Letzter erster Schultag

Natürlich hat sie ein wenig geheult. Jede Glucke heult ein wenig, wenn sie ihren Jüngsten in die Klauen der Schule übergeben muss. In solchen Momenten ist es der Glucke egal, dass ihr Jüngster durchaus willig und bereit ist, endlich offiziell zu lernen, was er schon längst von den grossen Geschwistern abgeschaut hat. Sie blendet auch aus, dass die Schule heute die Erstklässler nicht mit dem bei den grossen Geschwistern üblichen Kasernenhofton, sondern mit einem freundlichen Lächeln und einem Glückskäfer empfing. Ja, nicht einmal die Tatsache, dass ich mir diesen Tag seit Wochen herbeigesehnt habe, weil endlich etwas Ruhe im Haus einkehrt, vermag sie daran zu hindern, ein paar Tränen zu verdrücken und auf dem Heimweg über diese „unbeschreibliche Leere“, zu klagen, die sich in ihr breit macht. 

Ich finde ja, die Glucke übertreibe mal wieder gewaltig. Noch nie konnten wir einem ersten Schultag so unbesorgt entgegen sehen. Eine neue Lehrerin, die ihre Schützlinge mit Herzlichkeit empfängt und über die noch kein grosser Bruder und keine grosse Schwester je ein böses Wort hat verlieren können, weil sie in der Familie noch gänzlich unbekannt ist. Ein vor Selbstbewusstsein strotzendes Kind – Hat man schon je zuvor einen Venditti gesehen, der sich am allerersten Schulmorgen freiwillig zu Worte meldet? -, das seine Mutter ermahnt, sie solle dann bitte nicht stören, wenn die Eltern noch kurz im Schulzimmer bleiben dürfen. Eine Mutter, die überreif ist, endlich mal wieder so etwas wie ein eigenes Leben zu leben. Viel besser könnten die Startbedingungen nun wirklich nicht sein. 

Aber für eine wahre Glucke spielen solche Dinge keine Rolle. Sie sieht nur, wie ihr kleines, zartes Prinzchen oben auf der grossen Schulhaustreppe steht und schon fliessen die Tränen. Dass dieses kleine, zarte Prinzchen dabei ein ziemlich freches „Nun krieg dich wieder ein, Mama“-Grinsen auf dem Gesicht hat, macht die Sache für sie nicht einfacher…

best mom award; prettyvenditti.jetzt

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Schulreif

Wenn sie….

…die unreifen Äpfel vom Baum reissen und anbeissen, obschon du ihnen eben erst zum hunderttausendsten Mal erklärt hast, es sei noch nicht Erntezeit,…

…in Nachbars Garten heimlich ein Feuer machen, nachdem du ihnen diesen Sommer nur etwa eine Million Mal von der Sache mit der grossen Hitze und dem fehlenden Regen erzählt hast,…

…beim Spiel mit dem Gartenschlauch die frisch gewaschene Wäsche nass spritzen und die Waschküche unter Wasser setzen,…

…sich wegen irgend eines dämlichen Plastik-Minions aus der Chipspackung die Köpfe einschlagen,…

…sich überhaupt aufführen wie Dreijährige, sobald du ihnen den Rücken zudrehst,…

…dann ist es allerhöchste Zeit, dass endlich wieder die Schule beginnt. Ja, ich weiss, spätestens übernächste Woche werde ich wieder über den Schulalltag jammern, aber für den Moment habe ich die Nase gestrichen voll vom Sommerferienbetrieb.

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Auch du, mein Sohn?

Seitdem der FeuerwehrRitterRömerPirat zehn geworden ist – also seit mehr als einem Jahr -, male ich mir aus, wie das werden wird, wenn wir zwei den Mama-Tag, den unsere Kinder zum ersten runden Geburtstag geschenkt bekommen, miteinander verbringen. Ich stellte mir vor, wie wir mit dem Zug irgendwo hin fahren würden, die ganze Fahrt über in angeregte Gespräche über Napoleon, Karl den Grossen und Obelix vertieft. Am Zielort angekommen würden wir von einem Museum zum nächsten ziehen, ab und zu in einem Bücherladen einen Zwischenstop einlegen und vielleicht auch das eine oder andere historische Gebäude besuchen.

Eine absurde Vorstellung? Mitnichten, denn der FeuerwehrRitterRömerPirat und ich teilen eine tiefe Leidenschaft für Bücher und Historisches. Okay, er hat’s mehr mit den Schlachten und den hinterhältigen Anschlägen, aber im Grossen und Ganzen interessieren wir uns für die gleichen Epochen und wir beide wünschten uns nichts sehnlicher, als dass die anderen Vendittis mal ihre Klappe hielten, damit wir in Ruhe nachdenken könnten. Durchaus verständlich also, dass ich mir den Tag mit meinem Dritten wie oben beschrieben vorstellte, zumal er mir mehrmals Andeutungen in diese Richtung machte.

Aber wie das so ist, wenn ein Kind zu lange Zeit hat, darüber nachzudenken, was es an diesem besonderen Tag wirklich anstellen möchte, kommt es irgendwann auf Ideen, die so gar nicht seinem Naturell entsprechen. Es hört, wovon andere schwärmen, sieht Werbeprospekte von ihm gänzlich fremden Welten, überlegt sich, womit man die Schulkameraden am ehesten beeindrucken könnte, berät sich mit seinen Geschwistern und irgendwann steht es da und verkündet: „Mama, du kommst mit mir in den Europa Park.“ „Aber du magst doch keine wilden Bahnen…“ „Egal, ich will in den Europa Park!“ „Aber hast du nicht gesagt, dieses Museum da….“ „Nein, Europa Park!“ „Aber….“ „Europa Park!“ 

Und so bleibt am Ende nichts anderes, als mit zittriger Stimme zu sagen: „Auch du, mein Sohn Brutus?“ Was aber leider nichts an seinem Entschluss ändert….

more than 17 pieces; prettyvenditti.jetzt

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Teenieprogramm

Eigentlich müsste das ja so sein: Die Teenies müssten sich irgendwo hinter ihren Gadgets verschanzen, wir Eltern müssten motzen, dass das so nicht geht und uns den Kopf zerbrechen, wie wir die Brut dazu bringen, nicht gänzlich zu verfaulen. Irgendwann hätten wir die grandiose Idee, einen Abendspaziergang vorzuschlagen, was natürlich auf erbitterten Widerstand stiesse. Nach einigem „Wenn du nicht mitkommst, gibst du das Handy ab und zudem ist es eine wundervolle Fast-Vollmondnacht…“, würden wir schliesslich mit zwei übellaunigen Teenagers im Schlepptau eine kurze Runde im Quartier drehen.

Genau so stellt man sich das doch vor, wenn man noch keine Kinder in dem Alter hat.

Es könnte aber auch so kommen: Ein Abend in den Sommerferien, drei von fünf schlafen auswärts, „Meiner“ hat ein Rendez-vous mit Netflix, ich liege schlapp auf dem Sofa und klappere das www nach Bausteinen für mein aktuelles Hirngespinst ab, Karlsson räumt sein Zimmer auf und Luise fordert Action. Etwa so…

Luise: „Gehen wir in den Aarekanal?“

Ich: „Nein, keine Lust. Bin viel zu müde. Und überhaupt, mein Asthma…“

Luise: „Spielen wir Monopoly?“

Ich: „Nein, keine Lust. Bin viel zu müde. Und überhaupt, viel zu kapitalistisch….“

Luise: „Wir könnten Velo fahren…“

Ich: „Nein, keine Lust. Bin viel zu müde. Und überhaupt, mein Asthma…“

Luise: „Machen wir wenigstens einen Spaziergang? Das wäre doch so schön…“

Ich: „Äääääähm….“

Irgendwann sind sie halt einfach aufgebraucht, die faulen Ausreden und dann findest du dich auf einmal in Begleitung sämtlicher an diesem Abend verfügbaren Familienmitglieder auf einem ausgedehnten Abendspaziergang mit viel Gequatsche, ein wenig Gezicke, ein paar Geständnissen – und zwei Fackeln.

(Fackeln? Voll peinlich! Als Wiedergutmachung für diese Peinlichkeit fordere ich einen Freipass für mindestens fünf ganz und gar deplacierte Mama-Bemerkungen.)

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Schwimmbadmenschen

An kaum einem anderen Ort zeigen sich die Menschen so ungeschminkt wie im Schwimmbad. Die folgenden Exemplare haben es mir besonders angetan:

  • Die kleine Nervensäge: Dieses Kind, das dein Kind auf dem Schulweg fast täglich zum Heulen bringt, das unablässig nach Wegen sucht, ihm eins auszuwischen und keine Mühen scheut, ihm das Leben schwer zu machen. Jetzt aber, während der hochsommerlichen Spielkameradenknappheit, heftet es sich an die Fersen deines Kindes, kaum hat es das Drehkreuz am Schwimmbadeingang passiert. Interessant, wie toll es sich plötzlich mit deinem Kind zu unterhalten weiss. Interessant aber auch, wie es schmollen kann, wenn dein Kind mal keine Lust hat, nach seiner Pfeife zu tanzen und stattdessen Zeit mit seiner Familie verbringt. 
  • Das Kiosk-Ekel: Egal, wie selten du dich zum Kiosk verirrst, er ist immer dort. Mal beklagt er sich, die Pommes Frites seien zu kalt, mal schimpft er über unerträglich lange Wartezeiten und wenn er ausnahmsweise keinen Grund zum Meckern findet, belästigt er das Personal mit sexistischen Sprüchen. Ein richtiger Schatz also, den man einfach gern haben muss. 
  • Die Lederhaut: Irgendwann, so etwa in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, hat ihr jemand gesagt, wie unglaublich sexy sonnengebräunte Haut sei und seither verpasst sie keine Gelegenheit, sich in der Sonne zu rösten. Für eine möglichst streifenfreie Bräune muss der Badeanzug knapp bis inexistent sein, Kettenrauchen unterstützt die regelmässige Faltenbildung. Das Schwimmbecken meidet sie ebenso konsequent wie die Warnbroschüren, die ihr nun schon seit gut zwanzig Jahren die Freude am Sonnenbaden vermiesen wollen. 
  • Die „Ich treibe mich bestimmt nicht im Babybecken rum“-Mama: Sie glaubt doch allen Ernstes, sie könnte sich ersparen, was wir alle über uns haben ergehen lassen müssen: Die quälenden Stunden am seichten Wasser, das nicht allein von der Sonneneinstrahlung so warm werden konnte, wie es ist. Mit Vorliebe planscht sie mit ihrem Baby im Auffangbecken vor der Rutschbahn, natürlich in Begleitung anderer Mamas ihrer Sorte, denn sonst würde sie den aktuellen Tratsch verpassen. Hier ist sie der glücklichste Mensch auf Erden, zumindest solange keines jener grässlichen Schulkinder angerutscht kommt und ihrem kleinen Liebling rücksichtslos Chlorwasser ins Äuglein spritzt. 
  • La Famiglia: Sie besteht aus Mama, Papa, Nonno, Nonna und Kleinkind, das – mit Schwimmreifen, Schwimmflügel, Schwimmweste und Badenudel ausgestattet -, davon überzeugt werden soll, dass Wasser eine wunderbare Sache ist. Nach etwa einer halben Stunde und zahlreichen „Attenzione!“- und „Bravo!“-Rufen ist endlich der kleine Zeh im Wasser, diese Erfahrung ist aber meist so erschreckend, dass nur eine grosse Portion Pommes Frites mit ganz viel Ketchup den Schock lindern kann. (La Famiglia muss übrigens nicht zwingend aus Europas Süden stammen, ich beschreibe hier lediglich das aktuellste Drama dieser Art, das sich vor meinen Augen abgespielt hat.)
  • Der Opa: Er holt nach, was er bei seinen Kindern verpasst hat und zwar mit vollem Einsatz. Mit der Ernsthaftigkeit eines Offiziers unterweist er seine Enkel in der Kunst des Schwimmens, Tauchens und Springens, seine mit kräftiger Stimme vorgetragenen Anweisungen sind im ganzen Schwimmbad zu vernehmen. Wer es wagt, das Exerzieren zu stören, bekommt den Kasernenhofton zu hören. 
  • Die alternde Statue: Das männliche Pendant zur Lederhaut. Verbringt gleich viel Zeit an der prallen Sonne wie seine Kollegin, ist aber gewöhnlich Nichtraucher und bis in die letzte Faser seines Körpers durchtrainiert. Da liegt er in knapper Badehose an der Sonne, um der Menschheit zu zeigen, dass Alter und Fitness einander nicht ausschliessen. Fragt sich bloss, wo er sich seine gestählten Muskeln holt, wo er sich doch nur bewegt, um sich vom Bauch auf den Rücken und ein paar Stunden später wieder zurück zu drehen. 
  • Die Poolside-Mama: Um nichts in der Welt würde sie ihren Nachwuchs, der schon längst schwimmen kann, aus den Augen lassen, aber nass werden geht nicht, denn sonst könnte die Frisur leiden, oder der Nagellack oder sonst irgendwas. Also sitzt sie mit Leidensmiene neben dem Schwimmbecken, sorgsam darauf bedacht, nicht einen einzigen Spritzer Wasser abzubekommen, wenn Söhnchen oder Töchterchen ins Wasser hüpft. 
  • Tussi in the making: Von frühester Kindheit an hat ihr die Mama weis gemacht, dass es im Leben einzig und alleine darauf ankommt, die Aufmerksamkeit eines männlichen Wesens – und sei dieses noch so mittelmässig – zu erheischen und jetzt ist sie endlich kurvig genug, um es ihrer Mama gleichzutun. Falls der knappe Bikini, der provokative Hüftschwung und das Dauerkreischen ihre Wirkung verfehlen, gibt sie schon mal vor, die Wasserströmung habe ihr das Höschen ausgezogen, um endlich die Neugierde eines am Beckenrand lauernden Aufreissers in the making (siehe unten) zu wecken.
  • Aufreisser in the making: Von frühester Kindheit hat der Papa ihm weisgemacht, dass es im Leben einzig und alleine darauf ankommt, die Aufmerksamkeit eines weiblichen Wesens – und sei dieses noch so mittelmässig – zu erheischen und jetzt ist er endlich muskulös genug, um es seinem Papa gleichzutun. Falls der gestählte Body, das gockelhafte Getue und die grenzwertigen Sprüche ihre Wirkung verfehlen, muss er manchmal auch ein wenig grabschen, um endlich eine Tussi in the making zu angeln. 
  • Die Kaffeetante: Keine Ahnung, warum sie im Schwimmbad ist, denn eigentlich tut sie den lieben langen Tag nichts anderes, als mit ihren Freundinnen zu quatschen und Kaffee zu trinken, meistens sogar angezogen. Mit dem Geld, das sie am Schwimmbadkiosk liegen lässt, könnte sie sich locker drei Wochen Luxusferien in der Karibik leisten. 

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Du denkst doch dran, Mama?

Das Prinzchen im Fünfminutentakt: 

„Nicht vergessen, Mama, wir müssen noch Turnzeug kaufen für mich. Für die Schule, weisst du.“

„Denkst du dran, dass ich noch Bleistifte brauche vor dem ersten Schultag?“

„Mama, weisst du denn eigentlich, an welchem Tag die Schule beginnt? Nicht dass wir den ersten Tag verpassen.“

„Du hast nicht vergessen, dass die Turnschuhe keine schwarzen Sohlen haben dürfen, nicht wahr?“

„Aber wir haben ganz bestimmt noch genügend Zeit, alles zu besorgen, bevor die Schule beginnt, oder?“ 

„Haben wir einen wasserdichten (sic!) Stift? Wir müssen ja noch alles anschreiben. Nicht vergessen, gell Mama…“

„Eine Schachtel sollte ich noch haben. Reicht es, wenn wir sie nächste Woche kaufen, oder hat die Schule dann schon angefangen?“

„Meine Schulsachen sind alle schon gepackt. Also ja, alles, was ich schon habe. Du denkst doch dran, dass ich noch nicht ein paar Sachen brauche? Ich will wirklich alles dabei haben, wenn die Schule anfängt…“

Mein liebes Prinzchen, du denkst doch nicht etwa, ich würde so etwas Wichtiges wie deinen ersten Schultag verpassen? Und überhaupt: Du weisst doch, dass ich nun schon seit vielen Jahren deine Geschwister durch die Schulzeit begleite und in solchen Dingen ein alter, erfahrener Hase bin, auf den man sich blind verlassen kann. Oder willst du etwa behaupten, ich hätte bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter jemals nur den klitzekleinsten Papierschnipsel vergessen? 

(Wie, hat da einer gelacht? Vielleicht sogar ein Lehrer?)

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Ja, mein Prinzen,

Fundstücke

Was tut die Bloggende, wenn ihr in der Hitze des Sommers die Ideen ausgehen, sie aber ganz genau weiss, dass manche Menschen sich ernsthafte Sorgen machen, wenn sie mehr als zwei Tage hintereinander nichts von sich vernehmen lässt? Na, was wohl? Sie schaut nach, mit welchen Suchbegriffen sich die Leute auf ihre Seite verirren und findet Folgendes: 

  • „Teenager keine sauberen Kleider“ – Also, ich würde es mal mit der Waschmaschine probieren. Aber vielleicht geht es ja eher um die Frage, wie man einen Teenager überhaupt dazu bringt, die schmutzige Wäsche aus dem Zimmer freizugeben, zu dem die Eltern keinen Zutritt haben. In diesem Fall ist Geduld gefordert, denn nach meiner Erfahrung werden die Kleider erst aus der Geiselhaft entlassen, wenn wirklich gar nichts Sauberes mehr da ist. Man sagt, manche Teenager würden unter diesem extremen Druck sogar auf wundersame Weise die Bedienung der Waschmaschine erlernen, allerdings erst, nachdem sie ihren Erzeugern vorgehalten haben, sie würden sich nie, aber auch gar nie um die Wäsche kümmern. 
  • „wan sind kinder aus dem gröbsten raus“ – Also zuerst müssten wir natürlich mal definieren, was „das Gröbste“ ist, aber ich nehme an, die arme Person, die aus lauter Verzweiflung nicht mal mehr in der Rechtschreibung Halt fand, wollte wissen, wann das endlich ein Ende nimmt mit diesem Affentheater und darauf kann ich nur antworten: Es nimmt kein Ende. Sobald deine Kinder halbwegs vernünftig sind, wirst du selbst auf einmal anstrengend, oder deine Schwiegermutter tut schwierig, oder dein Partner will plötzlich einen Fahrraddress und Dauerwellen, oder der verschollen geglaubte Grossonkel taucht auf und will bei euch einziehen, oder… Kurz: Einer spinnt immer und darum versuchst du am besten, das alles mit Humor zu nehmen, dann ist „das Gröbste“ auch gar nicht mehr so schlimm. 
  • „geschaftdtuchtig“ – Die Person ist offensichtlich nur bei mir gelandet, weil die Suchmaschine dieses Buchstabenkonstrukt nicht als das Wort „geschäftstüchtig“ erkannt hat. Über Geschäftstüchtigkeit lernt man bei mir nun wirklich nichts, denn wenn mir eines nicht liegt, dann ist es, die Dinge zu Geld zu machen, die mir liegen. 
  • „mein tochter eine auge gross als die linke“ – Also, wenn der Grössenunterschied nicht allzu markant ist, würde ich mir da keine Sorgen machen, aber ich bin natürlich keine Expertin. 
  • „Gummistiefel auf dem Schulweg tragen“ – Spricht etwas dagegen? 
  • „Wann ist Burrata schlecht“ – Nie! Burrata ist immer gut. Es sei denn, sie wäre verdorben und dann riecht man das auch. 
  • „Bekomme ich Schnupf im Tamar“ – Also, das würde mich jetzt wirklich auch interessieren. Kann da jemand weiterhelfen? 
  • „Wird sie in einem Elternbrief gross geschrieben“ – Aber natürlich! Es sei denn, Sie schreiben über sie, dann schreiben Sie „sie“ klein. 
  • „Wie schlagen in Süditalien die Kirchenglocken“ – Auch eine interessante Frage, aber da ich gerade nicht das geringste Bedürfnis verspüre, nach Süditalien zu reisen, reiche ich sie grosszügig weiter. 
  • „Käfer im menschlichen Darm“ – Ja, ich weiss, ich schreibe immer mal wieder gerne über die lieben kleinen Käferlein, die uns regelmässig heimsuchen, aber das muss man nicht so wörtlich nehmen. Also keine Maikäfer und so. 
  • Papa Moll Bedeutung“ – Wie jetzt, der hat eine tiefere Bedeutung? Der ist gar nicht so oberflächlich und bünzlig, wie ich immer gemeint habe? 
  • „high effekt lunch break“ – Tut mir leid, da kann ich nicht dienen. Mein „lunch break“ hat einzig den „effekt“, dass ich danach ganz dringend ein Mittagsschläfchen halten will und ich glaube nicht, dass das als „high effekt“ durchgeht. 
  • „putzen in Griechenland javel“ – Echt jetzt, ich glaube, in Griechenland haben sie derzeit andere Sorgen. 
  • „grose bose alte hexe“ – Jetzt mal langsam! Erstens bin ich nicht gros, als besonders bose bin ich auch nicht bekannt, alt bin ich einzig in den Augen meiner Kinder und eine Hexe bin ich meines Wissens auch nicht, also hör gefälligst auf, mich zu beleidigen. 
  • „Smartieskuchen Kinder“ – Wie oft muss ich noch sagen, dass ich keine Smartieskuchen backe? Und ihr sollt gefälligst auch endlich damit aufhören, wenn ihr nicht wollt, dass den Lehrern eurer Kinder das Zeug irgendwann aus den Ohren kommt, weil die Kinder nie etwas anderes mitbringen. 
  • „beautiful finditti“ – Find ich irgendwie noch fitzig, äääähm, ich meine witzig. 
la collina; prettyvenditti.jetzt

la collina; prettyvenditti.jetzt

Er ist doch noch so klein…

Langsam wird’s mir wirklich ein bisschen viel mit diesen Meilensteinen. Letzte Woche schloss das Prinzchen den Kindergarten ab und beendete damit die zehnjährige „Vendittis im Kindergarten“-Ära. Luise sagte der Primarschule Adieu und ist mir zugleich über den Kopf gewachsen. Also, ich meine jetzt, von der Grösse her, sonst Gott sei Dank noch nicht, auch wenn sie es immer mal wieder probiert. Und Karlsson fängt auch schon an, sentimental zu werden, weil „diese Schulzeit ja wirklich so furchtbar schnell vorbeigegangen ist. Ein Jahr nur noch…“ Als ob das alles für eine Gefühlsduselige wie mich nicht ausreichen würde, reist Zoowärter morgen zum ersten Mal ins Jungscharlager. Zoowärter? Jungscharlager? Spinnen die denn? Der Kleine ist doch erst….also ja….ich meine, alt genug ist er schon, und klein ist er ja auch nicht, aber er ist doch wirklich noch nicht so richtig….wie soll ich sagen? Also verglichen mit Karlsson ist er doch noch ein Zwerg und ganz bestimmt nicht reif fürs Lager. Ja, ja, ich weiss, vom Jahrgang her stimmt das schon, aber….

Ach, was soll’s? Ich kann vor mich hin brabbeln, so viel ich will, kann versuchen, irgendwie zusammenzrechnen, wo denn die Zeit geblieben ist. Aber das ändert auch nichts an der Tatsache, dass jene recht hatten, die damals, als die jetzt schon fast Grossen noch klein waren, prophezeiten, die Zeit mit Kindern würde wie im Flug vergehen.

Na ja, immerhin ist dem Zoowärter vor dem Jungscharlager-Meilenstein fast noch mulmiger als mir.

(Himmel, das ist doch kein Trost! Ich weiss ja nur zu gut, wie sich der Arme die Seele aus dem Leib heult, wenn er traurig ist und was wird dann, wenn er so richtig Heimweh bekommt?)

mangiare uno; prettyvendittti.jetzt

mangiare uno; prettyvendittti.jetzt

Brot-Snobs

Karlsson findet, im Restaurant, wo er neulich mit der Klasse zum Brunch war, hätten sie keine Ahnung, wie man anständige Baguettes und Croissants bäckt. Zoowärter beklagt sich, das Brot in der Migros sei auch nicht mehr, was es mal gewesen sei. Viel zu weich, fast schon wie Gummi sei es. Kommt ausnahmsweise mal wieder ein Brot aus der Bäckerei auf den Tisch, geht des Gemotze erst recht los. Das Zeug könne man nun wirklich nicht essen, ob ich es überhaupt noch verantworten könne, in einem Laden Geld auszugeben, der so wenig auf anständige Qualität gebe, wollen die Knöpfe unisono wissen. 

Nach aussen gebe ich natürlich die Moralistin. „Nun seid doch dankbar für das, was ihr habt. Andere Kinder müssen hungern“, sage ich, wenn sie jammern, weil gerade nichts Ofenfrisches zu haben ist. Insgeheim bewegt es mich aber sehr, dass sie inzwischen zu regelrechten Snobs in Sachen Brot geworden sind, denn damit sagen sie mir, dass ich auf meinem Weg, richtig gutes Brot zu backen ein ganzes Stück weiter gekommen bin. Und eigentlich bin ich kein bisschen besser als meine Brut, habe ich doch gestern, als „Meiner“ und ich endlich mal wieder ein paar Momente ohne Kinder in der Bar am Fluss sassen, das Brot kaltschnäuzig verschmäht, obschon es eines war, das ich vor noch nicht allzu langer Zeit als durchaus gut bezeichnet hätte. 

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Entstaubt

Es war einmal ein Museum, ein kleines, leicht angestaubtes Ding, das am Rande einer Schweizer Stadt ein eher unauffälliges Dasein fristete. Viel war da nicht los, aber wer sich zufällig mit seinen Kindern dorthin verirrte, kam dennoch kaum mehr aus dem Haus raus. Die einen konnten sich nicht mehr von den Ritterrüstungen losreissen, die anderen stellten sich vor, wie es wohl wäre, mit dem prächtigen Schwanenschlitten bei klirrender Kälte durch die Landschaft zu sausen, wieder andere wollten die napoleonischen Kriege bis ins Detail erklärt bekommen, bloss weil da ein paar sonderbare Hüte und Kokarden zu sehen waren. So glücklich waren gewisse Kinder nach dem Besuch, dass sie darum bettelten, bald wiedermal reingehen zu dürfen. Gewiss, das Museum war unspektakulär, aus Sicht der Fachleute vermutlich auch etwas rückständig, aber alles in allem war es ein nettes, sympathisches Haus.

Mit nett und sympathisch lässt sich heutzutage natürlich nicht mehr punkten und so musste irgendwann ein Neubau her, der in seinem Gefolge natürlich auch ein neues Konzept mit sich brachte. Als die Türen für das Publikum wieder geöffnet wurden, war nichts mehr, wie es zuvor gewesen war. Der alte Krempel mehrheitlich verschwunden, was man noch für sehenswert erachtet hatte, „neu inszeniert“, wie man so schön sagt. Alles schlicht, multimedial und natürlich interaktiv. Hier wird nicht mehr betrachtet, sondern mitgedacht. Topmodern also.

Sie werden gerne hier verweilen, die Leute, die etwas von Museen und Ausstellungskonzepten verstehen. Sie werden das Haus mit Lob, vielleicht sogar mit Auszeichnungen überschütten. Die Kinder allerdings, die früher mit staunenden Augen durch die Ausstellung gegangen waren, fragen jetzt nach zehn Minuten schon: „Mama, wann können wir endlich wieder raus hier?“

vogel;prettyvenditti.jetzt

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