Wer sich das (nicht) antun sollte

Wenn man…

  • keine Tomaten mag oder die Farbe Rot nicht ausstehen kann,…
  • keinen anständigen Stabmixer hat,… (Na ja, mein Stabmixer ist auch nicht anständig, ich rede mir immer nur ein, er sei es und dann merke ich doch, dass es nicht so ist. Dann stehe ich wieder verzweifelt bei meiner Mutter in der Küche und bitte sie, mir ihren auszuleihen, ein altes Ding aus dem letzten Jahrhundert, das nichts anderes kann als mixen, das aber sehr gut.)
  • an sonnigen Herbsttagen nicht stundenlang in der Küche stehen möchte,…
  • keinen Sinn darin sieht, etwas selber zu machen, was man ebenso gut im Laden kaufen könnte,…
  • der italienischen Verwandtschaft beweisen will, dass man das ebenso gut kann, wie die,… (Vergesst es, die können das ohnehin besser. Die sind viel besser ausgerüstet und lernen schon im Mutterleib, wie man das macht.)
  • Ambitionen auf den Titel „Domestic Goddess 2014“ hat,… (Spart euch die Mühe, mit Tomaten beeindruckt man keinen. Perfekt verzierte Torten sind weitaus fotogener.)

…dann sollte man sich auf gar keinen Fall dazu verleiten lassen. 

Wenn man aber…

  • beim Anblick von tiefroten Tomaten, die vor kurzer Zeit noch in der Sonne Süditaliens reiften, beinahe in Freudentränen ausbricht,…
  • einen Keller voller Weckgläser hat, die ganz dringend wieder gebraucht werden möchten,…
  • gerne weiss, dass ausser den Tomaten nichts anderes im Einmachglas landen wird,…
  • es satt hat, immer überall Nestlé & Co. auf den Etiketten lesen zu müssen, obschon man überzeugt war, dass das bis anhin bevorzugte Produkt auf keinen Fall von denen sein kann,…
  • einen Gemüsehändler im Nachbardorf hat, der nicht nur schönste Ware zu anständigen Preisen anbietet, sondern einem das Zeug auch ins Auto lädt,…
  • einfaches Essen mit vorzüglichem Geschmack liebt,…
  • vielleicht einen ganz kleinen und vollkommen harmlosen Knall hat,…
  • mit Menschen befreundet ist, die den gleichen kleinen und vollkommen harmlosen Knall haben und deshalb einen schlechten Einfluss auf einen ausüben,…

…dann kann man gar nicht anders, als hundert Kilo Tomaten zu kaufen, um sie einzumachen. Obschon man sich manchmal fragt, warum man sich so eine Knochenarbeit überhaupt antut, wo man doch in jedem Laden Tomatenkonserven kaufen kann. 

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Wie viel Abenteuer liegt drin?

Lange haben wir nicht mal den Kindern viel davon erzählt, doch jetzt, wo das Projekt bewilligt ist und die Schuldispens der Kinder schriftlich vorliegt, dreht sich fast alles nur noch um diese zwei Monate, die wir im kommenden Frühling im Ausland verbringen werden. Die Reaktionen der Kinder reichen von „Ich weigere mich, zu packen und dann müsst ihr eben ohne mich gehen“ (Luise) über „Müssen dann alle anderen in den Kindergarten, nur ich nicht?“ (Prinzchen) bis zu „Wenn doch bloss schon April wäre…“ (Karlsson).

Die Reaktion von Freunden und Verwandten:

F & V: „Coooooool! Wohin geht ihr?“

Wir: „Südfrankreich.“

F & V: „Äääääh….“

Wir: „Die Kinder wollen auf gar keinen Fall in den Norden. Aber Südfrankreich ist ja auch toll. Und für unser Projekt ganz ideal…“

F & V: „Ääääääh….“

Ich kann die Reaktion durchaus verstehen. Mir ging’s anfangs ganz ähnlich. Da hat man einmal im Leben die Chance, mit der Familie zu verreisen und dann schafft man es nicht weiter als bis ins Nachbarland. Schon mal was von Südamerika gehört? Von Hawaii? Von Indien? Von Madagaskar? Oder von der Arktis?

Klar doch, ja, davon gehört haben wir auch schon und von der einen oder anderen Sache auch schon geträumt. Aber das alles ist uns…na ja, wie soll ich sagen?…ein wenig zu…also nur ein ganz kleines bisschen…zu…ääähm…abenteuerlich. Die Begegnungen mit fremden Kulturen fänden wir zwar durchaus reizvoll und auch vor einer langen, komplizierten Reise fürchten wir uns nicht –  Immerhin sind wir schon unversehrt der Deutschen Bahn entstiegen –  und nicht mal der Aufwand mit Visa, Impfungen und dergleichen würde uns abschrecken.

Die Sache, vor der wir uns fürchten, ist das eigene Familienchaos, das uns ganz bestimmt auch ins Ausland begleiten wird. Nur schon bei der Frage, ob Prinzchens Bä! eine Einreisebewilligung in die USA bekäme, wird’s kritisch. Oder nehmen wir mal an, eine ähnliche Geschichte wie diejenige mit Karlssons geplatztem Blinddarm würde sich in einem Land abspielen, dessen Sprache wir nicht mächtig sind… Allein schon beim Gedanken daran laufen mir kalte Schauer über den Rücken. Dann wären da noch der FeuerwehrRitterRömerPirat, der schon in Prag mit Reisedurchfall zu kämpfen hatte und  Zoowärters ausgeprägte Arachnophobie, die bereits im heimischen Garten zu einem echten Problem werden kann. Gewisse Reiseziele sind also zum Vornherein ausgeschlossen. Und was, wenn Luises Heimweh so schlimm wird, dass sie ganz dringend Besuch aus der Heimat braucht? Die Grossmama lässt sich bestimmt nicht nach Hong Kong einfliegen, aber über Südfrankreich liesse sie vielleicht mit sich reden, obschon sie Auslandreisen vor langer Zeit abgeschworen hat. Und dann wäre noch die Sache mit dem Homeschooling, die wir der Schule versprochen haben, damit sie unsere Kinder ziehen lassen. Das erste Protestgeschrei – „Nein, wir schreiben ganz bestimmt keinen Reiseblog! Wie doof ist denn das?!“ – lässt mich ahnen, dass in diesem Bereich mit Widerstand zu rechnen ist.

So schön es auch sein mag, Länder zu bereisen, die wir noch nie bereist haben, das Abenteuer, mit unserer Familie unterwegs zu sein, bietet mehr als genug Potential für Überraschungen. Da bleiben wir doch lieber in der Nähe, wo uns die Dinge mehr oder weniger vertraut sind.

Ach, herrje, wie klingt dieser letzte Satz doch kleinkariert!

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Gewohnt ungewöhnlich

Er ist gekommen, der Tag, an dem ich zur nicht ganz schmerzfreien Erkenntnis komme, dass es gewöhnliche Tage in meinem Leben ganz einfach nicht gibt. Ich meine diese Tage, an denen du abends zufrieden sagen kannst, dass du mehr oder weniger das erreicht hast, was du dir am Morgen vorgenommen hast. Tage, die so vollkommen frei waren von Drama, dass du abends nicht so recht weisst, was du bloggen sollst. Okay, manchmal schreibe ich abends wirklich nicht mehr, dann aber meistens, weil ich vollkommen durch den Wind bin, weil der Tag mal wieder gemacht hat, was er will.

Dabei gibt es in meinem Leben inzwischen durchaus Tage, die das Potential dazu hätten, ganz vorhersehbar und langweilig zu werden. Heute zum Beispiel standen die Chancen so gut wie noch selten: Vier Kinder von acht bis halb drei auf Sternwanderung, „Meiner“ mit seiner Schulklasse ebenfalls irgendwo im Wald und Karlsson auf einer Betriebsbesichtigung im Medienhaus, weil er sich – unter gewissen Umständen, vielleicht, wenn nichts anderes interessanter ist – vorstellen könnte, irgendwann mal in Mamas journalistische Fussstapfen zu treten. Eine seltene Gelegenheit also, mal in aller Seelenruhe meine Zeitungskolumne zu schreiben, ein paar Interviewpartnerinnen anzurufen, einen Text fertig zu stellen und später vielleicht bei einem Waldspaziergang die Herbstsonne zu geniessen. Mit etwas Glück würde ich sogar noch ein wenig an meinem Nicht-Pflichtstoff weiter schreiben. Ein halbes Kapitel, vielleicht sogar ein ganzes…

Natürlich kam es mal wieder anders: Ein Anruf der Kindergärtnerin aus dem Wald. Das Prinzchen habe sich am Kopf verletzt, ich müsse ihn holen kommen. Kein Problem, Frau Kindergärtnerin, ich lasse selbstverständlich alles stehen und liegen, teile der Redaktion mit, dass die Kolumne sich verspätet und dann sehe ich mal, wo ich ein Auto auftreiben kann, weil unseres gerade nicht zu Hause ist. Meine Schwester kann einspringen, allerdings nicht allzu lange, denn nachher muss ihr Mann zur Arbeit. Eine halbe Stunde lang kurven wir durch den Wald, finden zahlreiche Schulklassen, doch leider nicht die Kindergartenklasse des Prinzchens und weil die Leute aus dem Dorf leider auch nicht wissen, wo der gesuchte Weg ist, fahren wir zurück nach Hause, wo ich noch einmal die Kindergärtnerin anrufe (Nein, ich habe leider derzeit kein Handy und nein, ich will nicht erzählen, wie es dazu gekommen ist. Diese Geschichte ist schlicht zu langweilig.) Ich bekomme eine etwas exaktere Wegbeschreibung, der Nachbar ist so freundlich, mich diesmal in den Wald zu chauffieren. Wieder finden wir den gesuchten Weg nicht, wieder nach Hause, um die Kindergärtnerin um eine noch etwas genauere Wegbeschreibung zu bitten. Und ihr zu sagen, sie solle doch bitte, bitte, bitte, wenn es sich irgendwie machen liesse, an die Strasse runter kommen mit dem Prinzchen, damit wir ihn diesmal auch ganz sicher finden würden.

Das klappt, fast zwei Stunden nach dem Anruf und damit auch deutlich nach dem Abgabetermin meiner Kolumne nehme ich ein ziemlich trauriges aber Gott sei Dank nur leicht verletztes Prinzchen in Empfang. Nach der Erstversorgung ist klar, dass es für einmal ohne Notarzt geht und so kann ich mich –  ohne mir vorwerfen zu müssen, eine Rabenmutter zu sein –  meinem Text zuwenden, bis die Mittagspause der Apotheke vorbei ist und ich Pflasterstreifen holen kann.

Ist es unzerbrüchlicher Optimismus oder grenzenlose Naivität, dass ich mir am Ende des Schreibens und vor der Apotheke ein kurzes Bad gönnen will, um wenigstens noch einen Hauch von Freiheit zu geniessen? Egal, was von beidem es ist, nach dem dritten Anruf innerhalb von zehn Minuten ist klar, dass so etwas einfach nicht geht. Mama Venditti soll sich unterstehen, mitten in der Woche so zu tun, als hätte sie Anrecht auf eine kleine Verschnaufpause. 

Tja, und dann, als Prinzchens Wunde endlich geklebt ist, sind auch schon wieder alle zu Hause und der Teil des Tages, der für einmal ganz langweilig und vorhersehbar mir hätte gehören sollen, ist in gewohnter Ungewöhnlichkeit an mir vorbeigegangen. 

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Ist ja ganz nett, aber…

Das Home Office wird allmählich populär. Endlich. Man scheint zu begreifen, dass man gewisse Arbeiten auch zu Hause am Computer erledigen kann, anstatt erst lange im Stau zu stehen und sich danach im Grossraumbüro durch das Geschwätz der Mitarbeitenden ablenken zu lassen. Einige Chefs haben sogar endlich verstanden, dass Mitarbeitende Kinder haben und gerne Wege finden, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. 

Weil Home Office populär ist, gibt’s jetzt auch Werbung zum Thema. Da sieht man dann den Papa mit Augenklappe und Piratenkopftuch, wie er glücklich und zufrieden an seinem Laptop bei der Arbeit sitzt. Eben noch hat er mit seinen Jungs herumgealbert und jetzt wendet er sich für eine Weile seiner anderen Arbeit zu. Ein hübsches Bild, ich geb’s zu, aber leider eines, das nicht ganz der Realität entspricht.

Das Werbebild des fröhlich arbeitenden Piraten-Papa vermittelt den Eindruck, Home Office müsse man nicht so ganz ernst nehmen, das sei mehr Spass als Arbeit. Es sieht nach purem Vergnügen aus, nicht nach Arbeit, die ebenso seriös erledigt sein will, wie wenn wir mit unseren Kollegen im Büro sässen. Es sieht aus, als könnten wir ganz locker unseren Kindern volle Aufmerksamkeit schenken und zugleich beste Arbeit liefern. Dabei müssen auch wir, die wir zu Hause arbeiten, eine klare Trennung zwischen Familie und Arbeit hinkriegen, denn sonst kümmern wir uns am Ende dann um die Kinder, wenn wir eigentlich arbeiten müssten und dann um die Arbeit, wenn eigentlich die Kinder dran wären. 

„Ist ja bloss eine Werbung. Muss man nicht so ernst nehmen“, mag der eine oder andere einwenden, aber ganz so einfach ist es leider nicht. Wird Home Office nicht ebenso ernst genommen wie Arbeit ausser Hause, dann geschieht das, was ich immer und immer wieder erlebe: Die Lehrerin schickt das Kind wegen einer Bagatelle nach Hause, da „die Mama ja ohnehin da ist“. Bekannte platzen jederzeit zum Kaffee rein, weil man im Home Office ja auch später noch arbeiten kann.   Sogar die eigene Familie erwartet zuweilen stillschweigend, dass man den eigenen Arbeitsplan den Plänen der verschiedenen Familienmitglieder unterordnet, weil man ja flexibel ist. 

Klar, einer der grossen Vorteile von Home Office ist tatsächlich, dass wir umdisponieren können, wenn es mal wirklich brennt. An den anderen Tagen aber möchten auch wir ganz gerne möglichst geregelt unserer Arbeit nachgehen. Damit wir dann, wenn wir fertig sind, die Augenklappe montieren können, um das Schiff zu entern.

Na ja, ich würde mir wohl eher ein Lieder- oder Bilderbuch schnappen oder mit den Kindern in den Garten gehen. Wenn ich denn nicht andauernd in den Bildschirm starren müsste, weil die Arbeit wegen andauernder Unterbrechungen liegen geblieben ist.

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Mummy?

Diese Anfrage hat mich zutiefst verunsichert: Ob ich vielleicht an einem Mummy-Blogger-Event zur Lancierung eines neues Putzmittels teilnehmen wolle, fragte eine Kommunikationsagentur an. Auf dem Programm steht Cupcake-Backen mit einer bekannten Mummy-Bloggerin, danach wird gemeinsam die Küche geputzt, natürlich mit dem Produkt, das an die Frau gebracht werden soll. „Und keine Angst“, so schreibt die Frau von der Agentur vermutlich augenzwinkernd, „die Cupcakes, nicht das Putzen, werden die Hauptaktion sein.“ Hihihi! Ihr, meine lieben Leser, hättet auch noch etwas davon. Ich dürfte nämlich nicht nur viele lobende Zeilen über das sensationelle Produkt veröffentlichen, ich dürfte auch ein paar Putzmittel verlosen.

Seitdem ich diese Nachricht gelesen habe, geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf: In welchem meiner rund 1800 Texte, die ich in den vergangenen Jahren hier geschrieben habe, habe ich den Eindruck erweckt, in meinem Leben drehe sich alles um perfekte Sauberkeit und noch perfekteres Backwerk? Okay, ich backe gern – anständige Cupcakes bringe ich trotzdem nicht zustande -, Putzen muss ich gezwungenermassen auch, was hier hin und wieder durchschimmert, und natürlich erfährt man so mehr oder weniger zwischen den Zeilen auch, dass ich Kinder habe. Aber macht mich all dies wirklich zur „Mummy-Bloggerin“ (Wenn ich nur schon dieses Wort lese….grrrrrrrrrr!)?

Bitte, bitte, bitte sagt mir, dass ihr hier nur mitlest, weil ihr mein virtuelles Geschwätz soooooooooo unglaublich tiefsinnig und humorvoll findet und nicht, weil ihr hier die perfekte „Mummy“ zu finden hofft, die euch zeigt, wie ihr euren Liebsten trautes Heim, Glück allein und dergleichen bieten könnt. Letzteres würde mich nämlich dazu zwingen, die Bloggerei umgehend einzustellen und was würde ich dann mit meiner Zeit anfangen? Am Ende käme ich noch auf die Idee, zu putzen…

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Fiktives Gespräch mit Z.

Ich: „Ääääh, guten Tag, ich hätte gern ein Paar Schuhe…“

Z: „Für Damen, Herren, Mädchen oder Jungs? Grösse? Designer? Preis? Vielleicht noch ein paar passende Accessoires daz…“

Ich: „Halt, nicht so schnell! Lassen Sie mich erst mal überlegen. Also…es müssten Damenschuhe sein…“

Z: „Schnürschuhe? Halbschuhe? Ballerinas? Gummistiefel? Winterstiefel? Sneak…“

Ich: „Nicht so schnell, hab‘ ich gesagt. Ich hab’s ja gewusst, dass das keine gute Idee war, bei Ihnen vorbeizuschauen…“

Z (völlig unbeirrt durch meinen Einwand): „…ers? Wanderschuhe? High Heels?…“

Ich: „Also, ich hätte gern ein Paar Schnürschuhe und zwar farbige, wenn möglich in Pink oder Violett. Grün oder gelb wäre auch ganz schön…“

Z: „Tjaaaaa, da hätten wir etwas in Nachtblau….“

Ich: „Nachtblau ist mir nicht farbig genug.“

Z: „…oder in Schwarzviolett….“

Ich: „Da könnte ich ebenso gut schwarz nehmen. Viel zu dunkel….“

Z: „Schwarzbraun hätten wir auch noch…“

Ich: „Ich muss Sie doch bitten! Das nennen Sie farbig? Himmel, ich will etwas Buntes für den grauen Winter. Verstehen Sie? B-U-N-T!“

Z: „Na ja, da hätten wir noch ein Modell in Zartrosa…“

Ich: „Das nenne ich nicht Zartrosa, das nenne ich leicht schmutziges Weiss…“

Z: „…und hier ein bunt-geblümtes Öko-Modell, echtes Leder, sorgfältigste Verarbeitung…“

Ich: „Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Am Preis müssten wir allerdings noch arbeiten. Ich schwimme ja nicht im Geld. Zeigen Sie mir doch noch ein paar ähnliche Modelle.“

Z: „Wie jetzt, ähnliche Modelle? Das ist das Bunteste, was wir haben. Wissen Sie, die modebewusste Frau trägt vorzugsweise schwarz oder braun…“

Ich: „Himmel, ich bin nicht modebewusst, ich bin farbenbewusst und da Sie von sich selber behaupten, Sie würden die Frauen dazu bringen, vor Glück zu schreien, hätte ich erwartet, dass Sie auch einer wie mir etwas zu bieten hätten.“

Z (spitz): „Tja, wenn Sie das nötige Kleingeld hätten…“ 

Ich: „Tja, wenn Sie Geschmack hätten…“

Ich schätze mal, die Wege von Z. und mir werden sich so bald nicht wieder kreuzen.

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Der böse (Un)bekannte

Verstehen kann ich es natürlich schon. Welche Mutter – und welcher Vater – möchte denn schon, dass dem geliebten Kind etwas zustösst, dass es zum Opfer eines durch und durch gestörten Menschen wird? Absolut nachvollziehbar also, dass die Briefe, die von den Schulleitern nach Hause geschickt werden, um vor dem „bösen Unbekannten“ zu warnen, die Runde in den sozialen Medien machen. Hier ein Mann, der versucht hat, zwei Mädchen in sein Auto zu locken, dort einer, der einem kleinen Jungen hat weis machen wollen, die Mama sei im Spital und habe ihn gebeten, das Kind von der Schule abzuholen. Meistens enden die Briefe mit dem beruhigenden Hinweis, die Kinder hätten sich zu wehren gewusst, hätten nach dem mit den Eltern vereinbarten Passwort gefragt oder seien einfach davongerannt. Gut gemacht, Kinder.

(Manchmal liest man dann zwei, drei Tage später in der Presse, der Vorfall habe sich gar nicht so, wie im Elternbrief beschrieben, ereignet. Der böse Unbekannte sei in Wirklichkeit der Fahrer eines Autos gewesen, der aus lauter Zufall an dieser Ecke angehalten habe. Aber beim Erscheinen dieser Pressemitteilungen hat sich die elterliche Angst bereits einem erneuten Fall zugewendet.)

Wie gesagt, ich kann die Angst vor dem „bösen Unbekannten“ verstehen, auch mich packt sie hin und wieder. Dennoch frage ich mich, ob wir Eltern uns nicht in einer falschen Sicherheit wiegen, wenn wir die Kinder einzig auf die Begegnung mit ihm vorbereiten. Natürlich ist das wichtig. Wie oft aber kann der „böse Bekannte“ ganz ungehindert sein Unwesen treiben, weil wir Eltern wie gebannt auf den „bösen Unbekannten“ starren? Das verstehe ich offen gestanden nicht, denn während der „böse Unbekannte“ für die meisten von uns – Gott sei Dank – eine unfassbare Angst bleibt, hat der „böse Bekannte“ nicht wenigen von uns, die wir uns um unsere Kinder sorgen, im Laufe des Lebens Schaden zugefügt. Warum also bereiten wir unsere Kinder so wenig auf die Begegnung mit ihm vor? (Nein, es muss nicht unbedingt ein Verwandter oder der Sporttrainer sein, auch Lehrer, Nachbarn und sogar Mitschüler beherrschen das grausame Spiel ganz gut.) 

Vielleicht gerade weil wir ihn kennen und ihm deshalb nicht zu nahe treten wollen, wenn er unsere Kinder zu verletzen droht? Vielleicht weil man sich vor dem, was man selber durchgemacht und überstanden hat, weniger fürchtet als vor dem, was man in den Medien liest? Vielleicht, weil hinsehen alte Wunden aufreissen würde? Vielleicht aber auch, weil die Scham zu gross ist, den Kindern offen von dem zu erzählen, was zutiefst verletzend war? 

Ich geb’s ja zu, es ist nicht ganz einfach, mit den Kindern über den „bösen Bekannten“ zu reden. Bleiben lassen sollten wir es dennoch nicht. 

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Gurkenrezept

Ob ich hier vielleicht mal mein Rezept für Essiggurken bringen würde, fragte shadowlessphoenix, als ich vor einiger Zeit darüber berichtete, wie unmöglich es ist, in Aarau eine anständige Gewürzmischung aufzutreiben. Ich versprach, dies zu tun, sobald ich die Gurken zum Verzehr freigegeben hätte und ich wüsste, ob etwas daraus geworden ist. Nun, offiziell müssten die Dinger noch immer schön brav im Regal stehen, bis das Aroma der Gewürze sich so richtig entfaltet hat, doch Luise und „Meiner“ mochten mal wieder nicht so lange warten und weil sie a) nach dem verbotenen Verzehr noch gesund und munter wirken und b) der Meinung sind, die Gurken seien ganz gut herausgekommen, bringe ich das Rezept eben heute schon. Bitte nehmt es mir nicht krumm, wenn ich keine von diesen perfekten „Seht mal her, wie toll ich gleichzeitig kochen, fotografieren und witzig schreiben kann“-Fotoreportage abliefere. Sowas liegt mir nicht. Wenn ich koche, koche ich und das sieht man meiner Küche auch an. Wenn ich schreibe, dann schreibe ich und dann ist mir die Küche egal. Und Essbares in Szene setzen zum Fotografieren kann ich schon gar nicht, wie man dem unterstehenden Bild auf den ersten Blick ansieht. Das Fotografieren müsste also „Meiner“ für mich übernehmen und der nervt nur beim Einmachen, weil er mir andauernd die Gurken wegschnappt.

Jetzt, wo dies alles geklärt ist, kommen wir endlich zum Rezept. Zuerst einmal schleppt man so viele Einmachgurken wie möglich vom Markt an. Einmachgurken? Also Cornichons, Miniature White, Cocktailgurken… – so kleines Zeugs halt, das gut ins Glas passt. Ich schätze, bei mir waren es etwa vier Kilo. Wäre übrigens nett gewesen, ich hätte die Gurken aus meinem eigenen Garten nehmen können, aber der Ertrag lässt in diesem Jahr leider zu wünschen übrig. 

Zum Würzen habe ich getrocknete Dillspitzen, Estragon, rosa Pfeffer, Pimentkörner, gelbe Senfsaat, Koriandersamen und Lorbeerblätter genommen, für die scharfe Version noch eingelegte Pipi Piri-Schoten. Alles bio, natürlich. Dazu zwei Liter stinkbilligen weissen Tafelessig (leider nicht bio) und zwei Liter nicht ganz so billigen weissen Gewürzessig.

Zu Hause kamen dann erst mal die grossen Einmachgläser – ich schwöre auf Weck – zum Sterilisieren  in den Einkochtopf, der Essig mit ca. zwei Liter Wasser und einer grossen Handvoll Gewürze in eine grosse Pfanne zum Aufkochen auf den Herd. Wie, kein Zucker? Nein, kein Zucker. Wir sind hier nicht in Deutschland und schmeissen überall Zucker rein. Ach ja, gewisse Menschen hätten jetzt auch noch die Gurken mit Salz bestreut und über Nacht stehen lassen, aber sowas liegt mir nicht. Solange das Resultat stimmt, verzichte ich gerne auf überflüssige Arbeitsschritte. Ich begnüge mich damit, die Gurken gut zu waschen und diejenigen, die zu gross sind fürs Glas, in Scheiben oder Streifen zu schneiden. 

Wenn die Gläser sterilisiert sind, kommen die Gurken ins Glas, wo sie mit dem Gewürzessig übergossen werden. Immer schön brav ins Glas und nicht über den Rand, wenn ich bitten darf, obschon ein bisschen Essig auf dem Rand angeblich nichts ausmachen soll. Die Piri Piri lasse ich übrigens bei der Hälfte der Gläser weg, weil bekanntlich nicht alle scharf darauf sind. Wenn die Gläser verschlossen sind, kommen sie nochmals für vierzig Minuten in den Einkochtopf und dann an einen dunklen Ort, wo die Gurken schön lange ziehen können, mindestens zwei Wochen, länger schadet auch nicht. Am besten hoch oben im Vorratsschrank lagern, damit Menschen wie Luise, die nicht warten können, nicht rankommen. „Meiner“ gibt sich ja unschuldig und behauptet standhaft, Luise hätte die Gläser jeweils aufgemacht und einer hätte das Zeug danach halt aufessen müssen.

 

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Die Instagram-Krise

Keine Frage, unsere Teenager befinden sich derzeit auf Konfrontationskurs. Kaum hat sich die Zahnfee-Krise gelegt, ist heute die Instagram-Krise ausgebrochen. Schuld daran ist einzig und alleine Luises Fleiss, der sich in letzter Zeit ganz gewaltig entwickelt hat. Das Kind hat sich ein Ziel gesetzt und um dieses Ziel zu erreichen, muss sie sich hinter die Bücher machen. Das haben nicht wir ihr gesagt, das hat sie selbst begriffen und darum lernt sie mit einem Eifer, den sie gewöhnlich nur für neue Schuhe, neugeborene Tiere, die Jungschar oder Familienfeste aufbringt. (Himmel, wie schafft sie das nur, sich im zarten Alter von elf Jahren nicht nur Ziele zu setzen, sondern diese auch zu verfolgen? Ich musste erst mal fünfzehn werden, einen anständigen Mathelehrer bekommen und mich von einigen schlechten Einflüssen distanzieren, ehe ich in der Lage war, mir zum Ziel zu setzen, wenigstens in Deutsch, Geschichte, Englisch und Französisch ganz vorne mitzumischen.)

Nun also, wo sie so fleissig war und sich die ersten Früchte ihrer Arbeit zeigten, war für Luise die Zeit gekommen, sich eine Belohnung zu gönnen und diese Belohnung sollte auf den klingenden Namen Instagram hören. Die hat sie sich dann auch sogleich ohne Rücksprache mit uns heruntergeladen und in Betrieb genommen. Nun gut, Luise behauptet natürlich, ich hätte die Erlaubnis erteilt. Offenbar verstand sie mein „Lass uns mal in Ruhe darüber sprechen“, das ich zwischen Tür und Angel aussprach, als „Aber natürlich darfst du dir Instagram herunterladen. Und wo du schon dabei bist, könntest du dir doch auch noch ein Facebook-Profil einrichten.“ Mit glänzenden Augen teilte sie mir heute mit, sie hätte bereits drei Freunde auf Instagram und werde jetzt dann gleich noch den Papa anfragen. Ob ich wisse, wie der auf Instagram heisst. 

Ich war nicht gerade erfreut ob dieser Nachricht, war aber nach einigem Nachdenken gewillt, Luise diese Belohnung zu gönnen. Immerhin wird sie in ein paar Monaten zwölf und da sie sich der Gefahren von Social Media nicht nur bewusst ist, sondern diese auch sehr ernst nimmt und mir freiwillig alles Unangenehme, das ihr bei WhatsApp begegnet, haarklein schildert, glaubte ich, ihr Instagram zutrauen zu können. „Meiner“ sah das ähnlich und Luise durfte ihre weiteren Schritte auf Instagram mit elterlicher Genehmigung machen. Zu dumm, dass Luise schon bald einmal ihrem grossen Bruder in die virtuellen Arme lief  – war vielleicht nicht besonders schlau von ihr, sein Bild zu liken – und dieser war alles andere als erfreut über die Begegnung mit seiner Schwester. 

Das Gewitter der Entrüstung entlud sich natürlich über mir. Nie habe ich ihm etwas erlaubt, immer musste er warten, bis ich endlich mein Einverständnis gab. Luise muss nicht mal fragen, er aber musste mich auf den Knien anflehen. Dann macht er ab jetzt eben auch einfach, was er will und nein, er wird mir nie verzeihen, egal, wie sehr ich mich darum bemühe, die Sache wieder ins Lot zu bringen, etc. Wer mit einem Teenager unter einem Dach lebt oder nicht vergessen hat, wie er selber mal war, kennt die Leier. Und diese Leier hat durchaus ihre Berechtigung. Stelle ich mich auf Karlssons Position, kann ich nämlich die Ungerechtigkeit, die ihn zur Weissglut treibt, durchaus erkennen.

Was also tun? Eigentlich haben „Meiner“ und ich mal klipp und klar gesagt, Social Media gäbe es erst ab dem Alter, ab dem der jeweilige Dienst freigegeben ist und Luise hat diesen Entscheid untergraben. Andererseits gab es für Karlsson, als er in Luises Alter war, ein eigens für ihn ausgedachtes Mathe-Lern-Belohnungssystem, das Luise weder will noch braucht, weil sie sich selber motiviert. Ein Entgegenkommen in Sachen Instagram wäre also durchaus vertretbar…

Uns stehen wohl noch ein paar harte Krisengespräche bevor, ehe wir zu einem für beide Seiten fairen Entscheid gelangt sind. Immerhin aber haben die ersten Gespräche am runden Tisch bewirkt, dass die Zwei sich nicht mehr gegenseitig anknurren, wenn sie einander im Flur begegnen.

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Schlechtes Vorbild

Zuerst war’s ja noch ganz in Ordnung. Mit dem Anschleppen von Regenwürmern anstelle von Mäusen und Singvögeln zeigte sie meiner Meinung nach sogar so etwas wie ein ökologischen Bewusstsein. Es sah fast so aus, als ahnte sie, dass die Unmengen von Katzen, die in unseren Quartieren spazieren, das ökologische Gleichgewicht allmählich etwas überstrapazieren. 

Auch die Phase mit den Plastiksäcken konnte ich ihr noch halbwegs nachsehen. Gut, ich war nicht gerade erfreut über die zerfetzten Znünisäckli, die jeden Tag vor unserer Wohnungstür lagen. Immerhin aber nahm sie mir so die Arbeit ab, selber durchs Gebüsch zu kriechen um aus unserem Garten zu entfernen, was meine eigenen und die unzähligen fremden Schulkinder, die an unserem Haus vorbeigehen, liegen lassen. 

Die Holzphase, die dann folgte, war sogar ganz in Ordnung. So musste „Meiner“ nicht immer alles selber anschleppen, was er für seine Fotoprojekte braucht. 

Jetzt aber geht sie eindeutig zu weit. Nach dem zweiten Päckli „Marlboro Gold“ vor der Tür unseres Nichtraucherhaushaltes wird es Zeit für ein klärendes Gespräch mit Katzenmama Henrietta. Was gibt sie denn ihren Teenie-Töchtern für ein Vorbild ab? Und sie soll mir bloss nicht mit der Ausrede kommen, sie sei eben die überschüssigen Pfunde von der letzten Schwangerschaft nicht losgeworden und hätte darum angefangen. 

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