Sonst noch irgendwelche Fragen?

Ja, wir haben ein Baugesuch eingereicht.

Ja, die Garage kommt weg.

Ja, es soll ein neues Gewächshaus geben.

Nein, wir brauchen dazu keinen Bagger.

Nein, auch keinen Kran.

Erst recht keinen Architekten.

Und auch keinen Bauführer.

Nein, Sie dürfen uns keine unverbindliche Offerte zusammenstellen.

Nein, wirklich gar nicht.

N-E-I-N!!!

Den lieben langen Tag geht das so und das alles nur, weil man hierzulande einen Schandfleck wie unsere Garage nicht ohne Bewilligung beseitigen darf. 

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Natürlich hätte es etwas gebracht

Unser Parlament findet es bekanntlich nicht nötig, dass Väter nach der Geburt ihrer Kinder zwei Wochen zu Hause bleiben dürfen und weil das nicht alle verstehen wollen, tönt es jetzt aus der Ecke, aus der die Mehrheit der Parlamentarier kommt, ein Baby brauche in den ersten Wochen vor allem seine Mutter, ein Vater könne da nicht viel ausrichten, also brauche er keinen Urlaub. Es ist zwar eine Weile her, seitdem ich zum letzten Mal mit einem frisch geschlüpften Baby alleine zu Hause war, aber es fallen mir durchaus ein paar Dinge ein, die „Meiner“ hätte ausrichten können, wenn er die zwei Wochen Urlaub gehabt hätte. Zum Beispiel:

  • Mütterlichen Kohldampf verhindern
  • Futternachschub besorgen
  • Eine oder zwei Stunden ungestörten Schlaf ermöglichen
  • Miterleben, wie viel Einsatz nötig ist, um diesem winzigen, zerbrechlichen Geschöpf zu geben, was es braucht
  • Die unzähligen kleinen und grossen Unsicherheiten der ersten Tage mittragen
  • Schreiphasen-Schichtwechsel

Und noch zwei- oder dreihundert Kleinigkeiten mehr. Bei mir hätten diese „Kleinigkeiten“ dazu beigetragen, den einen oder anderen Heulkrampf, die eine oder andere Brustentzündung, den einen oder anderen Notfalleinkauf mit schreiendem Baby zu verhindern. 

Nicht viel? Von wegen! Ein sanfterer Start in die neue Familiensituation wäre der Himmel auf Erden gewesen. Für alle Beteiligten.

(Nein, er hätte nicht gekonnt, wenn er gewollt hätte, denn er ist Lehrer. Und die Frage, ob läppische zwei Wochen genug gewesen wären, wollen wir lieber nicht aufwerfen. Soweit sind wir hierzulande in hundert Jahren noch nicht.)

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Karlsson kauft…

….äääähm, also eigentlich hätten es Kleider sein sollen, aber in den Geschäften gibt’s ja nichts Stilvolles. Und man könnte das Geld ja auch für viel bessere Dinge ausgeben. Na ja, ein paar Sachen sollte man schon im Schrank haben, also leistet er sich zwei T-Shirts. Eine Hose bräuchte er auch noch. Aber noch einmal in ein Kleidergeschäft? Wäre doch reine Zeitverschwendung,  wo doch auf der anderen Strassenseite die Buchhandlung liegt. Dann eben keine Hose, dafür ein Buch. Ein Schinken über ein historisches Thema. Die Hose muss warten, denn die Lektüre ist wichtiger.

Der Junge wird mir immer sympathischer.

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Flüchtiges Hochgefühl

Für alle, die noch heute gelb vor Neid sind, weil ich gestern Zeugin eines einzigartigen kosmischen Phänomens sein durfte: Wenn ein grosser Wunsch in Erfüllung geht, folgt darauf meist eine abgrundtiefe Leere. Irgend etwas fehlt einfach, wenn man, nachdem die Setzlinge im Garten versorgt und die Briefe aus dem Briefkasten geholt sind, auf dem Rückweg in die Wohnung nicht noch schnell bei der Wäsche vorbeischauen darf. Wenn nichts Nasses in der Maschine ist, nichts Schmutziges auf dem Fussboden und nichts Trockenes auf der Leine, fühlt man sich einfach irgendwie seines Lebensinns beraubt.

Ich weiss, ihr, die ihr noch nie eine totale Wäschefinsternis erlebt habt, könnt euch das nicht vorstellen, aber so ist es wahrhaftig. Und so beruhigt es mich, dass es bei uns heute wieder so aussieht (Jawohl, so schnell geht das mit den Wäschebegphasen.):

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Seltenes Phänomen

Es gibt kosmische Ereignisse, die von solcher Seltenheit sind, dass die Menschheit einen Moment lang ergriffen den Atem anhält, wenn sie auftreten. Ein solches Schauspiel ereignete sich heute, an diesem ganz gewöhnlichen – wenn auch für die Jahreszeit etwas kühlen – Mittwochvormittag. Obschon das Ereignis bereits am Sonntag seine Schatten vorausgeworfen hat, haben es die Medien leider versäumt, die Weltöffentlichkeit rechtzeitig vorzuwarnen, so dass ich die einzige Augenzeugin der wunderbaren Vorgänge blieb, weshalb es nun meine Aufgabe ist, der Nachwelt davon zu berichten. 

Im Kellergeschoss eines bestimmten Hauses im solothurnischen Schönenwerd herrschte heute zwischen 08:56 und 11:23 eine totale Wäschebergfinsternis. Dieses höchst seltene Phänomen tritt an Orten auf, wo sich üblicherweise ein Wäscheberg erhebt, der sich in seinem Zu- und Abnehmen nur insofern vom Mond unterscheidet, als seine Phasen einem weniger starren Muster folgen. Ähnlich wie beim Mond kommt es auch beim Wäscheberg hin und wieder zu einer totalen Finsternis, allerdings weit seltener. Eine Wäschebergfinsternis zeichnet sich aus durch eine totale Abwesenheit von Schmutzwäsche an dem Ort, an dem sich üblicherweise der Berg erhebt. Diese Finsternis ist so total, dass sich sogar unter Zuhilfenahme der modernsten Messgeräte keine Spur des Gebirges mehr nachweisen lässt. 

Der Anblick dieses Schauspiels ist so erhebend, dass Menschen, die das Privileg haben, ihm beizuwohnen, von unbeschreiblichen Glücksgefühlen erfüllt werden. Manche geraten darob gar in Ekstase und versteigen sich in den Wahn, das ganze Universum sei ein für alle Mal befreit von Schmutzwäsche. Dies hat sich bisher leider stets als Irrtum erwiesen und auch im Kellergeschoss des besagten Hauses deuteten kurz vor Mittag erste Anzeichen auf eine erneute Wäschebergzunahme hin.

Das Glücksgefühl, das ich als einzige Zeugin dieses kosmischen Phänomens empfunden habe, wirkt allerdings noch immer nach, so dass ich derzeit der festen Überzeugung bin, durch eine Haushaltführung, die sich streng nach den Wäschebergphasen richtet, liesse sich ein übermässiges Anwachsen des Gebirges verhindern.

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Alles nur faule Säcke?

Bundesrat Schneider-Ammann fordert härtere Massstäbe für die Matur und wie immer, wenn das Thema zur Sprache kommt, sind in der „NZZ am Sonntag“ solche Dinge zu lesen:

„Schluss mit Durchwursteln“

„Einsatz ist auch dort nötig, wo es unter Umständen weniger Spass macht und härter ist.“

„Eine entsprechend reife Einstellung darf von jungen Menschen erwartet werden, die das Reifezeugnis anstreben.“

Ja, eine reife Einstellung sollte man tatsächlich erwarten dürfen, aber die Behauptung, es liege immer nur an mangelndem Fleiss und Einsatzwillen, wenn jemand in einem Fach schlecht abschneidet, wird nicht wahrer, wenn man sie andauernd wiederholt. 

Noch nie etwas von Teilleistungsstörungen gehört? Von Menschen zum Beispiel, die zwar vom Intellekt her alles mitbringen, was man zum Erlangen einer Matura braucht, die aber im Bereich der Wahrnehmung beeinträchtigt sind und darum in ihrer Schullaufbahn Hürden überwinden müssen, die sich anderen Menschen nie in den Weg stellen?

„Nun reg dich nicht gleich so auf. Solche Schüler bekommen doch jede nur erdenkliche Hilfe. Die kriegen das schon irgendwie auf die Reihe“, mag nun der eine oder andere einwenden, aber genau dies bezweifle ich. 

Für Kinder, die zwar intelligent sind, die aber aufgrund einer Beeinträchtigung grosse Mühe haben, die Dinge so zu lernen, wie sie an unseren Schulen gemeinhin unterrichtet werden, ist es hierzulande ziemlich schwierig, Hilfe zu bekommen. Das weiss ich nicht nur vom vielen Hörensagen, sondern auch aus eigener Erfahrung mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten. Wer nicht genau so „funktioniert“, wie unser Schulsystem dies vorsieht, läuft schnell einmal Gefahr, auf dem Abstellgleis zu landen, unabhängig davon, wie intelligent er oder sie ist.

Man darf von mir aus gerne darüber nachdenken, wie man faule Schüler davon abhält, sich durchs Gymnasium zu wursteln, aber dann sollte man sich zugleich die Frage stellen, wie Menschen, die eben nicht faul, sondern in einem bestimmten Bereich beeinträchtigt sind, nicht daran gehindert werden, zu lernen, wozu sie eigentlich in der Lage wären.

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Haben wir jetzt alle einen Knall?

Als ich noch nicht ganz zwölf war, fuhr ich täglich ins nächstgelegene Städtchen zur Schule. Meistens mit dem Velo, egal wie glatt die Strassen waren, oft in waghalsige Manöver mit meinen Mitschülerinnen verwickelt, fast immer ohne Vernunft und darum nicht selten bei Dunkelheit ohne Rücklicht. Später dann, als Busfahrplan und Stundenplan besser zusammen passten und ich für eine kurze Zeit in meinem Leben sehr besorgt war um meine Frisur, legte ich den Weg öfter mal mit dem Bus zurück. So alltäglich war das, dass meine Eltern nicht im Traum darauf gekommen wären, sich je um mich zu sorgen. Sie hupten höchstens mal verärgert, wenn sie zufällig auf der gleichen Strecke unterwegs waren und mich dabei erwischten, wie ich mich von einem Mitschüler, der den Weg motorisiert zurücklegte, mitziehen liess. 

Zu jenen Zeiten sorgten sich Eltern generell wenig um ihre Kinder. Vermutlich ist mir darum der eine Abend, an dem mich meine Mutter ziemlich besorgt und deshalb leicht angesäuert in Empfang nahm, so lebhaft in Erinnerung geblieben. Es war mir leider nicht in den Sinn gekommen, ein Lebenszeichen von mir zu geben, als ich mit „Meinem“ auf einer Velotour in ein heftiges Gewitter geriet. Ich konnte absolut nicht nachvollziehen, weshalb sie plötzlich so ein Aufhebens machte. Zu Hause anrufen mussten doch nur Söhne und Töchter überbesorgter Glucken. Also zum Beispiel „Meiner“…

Inzwischen ist der FeuerwehrRitterRömerPirat fast zwölf und heute zum ersten Mal alleine mit dem Bus in der Stadt. Nur zwei Bücher will er kaufen, mehr nicht, aber natürlich hat er nicht nur sein Portemonnaie dabei, sondern auch das von mir abgezählte Kleingeld für das Billett, mein Handy und eine Notiz mit den Abfahrtszeiten des Busses. Der Junge weiss genau, was er zu tun hat, er kennt den Weg, die Buchhandlung, die Stadt und mehr als eine Stunde wird er nicht weg sein. Dennoch überlege ich mir seit dem Moment, in dem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen ist, ob ich ihn nicht vielleicht kurz anrufen soll um zu fragen, ob alles in Ordnung ist.  

Peinlich. Und äusserst beunruhigend, denn für mein Verhalten kann es nur drei mögliche Gründe geben:

  1. Ich werde allmählich wie meine Schwiegermutter.
  2. Ich habe sonst irgend einen Knall.
  3. Die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation machen aus allen Müttern überbesorgte Glucken.

Ich weiss noch nicht so recht, welchen dieser drei möglichen Gründe ich am beunruhigendsten finde. 

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Diesmal (hoffentlich) ohne uns

Pro 20 Franken Einkauf schenken sie dir ein Briefchen mit Stickers oder sonst irgend einen Sammelkram, im Laden gibt es das dazu passende Album zum Einkleben der Bildchen zu kaufen und natürlich hoffen sie, dass die Kinder das Zeug auf dem Pausenhof fleissig tauschen und einander dazu animieren, die Eltern anzuflehen, noch etwas mehr Geld auszugeben, damit es mehr Bildchen gibt. Mal sind es Bildchen von wilden Tieren, mal Sehenswürdigkeiten aus der Schweiz im Miniformat, mal fantastische Kreaturen, von denen keiner so richtig weiss, was sie darstellen sollen und welche Substanz der Designer intus hatte, als er sie erschuf.

Über Jahre lief das so und jedes Mal, wenn ich an der Kasse stand und gefragt wurde, ob ich auch sammle, antwortete ich seufzend: „Na ja, diesmal werden wir wohl noch einmal mitmachen müssen.“ Natürlich kaufte ich auch brav das Sammelalbum und den anderen Kram, der zur Sammelwut halt einfach dazugehört.

Heute lief es anders, zum ersten Mal in all den Jahren. „Sammeln Sie auch?“, fragte die Kassierin und zückte schon die Stickers, weil Mama Venditti ja immer sammeln muss. Ein einziger Blick genügte und mir war klar: Diesmal muss sie nicht, die Mama Venditti.

Warum nicht? Weil uns der Himmel mit vier Söhnen – und einer Tochter – beschenkt hat, die sich keinen Deut um Fussball scheren. Darum müssen wir diesmal nicht.

Es sei denn natürlich, die Meute auf dem Pausenhof bekäme Wind davon, wie viele Bildchen unsere Fussballverächter innert kürzester Zeit beisammen hätten, weil wir den Grossteil unseres Einkommens beim Wocheneinkauf abliefern. 

Frühlingsferiengedanken

Bei Kindern, die am Montagmorgen der zweiten Frühlingsferienwoche belämmert vor dir stehen und sagen: „Warum hast du mich nicht geweckt? Ich muss doch zur Schule. Wir haben ja schon seit einer halben Ewigkeit Ferien“, besteht ganz offensichtlich kein akuter Erholungsbedarf. Ich plädiere deshalb für eine sofortige Rückkehr in die Schule. Die nicht benötigten Ferientage sind an die übermüdete Mama abzutreten.

Man darf Fantasy-Romane mögen, auch wenn man Sohn einer Mutter ist, die nach „Die unendliche Geschichte“ ein für alle Mal mit diesem Kapitel abgeschlossen hat. Was aber nicht geht: Sich bei Mama beklagen, der aktuelle Lieblingsroman sei ganz und gar unrealistisch. Entweder man mag Fantasy und schluckt das wirre Zeug klaglos, oder man lässt die Finger davon und wählt eine anständige realistische Lektüre.

Wenn die SBB mit ihren Spezialangeboten mitmachen, kannst du in der Schweiz jeden sonntags geöffneten Fabrikladen zum Familienausflugsziel deklarieren. Wenn dann auch noch das Regenwetter mitspielt, brauchst du dir nie mehr Sorgen zu machen, ob abends die Kasse stimmt.

Der Marshmallow-Test für übermüdete Mütter: Willst du JETZT!!!! SOFORT!!!! ein paar lausige Ferientage an einem zweitklassigen Ort verbringen, der mit irgend einer billigen Masche um eine Handvoll Gäste wirbt? Oder bist du reif genug, all die Lockvogelangebote – und die tollen Frühlngsferienfotos, mit denen deine Facebook-Freunde ihre Pinnwände vollpflastern – zu ignorieren, um im Sommer dann genügend Geld für wunderbare Ferien am Ort deiner Träume beisammen zu haben? (Dass dein Durchhaltevermögen dann auch tatsächlich belohnt wird, kann dir leider keiner garantieren, denn das Gelingen von Familienferien hängt fast ausschliesslich von der Laune der Famileinmitglieder ab.)

So richtig Ferienbetrieb herrscht in unserer Familie eigentlich erst, wenn sämtliche Physio-, Ergo- und Sonstwas-Therapeuten auch Ferien machen. Was diese Woche erstaunlicherweise der Fall ist. Ob die sich untereinander abgesprochen haben?

Unsere Kinder nehmen die Sache mit dem Küchendienst so bierernst, dass sie es sogar in den Schulferien durchziehen wollen. Jetzt muss ich mir doch tatsächlich spätestens bis Mittag im Klaren sein, welchen Tag wir haben, damit ich nicht den Falschen zum Tischdecken verknurre.

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Vorher – Nachher

Wegen akuter „Schon wieder Schulferien“-Müdigkeit heute nur ein paar Vorher-Nachher-Bilder. Vorher, das war ziemlich genau vor einem Jahr und sah so aus:

   
 

Wie es sich bei solchen Vergleichen gehört in so schlechter Bildqualität, dass das Nachher umso besser aussieht, nämlich so: