättest du, mein lieber Regen, dich nur noch ein ganz klein wenig zurückgehalten, dann hätte ich dieses eine Mal das alljährlich zum 1. August wiederkehrende Gebettel nach Feuerwerk mit einem müden Schulterzucken und einem „Sorry, Kinder, Waldbrandgefahr, Feuerwerksverbot“ abtun können. Darüber hätten sich nicht nur mein Portemonnaie und ich gefreut, auch die Natur und die zahlreichen gestressten Haustiere wären überaus glücklich gewesen. Und jetzt muss ich mir doch allen Ernstes überlegen, wie ich mich dieses Jahr wieder aus der Affäre ziehe, ohne als die ewige Spielverderberin dazustehen, die ihren Kindern nie, aber auch gar nie ein klein wenig umweltschädigenden Spass gönnen mag. Wetten, mein lieber Regen, ohne irgend so eine dämliche Mehrfachpackung, die nach viel mehr aussieht als sie tatsächlich zu bieten hat, werde ich wieder nicht davonkommen. 

Nein, komm mit jetzt bitte nicht mit dem Geschwätz von „So viele Tropfen habe ich ja gar nicht fallen lassen, die Waldbrandgefahr ist weiterhin hoch genug…Bla bla bla…“ Glaubst du wirklich, unsere Kinder liessen sich damit abspeisen? Die wissen doch genau, dass es von hier bis zum Wald weiter als 200 Meter sind, dass uns offiziell also keiner verbieten wird, Feuerwerk zu zünden. Wie, du meinst, ich solle die Sache mit den 200 Metern verheimlichen? Die Knöpfe halt eiskalt anlügen und behaupten, der Kanton habe die Ballerei verboten? Wie, bitte sehr, soll ich das anstellen, jetzt, wo sogar schon das Prinzchen Zeitung liest? Und dort werden sie morgen ganz bestimmt in den höchsten Tönen jubeln, der Nationalfeiertag sei – einem kleinen bisschen Regen sei Dank – gerettet. 

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Schwimmbadmenschen

An kaum einem anderen Ort zeigen sich die Menschen so ungeschminkt wie im Schwimmbad. Die folgenden Exemplare haben es mir besonders angetan:

  • Die kleine Nervensäge: Dieses Kind, das dein Kind auf dem Schulweg fast täglich zum Heulen bringt, das unablässig nach Wegen sucht, ihm eins auszuwischen und keine Mühen scheut, ihm das Leben schwer zu machen. Jetzt aber, während der hochsommerlichen Spielkameradenknappheit, heftet es sich an die Fersen deines Kindes, kaum hat es das Drehkreuz am Schwimmbadeingang passiert. Interessant, wie toll es sich plötzlich mit deinem Kind zu unterhalten weiss. Interessant aber auch, wie es schmollen kann, wenn dein Kind mal keine Lust hat, nach seiner Pfeife zu tanzen und stattdessen Zeit mit seiner Familie verbringt. 
  • Das Kiosk-Ekel: Egal, wie selten du dich zum Kiosk verirrst, er ist immer dort. Mal beklagt er sich, die Pommes Frites seien zu kalt, mal schimpft er über unerträglich lange Wartezeiten und wenn er ausnahmsweise keinen Grund zum Meckern findet, belästigt er das Personal mit sexistischen Sprüchen. Ein richtiger Schatz also, den man einfach gern haben muss. 
  • Die Lederhaut: Irgendwann, so etwa in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, hat ihr jemand gesagt, wie unglaublich sexy sonnengebräunte Haut sei und seither verpasst sie keine Gelegenheit, sich in der Sonne zu rösten. Für eine möglichst streifenfreie Bräune muss der Badeanzug knapp bis inexistent sein, Kettenrauchen unterstützt die regelmässige Faltenbildung. Das Schwimmbecken meidet sie ebenso konsequent wie die Warnbroschüren, die ihr nun schon seit gut zwanzig Jahren die Freude am Sonnenbaden vermiesen wollen. 
  • Die „Ich treibe mich bestimmt nicht im Babybecken rum“-Mama: Sie glaubt doch allen Ernstes, sie könnte sich ersparen, was wir alle über uns haben ergehen lassen müssen: Die quälenden Stunden am seichten Wasser, das nicht allein von der Sonneneinstrahlung so warm werden konnte, wie es ist. Mit Vorliebe planscht sie mit ihrem Baby im Auffangbecken vor der Rutschbahn, natürlich in Begleitung anderer Mamas ihrer Sorte, denn sonst würde sie den aktuellen Tratsch verpassen. Hier ist sie der glücklichste Mensch auf Erden, zumindest solange keines jener grässlichen Schulkinder angerutscht kommt und ihrem kleinen Liebling rücksichtslos Chlorwasser ins Äuglein spritzt. 
  • La Famiglia: Sie besteht aus Mama, Papa, Nonno, Nonna und Kleinkind, das – mit Schwimmreifen, Schwimmflügel, Schwimmweste und Badenudel ausgestattet -, davon überzeugt werden soll, dass Wasser eine wunderbare Sache ist. Nach etwa einer halben Stunde und zahlreichen „Attenzione!“- und „Bravo!“-Rufen ist endlich der kleine Zeh im Wasser, diese Erfahrung ist aber meist so erschreckend, dass nur eine grosse Portion Pommes Frites mit ganz viel Ketchup den Schock lindern kann. (La Famiglia muss übrigens nicht zwingend aus Europas Süden stammen, ich beschreibe hier lediglich das aktuellste Drama dieser Art, das sich vor meinen Augen abgespielt hat.)
  • Der Opa: Er holt nach, was er bei seinen Kindern verpasst hat und zwar mit vollem Einsatz. Mit der Ernsthaftigkeit eines Offiziers unterweist er seine Enkel in der Kunst des Schwimmens, Tauchens und Springens, seine mit kräftiger Stimme vorgetragenen Anweisungen sind im ganzen Schwimmbad zu vernehmen. Wer es wagt, das Exerzieren zu stören, bekommt den Kasernenhofton zu hören. 
  • Die alternde Statue: Das männliche Pendant zur Lederhaut. Verbringt gleich viel Zeit an der prallen Sonne wie seine Kollegin, ist aber gewöhnlich Nichtraucher und bis in die letzte Faser seines Körpers durchtrainiert. Da liegt er in knapper Badehose an der Sonne, um der Menschheit zu zeigen, dass Alter und Fitness einander nicht ausschliessen. Fragt sich bloss, wo er sich seine gestählten Muskeln holt, wo er sich doch nur bewegt, um sich vom Bauch auf den Rücken und ein paar Stunden später wieder zurück zu drehen. 
  • Die Poolside-Mama: Um nichts in der Welt würde sie ihren Nachwuchs, der schon längst schwimmen kann, aus den Augen lassen, aber nass werden geht nicht, denn sonst könnte die Frisur leiden, oder der Nagellack oder sonst irgendwas. Also sitzt sie mit Leidensmiene neben dem Schwimmbecken, sorgsam darauf bedacht, nicht einen einzigen Spritzer Wasser abzubekommen, wenn Söhnchen oder Töchterchen ins Wasser hüpft. 
  • Tussi in the making: Von frühester Kindheit an hat ihr die Mama weis gemacht, dass es im Leben einzig und alleine darauf ankommt, die Aufmerksamkeit eines männlichen Wesens – und sei dieses noch so mittelmässig – zu erheischen und jetzt ist sie endlich kurvig genug, um es ihrer Mama gleichzutun. Falls der knappe Bikini, der provokative Hüftschwung und das Dauerkreischen ihre Wirkung verfehlen, gibt sie schon mal vor, die Wasserströmung habe ihr das Höschen ausgezogen, um endlich die Neugierde eines am Beckenrand lauernden Aufreissers in the making (siehe unten) zu wecken.
  • Aufreisser in the making: Von frühester Kindheit hat der Papa ihm weisgemacht, dass es im Leben einzig und alleine darauf ankommt, die Aufmerksamkeit eines weiblichen Wesens – und sei dieses noch so mittelmässig – zu erheischen und jetzt ist er endlich muskulös genug, um es seinem Papa gleichzutun. Falls der gestählte Body, das gockelhafte Getue und die grenzwertigen Sprüche ihre Wirkung verfehlen, muss er manchmal auch ein wenig grabschen, um endlich eine Tussi in the making zu angeln. 
  • Die Kaffeetante: Keine Ahnung, warum sie im Schwimmbad ist, denn eigentlich tut sie den lieben langen Tag nichts anderes, als mit ihren Freundinnen zu quatschen und Kaffee zu trinken, meistens sogar angezogen. Mit dem Geld, das sie am Schwimmbadkiosk liegen lässt, könnte sie sich locker drei Wochen Luxusferien in der Karibik leisten. 

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Das war so…

Zuerst schrammten wir haarscharf an einem Krach vorbei. Er wollte nicht, was ich wollte, ich wollte nicht, was er wollte und natürlich brachte er es nicht übers Herz, zu gestehen, dass meine Idee viel besser war als seine. Dann schrieb ein Freund vom Schwimmen in der Aare, mir kam das alte, aber wunderbare Velo in den Sinn, das „Meiner“ mir neulich geschenkt hat und der Fall war klar: Velofahrt in die Stadt, Frühstück im Strassenkaffee, auf dem Heimweg ein Bad im Aarekanal und dann würden wir weitersehen. Der Krach war abgewendet, das Frühstück war nett, am Ende waren wir so versöhnt, dass er mir das Velo am Ufer entlang schob, währenddem ich im Aarekanal schwamm. 

Tja, und dann…also, das ist mir jetzt fast ein wenig peinlich….ich meine, so etwas sollte man wirklich nicht tun, aber wir konnten einfach nicht anders….wir waren ganz und gar machtlos….es zog uns förmlich dorthin. Ein paar Stunden Hamam und Sauna mussten einfach sein. Und ehe ihr euch jetzt voller Entsetzen an die Stirn greift, lasst euch gesagt sein, dass meine ozongeplagte Asthmatikerlunge seit Wochen nicht mehr so glücklich war wie heute nach der Sauna. 

Ach ja, „Meiner“ und Karlsson haben sich übrigens dazu entschieden, die Unterschrift für echt zu halten. Somit wäre die Sache mit dem Lohn geregelt. 

Und das Prinzchen möchte jetzt lieber Karlssons Sohn sein, weil es mit dem so viel mehr Spass macht. 

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Kinderfrei-Dilemma

Noch nie war es so einfach, kinderfrei zu bekommen. Nummer zwei, drei und vier sind im Jungscharlager, also war nur eine kurze Lohnverhandlung mit Karlsson erforderlich, um die Prinzchenbetreuung zu regeln. Karlssons Bedingungen: Der Stundenlohn – der auf gar keinen Fall unter dem liegen darf, was wir vor Jahren einem grottenschlechten Babysitter bezahlt haben -, sollte vorzugsweise in Naturalien ausbezahlt werden. Er hat da nämlich neulich bei eBay eine von der heiligen Edith signierte Single aufgestöbert, deren Preis den Rahmen des Taschengeldes sprengt. Wir müssen nur noch herausfinden, ob die Unterschrift wirklich echt ist. (Himmel, in welchem Erziehungskurs bereiten sie dich auf so etwas vor? Was man mit widerspenstigen Trotzköpfen anstellt, das sagen sie dir, aber keiner erklärt dir, wie du das Gekritzel einer verblichenen Chansonnière auf seine Echtheit überprüfst. Dabei kann es durchaus eine mittelgrosse familiäre Krise auslösen, wenn du nur dämlich sagst: „Also, da kann ich dir jetzt wirklich nicht weiterhelfen. Vielleicht ist die Unterschrift echt, vielleicht auch nicht. Auf alle Fälle finde ich das Ding ganz schön teuer.“) 

Nun, wie dem auch sei, wir haben morgen kinderfrei und das Prinzchen freut sich wie verrückt darauf, mal einen ganzen Tag ohne uns, dafür alleine mit Karlsson, dem grossen Bruder, den er ähnlich vergöttert wie dieser die kleine Sängerin aus Paris, zu verbringen. Blöd ist einfach, dass „Meiner“ und ich keine Ahnung haben, was wir morgen anstellen sollen. Gewöhnlich müssen wir ja keine Sekunde überlegen, denn in unserem Wortschatz lautet das Synonym für „kinderfrei“ schlicht und einfach „Saunatag“. Aber Sauna, wenn es draussen wärmer ist als in der Schwitzhütte? Sowas kommt nicht mal uns in den Sinn. Der freie Tag lässt sich aber auch nicht einfach auf kühlere Zeiten verschieben, denn a) weiss kein Mensch, ob die je wieder kommen, b) kommen Nummer zwei, drei und vier am Samstag wieder zurück und Karlsson wird ganz bestimmt nicht auf die ganze Truppe aufpassen und c) würde er uns wegen Vertragsbruchs anklagen, wenn wir morgen früh sagten: „Wir bleiben nun doch lieber zu Hause…“

So sind wir also gezwungen, uns ein Alternativprogramm auszudenken. „Meiner“ hat vorhin etwas von „wandern zwischen Gewässern“ gebrabbelt. Ich habe vorerst mal mit einem zweideutigen „Hmmmm“ geantwortet, aber wenn ich nicht ganz schnell eine bessere Idee liefere, muss ich mir am Ende noch eine handfeste Ausrede ausdenken und dafür ist es eindeutig zu heiss. Vorschläge sind also willkommen. (Aber bitte nicht zu teuer, Karlssons Stundenlohn ist nämlich nicht ganz ohne. Der Babysitter von damals war eindeutig überbezahlt…)

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Du denkst doch dran, Mama?

Das Prinzchen im Fünfminutentakt: 

„Nicht vergessen, Mama, wir müssen noch Turnzeug kaufen für mich. Für die Schule, weisst du.“

„Denkst du dran, dass ich noch Bleistifte brauche vor dem ersten Schultag?“

„Mama, weisst du denn eigentlich, an welchem Tag die Schule beginnt? Nicht dass wir den ersten Tag verpassen.“

„Du hast nicht vergessen, dass die Turnschuhe keine schwarzen Sohlen haben dürfen, nicht wahr?“

„Aber wir haben ganz bestimmt noch genügend Zeit, alles zu besorgen, bevor die Schule beginnt, oder?“ 

„Haben wir einen wasserdichten (sic!) Stift? Wir müssen ja noch alles anschreiben. Nicht vergessen, gell Mama…“

„Eine Schachtel sollte ich noch haben. Reicht es, wenn wir sie nächste Woche kaufen, oder hat die Schule dann schon angefangen?“

„Meine Schulsachen sind alle schon gepackt. Also ja, alles, was ich schon habe. Du denkst doch dran, dass ich noch nicht ein paar Sachen brauche? Ich will wirklich alles dabei haben, wenn die Schule anfängt…“

Mein liebes Prinzchen, du denkst doch nicht etwa, ich würde so etwas Wichtiges wie deinen ersten Schultag verpassen? Und überhaupt: Du weisst doch, dass ich nun schon seit vielen Jahren deine Geschwister durch die Schulzeit begleite und in solchen Dingen ein alter, erfahrener Hase bin, auf den man sich blind verlassen kann. Oder willst du etwa behaupten, ich hätte bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter jemals nur den klitzekleinsten Papierschnipsel vergessen? 

(Wie, hat da einer gelacht? Vielleicht sogar ein Lehrer?)

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Ja, mein Prinzen,

Ausschlafen im Hause Venditti

Mit nur zwei Kindern im Haus könnte man mal so richtig ausschlafen, finde ich.

„Meiner“ findet das auch, darum verlässt er das Bett erst irgendwann zwischen Morgengrauen und halb acht.

Prinzchen findet das auch und schläft deshalb, bis es wirklich nicht mehr anders geht, also so bis gegen Mittag.

Karlsson findet das auch und tigert deshalb ab sechs Uhr so leise wie möglich durchs Haus, ringt gegen seinen inneren Drang, in die Tasten zu hauen und setzt sich dann pünktlich um neun ans Klavier, um endlich die Edith rauszulassen. 

Um fünf nach neun komme ich mit Brummschädel und mieser Laune aus dem Bett getorkelt. „Kann man in diesem Haus eigentlich nie ausschlafen?“, grummle ich und mache mich an der Kaffeemaschine zu schaffen. „Aber du hast doch ausgeschlafen“, protestieren „Meiner“ und Karlsson im Chor und das Prinzchen, dieser miese Verräter, schnarcht einfach weiter, anstatt sich auf meine Seite zu stellen und zu sagen, dass es doch einfach auf keine Kuhhaut geht, die Leute zu solch unchristlichen Zeiten aus dem Bett zu werfen. 

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Fundstücke

Was tut die Bloggende, wenn ihr in der Hitze des Sommers die Ideen ausgehen, sie aber ganz genau weiss, dass manche Menschen sich ernsthafte Sorgen machen, wenn sie mehr als zwei Tage hintereinander nichts von sich vernehmen lässt? Na, was wohl? Sie schaut nach, mit welchen Suchbegriffen sich die Leute auf ihre Seite verirren und findet Folgendes: 

  • „Teenager keine sauberen Kleider“ – Also, ich würde es mal mit der Waschmaschine probieren. Aber vielleicht geht es ja eher um die Frage, wie man einen Teenager überhaupt dazu bringt, die schmutzige Wäsche aus dem Zimmer freizugeben, zu dem die Eltern keinen Zutritt haben. In diesem Fall ist Geduld gefordert, denn nach meiner Erfahrung werden die Kleider erst aus der Geiselhaft entlassen, wenn wirklich gar nichts Sauberes mehr da ist. Man sagt, manche Teenager würden unter diesem extremen Druck sogar auf wundersame Weise die Bedienung der Waschmaschine erlernen, allerdings erst, nachdem sie ihren Erzeugern vorgehalten haben, sie würden sich nie, aber auch gar nie um die Wäsche kümmern. 
  • „wan sind kinder aus dem gröbsten raus“ – Also zuerst müssten wir natürlich mal definieren, was „das Gröbste“ ist, aber ich nehme an, die arme Person, die aus lauter Verzweiflung nicht mal mehr in der Rechtschreibung Halt fand, wollte wissen, wann das endlich ein Ende nimmt mit diesem Affentheater und darauf kann ich nur antworten: Es nimmt kein Ende. Sobald deine Kinder halbwegs vernünftig sind, wirst du selbst auf einmal anstrengend, oder deine Schwiegermutter tut schwierig, oder dein Partner will plötzlich einen Fahrraddress und Dauerwellen, oder der verschollen geglaubte Grossonkel taucht auf und will bei euch einziehen, oder… Kurz: Einer spinnt immer und darum versuchst du am besten, das alles mit Humor zu nehmen, dann ist „das Gröbste“ auch gar nicht mehr so schlimm. 
  • „geschaftdtuchtig“ – Die Person ist offensichtlich nur bei mir gelandet, weil die Suchmaschine dieses Buchstabenkonstrukt nicht als das Wort „geschäftstüchtig“ erkannt hat. Über Geschäftstüchtigkeit lernt man bei mir nun wirklich nichts, denn wenn mir eines nicht liegt, dann ist es, die Dinge zu Geld zu machen, die mir liegen. 
  • „mein tochter eine auge gross als die linke“ – Also, wenn der Grössenunterschied nicht allzu markant ist, würde ich mir da keine Sorgen machen, aber ich bin natürlich keine Expertin. 
  • „Gummistiefel auf dem Schulweg tragen“ – Spricht etwas dagegen? 
  • „Wann ist Burrata schlecht“ – Nie! Burrata ist immer gut. Es sei denn, sie wäre verdorben und dann riecht man das auch. 
  • „Bekomme ich Schnupf im Tamar“ – Also, das würde mich jetzt wirklich auch interessieren. Kann da jemand weiterhelfen? 
  • „Wird sie in einem Elternbrief gross geschrieben“ – Aber natürlich! Es sei denn, Sie schreiben über sie, dann schreiben Sie „sie“ klein. 
  • „Wie schlagen in Süditalien die Kirchenglocken“ – Auch eine interessante Frage, aber da ich gerade nicht das geringste Bedürfnis verspüre, nach Süditalien zu reisen, reiche ich sie grosszügig weiter. 
  • „Käfer im menschlichen Darm“ – Ja, ich weiss, ich schreibe immer mal wieder gerne über die lieben kleinen Käferlein, die uns regelmässig heimsuchen, aber das muss man nicht so wörtlich nehmen. Also keine Maikäfer und so. 
  • Papa Moll Bedeutung“ – Wie jetzt, der hat eine tiefere Bedeutung? Der ist gar nicht so oberflächlich und bünzlig, wie ich immer gemeint habe? 
  • „high effekt lunch break“ – Tut mir leid, da kann ich nicht dienen. Mein „lunch break“ hat einzig den „effekt“, dass ich danach ganz dringend ein Mittagsschläfchen halten will und ich glaube nicht, dass das als „high effekt“ durchgeht. 
  • „putzen in Griechenland javel“ – Echt jetzt, ich glaube, in Griechenland haben sie derzeit andere Sorgen. 
  • „grose bose alte hexe“ – Jetzt mal langsam! Erstens bin ich nicht gros, als besonders bose bin ich auch nicht bekannt, alt bin ich einzig in den Augen meiner Kinder und eine Hexe bin ich meines Wissens auch nicht, also hör gefälligst auf, mich zu beleidigen. 
  • „Smartieskuchen Kinder“ – Wie oft muss ich noch sagen, dass ich keine Smartieskuchen backe? Und ihr sollt gefälligst auch endlich damit aufhören, wenn ihr nicht wollt, dass den Lehrern eurer Kinder das Zeug irgendwann aus den Ohren kommt, weil die Kinder nie etwas anderes mitbringen. 
  • „beautiful finditti“ – Find ich irgendwie noch fitzig, äääähm, ich meine witzig. 
la collina; prettyvenditti.jetzt

la collina; prettyvenditti.jetzt

Er ist doch noch so klein…

Langsam wird’s mir wirklich ein bisschen viel mit diesen Meilensteinen. Letzte Woche schloss das Prinzchen den Kindergarten ab und beendete damit die zehnjährige „Vendittis im Kindergarten“-Ära. Luise sagte der Primarschule Adieu und ist mir zugleich über den Kopf gewachsen. Also, ich meine jetzt, von der Grösse her, sonst Gott sei Dank noch nicht, auch wenn sie es immer mal wieder probiert. Und Karlsson fängt auch schon an, sentimental zu werden, weil „diese Schulzeit ja wirklich so furchtbar schnell vorbeigegangen ist. Ein Jahr nur noch…“ Als ob das alles für eine Gefühlsduselige wie mich nicht ausreichen würde, reist Zoowärter morgen zum ersten Mal ins Jungscharlager. Zoowärter? Jungscharlager? Spinnen die denn? Der Kleine ist doch erst….also ja….ich meine, alt genug ist er schon, und klein ist er ja auch nicht, aber er ist doch wirklich noch nicht so richtig….wie soll ich sagen? Also verglichen mit Karlsson ist er doch noch ein Zwerg und ganz bestimmt nicht reif fürs Lager. Ja, ja, ich weiss, vom Jahrgang her stimmt das schon, aber….

Ach, was soll’s? Ich kann vor mich hin brabbeln, so viel ich will, kann versuchen, irgendwie zusammenzrechnen, wo denn die Zeit geblieben ist. Aber das ändert auch nichts an der Tatsache, dass jene recht hatten, die damals, als die jetzt schon fast Grossen noch klein waren, prophezeiten, die Zeit mit Kindern würde wie im Flug vergehen.

Na ja, immerhin ist dem Zoowärter vor dem Jungscharlager-Meilenstein fast noch mulmiger als mir.

(Himmel, das ist doch kein Trost! Ich weiss ja nur zu gut, wie sich der Arme die Seele aus dem Leib heult, wenn er traurig ist und was wird dann, wenn er so richtig Heimweh bekommt?)

mangiare uno; prettyvendittti.jetzt

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Was mir an der Hitze gefällt

Kaum ist sie da, zieht alle Welt über diese arme Hitze her. Dabei hat sie doch auch ihre guten Seiten. Zum Beispiel:

  • Abends um halb neun sind die Kinder so geschafft, dass sie sich trotz Sommerferien und Helligkeit widerstandslos ins Bett verfrachten lassen.
  • Keiner kann dich dazu zwingen, mit den Kindern ins Schwimmbad zu gehen. Viel zu gefährlich, bei diesen Ozonwerten draussen zu sein. 
  • Putzen? Viel zu heiss! Jäten? Viel zu heiss! Kochen? Viel zu heiss! 
  • Wer seinem Computer ein verantwortungsvoller Arbeitgeber sein will, sieht sich geradezu gezwungen, ihm tagsüber hitzefrei zu geben. 
  • Nie blubbert der Sauerteigansatz schneller und schöner, als wenn es rund um die Uhr heiss ist. (Okay, ich will gar nicht dran denken, dass aus diesem Sauerteig in ein paar Tagen im 250 Grad heissen Ofen ein Brot werden soll…)
  • Der Wäscheberg schmilzt dahin, wie Eis an der Sonne, weil das Zeug trocken ist, kaum hast du es aufgehängt. 
  • Keiner jammert über Dauerregen.
  • Keiner kann dir am nächsten Morgen einen Vorwurf machen, wenn du dir die halbe Nacht Filme reingezogen hast. Hättest ja doch nicht schlafen können bei dieser Hitze, ein Schlafmanko hättest du dir also ohnehin zugezogen. 
  • Das altbekannte Klagelied der Eltern, das da heisst „Im Juni war das Wetter traumhaft und jetzt, wo endlich die Ferien da sind, giesst es andauernd wie aus Kübeln“ wird dieses Jahr nicht gesungen.
  • Der eine oder andere fängt vielleicht doch noch damit an, die Sache mit dem Klimawandel ernst zu nehmen.

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Interkultureller Dialogversuch, Teil IV

Vorbemerkung: Wie immer, wenn ich einen Einblick in die nicht immer ganz erfolgreiche Kommunikation mit der italienischen Verwandtschaft gewähre, ist auch dieser Beitrag nicht wertend zu verstehen. Er soll einfach zeigen, wie man auch nach Jahren noch grandios aneinander vorbei reden kann.

Am Gespräch beteiligt: „Meiner“ und Schwiegermama (der es momentan übrigens den Umständen entsprechend etwas besser geht). Ausserdem wäre noch anzumerken, dass es sich um ein Telefongespräch handelte.

Schwiegermama: „Wo ist deine Frau?“

„Meiner“: „Im Schwedischkurs.“

Schwiegermama: „Lernt sie immer noch Schwedisch?“

„Meiner“: „Ja.“

Schwiegermama: „Warum lernt sie immer noch Schwedisch?“

„Meiner“: „Weil es ihr Freude macht.“

Schwiegermama: „Aber warum?“

„Meiner“: „Nun, es gibt Menschen, die gerne malen, andere gehen in einen Chor und meine Frau lernt gerne Schwedisch.“

Schwiegermama: „Wie lange will sie denn noch Schwedisch lernen?“

„Meiner“: „Solange, wie es ihr Freude macht.“

Schwiegermama: „Aber warum?“

„Meiner“: „Weil sie gerne Sprachen lernt. Und weil sie sich in den Ferien mit den Leuten verständigen will.“

Schwiegermama: „Aber warum denn?“

„Meiner“: „Damit sie ein schwedisches Buch lesen kann.“

Schwiegermama: „Es wäre besser, sie würde sich ein wenig bewegen.“

„Meiner“: „Was willst du damit sagen?“

Schwiegermama: „Dann werden die Beine und Arme länger.“

„Meiner“: „Und was soll das jetzt genau heissen?“

Schwiegermama: „Bewegung ist für alle gut!“

„Meiner“: „Genau, darum bist du auch gleich in den Turnverein eingetreten, als ich es dir damals vorgeschlagen habe.“

Schwiegermama: „Was habt ihr heute gegessen?“

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