Okay, der Mann hatte schon etwas viel Bier intus und er stammte aus einer Kultur, in der die Frauen deutlich früher Mutter werden als hierzulande. Dennoch war ich innerlich ziemlich eingeschnappt, als er zum Prinzchen sagte, das sei aber wirklich schön, dass er mit seiner Grossmama unterwegs sein dürfe. Sein erstauntes „Wirklich?!“, als ich ihm sagte, ich sei Prinzchens Mama, machte die Sache auch nicht unbedingt besser…
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Was Frauen wollen sollen
„Frauen wissen, was Frauen wollen“, behaupten sie und darum soll ich ihre Kreditkarte anfordern. Frauen wollen ihre Handtasche versichert haben. Sie wollen verlängerte Garantie auf die Dinge, die sie im Netz kaufen. Sie wollen ihre Einkäufe versichert haben. Sie wollen Rechtsschutz, wenn sie mal nicht zufrieden sind mit dem, was sie eingekauft haben. Sie wollen sich beim Einkaufen mit der Frauen-Kreditkarte Treuepunkte für Accessoires verdienen. Sie wollen Schokolade, Parfum und Mode im Sonderangebot. Oder kurz gesagt: Frauen wollen rund um die Uhr und überall auf dem Globus nichts anderes tun, als Geld ausgeben.
Ich hab‘ die Werbung weggeschmissen, denn nach dem, was ich im Prospekt gelesen habe, zweifle ich daran, ob ich eine Frau bin.
Wie man sich selber von Mamas Liebe überzeugt
Wie ich gestern erzählt habe, zweifelt der Zoowärter derzeit an meiner Liebe zu ihm. Warum? Weil er, der gewöhnlich sehr still, friedliebend und folgsam ist, in letzter Zeit öfters mal meine Geduld aufs Ärgste strapaziert, insbesondere am frühen Morgen und am späten Abend und wer am frühen Morgen oder am späten Abend meine Geduld strapaziert, bekommt was zu hören und zwar ziemlich laut. Unsere anderen Kinder sind weitaus weniger still, friedliebend und folgsam als der Zoowärter und darum haben sie sich längst an diese lauten Töne gewöhnt. Sie wissen, dass ich wieder lieb und versöhnlich werde, sobald ich meinem Ärger Luft gemacht habe. Der Zoowärter aber gerät in tiefste Verzweiflung, wenn sich mein mütterlicher Zorn mal gegen ihn richtet. „Immer schimpfst du mit mir“, schluchzt er dann, „alle anderen liebst du, nur mich nicht.“
Natürlich versuche ich, dem Zoowärter diese Gefühle auszureden, ich sage ihm, wie sehr ich ihn liebe und was ich alles an ihm mag, doch eigentlich könnte ich mir die Mühe sparen, denn ich weiss, dass er seinen eigenen Weg finden muss, um wieder an meine Liebe zu glauben. Dieser eigene Weg heisst „Ich will gehätschelt werden“. Fragt mich nicht, wie es so kommt, aber jedes Mal, wenn der Zoowärter mal wieder glaubt, ich würde ihn nicht lieben, plagt ihn ein paar Stunden oder Tage später ein kleines Leiden, das verarztet und überwacht werden muss. Er tut das nicht mit Absicht, des bin ich mir sicher. Es geschieht einfach.
In diesen Tagen zum Beispiel ist es eine Schürfwunde, die der Zoowärter sich auf der Rutschbahn im Schwimmbad zugezogen hat, die heute früh übel genug aussah, um mich dazu zu bringen, den Erstklässler von der Schule abzumelden und zur Begutachtung in die Apotheke zu bringen. Dies allein hätte wohl schon genügt, um den Zoowärter wieder fröhlich zu stimmen, doch dann wurde er in der Apotheke auch noch liebevoll verarztet und mit Honig und Traubenzucker versehen wieder nach Hause geschickt. Die zwei Käsebrezeln, das Erdbeerwasser und die Sensation, dass ich ihn zur Schule begleitete, taten das Übrige, um den Zoowärter wieder aufzubauen. Und da die Wunde inzwischen zwar besser, aber längst noch nicht gut aussieht, dürfte die Spezialbehandlung in leicht reduzierter Form noch ein paar Tage andauern. Bis zur kompletten Heilung wird der Liebestank des Zoowärters wieder randvoll sein.
Hoffentlich reicht dieser Vorrat für Verletzungsfreie Sommerferien.
Früh am Morgen
Der FeuerwehrRitterRömerPirat will nicht aufstehen, vergiesst sogar ein paar Tränen. Mit gutem Grund, wie sich drei Minuten, bevor er aus dem Haus müsste, herausstellt. Die Hausaufgaben sind nämlich nicht fertig gelöst, aber daran ist Papa schuld, denn der hat gestern Abend angeblich gesagt, der FeuerwehrRitterRömerPirat dürfe mit seinen Freunden auf den Schulkirschbaum, auch wenn die Hausaufgaben noch nicht ganz fertig seien. Ja, die Mama hat ausdrücklich gesagt, zuerst müsse alles fertig sein, aber wenn Papa das nicht eben so ausdrücklich sagt, sondern nur impliziert, kann doch der FeuerwehrRitterRömerPirat nichts dafür, dass die Hausaufgaben nicht erledigt sind. Und überhaupt, in diesem Haus findet man nie einen Bleistift, mit dem man die Hausaufgaben lösen könnte und daran ist ganz bestimmt nicht der FeuerwehrRitterRömerPirat schuld, genau so wenig wie all anderen, die in diesem Haus regelmässig Hausaufgaben lösen. Bleistifte, das muss man wissen, machen sich ganz von selbst aus dem Staub, wenn sie sich irgendwo attraktivere Arbeitsbedingungen erhoffen, zum Beispiel als Türsteher im Abflussrohr oder als Grabschaufler beim Begräbnis des Babyvogels, der den Sturz aus dem elterlichen Nest nicht überlebt hat.
Der Zoowärter kommt nicht aus dem Bett, weil der Papa immer nur nein sagt zu allem und darum sagt der Zoowärter heute halt auch mal nein zur Schule, um den Papa für seine Sturheit zu bestrafen. Okay, ist vielleicht nicht ganz fair, dass jetzt die Mama zig Mal die Treppen hochsteigen muss, um ihn doch noch aus dem Bett zu jagen, das gibt der Zoowärter offen zu. Aber die Mama ist ja selber schuld, dass sie einen Mann geheiratet hat, der immer zu allem nein sagt, was dem Zoowärter gerade Spass machen würde. Irgendwann lässt sich der Junge doch noch dazu überreden, aus dem Bett zu kommen, aber nur, damit er dem Papa ins Gesicht sagen kann, dass heute nichts wird mit Schule. Und damit er der Mama vorhalten kann, sie liebe nur das Prinzchen, ihn aber gar kein bisschen. Das hat er ihr ja schon gestern und vorgestern gesagt, warum also steht sie nicht endlich offen dazu? Und überhaupt: Wie will sie dem Zoowärter ausgerechnet an einen Tag wie heute, wo das Prinzchen mit einem ganzen Rucksack voller Leckereien und liebevoll mit Sonnencrème und Zeckenspray eingeschmiert aus dem Haus geschickt wird, weis machen, sie hätte alle ihre Kinder auf ihre ganz spezielle Weise gleich lieb? Und jetzt faselt sie davon, wie sie vor zwei Wochen, als der Zoowärter Schulreise hatte, genau gleich viel eingekauft hat. Das zählt doch nicht mehr, ist längst alles verdaut und vergessen. Zum Glück schenkt das Prinzchen dem störrischen grösseren Bruder ganz ohne Zwang eine ganze Schachtel Bonbons – „Ich kann doch nicht so viele Süssigkeiten essen!“ – und damit sind auch die Zweifel an Mamas Liebe wie weggeblasen. Als Entschädigung für den Zoff bekommt Mama sogar einen grasgrünen Bonbon geschenkt, was sie natürlich sofort als zoowärterschen Liebesbeweis deutet.
Luise überkommen plötzlich die Zweifel, ob ihre neuen Shorts in der Schule überhaupt zugelassen sind, oder ob die in die Kategorie „Hot Pants“ fallen und damit verboten sind. Mama versucht ihr weis zu machen, dass diese Shorts gar keine Hot Pants sein können, weil sie diese ja ohne Luises Wissen gekauft hat und Mama würde ihrer minderjährigen Tochter ganz bestimmt nie im Leben Hot Pants erlauben oder gar kaufen. Luise ist nicht so recht überzeugt, denn die Schule tendiert dazu, die Dinge etwas enger zu sehen als Mama, doch aus Furcht, zu spät zu kommen, beschliesst sie, ihrer antiautoritär angehauchten Mutter zu glauben, auch wenn die Schule alles andere als antiautoritär angehaucht ist.
Das Prinzchen verhält sich für einmal ganz kooperativ, was vermutlich an oben genanntem Rucksack liegt, Karlsson sagt ohnehin seit Wochen nichts anderes mehr als „Getrocknete Bananen“ und „Weli Gluscht gha han“ und erbringt damit den eindeutigen Beweis, dass er wohlbehalten in der Pubertät angekommen ist. „Meiner“ befindet sich in seinem alljährlichen „Ich bin mit meinen Nerven am Ende und weiss nicht mehr, wo mir der Kopf steht“-Schuljahresend-Tief, was sich zum Beispiel darin äussert, dass er ohne ersichtlichen Grund von mir wissen will, wo an meinem Laptop der „Print Screen“-Knopf zu finden ist und dann nicht sagen will, weshalb er diesen Knopf ganz dringend im Morgengrauen finden muss und dann erst noch ausgerechnet in dem Moment, in dem seine Frau gerade dabei ist, die Generalreinigung der Katzenkistchen vorzunehmen und ziemlich in der Sch…. steckt.
Himmel, lass endlich diese Sommerferien beginnen!
Fussballzwang
Offen gestanden interessiert es mich nicht im Geringsten und nach all den Dingen, die man gelesen hat, widert mich die Sache regelrecht an. Die scheinheilige „Wir sind alle eine grosse, glückliche Familie“-Werbung finde ich zum Kotzen. Die Flaggen auf sämtlichen Produkten nerven und es ist mir fast schon peinlich, die Sachen in den Einkaufswagen zu legen, weil man glauben könnte, ich sei auch ein Fan. Mir graut jetzt schon vor dem nicht enden wollenden Gehupt, das auf unseren Strassen zu hören sein wird.
Dennoch werde ich mich der WM nicht entziehen können. Mit drei kleinen Fussballfans und einem fussballbegeisterten Cugino im Haus, ist klar, welches Thema in den kommenden Wochen die Tischgespräche dominieren wird. Wo, um Himmels Willen finde ich ein kleines Körnchen Begeisterung für die Sache, damit ich nicht zum Spielverderber werde?
Und führe mich nicht in Versuchung…
Der Nachmittag in Astrid Lindgrens Värld ist mir in bester Erinnerung geblieben und dies nicht nur, weil die Welt von Michel, Pippi und Nils Karlsson Däumling einfach toll ist. Es war auch diese eine Begebenheit, die mich an jenem warmen – für schwedische Verhältnisse heissen – Tag beeindruck hat: Direkt neben einem der grössten Restaurants im Park gab es einen Badeteich, der an diesem Tag natürlich sämtliche Kinder magisch anzog. Das Problem war nur, dass kaum jemand daran gedacht hatte, Badehosen für die Kinder einzupacken. Wirklich ein Problem? Doch nicht in Schweden. Ohne zu zögern entledigten sich die schwedischen Kinder ihrer Kleider und sprangen ins kühle Wasser. Einige behielten zwar die Unterhosen an, die meisten aber waren splitternackt. Die einzigen, die sich über diese Unbekümmertheit erstaunt zeigten, waren wir. Nicht, weil uns die nackten Kinder gestört hätten, sondern weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass Kinder in der Schweiz so frei sein dürften.
Wie ich heute bei „10 vor 10“ erfahren habe, soll hierzulande gar verboten werden, was in Schweden keinen stört. Die Kinder könnten einem Pädophilen vor die Kamera geraten, also seien sie zu schützen, indem sie beim Baden stets bekleidet seien, fordern einige Politiker. Diese Forderung ärgert mich, obschon ich Kinderpornographie und Pädophilie zutiefst verabscheue. Da sollen kleine, unschuldige Kinder nicht mehr nackt baden dürfen, weil sonst einige kranke Erwachsene auf verwerfliche Gedanken kommen könnten.
Irgendwie erinnert mich das an den alleinstehenden Mann mittleren Alters, der mich einst nach einem Gottesdienst bat, nächstes Mal doch bitte ein anderes Kleid zu tragen, weil er meinetwegen schmutzige Gedanken gehabt habe. Und wenn ich kein anderes Kleid anziehen wolle, solle ich gefälligst heiraten, damit er durch mich nicht zur Sünde verleitet würde. (Äh, nein, das ist nicht achtzig Jahre her, sondern knapp zwanzig.)
Nein, ich muss nicht…
Kaum bleibe ich mal in einem Gespräch hängen, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, geht das Theater los: „Komm schon, Mama, ich will jetzt endlich nach Hause!“ „Musst du immer so lange reden? Das ist ja sooooooo langweilig.“ Und wenn ich nicht darauf eingehe: „Mamaaaaaaaaaaa! Komm jetzt endlich! Es reicht!!!!! Ich hab‘ Hunger!!!!!!“ Rede ich unbeirrt weiter, haben meine Gesprächspartner bald einmal Mitleid mit den Kindern. „Musst du nicht…?“, fragen sie vorsichtig, aber ich lasse mich nicht unterbrechen. „Nein, ich muss nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil…
- …ich sie gestern zehn Mal dazu aufgefordert habe, den Tisch zu decken und keiner hat einen Wank getan.“
- …sie meine Ermahnungen, sich endlich auf den Schulweg zu machen oder die Hausaufgaben zu erledigen Tag für Tag geflissentlich überhören.“
- …ich meine Knöpfe fast täglich in allen Himmelsrichtungen suchen gehen muss, weil sie nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause kommen.“
- …sie abends partout keine Ruhe geben wollen, auch dann nicht, wenn ich sie ausdrücklich darum gebeten habe, meinen Wunsch nach Feierabend zu respektieren.“
- …ich immer und immer wieder warten muss, bis sie bereit sind, zu tun, was ich von ihnen erwarte.“
Solange unsere Kinder sich um jede kleinste Handreichung tausendmal bitten lassen, sehe ich keinen Grund, meine Gespräche abzukürzen. Ich fühle mich auch nicht als Rabenmutter, wenn ich ihnen mit meinem Geschwätz mal ein paar Minuten ihrer kostbaren Zeit raube. Sie gehen ja auch nicht gerade rücksichtsvoll mit meiner kostbaren Zeit um.
Kantine, meine Vrouw
Zuerst haben sie tagelang über meinen „Haarschnitt“ – der letzte Coiffeurbesuch liegt eine Weile zurück – gespottet, haben spitze Bemerkungen über meine grauen Haare gemacht und schliesslich, als ich einfach nicht reagieren wollte, frech behauptet, ich hätte einen Vokuhila. Das hat mein in Schönheitsangelegenheiten ohnehin nicht ganz stabiles Selbstbewusstsein natürlich gehörig erschüttert, aber wenn ich keine Lust auf eine neue Frisur habe, kann ich ziemlich störrisch sein. Also wies ich meine Liebsten auf unser Budget hin, das derzeit nicht gerade erfreut wäre über Coiffeurbesuche und hoffte, damit sei die Diskussion beendet.
Blöd nur, dass „Meiner“ die Zeiten, als er mir regelmässig die Haare schnitt und färbte, nicht vergessen hat; noch blöder, dass unsere Kinder die Vorstellung, wie Papa die Mama verschönert, ziemlich romantisch finden. Also fingen sie an, mich Abend für Abend zu bedrängen: „Lass dir jetzt endlich von Papa die Haare schneiden. Du weisst doch, er macht das ganz toll.“ Doch ich wollte nicht, denn offen gestanden fürchte ich mich ein wenig vor meiner Coiffeuse. Okay, sie ist die netteste Coiffeuse, die ich je hatte, aber genau darum will ich sie nicht enttäuschen, indem ich ihr in der Migros mit einer neuen Frisur, an der sie nicht gearbeitet hat, über den Weg laufe. Wie sollte sie mir da noch glauben, dass sie die Einzige ist, die ich an meine Haare lasse? Sie wäre zu Recht eingeschnappt und würde sich bei meinem nächsten Besuch – den ich für November oder Dezember vorgesehen habe – mit einem fürchterlichen Haarschnitt für meine Treulosigkeit rächen.
Natürlich sagte ich meiner Familie nichts von meiner Angst und das war wohl ein Fehler, denn so konnten sie nicht begreifen, wie ernst es mir mit meinem Nein war und zerrten mich heute Nachmittag vor das Regal mit den Haarfärbemitteln. „Welche Farbe willst du?“, fragten „Meiner“ und Karlsson. „Gar keine“, sagte ich störrisch, doch sie taten, als hätten sie nichts gehört und hielten mir eine Packung nach der anderen vor die Nase, eine Farbe hässlicher als die andere. Was anderes hätte ich da tun sollen, als die Flucht nach vorn zu ergreifen, in der Hoffnung, sie dermassen zu erschrecken, dass sie von mir ablassen würden? „Wenn schon Haare färben, dann orange“, sagte ich und um dem Ganzen noch eins aufzusetzen, fügte ich hinzu: „Orange und dann richtig kurz schneiden, vielleicht sogar mit Stirnfransen.“ Das sagte ich natürlich nur, weil ich mich damit auf der sicheren Seite wähnte, denn erstens hatte es im Regal keine orange Haartönung und zweitens hatten meine Liebsten mich ja jetzt seit Wochen nicht mehr ernst genommen, also würden sie nicht ausgerechnet jetzt auf mich hören.
Ach, was bin ich doch für ein unendlich naives Stück Mensch. „Meiner“ und Karlsson liessen das Prinzchen und mich stehen, rannten in den nächsten Laden – angeblich, um dort aufs WC zu gehen – und kehrten mit einer Haartönung in knalligem Orange zurück. Ja, und dann kam es, wie es früher oder später kommen musste: „Meiner“ schnitt mir genau die Frisur, die ich ihm angedroht hatte, und jetzt sehe ich ziemlich genau so aus:
Also ja, natürlich nicht blond, sondern orange und mit Brille. Und wer nicht weiss, wer diese Frau ist: Unbedingt „Asterix bei den Belgiern“ lesen.
Mama Henrietta bittet zu Tisch
Es wird allmählich Zeit, dass die Kätzchen feste Nahrung zu sich nehmen und wie es sich für eine anständige Katzenmama gehört, gibt sich Henrietta nicht einfach mit dem gekauften Katzenfrass zufrieden. Sie will wissen, woher das Essen ihrer Kinder stammt und macht sich deshalb auf die Jagd. Sobald die Kleinen gestillt sind, macht sie sich auf die Pirsch, geduldig lauert sie ihrer Beute auf und wartet den perfekten Moment ab, um zuzuschlagen. Dann beginnt die grosse Schlepperei, denn fünf gefrässige Katzentöchter bringt man mit zwei, drei Bissen pro Kind nicht satt. Wenn ich der armen Henrietta dabei zusehe, wie sie ihre überdimensionierte Beute im Maul trägt, bin ich doch wieder dankbar für die zwei Arme, die ich habe, auch wenn ich mich immer wieder darüber beklage, ein paar mehr davon wären ja ganz schön praktisch. Immerhin muss ich die Einkaufstaschen nicht zwischen den Zähnen anschleppen. Nun, Henrietta kriegt das auch ohne Arme irgendwie hin, allerdings ist sie danach ganz schön geschafft. Darum ist sie überaus dankbar, wenn ein netter Mensch mit einer Schere herbeieilt, damit sie die Würstchenpackung, die sie erjagt hat, nicht ganz alleine durchbeissen muss.
Ich glaube, ich muss Henrietta mal erklären, dass Würstchen in der Ernährungslehre einen ähnlich schlechten Ruf haben wie Katzenfutter und dass es zwar aufwendiger ist, für richtig frisches Futter zu sorgen, dass ihre Kinder aber glücklicher aufwachsen ohne die ganzen Nahrungsmittelzusätze.
Jobsharing
Da habe ich doch heute ganz nebenbei einen neuen Job gefasst. Ohne Bewerbungsschreiben, ohne Vorstellungsgespräch, ohne banges Warten auf die Antwort des Arbeitgebers. Ein salopp dahingesagtes: „Lass mich das machen, du richtest sonst ein heilloses Durcheinander an“ reichte, um den Job zu bekommen. Meine Aufgabe besteht darin, „Meinen“ davon abzuhalten, mehrere Kurse am gleichen Wochenende zu buchen, dafür zu sorgen, dass keine Anmeldungen vergessen gehen und die Kurskosten einzutreiben.
„Meiner“ mag nämlich ganz begabt sein darin, Jungs darüber aufzuklären, was in ihrem sich entwickelnden Körper abgeht, er versteht es auch ganz gut, den Eltern zu erklären, was er den Jungs alles erzählen wird, aber wenn es darum geht, den Überblick zu behalten, ist er… nun ja, sagen wir mal…ein wenig… herausgefordert. Ich hingegen wäre vollkommen unbegabt darin, mit Geduld und Liebe über die Vorgänge im menschlichen Körper zu referieren, dafür weiss ich, dass sich Kurse mit ein paar Tabellen und einem stets aktuell gehaltenen Kalender besser organisieren lassen als mit einer A4-Kladde.
So kommt es, dass wir einmal mehr gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten. Er als Kursleiter, ich als…um Himmels Willen, nein! Doch nicht etwa als seine Sekretärin? Ich glaube, ich ziehe „Vorzimmerdrachen“ als Berufsbezeichnung vor.
Ach ja, und als Lohn für meine spontane Hilfeleistung hat „Meiner“ heute Abend den Kühlschrank tapeziert. Nein, fragt bitte nicht…









