Vormittägliche Ruhestörung?

Die einen Nachbarn sitzen bis weit nach Mitternacht lachend und quatschend im Garten und keinem käme es in den Sinn, deswegen ein Theater zu machen. Klar, manchmal wünschte man sich, sie würden die Stimmen ein wenig dämpfen, aber was soll’s, es ist Sommer und sie sind glücklich.

Ein anderer Nachbar ist Liebhaber von Jahrmarktsorgeln. Manchmal nervt das Gedudel, aber es stört auch nicht wirklich, also freut man sich, dass da einer seine Leidenschaft gefunden hat.

Auch eine Nachbarin zeigte sich neulich sehr leidenschaftlich. Was da alles im Schlafzimmer abing, kann ich nur erahnen, auf alle Fälle liess sie die ganze Nachbarschaft an ihrem Liebesglück teilhaben und zwar mitten in der Nacht. Kein Problem, obschon ich es vorgezogen hätte, etwas weniger mitzukriegen. Bei allzu Privatem fühle ich mich immer als Eindringling, wenn ich mithöre.

Dann gibt es noch den fanatischen Rasenmäher. Ich habe bis heute nicht herausgefunden, in welchem Haus er wohnt, ich höre immer nur das Gebrumm. Ja, es stört, aber wir sind auch nicht immer leise, also soll er doch seinen Rasen mähen, wenn es ihn glücklich macht.

In einem Haus wohnt jemand, der gelegentlich seine Hunde alleine zu Hause lässt. Das stundenlange Gekläffe ist dann schwer zu ertragen, aber solange nicht zu befürchten ist, dass die Hunde leiden, sehe ich keinen Grund, mich zu beschweren.

Dann ist da noch der Nachbarsjunge mit dem Schlagzeug. Ich mag kein Schlagzeug, aber ich mag den Jungen und vor allem finde ich es toll, dass er mit seiner Zeit etwas anzufangen weiss. Soll er doch sein Instrument traktieren, so oft und so lange er will.

Irgendwo läuft fast ununterbrochen der Fernseher. Im Garten. Auf Italienisch. Schlimm. Aber nicht schlimm genug, um deswegen mit dem Fernsehbesitzer das Gespräch zu suchen.

In unserem Haus lebt Karlsson, der liebend gerne am Klavier sein Edith-Repertoire erweitert. Nicht pausenlos, aber doch mehrmals am Tag, wenn auch nicht während der offiziellen Ruhezeiten. Dennoch nervt es zuweilen, ich gebe es ganz offen zu. Aber wenn ein junger Schnösel am Sonntagvormittag um halb zwölf an der Tür klingelt, sich nicht vorstellt, sondern einfach nur jammert, er sei durch das Klavierspiel geweckt worden und dabei sei es noch so früh am Morgen, unser Sohn möchte doch bitte aufhören, dann hört es bei mir auf mit dem Verständnis. Wann, mein lieber, unbekannter Herr Nachbar, darf eine Familie denn noch ihr Leben leben, wenn nicht tagsüber?

(Wo ist sie denn, die einsame Insel, wo man Menschen wie uns noch duldet?)

they Arme coming; prettyvenditti.jetzt

they are coming; prettyvenditti.jetzt

Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen…

…und dann immer noch mehr Fliegen und noch mehr und noch mehr, in jedem Zimmer, im Treppenhaus, einfach überall, dann verliere ich langsam aber sicher die Nerven. Alle Welt jammert über die Hitze, aber all die Mist-, Stuben- und Fruchtfliegen, die diese Hitze mit sich bringt, nimmt man stillschweigend hin, gerade so, als könne man sich mit ihnen arrangieren. Kann man aber nicht, zumindest nicht, wenn in der Nachbarschaft Pferde hausen und sich deswegen noch viel mehr von diesen Viechern im Quartier rumtreiben. Das Schlimmste an der Sache ist: Allmählich fange ich an, an mir selbst zu zweifeln. Werde ich nämlich im Morgengrauen geweckt, weil die Biester pausenlos um mich herumschwirren, sich auf mir niederlassen, wieder abheben, um ein paar Zentimeter weiter links oder rechts wieder auf mir zu landen, dann frage ich mich, ob ich mich in ein Rindvieh verwandelt habe, ohne es zu bemerken. 

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Das war so…

Zuerst schrammten wir haarscharf an einem Krach vorbei. Er wollte nicht, was ich wollte, ich wollte nicht, was er wollte und natürlich brachte er es nicht übers Herz, zu gestehen, dass meine Idee viel besser war als seine. Dann schrieb ein Freund vom Schwimmen in der Aare, mir kam das alte, aber wunderbare Velo in den Sinn, das „Meiner“ mir neulich geschenkt hat und der Fall war klar: Velofahrt in die Stadt, Frühstück im Strassenkaffee, auf dem Heimweg ein Bad im Aarekanal und dann würden wir weitersehen. Der Krach war abgewendet, das Frühstück war nett, am Ende waren wir so versöhnt, dass er mir das Velo am Ufer entlang schob, währenddem ich im Aarekanal schwamm. 

Tja, und dann…also, das ist mir jetzt fast ein wenig peinlich….ich meine, so etwas sollte man wirklich nicht tun, aber wir konnten einfach nicht anders….wir waren ganz und gar machtlos….es zog uns förmlich dorthin. Ein paar Stunden Hamam und Sauna mussten einfach sein. Und ehe ihr euch jetzt voller Entsetzen an die Stirn greift, lasst euch gesagt sein, dass meine ozongeplagte Asthmatikerlunge seit Wochen nicht mehr so glücklich war wie heute nach der Sauna. 

Ach ja, „Meiner“ und Karlsson haben sich übrigens dazu entschieden, die Unterschrift für echt zu halten. Somit wäre die Sache mit dem Lohn geregelt. 

Und das Prinzchen möchte jetzt lieber Karlssons Sohn sein, weil es mit dem so viel mehr Spass macht. 

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Kinderfrei-Dilemma

Noch nie war es so einfach, kinderfrei zu bekommen. Nummer zwei, drei und vier sind im Jungscharlager, also war nur eine kurze Lohnverhandlung mit Karlsson erforderlich, um die Prinzchenbetreuung zu regeln. Karlssons Bedingungen: Der Stundenlohn – der auf gar keinen Fall unter dem liegen darf, was wir vor Jahren einem grottenschlechten Babysitter bezahlt haben -, sollte vorzugsweise in Naturalien ausbezahlt werden. Er hat da nämlich neulich bei eBay eine von der heiligen Edith signierte Single aufgestöbert, deren Preis den Rahmen des Taschengeldes sprengt. Wir müssen nur noch herausfinden, ob die Unterschrift wirklich echt ist. (Himmel, in welchem Erziehungskurs bereiten sie dich auf so etwas vor? Was man mit widerspenstigen Trotzköpfen anstellt, das sagen sie dir, aber keiner erklärt dir, wie du das Gekritzel einer verblichenen Chansonnière auf seine Echtheit überprüfst. Dabei kann es durchaus eine mittelgrosse familiäre Krise auslösen, wenn du nur dämlich sagst: „Also, da kann ich dir jetzt wirklich nicht weiterhelfen. Vielleicht ist die Unterschrift echt, vielleicht auch nicht. Auf alle Fälle finde ich das Ding ganz schön teuer.“) 

Nun, wie dem auch sei, wir haben morgen kinderfrei und das Prinzchen freut sich wie verrückt darauf, mal einen ganzen Tag ohne uns, dafür alleine mit Karlsson, dem grossen Bruder, den er ähnlich vergöttert wie dieser die kleine Sängerin aus Paris, zu verbringen. Blöd ist einfach, dass „Meiner“ und ich keine Ahnung haben, was wir morgen anstellen sollen. Gewöhnlich müssen wir ja keine Sekunde überlegen, denn in unserem Wortschatz lautet das Synonym für „kinderfrei“ schlicht und einfach „Saunatag“. Aber Sauna, wenn es draussen wärmer ist als in der Schwitzhütte? Sowas kommt nicht mal uns in den Sinn. Der freie Tag lässt sich aber auch nicht einfach auf kühlere Zeiten verschieben, denn a) weiss kein Mensch, ob die je wieder kommen, b) kommen Nummer zwei, drei und vier am Samstag wieder zurück und Karlsson wird ganz bestimmt nicht auf die ganze Truppe aufpassen und c) würde er uns wegen Vertragsbruchs anklagen, wenn wir morgen früh sagten: „Wir bleiben nun doch lieber zu Hause…“

So sind wir also gezwungen, uns ein Alternativprogramm auszudenken. „Meiner“ hat vorhin etwas von „wandern zwischen Gewässern“ gebrabbelt. Ich habe vorerst mal mit einem zweideutigen „Hmmmm“ geantwortet, aber wenn ich nicht ganz schnell eine bessere Idee liefere, muss ich mir am Ende noch eine handfeste Ausrede ausdenken und dafür ist es eindeutig zu heiss. Vorschläge sind also willkommen. (Aber bitte nicht zu teuer, Karlssons Stundenlohn ist nämlich nicht ganz ohne. Der Babysitter von damals war eindeutig überbezahlt…)

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Du denkst doch dran, Mama?

Das Prinzchen im Fünfminutentakt: 

„Nicht vergessen, Mama, wir müssen noch Turnzeug kaufen für mich. Für die Schule, weisst du.“

„Denkst du dran, dass ich noch Bleistifte brauche vor dem ersten Schultag?“

„Mama, weisst du denn eigentlich, an welchem Tag die Schule beginnt? Nicht dass wir den ersten Tag verpassen.“

„Du hast nicht vergessen, dass die Turnschuhe keine schwarzen Sohlen haben dürfen, nicht wahr?“

„Aber wir haben ganz bestimmt noch genügend Zeit, alles zu besorgen, bevor die Schule beginnt, oder?“ 

„Haben wir einen wasserdichten (sic!) Stift? Wir müssen ja noch alles anschreiben. Nicht vergessen, gell Mama…“

„Eine Schachtel sollte ich noch haben. Reicht es, wenn wir sie nächste Woche kaufen, oder hat die Schule dann schon angefangen?“

„Meine Schulsachen sind alle schon gepackt. Also ja, alles, was ich schon habe. Du denkst doch dran, dass ich noch nicht ein paar Sachen brauche? Ich will wirklich alles dabei haben, wenn die Schule anfängt…“

Mein liebes Prinzchen, du denkst doch nicht etwa, ich würde so etwas Wichtiges wie deinen ersten Schultag verpassen? Und überhaupt: Du weisst doch, dass ich nun schon seit vielen Jahren deine Geschwister durch die Schulzeit begleite und in solchen Dingen ein alter, erfahrener Hase bin, auf den man sich blind verlassen kann. Oder willst du etwa behaupten, ich hätte bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter jemals nur den klitzekleinsten Papierschnipsel vergessen? 

(Wie, hat da einer gelacht? Vielleicht sogar ein Lehrer?)

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Ja, mein Prinzen,

Ausschlafen im Hause Venditti

Mit nur zwei Kindern im Haus könnte man mal so richtig ausschlafen, finde ich.

„Meiner“ findet das auch, darum verlässt er das Bett erst irgendwann zwischen Morgengrauen und halb acht.

Prinzchen findet das auch und schläft deshalb, bis es wirklich nicht mehr anders geht, also so bis gegen Mittag.

Karlsson findet das auch und tigert deshalb ab sechs Uhr so leise wie möglich durchs Haus, ringt gegen seinen inneren Drang, in die Tasten zu hauen und setzt sich dann pünktlich um neun ans Klavier, um endlich die Edith rauszulassen. 

Um fünf nach neun komme ich mit Brummschädel und mieser Laune aus dem Bett getorkelt. „Kann man in diesem Haus eigentlich nie ausschlafen?“, grummle ich und mache mich an der Kaffeemaschine zu schaffen. „Aber du hast doch ausgeschlafen“, protestieren „Meiner“ und Karlsson im Chor und das Prinzchen, dieser miese Verräter, schnarcht einfach weiter, anstatt sich auf meine Seite zu stellen und zu sagen, dass es doch einfach auf keine Kuhhaut geht, die Leute zu solch unchristlichen Zeiten aus dem Bett zu werfen. 

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Fundstücke

Was tut die Bloggende, wenn ihr in der Hitze des Sommers die Ideen ausgehen, sie aber ganz genau weiss, dass manche Menschen sich ernsthafte Sorgen machen, wenn sie mehr als zwei Tage hintereinander nichts von sich vernehmen lässt? Na, was wohl? Sie schaut nach, mit welchen Suchbegriffen sich die Leute auf ihre Seite verirren und findet Folgendes: 

  • „Teenager keine sauberen Kleider“ – Also, ich würde es mal mit der Waschmaschine probieren. Aber vielleicht geht es ja eher um die Frage, wie man einen Teenager überhaupt dazu bringt, die schmutzige Wäsche aus dem Zimmer freizugeben, zu dem die Eltern keinen Zutritt haben. In diesem Fall ist Geduld gefordert, denn nach meiner Erfahrung werden die Kleider erst aus der Geiselhaft entlassen, wenn wirklich gar nichts Sauberes mehr da ist. Man sagt, manche Teenager würden unter diesem extremen Druck sogar auf wundersame Weise die Bedienung der Waschmaschine erlernen, allerdings erst, nachdem sie ihren Erzeugern vorgehalten haben, sie würden sich nie, aber auch gar nie um die Wäsche kümmern. 
  • „wan sind kinder aus dem gröbsten raus“ – Also zuerst müssten wir natürlich mal definieren, was „das Gröbste“ ist, aber ich nehme an, die arme Person, die aus lauter Verzweiflung nicht mal mehr in der Rechtschreibung Halt fand, wollte wissen, wann das endlich ein Ende nimmt mit diesem Affentheater und darauf kann ich nur antworten: Es nimmt kein Ende. Sobald deine Kinder halbwegs vernünftig sind, wirst du selbst auf einmal anstrengend, oder deine Schwiegermutter tut schwierig, oder dein Partner will plötzlich einen Fahrraddress und Dauerwellen, oder der verschollen geglaubte Grossonkel taucht auf und will bei euch einziehen, oder… Kurz: Einer spinnt immer und darum versuchst du am besten, das alles mit Humor zu nehmen, dann ist „das Gröbste“ auch gar nicht mehr so schlimm. 
  • „geschaftdtuchtig“ – Die Person ist offensichtlich nur bei mir gelandet, weil die Suchmaschine dieses Buchstabenkonstrukt nicht als das Wort „geschäftstüchtig“ erkannt hat. Über Geschäftstüchtigkeit lernt man bei mir nun wirklich nichts, denn wenn mir eines nicht liegt, dann ist es, die Dinge zu Geld zu machen, die mir liegen. 
  • „mein tochter eine auge gross als die linke“ – Also, wenn der Grössenunterschied nicht allzu markant ist, würde ich mir da keine Sorgen machen, aber ich bin natürlich keine Expertin. 
  • „Gummistiefel auf dem Schulweg tragen“ – Spricht etwas dagegen? 
  • „Wann ist Burrata schlecht“ – Nie! Burrata ist immer gut. Es sei denn, sie wäre verdorben und dann riecht man das auch. 
  • „Bekomme ich Schnupf im Tamar“ – Also, das würde mich jetzt wirklich auch interessieren. Kann da jemand weiterhelfen? 
  • „Wird sie in einem Elternbrief gross geschrieben“ – Aber natürlich! Es sei denn, Sie schreiben über sie, dann schreiben Sie „sie“ klein. 
  • „Wie schlagen in Süditalien die Kirchenglocken“ – Auch eine interessante Frage, aber da ich gerade nicht das geringste Bedürfnis verspüre, nach Süditalien zu reisen, reiche ich sie grosszügig weiter. 
  • „Käfer im menschlichen Darm“ – Ja, ich weiss, ich schreibe immer mal wieder gerne über die lieben kleinen Käferlein, die uns regelmässig heimsuchen, aber das muss man nicht so wörtlich nehmen. Also keine Maikäfer und so. 
  • Papa Moll Bedeutung“ – Wie jetzt, der hat eine tiefere Bedeutung? Der ist gar nicht so oberflächlich und bünzlig, wie ich immer gemeint habe? 
  • „high effekt lunch break“ – Tut mir leid, da kann ich nicht dienen. Mein „lunch break“ hat einzig den „effekt“, dass ich danach ganz dringend ein Mittagsschläfchen halten will und ich glaube nicht, dass das als „high effekt“ durchgeht. 
  • „putzen in Griechenland javel“ – Echt jetzt, ich glaube, in Griechenland haben sie derzeit andere Sorgen. 
  • „grose bose alte hexe“ – Jetzt mal langsam! Erstens bin ich nicht gros, als besonders bose bin ich auch nicht bekannt, alt bin ich einzig in den Augen meiner Kinder und eine Hexe bin ich meines Wissens auch nicht, also hör gefälligst auf, mich zu beleidigen. 
  • „Smartieskuchen Kinder“ – Wie oft muss ich noch sagen, dass ich keine Smartieskuchen backe? Und ihr sollt gefälligst auch endlich damit aufhören, wenn ihr nicht wollt, dass den Lehrern eurer Kinder das Zeug irgendwann aus den Ohren kommt, weil die Kinder nie etwas anderes mitbringen. 
  • „beautiful finditti“ – Find ich irgendwie noch fitzig, äääähm, ich meine witzig. 
la collina; prettyvenditti.jetzt

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Er ist doch noch so klein…

Langsam wird’s mir wirklich ein bisschen viel mit diesen Meilensteinen. Letzte Woche schloss das Prinzchen den Kindergarten ab und beendete damit die zehnjährige „Vendittis im Kindergarten“-Ära. Luise sagte der Primarschule Adieu und ist mir zugleich über den Kopf gewachsen. Also, ich meine jetzt, von der Grösse her, sonst Gott sei Dank noch nicht, auch wenn sie es immer mal wieder probiert. Und Karlsson fängt auch schon an, sentimental zu werden, weil „diese Schulzeit ja wirklich so furchtbar schnell vorbeigegangen ist. Ein Jahr nur noch…“ Als ob das alles für eine Gefühlsduselige wie mich nicht ausreichen würde, reist Zoowärter morgen zum ersten Mal ins Jungscharlager. Zoowärter? Jungscharlager? Spinnen die denn? Der Kleine ist doch erst….also ja….ich meine, alt genug ist er schon, und klein ist er ja auch nicht, aber er ist doch wirklich noch nicht so richtig….wie soll ich sagen? Also verglichen mit Karlsson ist er doch noch ein Zwerg und ganz bestimmt nicht reif fürs Lager. Ja, ja, ich weiss, vom Jahrgang her stimmt das schon, aber….

Ach, was soll’s? Ich kann vor mich hin brabbeln, so viel ich will, kann versuchen, irgendwie zusammenzrechnen, wo denn die Zeit geblieben ist. Aber das ändert auch nichts an der Tatsache, dass jene recht hatten, die damals, als die jetzt schon fast Grossen noch klein waren, prophezeiten, die Zeit mit Kindern würde wie im Flug vergehen.

Na ja, immerhin ist dem Zoowärter vor dem Jungscharlager-Meilenstein fast noch mulmiger als mir.

(Himmel, das ist doch kein Trost! Ich weiss ja nur zu gut, wie sich der Arme die Seele aus dem Leib heult, wenn er traurig ist und was wird dann, wenn er so richtig Heimweh bekommt?)

mangiare uno; prettyvendittti.jetzt

mangiare uno; prettyvendittti.jetzt

Wie war das nochmal mit diesen Mokassins?

Arbeitsunfäig? Der? Aber im Garten arbeiten, das kann er. Und die andere ist ganz selber Schuld, dass ihr Typ sie hat sitzen lassen. Hätte sich eben ein wenig um ihr Aussehen kümmern müssen, dann wäre er bestimmt geblieben. Dass ihr Sohn dann auch noch den Job verloren hat, wundert auch keinen. Ist halt so ein typischer Jugendlicher, ohne Durchhaltevermögen und Rückgrat. Ja, ja, ich weiss, die erzählen, der Chef sei total unfair gewesen, habe ihn auf die Strasse gestellt, weil er zu oft krank war, aber der bleibt ja auch bei jeder Erkältung zu Hause. Wie jetzt, ernsthafte Erkrankung? Wer’s glaubt! Verweichlicht ist der, sonst nichts. Und diese Flüchtlinge erst! Würden besser in ihrem Land bleiben und sich dafür einsetzen, dass es dort besser wird. So schlimm kann das in Syrien ja auch wieder nicht sein, dass man gleich mit Sack und Pack abhauen muss. Also wenn ich dort wäre, würde ich ganz bestimmt nicht… Und wenn die Griechen endlich ein Einsehen hätten, dann wäre das Problem in Nullkommanix gelöst. Die müssten halt einfach mal…

So hört und liest man pausenlos und allmählich fange ich an, mich nach dem Spruch zu sehnen, den sie einem in den Neunzigern immer um die Ohren gehauen haben. Ihr wisst schon, die Sache mit dem Mokassins, in denen man erst mal eine Meile gehen soll, ehe man ein Urteil fällt. Mir scheint, der sollte mal wieder in Mode kommen. Nicht so inflationär wie damals, einfach so ein bisschen, damit die Leute wieder denken, ehe sie die Klappe aufreissen. 

our secret; prettyvenditti.jetzt

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Brot-Snobs

Karlsson findet, im Restaurant, wo er neulich mit der Klasse zum Brunch war, hätten sie keine Ahnung, wie man anständige Baguettes und Croissants bäckt. Zoowärter beklagt sich, das Brot in der Migros sei auch nicht mehr, was es mal gewesen sei. Viel zu weich, fast schon wie Gummi sei es. Kommt ausnahmsweise mal wieder ein Brot aus der Bäckerei auf den Tisch, geht des Gemotze erst recht los. Das Zeug könne man nun wirklich nicht essen, ob ich es überhaupt noch verantworten könne, in einem Laden Geld auszugeben, der so wenig auf anständige Qualität gebe, wollen die Knöpfe unisono wissen. 

Nach aussen gebe ich natürlich die Moralistin. „Nun seid doch dankbar für das, was ihr habt. Andere Kinder müssen hungern“, sage ich, wenn sie jammern, weil gerade nichts Ofenfrisches zu haben ist. Insgeheim bewegt es mich aber sehr, dass sie inzwischen zu regelrechten Snobs in Sachen Brot geworden sind, denn damit sagen sie mir, dass ich auf meinem Weg, richtig gutes Brot zu backen ein ganzes Stück weiter gekommen bin. Und eigentlich bin ich kein bisschen besser als meine Brut, habe ich doch gestern, als „Meiner“ und ich endlich mal wieder ein paar Momente ohne Kinder in der Bar am Fluss sassen, das Brot kaltschnäuzig verschmäht, obschon es eines war, das ich vor noch nicht allzu langer Zeit als durchaus gut bezeichnet hätte. 

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