Bleiben wir bitte farbenblind

Da bringst du deinen Kindern von frühester Kindheit an bei, im Bezug auf die Menschheit vollkommen farbenblind zu sein und dann dies:

Karlsson: „Prinzchen, wenn du mal gross bist, könntest du ja deine Freundin aus Nigeria heiraten.“

Prinzchen: „Aber das geht doch nicht. Ein Schweizer kann doch keine Afrikanerin heiraten.“

Karlsson: „Natürlich kann er das. Man kann Menschen von überall auf der Welt heiraten.“

Prinzchen: „Aber nicht Menschen aus Afrika.“

Karlsson: „Aber sicher doch. Das kann man.“

Das Prinzchen glaubt seinem ältesten Bruder noch immer nicht und ruft deshalb nach mir: „Mama, Karlsson sagt, ein Schweizer kann eine Afrikanerin heiraten. Stimmt das wirklich?“

Ich: „Natürlich stimmt das, Prinzchen. Die Menschen sind überall gleich und darum kommt es auch nicht drauf an, woher jemand kommt.“

Prinzchen: „Aber wenn ich in der Schweiz bin und sie in Afrika, dann geht das doch nicht.“

Na ja, in diesem einen kleinen Punkt liegst du vielleicht richtig, mein Prinz, aber über den Rest deiner Einstellung müssen wir uns noch einmal eingehend unterhalten. 

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So ist es gar nicht so schelcht

Gestern habe ich etwas ganz Verrücktes angestellt: Als die Kinder aus dem Haus waren, habe ich einfach meine Alltagsroutine links liegen gelassen und mir dieses Ding mit dem langen Schlauch geschnappt, das so fürchterlich Krach macht. Wie heisst es noch mal? Irgend etwas mit Dreck und saugen oder so. So ein hässliches graues Gerät, für das sie immer Werbung machen im Fernsehen. Ich hab‘ es mir also geschnappt und angefangen, damit in der Wohnung herumzurennen. Hat irgendwie Spass gemacht und darum griff ich gleich noch zu diesem besenartigen Gerät, das man anfeuchtet, bevor man es über die Fussböden zieht. Und weil auch das noch ganz amüsant war, zog ich zum Schluss ein paar bunte Stofffetzen aus dem Schrank, um mit ihrer Hilfe herauszufinden, wie es bei uns aussehen könnte.

Zwei Stunden lang tobte ich mich auf diese Weise aus, dann musste ich Schluss machen, weil die Kinder nach Hause kamen. Spielfelder, um mich weiter auszutoben, wären zwar noch ausreichend vorhanden gewesen, doch die Pflicht rief mich in meinen Alltag zurück. Obschon ich noch viel länger hätte spielen können, waren „Meiner“ und Luise tief beeindruckt von den Folgen meines kleinen Ausbruchs aus der Routine von Kochen, Tisch abräumen, Schreiben und Schadensbegrenzung. Es war fast wie früher, als ich noch regelmässig ganz alleine mit dem Saugding, den bunten Tüchern und dem besenartigen Ding spielte. Irgendwie lustig und zufriedenstellend. 

Es ist ja nicht so, dass ich heute nie mehr mit diesen Dingern spiele, die ich gestern aus dem Schrank gezerrt habe. Aber heute spiele ich nicht mehr alleine. Immer muss ich teilen, immer gibt es einen, der sich nicht an die Regeln halten will, immer tritt einer mit schmutzigen Füssen auf mein Spielfeld, immer steht einer schmollend am Rand und will nicht mitmachen.

Darum habe ich beschlossen, in Zukunft etwas egoistischer zu sein und wieder viel öfter ganz alleine durch die Wohnung zu toben. Macht einfach mehr Spass. Und für die anderen gibt es auch so noch mehr als genug zu tun. 

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Kurztherapiesitzung

Der Zoowärter liebt Menschen. Zuallererst mal seine besten Freunde und Freundinnen, aber auch Kinder, die er irgendwo –  an einem Geburtstagsfest zum Beispiel –  trifft, in sein Herz schliesst und nie wieder vergisst. Natürlich liebt er auch seine Geschwister und seine Eltern, auch wenn er das im Alltag manchmal gut zu verbergen weiss. Ja, er liebt sogar die Menschen, die glauben, er möge sie nicht ausstehen, weil er sie mit finsterem Blick anschaut. Aber das tut er nur, weil er schüchtern ist. Zuweilen frage ich mich, ob der Zoowärter überhaupt dazu fähig ist, einen Menschen gar kein bisschen zu mögen. 

Weil der Zoowärter Menschen liebt, erfüllt er ihnen jeden nur erdenklichen Wunsch. Seine Freunde wollen bei ihm spielen, auch wenn er eigentlich lieber zu ihnen nach Hause gehen würde? Kein Problem, der Zoowärter lädt sie zu uns ein – auch wenn ich krank auf dem Sofa liege und ausnahmsweise mal nicht das geringste Bedürfnis verspüre, seine Freunde im Haus zu haben. Luise möchte, dass er bei ihr im Zimmer schläft, auch wenn er eigentlich lieber noch lesen würde? Kein Problem. Luise braucht nur zu erwähnen, sie hätte ihr ganzes Bett mit vielen Kissen ausgepolstert und schon lässt der Zoowärter seine Pläne sausen. Manchmal geht Zoowärters Menschenliebe so weit, dass er dabei zusieht, wie einer seine Freunde unsere Hausmauer mit einem Stück Kohle verunstaltet. Das sind dann die Momente, in denen es mir äusserst schwer fällt, die Menschen zu mögen, die unserem Sohn so ans Herz gewachsen sind. 

In letzter Zeit war der für gewöhnlich äusserst friedliebende, fröhliche Zoowärter ziemlich oft weinerlich und aufbrausend. Immer wieder beklagte er sich, er hätte weniger bekommen als die anderen, nie dürfe er, was die anderen dürften, immer müsse er nachgeben. Erst war mir nicht so recht klar, was da vor sich ging und ich wurde ziemlich ungehalten, denn unser Zweitjüngster bekommt im Allgemeinen mühelos, was er sich wünscht. Mit seinen lieben Augen und seiner sanftmütigen Art bringt er mich einfach allzu leicht zum Schmelzen, ich geb‘ es offen zu. Woher also plötzlich dieses Gefühl, er komme immer zu kurz? Hatten wir ihn etwa zu sehr verwöhnt?

Heute Morgen, als er sich weigerte, aus dem Bett zu kommen, weil Luise ihn angeblich dazu gezwungen hat, bei ihm zu schlafen, weshalb er nicht hatte lesen können, dämmerte mir endlich, wo das Problem liegt, also zitierte ich ihn in Mama Vendittis Kurztherapiesitzung. Ob er seine Mitmenschen liebe, fragte ich ihn. Natürlich, kam die Antwort sofort. Ob er wisse, dass man einem Menschen, den man liebe, auch mal nein sagen dürfe? Keine Antwort. Ob er manchmal ja sage, wenn er eigentlich nein sagen möchte, wollte ich wissen. Ja, das sei so, bestätigte der Zoowärter. Ob er darum in letzter Zeit so wütend sei? Der grosse Jammer brach aus ihm heraus: Immer all anderen, nie er. Immer müsse er nachgeben. Nie dürfe er machen, was er wolle…

Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass der Wunsch eines anderen nicht Befehl ist. Dass man auch einem Menschen, den man liebt, mal nein sagen dürfe. Dass er, wenn er lesen wolle, anstatt bei Luise zu schlafen, diesen Wunsch ernst nehmen müsse, weil er sonst ganz wütend werde. Dass er Luise ja auch hätte sagen können, er komme zwar zu ihr, wolle aber lesen, anstatt sich von ihr verkleiden zu lassen. Dass es besonders für Menschen wie ihn, die andere so unglaublich gern haben, besonders wichtig sei, auch mal auf sich selbst zu achten, weil man sonst immer nur (nach)gebe. Dass auch seine Wünsche wichtig seien, nicht nur diejenigen der anderen. 

Wie ich da so mit ihm redete, fuhr es mir durch den Kopf: „Mist! Wen predige ich hier eigentlich an? Ihn oder mich?“

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Fashion-Police

„Meiner“ hat Stil, ziemlich viel davon sogar. So viel, dass er problemlos Komplimente dafür bekommt, obschon seine Kleider ein Mix aus Brocki, Ausverkauf und „seit fünfzehn Jahren in meinem Kleiderschrank“ sind. Nur hin und wieder verlässt ihn sein Sinn für Stil, meist dann, wenn er seiner Verzweiflung über unsere nicht immer rosige finanzielle Lage Ausdruck verleihen will. In einer solchen Phase kaufte er sich vor etwa fünf Jahren für fast nichts einen abscheulichen, anthrazitfarbenen Faserpelz in der „Landi“, den ich ihm seither auszutreiben versuche. Bis vor Kurzem hatte ich gedacht, der Tiefpunkt sei damit erreicht, doch er kann noch tiefer fallen, wenn er sich entsprechend fühlt.

Neulich bekam er von irgendwo eine Tasche voller gebrauchter Sneakers geschenkt. Richtig hässliche Dinger, wie sie die Teenager noch bis vor wenigen Jahren trugen. Klobig, vorne abgerundet, viel zu dickes Material und abartige Farbmuster. Gut, es war Markenware, doch das machte die Dinger nicht schöner und auch nicht weniger ausgelatscht. Er fand sie ebenso schrecklich wie ich und im Vertrauen auf den guten Geschmack meines Herrn Gemahl schenkte ich den Schuhen keine weitere Beachtung. Doch dann sah ich eines schlimmen Tages eines der Paare an seinen Füssen und mir war klar, dass ich dazu nicht schweigen kann.

„Die Schuhe sind scheusslich“, sagte ich zu ihm und glaubte, er hätte verstanden. Doch eine Stunde später hatte er sie noch immer an. „Diese Schuhe sind abscheulich. Du kannst sie nicht tragen“, sagte ich deshalb, doch auch das zeigte keine Wirkung, am nächsten Tag zog er sie wieder an. „Heutzutage trägt keiner mehr solche Schuhe. Du machst dich lächerlich“, insistierte ich. Wieder keine Wirkung, die Schuhe blieben an seinen Füssen. „Diese Schuhe sind ein Lusttöter“, sagte ich deshalb, in der Hoffnung, ihn endlich davon zu überzeugen, dass ich ihn nie wieder mit ihnen sehen will. Alles was ich damit bewirkte, war, dass er sich ein anderes Paar anzog. Eines, das noch viel hässlicher war. „Hör mal, ich weiss, dass du in Trauer bist über den Zustand unseres Budgets, aber für ein Paar anständige Schuhe würde das Geld allemal reichen“, redete ich ihm gut zu und dann griff ich zur schlimmsten aller Drohungen: „Wenn du die Dinger nicht endlich wegschmeisst, gehe ich in den Laden und kaufe dir Schuhe.“ Ich wusste, „Meiner“ würde lieber nackt durch die Strassen laufen, als sich von seiner Frau einkleiden zu lassen. Nicht, weil ich einen derart schlechten Geschmack hätte, sondern weil er es ganz schlimm findet, wenn Männer zu unselbständig sind, um sich selber um ihre Garderobe zu kümmern.

Erst jetzt erkannte ich den Ernst der Lage, denn „Meiner“ blieb auch von dieser Drohung vollkommen unbeeindruckt. Also gab es nur noch eins: Ab in den Müll mit den Dingern. Ich glaube, jetzt hat er endlich verstanden. Als er sie heute im Abfallsack liegen sah, meinte er nur: „Okay, das hast du jetzt deutlich gesagt.“ Als ob all das, was ich vorher gesagt habe, undeutlich gewesen wäre…

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Markttag

Gipfeli gebacken
Stand betreut
Taschengeld ausgeteilt
Krimskrams gehütet, den unsere Kinder von anderen Kindern gekauft haben
Pasta, Zwieback, Gipfeli, Granola, Fotokarten, Pains au Chocolat, Setzlinge, Schälchen, Bilder, etc. verkauft
Mit Karlsson gequatscht
Einen ungeniessbaren Kaffee verschmäht und auf andere Art Koffein nachgeschüttet
Ein wenig Netzwerk geknüpft
Menschen kennen gelernt
Freunde getroffen
Geld gewechselt und gezählt
Mir die Beine in den Bauch gestanden
Stand abgebaut
Auf „Meinen“ gewartet
Das Gröbste weggeräumt
Schlapp gemacht und darum „The Infidel“ geschaut
Feierabend

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Beschäftigt

Heute keine Zeit zum Bloggen, denn morgen ist Markttag. Gipfeli, Pain au Chocolat, Granola, Bilder von „Meinem“, Pasta, Setzlinge, Fotokarten, etc. Kommt doch vorbei, wenn ihr zufällig im Raum Schönenwerd seid.

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Mama-Trotzphase

Die Szene wiederholt sich fast jeden Mittag: Ich stehe am Herd, die Horde kommt ausgehungert die Treppe hochgerannt und macht sich hinter den Vorratsschrank. Gelegentlich gelingt es mir, vor dem ersten Bissen lauthals „Stop!“ zu brüllen – was meine Kinder erstaunlicherweise unbeeindruckt lässt – , meistens aber bleibt mir nur noch ein frustriertes „Warum hast du dir das genommen? Du weisst doch, dass du das nicht darfst und du siehst auch, dass ich am Kochen bin.“ Die Sache treibt mich in den Wahnsinn.

Okay, ich weiss, es gäbe da ein ganz simples Mittel, um dem ärgerlichen Treiben ein Ende zu setzen. Kurz vor dem Eintreffen der Ausgehungerten ein paar Rüebli, Kohlrabi, Gurken  – oder was auch immer Saison hat – in Stängeli schneiden, auf den Küchentisch stellen und schon könnten sie knabbern, ohne sich den Appetit zu verderben. Und ohne mich auf die Palme zu treiben. Das ist es doch, was jede verständnisvolle, vernünftige Mama tun würde, nicht wahr?

Wenn ich doch bloss Lust hätte, verständnisvoll und vernünftig zu sein. Blöderweise befinde ich mich aber gerade in einer Art Mama-Trotzphase, die mich dazu treibt, meinen Kopf durchsetzten zu wollen. Und mein Kopf sagt mir derzeit, ich solle die verwöhnten Blagen dazu bringen, brav zu warten, bis Mama fertig gekocht hat. Klar, da ist die Stimme der Vernunft, die mir in Erinnerung ruft, wie ausgehungert ich jeweils war, als ich noch im Wachstum war. Sie sagt mir auch, es wäre doch ganz schlau, die Kinder über das frische Gemüse herfallen zu lassen, dann würde sich nämlich am Tisch die Salat-Diskussion erübrigen. Natürlich hat sie recht, die Stimme der Vernunft, aber ich will jetzt einfach nicht nachgeben. Noch nicht sofort, auf jeden Fall. Warum nicht? Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich immer und immer wieder entgegenkomme und jetzt einfach mal eine Weile lang auf meinem Standpunkt verharren möchte, wohl wissend, dass es nicht wirklich sinnvoll ist.

So ist das eben, wenn man trotzt und warum sollte ich nicht auch mal trotzen dürfen? Nach all den Trotzphasen, die ich mit immer wieder neu erwachender Geduld über mich habe ergehen lassen, sollen die sich mal an meiner Sturheit die Zähne ausbeissen.

Aber nicht zu lange, sonst können sie keine Rüebli mehr knabbern, wenn ich dann endlich zur Vernunft zurückfinde. 

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Wunder unter dem Sofa

Katzenmama Henrietta ist einfach ein Phänomen. Schleicht sich irgendwann im Laufe des Morgens ins Wohnzimmer, legt sich unters Sofa und fängt an, zu gebären – nicht im Heubett, übrigens. Das alles so leise und unaufgeregt, dass ich, die ich auf dem Sofa meine Magenverstimmung auskuriere, erst etwas davon mitbekomme, als es unter mir zart zu miauen beginnt. Nach und nach kommen die kleinen bis mittelgrossen Vendittis von der Schule nach Hause,  doch Mama Henrietta lässt sich dadurch nicht im Geringsten stören und gebärt in aller Seelenruhe weiter. Ihr doch egal, wenn die Jungs am Esstisch nebenan lärmen und Luise alle paar Minuten zum Sofa gerannt kommt, um zu sehen, ob wieder ein Kätzchen das Licht der Welt erblickt hat.

Kurz nach dem Mittagessen säugen fünf kräftige Katzenmädchen an Henriettas Zitzen. Ebenfalls kurz nach dem Mittagessen stehen fünf gewöhnlich sehr laute Vendittikinder für einmal stumm und andächtig da und bestaunen das Wunder, das sich ganz nebenbei unter dem Sofa abgespielt hat. Das Staunen wird sogar noch grösser, als das Prinzchen eine Eierschale aufhebt, die aus unerklärlichen Gründen den Weg ins Geburtsnest gefunden hat. „Schau mal, Mama, hier ist sogar noch die Schale von dem Ei, aus dem die Kätzchen geschlüpft sind.“

Na gut, den Glauben an dieses Wunder musste ich unserem Jüngsten schleunigst wieder austreiben, sonst kommt er am Ende noch auf die Idee, der Osterhase bringe die kleinen Kätzchen. 

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Relax

Hinter uns liegen zwei äusserst intensive Wochen. Menschen, die wir mögen gaben sich die Klinke in die Hand, die einen auf Einladung, die anderen spontan, aber alle gleich willkommen. Unsere Tage waren angefüllt mit tiefschürfenden Gesprächen, Gelächter, gemütlichen Teestunden, gemeinsamem Kochen und langen Abenden. Torten, Osterhasen, frische Blumen und sogar ein Trampolin für unsere Kinder fanden den Weg zu uns, auch hier wieder einiges als Begleiterscheinung einer Einladung, anderes spontan, aber alles überraschend und sehr willkommen. 

Waren wir ausnahmsweise mal unter uns, nutzten wir die Zeit, um unser Zuhause wieder halbwegs gästetauglich herzurichten und Vorräte für weitere gemütliche Mahlzeiten anzuschleppen. War auch das getan, unterhielten uns Karlsson und Luise, indem sie in die Rolle von Menschen schlüpften, die wir nicht zu unseren bevorzugten Gästen zählen. (Keine Angst, ihr, die ihr hier wart, gehört nicht in diese Kategorie und ihr, die ihr demnächst bei uns eingeladen seid, auch nicht.) Oft brachten sie uns zum Lachen, hin und wieder strapazierten sie damit aber auch unsere Geduld. 

Es war eine schöne Zeit, die wir sehr genossen haben. Dennoch waren „Meiner“ und ich irgendwann ziemlich geschafft. Darum sollte sich jeder von uns am heutigen Ostermontag ein paar Stunden ganz für sich gönnen dürfen. Für „Meinen“ war schnell klar, womit er diese Stunden füllen will: Sauna, Stille, nur ein wenig lesen und ausspannen, bevor morgen der Arbeitsalltag wieder beginnt. Ich aber wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Ein richtig gutes Buch, das mich für ein paar Stunden in eine andere Welt entführt, habe ich derzeit nicht. Bleibe ich zu Hause, bin ich umgeben von einem Haufen unerledigter Dinge, gehe ich in ein Café, laufe ich Gefahr, irgendwelche Bekannte zu treffen und danach ist mir nach diesen zwei Wochen trotz aller Liebe zu meinen Mitmenschen nicht wirklich.

Nach reiflicher Überlegung kam ich zum Schluss, dass einzig die  Luxusvariante taugt, um mir etwas Ruhe zu verschaffen: Eine heftige Magenverstimmung, die mich dazu zwingt, mich jammernd ins Bett zu legen und mir die Decke über den Kopf zu ziehen. Ich weiss eben noch, wie sich richtige Erholung anfühlen sollte…

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Wie wär’s mit einer Heugeburt?

Bereits zum zweiten Mal begleite ich sie durch eine Schwangerschaft und wie schon beim letzten Mal lässt sie sich viel Zeit mit der Entscheidung, wo der Nachwuchs zur Welt kommen soll. Wir haben uns zwar schon zwei oder drei Geburtsstätten angeschaut, doch bisher ist sie mit keiner so richtig warm geworden; mal tendiert sie eher zu kuschelig und warm, dann wieder zu kühl und funktional. Allmählich macht sie mich ein wenig nervös mit ihrem andauernden Hin- und her, denn die Geburt steht unmittelbar bevor. Wenn sie sich nicht endlich entscheidet, passiert es am Ende noch im Treppenhaus.

Gut, immerhin scheint sie inzwischen zu wissen, in welche Richtung es gehen soll: Zurück zum Wissen ihrer Vormütter. Mir scheint, sie liebäugelt mit einer Heugeburt, so wie das früher eben üblich war. Ich habe da zwar noch einige Bedenken bezüglich der Sauberkeit im Gebärsaal, doch wir haben ihr schon mal vorsorglich ein weiches Heulager unter dem Sofa eingerichtet. Einfach für den Fall, dass sie sich für die traditionelle Geburt entscheidet. Wo sie schon den ganzen Schmerz durchstehen muss, soll Katzenmama Henrietta wenigstens wählen dürfen, wo sie ihre Kinder zur Welt bringt.

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