Nur mal schnell, solange ich Empfang habe…

Es gibt sie noch, diese wunderbaren Orte, an denen du keine Möglichkeit hast, ins Internet zu gelangen und so kommt es, dass die virtuelle Welt ein paar Tage lang Ruhe hatte vor diesen quasselnden Vendittis. Sie bekam nichts mit von dem Drama, als in Hamburg eine Menschentraube versuchte, sich in einen winzigen Zug zu zwängen, was dem Zugpersonal die unangenehme Aufgabe bescherte, diejenigen wieder rauszuwerfen, die nicht reserviert hatten (Wir hatten reserviert und konnten trotzdem nicht alle sitzen.). Sie blieb verschont vor meinem Gejammer, als wir mit Sack und Pack auf die Fähre umsteigen mussten, weil der Zug „aus technischen Gründen“ nicht auf die Fähre fahren konnte. Sie musste sich auch nicht anhören, wie ich in Kopenhagen die Zicke der Autovermietung ankeifte, weil sie unseren im Voraus bezahlten Wagen nicht rausrücken wollte und unseren Ferien damit beinahe ein frühzeitiges Ende bescherte. Gut also, dass ich erst jetzt von diesen Dingen berichten kann, wo sie beinahe schon vergessen sind und mein Ärger verflogen ist.

Die virtuelle Welt bekam aber auch nichts von meinen Schwärmereien zu hören. Kein Lobgesang auf das „Blå Huset“, das so abgeschieden auf einer Wiese steht, umgeben von Blumen und Bäumen und uns die Ruhe bietet, die wir gesucht haben. Kein Schwelgen in „Kräm“, „Fil“, „Blåbärssoppa“ und „Polarbröd“. Keine schönen Worte über Öland, die Nächte, die noch immer hell sind, über das Rauschen des Windes in den Bäumen, über das Meer, das sich hier so unaufgeregt aufführt, als wäre es ein ganz gewöhnlicher See.

Die virtuelle Welt wird nicht ärmer, wenn sie von all dem nichts erfährt und ausnahmsweise kann auch ich ganz gut damit leben, nicht immer gleich über alles zu schreiben. Zumindest, solange ich keinen Empfang habe…

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Warum wir uns das antun

Jetzt ist er also da, der Moment, in dem man sich fragt, weshalb man sich das alles antut. Dem Haus-, Tier- und Gartensitter letzte Infos weitergeben, Gepäck schleppen, auf dem Bahnperron Brötchen belegen, Passagiere von unseren Sitzplätzen vertreiben, endlose Stunden mit leicht schmuddeligen jungen Erwachsenen, die hoffentlich im Laufe der Nacht nicht angeheitert werden, einen schlecht gekühlten Zugwaggon teilen, die Kinder in Schach halten, damit sie den Mitreisenden nicht auf die Nerven fallen, im Zugklo die Zähne putzen und dabei aufpassen, keiner die Zahnbürste aus lauter Gewohnheit unter den Wasserhahn hält…

Die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, stellt man sich immer nur auf der Hinreise. Auf der Heimreise weiss man gewöhnlich, wie wertvoll es war, wegzugehen. Sogar dann, wenn nicht alles so schön wird, wie man es sich erträumt hat, wird man Jahre später noch von den Dingen reden, die man zusammen erlebt hat. Familienfeiern sind für uns die einzige Gelegenheit, mal nur unter uns zu sein, keine Pflichten, kein Alltagskram, keine Ablenkungen – einfach nur wir sieben mit all unseren Stärken und Macken. Dass das ein paar Nerven kostet, nehmen wir gerne in Kauf.

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Fast schon reisefertig

Nach drei Tagen Dauerlesen habe ich heute mal einen Moment lang von meiner Sommerlektüre aufgeblickt und mit Erstaunen festgestellt, dass wir morgen in die Ferien fahren. Irgendwie eigenartig, eben war doch noch Februar und wir überlegten uns, ob wir dieses Jahr überhaupt Ferien machen und wenn ja, wie lange und wo. Und jetzt plötzlich sollten wir bereit sein, damit wir morgen Abend den Zug nicht verpassen. Na dann, lese ich halt in Schweden weiter und erledige, was vor den Sommerferien so alles erledigt sein will:

  • Steuererklärung ausfüllen: Ja, ihr lieben Streber, ich weiss, dass die schon Ende März fällig gewesen wäre, aber da war gerade der Drucker kaputt und als wir endlich wieder einen Drucker hatten, konnte ich mein Handy nicht mehr finden, das mir Zugang zum Online-Banking verschafft hätte, wo ich einen Kontoauszug hätte finden müssen und dann musste auch noch ein Beleg von der Krankenkasse her, den sie dir ja heute auch nicht mehr ins Haus liefern. „Vor den Ferien muss die Steuererklärung vom Tisch“, sagte ich irgendwann resolut, denn sonst werfen sie uns am Ende noch vor, Ferien würden wir uns leisten, aber Steuern zahlen würden wir nicht und weil heute der letzte Tag vor den Ferien ist, habe ich mich eben durch die Papiere gequält. 
  • Katzenfutter anschleppen: Ich hoffe wirklich, die 100 Portionen Nassfutter und die 2 Kilo Trockenfutter reichen für die gefrässige Bande. Vielleicht hätte ich doch besser auf „Meinen“ gehört, der vorgeschlagen hatte, die Kätzchen noch vor den Ferien zu ihren neuen Besitzern umziehen zu lassen. Aber die neuen Besitzer sind wohl ohnehin alle noch alle in den Ferien….
  • Spielkarten basteln: Man wird es nicht für möglich halten, aber ich habe doch tatsächlich ein Kartenspiel für die Zugreise gebastelt. Die Kinder mussten mir nur etwa drei Jahre in den Ohren liegen, bis ich mich endlich dazu durchringen konnte. Nun ja, ich war schon mehrmals drauf und dran, die Sache in Angriff zu nehmen, aber dann fehlte mir wieder die Zeit und als ich endlich Zeit hatte, war der Drucker kaputt (Wie ihr seht, liebe Steuerbehörden, seid ihr nicht die Einzigen, die warten mussten). Jetzt also sind die „Hallo Karlsson“-Karten endlich fertig und hätte „Meiner“ sie nicht so furchtbar schief ausgeschnitten, wäre ich schon fast in Versuchung, auf meine Leistung stolz zu sein.
  • Schwiegermama meinen Garten gezeigt: „Konnte das nicht bis nach den Ferien warten?“, fragt ihr. Nein, konnte es nicht, denn bis Schwiegermama das nächste Mal zu Besuch kommt, befindet sich mein Garten schon längst im Winterschlaf. 
  • Mir den Kopf zerbrochen, ob ich dem Vermieter unseres Ferienhauses unsere Ankunftszeit auf schwedisch mitteilen soll, oder ob ich mich damit vollkommen lächerlich mache. 
  • Mit Karlsson Vorabendfernsehen geschaut: Fragt mich nicht, wie der junge Mann plötzlich auf die Idee kommt, fernsehen zu wollen, aber er wollte. Unbedingt. Weil er ja nie fernsehen darf. Und weil ich fest davon ausgehe, dass dieser Spleen nach zwei Wochen Schweden wieder vorbei sein wird, habe ich eben mitgeschaut. Der Junge weiss doch gar nicht, wie man den Fernseher bedient, wo er doch nie schauen darf…
  • „Meinem“ gesagt, wen er noch alles anrufen muss bevor wir verreisen, was wir auf gar keinen Fall zu Hause lassen dürfen, wo vor noch Ordnung machen sollten, was es noch einzukaufen gibt und welches Essen für die Hinreise vorgesehen ist. Ich hoffe mal, er hat verstanden und macht sich an die Arbeit. Irgend einer muss sich ja um diesen Kleinkram kümmern. 

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Balkontomaten

Heute zwischen ganz viel Nichtstun – lesen, ab und zu ein paar Abschnitte schreiben, „Meinem“ und den Kindern auf die Nerven fallen, mit meinen Tomaten quatschen und schlafen – ist mir aufgefallen, dass meine diesjährige Balkonbepflanzung ganz gut geraten ist. Dabei war es eine reine Verzweiflungstat, weil ich im Mai noch so viele Setzlinge hatte, die ich nicht sterben lassen wollte, auf unserem altersschwachen Balkon aber nicht in schweren Töpfen unterbringen konnte. Weil gerade ein grosses Stück dickes Vlies herumlag und ich ein oder zwei Sack Erde übrig hatte, wagte ich den Versuch: Das Balkongeländer, das für Blumenkistchen vorgesehen wäre, mit Vlies ausgelegt, Erde eingefüllt und Tomaten gepflanzt. Nach einiger Zeit zeigte sich, dass die Pflänzchen dort ganz gut gedeihen und weil inzwischen die ersten Tomaten reifen, wage ich, so zu tun als wäre ich eines jener Garten-Genies, die anderen sagen können, wie sie mit wenig Aufwand viel Ertrag bekommen. 

Na ja, solange es hell ist, sieht das Ganze nicht so spektakulär aus, aber wenn ihr jetzt sehen könntet, wie das nachts aussieht, wenn die Vögel leuchten, die mir im schwedischen Möbelhaus zugeflogen sind, dann würdet ihr jetzt ganz bestimmt ein wenig neidisch. Und wenn „Meiner“, der hier für das Fotografieren zuständig ist, meine schönste orangefarbene Tomate ins Bild gekriegt hätte, würde euch jetzt das Wasser im Munde zusammenlaufen. 

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Kraftakt

Nach anderthalb anstrengenden Tagen neigt sich ein Mammut-Wohnungsputz seinem Ende zu. Gestern waren wir zuerst alle sieben dran, dann nur noch „Meiner“ mit den vier jüngeren Kindern, weil bei Karlsson Musik auf dem Programm stand und ich mich um meinen sterbenden Computer kümmern musste. Abends dann nur noch „Meiner“, der manchmal einfach nicht genug kriegen kann vom Putzen und heute schliesslich ich ganz alleine, weil ich bekanntlich besser putze, wenn ich nicht auch noch andere motivieren muss zu dem, wozu ich mich selber kaum aufraffen kann. Von oben bis unten haben wir geräumt, weggeschmissen, geputzt und poliert, mit grossem Einsatz und insgesamt sehr viele Stunden lang. Und damit wir nicht andauernd die Küche verdrecken, versorgte uns Mama Ikea mit verwerflicher Tiefkühlkost aus dem frisch geputzten Tiefkühler. 

Naive Menschen wie ich neigen zu dem Glauben, nach einem solchen Kraftakt, der übrigens mit erstaunlich wenig Zoff über die Bühne gegangen ist, sei endlich mal alles sauber und ordentlich, doch leider ist dem nicht so. Wir sind jetzt gerade mal so weit, dass wir mit der Feinarbeit beginnen könnten, um uns anschliessend den ewigen Baustellen Wandschränke, Keller und Schlupfestrich zuzuwenden. Ich fürchte, soweit wird es gar nicht erst kommen, erstens, weil wir jetzt ganz dringend eine Putzpause brauchen und zweitens, weil wir morgen bereits wieder voll und ganz mit der Schadensbegrenzung beschäftigt sein werden. Damit dieser „Na ja, so halbwegs ordentlich ist es schon bei Vendittis“-Zustand anhält, bis wir in die Ferien fahren. 

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Bitte bitte bitte nicht jetzt!

Das ist mal wieder typisch: Nach Monaten des Zweifelns und Zauderns fasst sich Mama Venditti ein Herz, endlich wieder an ihren grossen Traum vom Schreiben zu glauben. Sie lässt an einem sonnigen Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst ihre geliebte Familie warten und setzt sich ins Café, um den roten Faden der Geschichte, den sie fast verloren hätte, wieder aufzunehmen. Sie verzichtet auf ihren heiligen sonntagnachmittäglichen Mittagsschlaf, um voller Enthusiasmus in die Tasten zu hauen, was sie auf dem Papier skizziert hat. Diesen Sommer wird sie schreiben, das steht fest. Nichts auf der Welt wird sie mehr davon abhalten können.

Nichts, ausser ein treuloser Computer, der ebenso fest entschlossen zu sein scheint, diesen Sommer keinen Streich mehr zu arbeiten und deshalb den Zugriff auf sämtliche Programme – und somit auch auf sämtliche Texte – verweigert. Da helfen weder gutes Zureden noch Backup, der Computer bleibt stur. Nicht mal anständig ausschalten lässt er sich mehr, einzig Banalitäten im Blog und auf Facebook lässt er noch zu.

Okay, er stünde auch der Bestellung eines Nachfolge-Computers, der gegen die Schreiberei nichts einzuwenden hätte, nicht im Wege, doch da gibt es andere Hürden zu überwinden.

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Eifersüchtige Zicke

Wenn „Deiner“ vom Maienzug nach Hause kommt und dir ganz arglos davon erzählt, wie viele Komplimente er von wildfremden Frauen für seine elegante Erscheinung eingeheimst hat, dann weiss die kleine, eifersüchtige Zicke, die nach sechzehn Ehejahren noch immer in dir drin steckt, was du zu tun hast: Raus aus dem Bett, fiebersenkendes Medikament einwerfen, unter die Dusche, etwas Farbe ins Gesicht klatschen und mit Mann und Kindern ab auf den Festplatz. Dann ist der Moment gekommen, um den Damen zu zeigen, dass dieser „gut aussehende junge Lehrer“  – Himmel, so jung ist der Mann nun auch wieder nicht! – eine Frau an seiner Seite hat. Eine Frau, die zwar (nur heute?) etwas mitgenommen aussieht, die aber immerhin seit sehr vielen Jahren mit ihm durch sämtliche Höhen und Tiefen des Lebens geht. Okay, natürlich haben dich diese vielen Jahre auch gelehrt, dass „Deiner“ gar nicht auf der Suche nach einer Ersatzfrau ist, aber mach das mal deiner inneren Zicke weis. Die wird keine Ruhe geben, bis du nicht mit zittrigen Knien und Brummschädel auf dem Festplatz stehst. Und wo du schon dort bist, kannst du gleich noch ein paar Dummheiten begehen. Zum Beispiel deinen schwachen Magen mit Knoblauchbrot und Falafel überfordern und danach mit deinen Söhnen zwei irre Runden auf dem Calypso-Karussell drehen. Danach bleibt dir nichts anderes mehr übrig, als dich in einem Anflug von Schwäche an „Deinen“ zu klammern und wenn du das tust, wird dir die kleine, eifersüchtige Zicke hoch zufrieden ins Ohr flüstern: „Sehr gut so! Häng dich an ihn wie eine Klette, dann sieht jede, dass er nicht mehr zu haben ist.“ Dabei weisst du doch ganz genau, dass du ein solches Theater nicht nötig hast, weil dir „Deiner“ eben erst gesagt hat, wie froh und dankbar er ist, dich an seiner Seite zu haben. 

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Manchmal ist das Leben…

Gliederschmerzen, die so heftig sind, dass ich kaum die Teetasse halten mag, Luise, die mich stets dann aufweckt, wenn ich endlich am Wegdämmern wäre, Karlsson, der zum gefühlt hundertsten Mal mit Verve Mozarts „Türkischen Marsch“  – den ich gewöhnlich wirklich mag – in die Klaviertasten haut, elende Fliegen, die mir um den Kopf surren, ein Kätzchen, das auf der Jagd nach einer dieser Fliegen eine Tasse voller Tee auf meine Matratze kippt, ein Schädel, der dermassen brummt, dass ich nicht mal lesen mag, stechende Schmerzen beim Einatmen, ein Telefon, das stets dann klingelt, wenn es wieder jemand von meinem Nachttisch entfernt hat und dieser jemand sich ebenfalls so weit entfernt hat, dass ich ans Telefon gehen muss, die Aussicht auf einen sechzehnten Hochzeitstag im Bett anstatt beim romantischen Abendessen, ein „Kranke Mama im Haus“-Chaos, das sich fast unaufhörlich ausweitet… – Kurz: Ein Tag zum Vergessen.

Wäre da nicht Karlsson, der mit besorgter Miene zu mir sagt, vielleicht hätte ich die Besprechung von heute Morgen doch besser sausen gelassen. Das Prinzchen, der sich auch nach der zweiten Kronen-Lichtnelken-Lieferung nicht davon abhalten lässt, noch einmal fröhlich singend für mich in den Garten zu rennen, um doch noch die gewünschten Salbeiblätter zu finden. Dazwischen die rührende Beschreibung, wie gross die Schwalbenschwanzraupen bereits geworden sind. Ein ganzer Becher „Swiss Chilbi“-Glace, den ich mir ohne schlechtes Gewissen ganz alleine einverleiben darf, weil ich a) Halsschmerzen habe und Medizin brauche, b) heute noch kaum etwas gegessen habe und c) niemand aus meinem Becher essen darf, weil er sich sonst ansteckt. „Meiner“, der mir voller Stolz vorführt, wie elegant er morgen am Maienzug  – der zufällig auch unser Hochzeitstag ist – aussehen wird. Luise, die wieder gesund ist und fröhlich von ihren Erlebnissen in der Mädchengruppe, der sie sich neulich angeschlossen hat, plaudert. Der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat, die es für einmal fertig bringen, einen Krankheitstag auch wirklich schlafend im Bett und nicht zankend und streitend zu verbringen. Gesunde Kinder, die für einmal widerspruchslos helfen, das Chaos zu beseitigen. Die Zugtickets für die Schwedenreise, die „Meiner“ endlich am Bahnhof abgeholt hat. – Kurz: Ein Tag, der zwar zum Vergessen ist, der mir aber dennoch vor Augen führt, was für ein glücklicher Mensch ich doch bin. 

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Besser jetzt…

Besser jetzt, als in den Sommerferien. Und erst recht besser jetzt, als dann, wenn Karlsson in der Musikwoche ist oder Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat im Jungscharlager sind. Besser auch jetzt, wo keine Prüfungen mehr zu schreiben – und nachzuholen, wenn man sie verpasst – sind. Besser jetzt, wo das Jugendfest vorbei ist. Besser fast alle zusammen intensiv, als endlos, einer nach dem anderen. Besser hier, wo wir mit der Apotheke auf du und du sind, als in Schweden, wo du für jedes halbwegs wirksame Medikament zuerst zum Arzt gehen musst. Besser nicht am Geburtstag des FeuerwehrRitterRömerPiraten. Besser jetzt, wo es im Garten noch nicht viel zu ernten und in der Küche noch nicht viel zu verarbeiten gibt. Besser jetzt, wo „Meiner“ nicht mehr mit Terminen eingedeckt ist und deshalb auch zu anständigen Zeiten nach Hause kommt. Besser jetzt, wo kaum einer mehr etwas von einem will, in der Annahme, dass wir ohnehin schon auf dem Sprung in die Ferien sind.

Ich muss also zugeben, dass die Sommergrippe uns noch selten so rücksichtsvoll überfallen hat. Dennoch könnte sie mir gut und gerne gestohlen bleiben.

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Reichtum

Nach zahlreichen misslungenen Versuchen ist es mir endlich gelungen, unser Familienfotoarchiv auf dem Computer wieder zu öffnen und so verbrachten die Kinder und ich gestern viel Zeit damit, uns durch alte Fotos zu klicken.

Das Prinzchen begegnete dabei zum ersten Mal ganz bewusst seinem sehr viel kleineren Ich. Anhand der unzähligen „Jöööööö“-Rufe gehe ich davon aus, dass ihm dieses sehr viel kleinere Ich äusserst gut gefällt.

Dem Zoowärter ging es ganz ähnlich wie dem Prinzchen, er musste aber auch mit Entsetzen feststellen, dass ihn seine einzige Schwester während einiger Zeit für eine lebendige Puppe gehalten hatte.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, Luise und Karlsson kramten beim Betrachten der Bilder in ihren Erinnerungen und zum ersten Mal erzählten sie nicht nur, was ich selber auch miterlebt hatte, sondern auch das, was bei diesen Erlebnissen in ihren Köpfen vorgegangen war, was sie bei dieser oder jener Gelegenheit gedacht, gefühlt, befürchtet, …. hatten. 

Mich überkam bei alldem das Gefühl, eine unglaublich reiche Mutter zu sein. So viele Erlebnisse mit doch ziemlich vielen kostbaren kleinen Menschen. Einfach überwältigend. Ich wurde aber auch von Wehmut ergriffen. Nicht nur, weil diese kleinen Menschen so schnell gross geworden sind, sondern auch, weil ein Teil dieser wichtigen Jahre in meinem Leben geprägt gewesen waren durch eine tiefe Erschöpfung, die mich daran gehindert hat, diesen unendlichen Reichtum auch wirklich wahrzunehmen und zu geniessen. 

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